Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 46 (15.11.1928)
- Date
- 1928-11-15
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die Woche. Vereinigung ehemaliger Schüler und Schülerinnen der Samson Raphael Hirsch-Schule. Die anläßlich des 73jährigen Jubiläums der Schule zu Beginn des Jahres gegründete Vereinigung hielt am 11. November ihre 1. ordentliche Mitgliederversammlung ab,'die starken Besuch aus allen Altersklassen auswies. Der Vorsitzende des prov. Komitees, Herr Philipp P o - s e n, gab einen Ueberblick über die Entstehungsgeschichte der Vereinigung. Herr Ludwig Strauß erstattete den Bericht des prov. Komitees, aus dem sich ergab, daß der Verein heute bereits über 600 Mitglieder zählt. In Anbetracht des geringen Beitrags (jährlich Mk. 3.—, für Jüngere Mk. 1.30) wird ein weiteres Anwachsen der Mitgliederzahl zu erwarten sein. Der Verein, der lediglich die Förderung der Schulzwecke und den kameradschaftlichen Zusammenschluß der ehemaligen Zöglinge bezweckt, hat schon namhafte Beträge für die gesundheitliche ^Förderung der Schüler und die Herausgabe der „Mitteilungen" aufwenden können, da ihm — besonders von auswärts — freiwillige Spenden zuflosien. An den Bericht schloß sich eine kurze Debatte, in der Herr Professor Dr. Schüler die Struktur des Vereins darlegte. Der von Herrn R.-A. Martin Katz vorgelegte Statuten-Entwurf wurde mit geringen Abänderungen.angenommen Die Statuten sehen auch die Möglichkeit vor, Freunde der Schule, die nicht Schüler waren, mit dem gleichen Jahresbeitrag wie diese, auszunehmen. Die am Schluß der Versammlung vorgenommene Vorstandswahl ergab die Wahl folgender Liste, deren Zusammensetzung derjenigen des Vereins entsprechen dürfte: gewählt wurden die Damen: Bettina Bamberger, Hilde Joseph, Lenna Offenbacher und Lina Rosenbaum und die Herren: Jacob Eisenberg, Dr. med. Markus Hirsch, R.-A. Martin Katz, Manfred Neuberger, Studienrat Dr. Schüler, Ludwig Strauß und Julius Werner. Die Versammlung schloß mit dem Dank an das prov. Komitee und an de nwegen Arbeitsüberhäufung zurücktretenden 1. Vorsitzenden. Der Appell an die heute der Vereinigung noch Fernstehenden, sich recht bald als Mitglieder anzumelden, wird hoffentlich nicht ungehört verhallen, damit die für die nächste Zeit geplante größere Veranstaltung eine große Zahl der Freunde unserer Schule vereinigt. (Anmeldungen Sandweg 3 erbeten.) Ein Vorträg Jacob Rosenheims in der 2t. I. Orts- und Jugendgruppe. Getreu dem Programm, ihre Mitglieder und darüber hinaus über die Vorgänge der jüdischen Welt zu unterrichten, veranstaltet die Orts- und Jugend^ gruppe einen Vortragsabend am Mittwoch, den 21. November, 7,45 Uhr abends, im großen Saal der Liedsrhalle, Langestraße 26. Herr Jacob Rosenheim spricht über das Thema: „Die Landes Versammlung der polnischen Aguda". Gäste, auch. Damen, willkommen. Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten. Das Ehanuckasest der Jüdischen Frauenvereinigung. Die Iüdische Frauenvereinigung teilt mit, daß sie infolge der großen Nachfrage nach Karten für ihre Chanukka-Feier und auf vielfache Anregungen aus Interessentenkreisen sich entschlossen hat, noch einige Tische einzuschieben, für welche der Preis per Karte auf Mk. 5.— festgesetzt worden ist. Jüdisches Konzert. Ein jüdisch-künstlerisches Ereignis ersten Ranges findet Sonntag den 6. Januar im großen Saal des Saalbau statt. Herr Max Neumann veranstaltet ein großzügig angelegtes Orchesterkonzert unter dem Motto: „Jüdische Musik". Mitwirkende sind: Oberkantor Alter, Hannover; Hugo Kolberg, erster Konzertmeister der hiesigen Oper; Kapellmeister Reinhold Merten, musikalischer Leiter 'des Rundfunks und das große Orchester von Dr. Hochs Konservatorium. Alles Nähere wird in den nächsten Nummern des „Israelit" noch bekanntgegeben. Lina Regensberg ,i"y. Frl. Lina Regensberg, die im Alter von 84 Jahren von uns gegangen ist, war eine von den begnadeten Menschen, die im Alter jung blieben'und sich den heiteren kindlichen Sinn über'all die Jahre der Arbeit und