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Der Israelit · 1928-11-08 · Heft 45 (8.11.1928) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 45 (8.11.1928)
Date
1928-11-08
Page
– (sequence 14)
Language
German
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«eite 14 Nr. 45 Salat und ein Ei. Mir bot man dasselbe, dazu§ etwas — sehr wenig — Obst. Da der Salat gar zunsnv anmutete und die Eier roh und daher ungenießbar waren — der Koch war trotz wiederholter Erklärung nicht imstande, Eier richtig, d. h. wachsweich, zu sieden — lebte ich Tag für Tag von Brot und Tee und Tee und Brot. Wie ich hörte, führte der Lloyd Triestino in früheren Jahren rituelle Küche. Was früher möglich war, ist heute gewiß durchführbar. Es wäre doch ein Leichtes, die orthodoxen Reifenden mit ritueller Kondensmilch, Butter und Käse, mit genießbaren Eiern, mit Gemüsen, Nudeln und Reis, mit Kartoffeln, Fischen und koscheren . Fleischkonserven, alles von einem orthodoxen Koch mit koscherem Geschirr gut zubereitet, zu versorgen. Ich habe in diesem Sinne an Herrn Rabbiner Horovicz, Jerusalem, geschrieben, und der Herr Rabbiner wird sich beim Lloyd Triestino für diese Umstellung einsetzen. Am Morgen des 17. Oktober sollten wir in Jaffa landen. Schon früh um 4, als alles noch schlief, stand ich hoch oben auf der höchsten Spitze des Schiffes und schaute hinüber nach Osten, von wo die lange Reihe der Lichter Jaffas und das einsame Licht Tel Awiws durch das Dunkel der Nacht uns Heimkehrende grüßten. Einen erhebenden Abschluß der nicht sehr erhebenden Reise bot eine eigenartige Festlichkeit an Bord des Dampfers. Nicht nur für mich, sondern auch für die „Adria" war dies die erste Fahrt. Aus diesem Grunde veranstaltete der Lloyd Triestino eine Einweihungsfeier, zu der gegen 100 Teilnehmer aus den Spitzen der Behörden und Gesellschaft geladen waren. Bon den Konsuln und sonstigen Notabeln wurden Festreden gehalten. Der Vertreter der zionistischen Organisation sprach Hebräisch, der frühere Bürgemeister von Tel Twiw, Dizengof, Französisch. Nachdem noch ein arabischer Advokat Arabisch gesprochen hatte, ersuchte man Herrn Rabbiner Jonathan Horovicz, eine Rede zu halten, da bei der Einweihung eines Schiffes die Geistlichkeit nicht fehlen dürfe. Rabbiner Horovicz knüpfte in echt rabbinischer Weise an den Wochenabschnitt an. Er erzählte von der Arche Noa, deren Einweihung vor nahezu 5000 Jahren gerade um diese Jahreszeit stattgefunden hat. Der Redner fand eine sehr aufmerksame Zuhörerschaft, und als er den Segensspruch aussprach, daß diese neue direkte Linie des Lloyd Triestino viele Passagiere nach Erez Jisroel bringen, in verkehrswirtschaftlicher Hinsicht ein Segen für das Heilige Land werden und den Ruhm Italiens und G.roßbritänniens künden möge, tönte ihm rauschender Beifall entgegen. Vor Jaffa mußten wir stundenlang auf Paßkontrolle und Ausbootung warten. Ich sefbst entging mit knapper Not dem Geschicke der Zurückweisung. Mein Visum trägt den Vermerk: „goöd für one year", und ich dächte, das bedeute: „gut für ein Iaht Aufenthalt". Und so gab ich seelenruhig an,' ein Jahr fn ’''K bleiben zMwöllen. „Good for one year" bedeutet aber, daß mün das Recht hat, ich Laufe eines Jahres die palästinensische Grenze zu überschreiten. Bleiben darf man höchstens' drei 'Monate.' Der Paßbeamttz schaute mich lange mit durchbohrendem Plicke an; schließlich taxierte er mich auf ungefährlich und zuverlässig und ließ mich passieren. Erst später im Boöte erfuhr ich von den mich beglückwünschenden Mitreisenden, daß nur ein w mich habe retten können/ Sonst wird in solchen Fällen der unglückliche Reisende ohne Erbarmen zurückgewiesen. " ' Nun, im