der Kraft hinweg bis ins Greisenalter hinübergerettet haben; deren einzelne Lebensphasen, 'wie bei Mutter Sarah, nicht ineinander aufgehen und sich aufheben, sondern harmonisch ineinanderfließen, um ein mmon ’m», ein Ganzes und Vollendetes zu ergeben. Die sonnigen Gefilde ihrer Kindheit und ersten Jugend lagen auf kleinem Platze im Kurhessischen. Dort gewann sie die Kraft und die Geradheit ihres Wesens, die die Juden von damals auf dem Lande auszeichnete. Damit zog sie in jungen Jahren in das Haus von Michael Fürth W in Hanau, wo große Aufgaben ihrer harrten. Und wie wuchs sie da mit ihren großen Zwecken! Sie war, um ein Wort der Sidro zu variieren, N2, der gute Geist des Hauses, beeinflußte die Erziehung der Kinder und gab diesen, nachdem sie früh die Mutter verloren hatten,so viel aufopfernde Liebe, daß sie sie später wie eigene Kinder betreuten. Es gehörte zum Charakter Lina Regensbergs, daß sie alles, was sie gab, mit dem Herzen gab. Vor mehr denn zwei Jahrzehnten zog sie nach dem Tode von Michael Fürth mit der Familie nach Frankfurt. Und wie rasch wuchs sie da in das neue Milieu hinein,, wie. fand sie doch in der Hirsch-Gemeinde die.Heimat, die sie mit der Seele stets gesucht hatte. Wer das Frankfurter Haus der Familie Fürth betrat, der wußte, nm. der spürte, daß hier im Hintergründe ein warmes Menschenherz schlägt und alle Ecken des Hauses belebt. Bei aller Hingabe an das Haus und die Familie, fand sie aber noch Zeit und Muße für alle Anliegen, die ihrem menschlichen und jüdischen Herzen nahestanden. Ob es galt, innerhalb der Frcruenchewro einer Schwester die letzte Liebe zu erweisen, ob sie bei Verteilungen und bei Kinderbeschenkung in den Nähstunden der „Jüdischen Frauenoereinigung" oder früher in der Brockensammlung „Peah" tätig war, ob es galt, in der schweren Kriegszeit, Armen und Leidenden Rat und Hilfe zu reichen, immer geschah es mit der Kraft, mit der Energie, mit der Entschlossenheit und Liebenswürdigkeit, ja mit der Jugendlichkeit eines gesegneten Menschen, der ins Alter das Beste aus Kindheit und Jugendzeit mit hinüberzunehmen verstanden hat. Wir sahen sie im Greisenalter, geschmückt mit der „Silberkrone, die nur auf dem Wege des Wohktuns gefunden wird". Sie durste auf ein Leben der Tat und des Erfolges zurückblicken. Sie, der es nicht beschieden war, eigenen Hausstand zu gründen, sie durfte ein ganzes Leben lang, 60 Jahre hindurch, Mutterliebe spenden und durfte im Alter Liebe ernten, von Kindern und Kindesikndern, die nicht die Ihren wären, aber in treuer. Liebe zu ihr hielten. Wie stärkte diese ihr gewordene Liebe und Anerkennung ihren heiter tapferen Sinn, den sie sich bis zckletzt erhielt. Und erst die tiefe, schlichte Herzensfrömmigkeit 1^2 n v'2 ->b .onmsa movv- Wir freuten uns mit ihr, wenn wir sahen, wie sie am Sab'batmorgen ins Gotteshaus ging, ja, sich zuletzt hinführen ließ. Und wenn sie in den Leiden der letzten Monate nicht immer mns bv m-ov', „Leiden der Liebe" sah, so nur dann, wenn diese mit ^iv->2 verbunden waren, sie am Gebete störten. Kindliche Reinheit, Kraft und Schönheit der Jugend fanden sich wie bei Sarah mit der Würde und Weisheit des Alters, um ein schönes Leben abzurunden und zu v o l l e n d e n. In der Friedhosshalle der Israelitischen Religionsgesellschaft umstand am Donnerstag mittag eine große Schar die Bahre der Heimgegangenen Patriarchin. Herr Redakteur S. Schachnowitz gab in herzlicher Gedenkrede dem Danke der Familie Fürth, dem Danke der Jüdischen Frauenvereinigung und aller ihr oerwandteni Institutionen sowie der Verehrung der vielen Freunde beredten Ausdruck. Vorsicht! Vom Israelitischen Hilssvereine wird uns geschrieben: In Frankfurt a. M. und Umgegend sprechen z. Zt. Private vor, die angeben, daß sie bei den rumänischen Pogromen flüchten mußten. In verschiedenen Fällen hat unsere Organisation Nachforschungen angestellt, die ergaben, daß die gemachten Aussagen nicht stimmten. Man lasse sich nicht von dem Eindruck irritieren, sondern rufe uns vorsichtshalber-um Auskunft an, da wir bei unserer Karthotek von 18 000 Karten meistens in der Lage sind, egnaue und absolut zuverlässige Feststellungen zu machen. Israelitischer Hilfsverein, Hansa 3728. Das Neueste aus der Agudas Jisroel-Jugendgruppe. Im Rahmen der gemütlichen Freitag-Abende sprechen diese Woche (16. Nov. a. c.) im Agudoheim, Schwanenstraße 12 die Herren Leopold Schwab und Rechtsanwalt Martin Katz. Sonntag den 5. Kislew (18. November) 12 Uhr vorm, findet das Jahrzeitslernen für H. Weingarten statt. Sonntag den 18. November veranstaltet die Agudas Jisroel-Jugendgruppe eine Fahrt nach Wiesbaden. Treffpunkt: 1 Uhr nachm, im Hauptportal des Hauptbahnhofs. Der Fahrpreis hin und zurück beträgt Mk. 2.20. Geplant ist eine Wanderung durch Wiesbaden nach dem Neroberg, abends gemütliches Beisammensein mit der Wiesbagener und Mainzer Gruppe. Der Ausflug findet bei jeder Witterung statt. Mitglieder und Gäste — Damen und Herren — sind herzlichst willkommen. Das Programm für den Monat Kislew ist erschienen und allen Mitgliedern zugesandt worden. Besonders hervorzuheben sind die Vorlesungen, die nun endgültig sestgelegt sind: Der Sanitätskurs unter Leitung von Herrn Dr. med. Adolf Hirsch hat'bereits am Mittwoch den 14. ds. Mts. abends 9 Uhr begonnen. Am Dienstag den 20. November abends 9 Uhr beginnt der Kursus: „Deutsche Literatur" unter Leitung von Herrn Stud.-Rat Dr. Weger und am Mittwoch den 21. November abends 9 Uhr der Kurs „Jüdische Klassiker" unter Leitung des Herrn Dr. Salomon Ehrmann. Die Kurse finden 14tägig statt. Neue Interessenten — Damen und Herren — können noch hinzukommen. - Lin Sijum in der Agudas Jisroel Jugendgruppe. In kleinem Rahmen feierte am Sonntag abend im Agudas Jisroel-Lokale in der Schwanenstraße der nx-o- Schiur des Herrn Leo S ch n e r b nach jahrelangem gründlichem Lernen seinen Sijum. N^ben den Teilnehmern fanden sich einige Dozenten und Gäste, sowie der Vorstand der A. J.-Jugendgruppe zu dem Feste ein, das in bescheidener Ausmachung recht viel für Geist und Gemüt bot. Herr Schnerb lernte den Trakatt aus und leitete w2v 'on mit einem kurzen Hadran ein und hatte auch bei Tisch hübsche Worte der Aneiferung für seine treuen Schüler. Herr Dr. Paul K u l p begrüßte für die A. J.-Jugendgruppe, die die ' Gastgeberin des Abends war und durch ihre Damen alles aufs schönste Herrichten ließ. Von den Dozenten sprachen die Herren S. Schach nowitz und H. Holpern, und Herr Heidingsfelder erfreute die Tischgesellschaf: mit einer halachischen Abhandlung zu dem gelernten talmudischen Gegenstände. Sangeskundige. Agudisten trugen hebräische Lieder vor und andere wußten aus ihre Art mit gutem Humor die Stimmung zu heben. Das Festchen wird zweifellos der Hebung der Lust und Freude am Thoralernen dienen. Jüdischer Turnerbund E. V. Für Mitglieder und Freunde unseres Bundes veranstalten wir Samstag den 17. d. M. abends 8.30 Uhr im Henrich-Bräu, Gr. Eschenheimerstr. 23, 1. St. einen gemütlichen Abend, verbunden mit Siegerehrung, der im Laufe der Woche vorausgegangenen Turnwettkämpfe der einzelnen Abteilungen. Gleichzeitig geben wir bekannt, daß am Mittwoch den 21. cr. (Buß- und Bettag) eine Taunuswanderung (Homburg—Saalburg—Herzberg) stattfindet. Treffpunkt 8.30 Uhr Hauptportal Hauptbahnhof. (Fahrpreisermäßigung). Allwöchentlich findet Sonntag vormittags von 8—9.30 Uhr im Städtischen Schwimmbad ein Schwimmkurs für Herren statt. Die Beteiligung an diesem Kurs ist sehr gut, und können wir unseren Mitgliedern die Teilnahme an diesem Kurs sehr empfehlen. Tagung des deutschen Msrachi. Die Ortsgruppen des Misrachi in Deutschland traten am 11. November in Frankfurt a. M. zu einer Tagung zusammen. Fragen der Jnnenarbeit standen auf der Tagesordnung. Auf Antrag von Herrn A. Barth-Berlin wurde die Loslösung des Misrachi von der Zionistischen Vereinigung Deutschlands beschlossen. Die »Gesellschaft der Freunde". Die „Gesellschaft der Freunde" weihte am Sonntag ihr neues Heim in der Eschenheimer Anlage 33 ein. Die akademische Feier bestand in Musikstücken und einer