kleinen Boote, im Hafen von Jaffa, dachte ich am Ziele meiner Leiden zu sein. Weit gefehlt! Das Schlimmste stand noch bevor! Die ziemlich strenge Zollkontrolle und unzählige ändere Kontrollen mögen noch in Kauf genommen werden. Einfach m e n s ch e n u n - würdig ab er ist die Tortur der Impfung. . - Zwei Schiffe waren an jenem Tage angelangt, und die vielen Hundert Ankömmlinge pferchte man in ein pyar enge Räume. Dann zwang man uns Der Israelit . ' - durch diesen undurchdringlichen Brei von Menschen mit unserm Handgepäck hin und her zu Tischen und Beamten. An jedem Tische unendliches Warten. Viele wurden erst am Abend fertig, obwohl das Schiff schön gegen 5 Uhr morgens geankert hatte. Zuerst ließ auch ich mick drücken undzwängen; dann aber benutzte ich meine Sprachkenntnisse, um mit jedem Beamten in seiner Sprache zu verhandeln; für jeden Weg ließ ich mir durch einen Aufseher eine Gasse bahnen und so gelang es mir nach verhältnismäßig kurzer Zeit, gegen 10 oder 11 Uhr, in das ’tinj? ö’tznpn zur Impfstelle, vorzudringen. (Schluß folgt.) Zeruchem, der Thoraschreiber. Von mittlerem Wüchse, vornübergebeugt, mit wächsernem Gesichte, einem schütteren Bärtchen und langgekräuselten Schläfenlöcken, die schwarzen verträumten' Augen im Schatten buschiger Wimpern, so ging Jeruchem daher, so saß er über seine heilige Arbeit gebeugt. Aus seinem langen, schwärzen Kaftan heraus baumelten die Schaufäden. Ein stiller Mann war Jeruchem, ein Mann der Arbeit und der Gottesfurcht. Sein Stübchen entsprach ganz seinem Wesen und seiner Arbeit. Klein, vornübergebeugt, sauber und heilig, von einer weihevollen Stille beherrscht. Selten unterbrach etwas anderes das Schweigen, als das Kratzen der gutgespitzten Gänsekiele. Ein großer Gelehrter war Jeruchem nicht, dafür aber einer von den ganz Frommen und Redlichen und peinlich vertraut mit allen Vorschriften, die irgendwie mit seinem heiligen Berufe zusammenhingen. Man wußte: Was aus seiner Hand hervorging, war gut, einwandfrei und heilig. Selbst diejenigen, die es haargenau nahmen, konnten nie daran zweifeln. In jedem Stück, das von ihm angefertigt war, lag ein Stück seiner Neschomo. Man pflegte im Städtchen zu sagen, daß man aus einer Thorarölle, die Rabbi Jeruchem geschrieben, ganz anderes leienen, mit Tefillin, die er angefertigt hat, ganz anders beten kann, und in Häusern,' an deren Türen sei ne Mesusoth angebracht waren, fühlte man sich sicher im Schutz des Allmächtigen. Kein Wunder eben, daß ihm die Kundschaft von nah und fern zuflog. Seine Ware war allgemein gesucht. Aber zu Reichtümern hatte er es doch nicht gebracht. Er litt im Gegenteil zuweilen Not und Entbehrung. Er konnte nicht hasten und jagen. Heilige Arbeit, pflegte er zu sägen, Muß Heile haben, Muße, Beschaulichkeit. Man kann sich nicht überstürzen. Es 'ist 'keine Schuster-' und SchckeiderärbD,/wobej man sich auf'Tisch oder DWmp.l und Pfrienierl öräustosstichÜ'' Hs Muß jedes Wort, ML'HMe''MerMcht','cher^n ühd MW e et e Muß oäbei sein; sie muß immerhin'Stimmung gehalten werden. : . - ‘.V So' pflegte Aeruchem einen Teil des Tages im Betech Mischnälerüen und dem,Rezitieren von Pf alm eM zuzöbr in ge n. Eine Klage kämme über seme'Lippen/ Her 'von Gott ausgezeichnet ist, heilige -Arbeit für Gebej üsth MorHörtesungen zu' leisten,jüdischen Häuser' uüd jüdischen Menschen'zu weihen, der' darf nicht fragen. Ciü'ech-Wünsch hätte er, es Mr der Traum seines LebeNs: sich selbst eine ThöräroÜe zu schreiben. Dazu kam'es aber lange nicht. Hieviele heilige Rollen'hatte er/bereits geschrieben und äbgellefert. Über' sich selbst ntit solch.heiligem Gute zu beschenken, war ihm von Gott noch nicht beschieden. So' oft er daran ging, scheiterte däs Unternehmen an' äußeren kleinen Dingen.' Es fehlte das Geld für das Pergament, es fehlte hie Zeit, denn er brauchte sie für andere ünd um das Bro.t für seine Kinder zu verdienen. Täglich betete er ZU Gott, er möge ihm dazu verhelfen. Und darüber war der größte Teil seines Lebens vergangen, er fing schon zu altern an.' Nun müßte sein Lebenswunsch Erfüllung finden. Jetzt oder nimmer. Er' sparte jetzt für diesen heiligen' Zweck, sparte sich vom Münde 'ab, um jeden Freitag ein 8 November 1928 paar Groschen dazuzulegen. Die Mumme wuchs nur langsam, aber sie wuchs. Und endlich gewährte er zu seiner großen Freude,, daß im Bündel soviel beisammen war, um Pergament für die ersten Abschnitte zu kaufen. / Als er hinausging, um das Pergament zu kaufen, spürte er die Weihe des Versöhnungstages und zugleich höchste Festesfreude in seinem Herzen. Er wählte das beste Material und fetzte sich gleich an die Arbeit. Jeden Tag wollte er e i n e Seite schreiben. Er hielt den Vorsatz ein. Und der Himmel hatte Einsehen und gäb ihm Tage und Jahre genug, um das Werk zu beschließen. Tag reihte sich an Tag und damit Seite an Seite in seiner heiligen Rolle. Er weinte Tränen des Dankes, als er sie endlich abgeschlossen vor sich sah. Auch schöne Holzrosten mit gutgeschrntzten Griffen errparb er sich/ zum Teil aus Kredit. Nun eilte er "zum greisen Pabh i und testte chm mit, daß er'soweit sei,' aus .Eigenem ein Mefer hem Beshamipräsch zu stiften. Nie haste dieser oder sonst jemand etwas'davon tzeahnü """ Blitzartig verbreitete sich die Kunde durch das Städtchen. Man wußte, man fühlte es, welche Heiligkeit einer Rolle innewohnen mußte, die sich dieser Thoraschreiber auf eigene Kosten und auf eigenen Namen mit der Neschomo' angefertigt hatte. „Es wird ein Sefer für die Zadikim sein", sagte man sich, und man rüstete sich für ein großes Fest. Das kleine saubere Häuschen des Thoraschreibers war angefüllt mit festlich gestimmten Menschen. Er selber trug seine Sabbätkleider. Er sah aus, wie ein Vater, der seine einzige Tochter zum Trauhimmel führte. Im kleinen Häuschen wurden die letzten Buchstaben versteigert und zu Ende geschrieben. Die Leute überboten sich mit ihren Spenden, die dem Veshamidrasch und anderen Thorazwecken zuflossen. Dann wurde unter den Klängen der jüdischen Stadtmusikanten und unter Psalmgesängen die Thorarolle ins Bethaus getragen. Jeruchem selbst sollte sie tragen. Er aber übertrug die Ehre dem greisen Rabbi. Dieser zögerte und sie trugen beide unter dem Baldachin die heilige Last, indes das ganze Städtchen hinter ihnen jubelte und jauchzte und sich wie toll vor Freude benahm. Im Veshamidrasch hielt der Rabbi eine schöne Rede, feierte den Anlaß und den Mann, dem man das seltene Fest dankte. Mitten in den Gesängen und im Kreise der um ihn Tanzenden hatte Jeruchem nur ein Wort: „Wie Hanke ich Dir, Herr der Welt, daß Du mich diesen Tag hast erleben Wochenkalender. v. 10. — 17. Nov^ tOW. dl 37. Märcheschüian vis 4. Kislew 8888. Samstag Nov 10 jitfrrh» 27 vmn.-p2iL» nw»»n Maülelr Montag abands 8 Sonntag 11 28 Ahr 3l,sle Minuten Montag 12 29 pi? -iiD3 bi» ,»j» n»ayji Dienstag 13 30 V3N VN33 'H 01» , ' Mittwoch 14 1^03 1 " " '3 " vonyerstty 15 2 Freitag 16 3 Samstag 17 4 nrftw?• ''-liv J'J , mit j. J| r ^jstund bleibt dar Beste! Keine 6 ratiszugaben.dafür Qualität! Quälitats- Moritz Wolf 2s11 49 '•i Telelötk Romer 903 Brravtwoktttch S. Sch ach « ow »vWltz, ebenda.^ für ve» allgeMetnStt' Sc« «teo bo» jfeutüirtqie *1 a.M; Anferate t. B.r Beilage: Lehrer Offenbach)^ - i Beklag Druck -Lermo« Berlag»« FraukfM a.' M-

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