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Der Israelit · 1928-11-08 · Heft 45 (8.11.1928) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 45 (8.11.1928)
Date
1928-11-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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ö T7rtrv>mf»ov 1Q98 ö T7rtrv>mf»ov 1Q98 Nr. 45 ^rcmffurt (!♦ 2Tt*p &£Tt 25. Marcheschwan 5689 Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Abonnement ab Januar 1984: Deutschland 1 Goldmark monatlich; Ausland: Mertelahrvreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Verandes) Deutsch-Lfterreich: Schilling 8.—; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; ab 1. Juli krankreich 28 Fr.; Belgien ab 1.7.27. Belga 5: Holland 2 fl.; Italien av l. i 28.18 Lire; Jugoflawten SS Dm.; Litauen 7.8V Sit.; Rumänien ab 1. 7. 27. 180 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty. Schweiz 8 Fr. Tschecho-Slowakei 28 Kronen; Ungarn Pengö 8 ab 1.Juli 1927; Dänemark 3.60 Krön.;Norwegen8.60 Krön.; Schwede» 3.80 «ron. Einzelnummer dreißig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerst« eile. Abonnenten zahlen Die 76 nun breite Reklamezeile ernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufende« direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) Ar. 19802. — H'schau Nr. 190787. - Postscheckamt Zürich Nr. Vin 7§54 - Inkasso-Bank Rotterdam^ Bukarest - Filiale des Wiener Bankvereins in Agram. — Der Gerichtsstand für alle : Budapest Nr. 18424. — Postscheckkonto ag — ßanca Marmarosch Blank & Co, ttt Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. Die Poale Agudas Israel-Bewegung in Polen. Von Wolf S. Jacobson in Hamburg. 1. In diesen Tagen, als verheißungsvoller Auftakt zur 3. polnischen Landeskonferenz der A. I. •faft-b in Warschau die erste Landeskonferenz der P. A. I. statt. binur ma ^ns — ein neuer Begriff ist entstanden: der Arbeiter, bisher entweder in resignierter Frohn dahinlebend oder in den* Reihen des „Bund" oder der „Poale Zionisten" für.seine Rechte, seinen Anspruch auf Leben und Licht, kämpfend, der Arbeiter hört auf, ein Entweder- Oder zu sein: Entweder rechtlos, oder mit allen Mitteln, auch denen der Straße und der Gewalt, für die Sache, des Arbeiters kämpfend. Ein drittes ist entstanden: rma byiB' dem Arbeiter flieht sein Recht aus dem Schutz, den die mm. der Arbeit, dem Gedrückten, dem. im Schatten Lebenden gewährt und er verficht dieses ihm verbriefte Recht wiederum mit den Mitteln, nur mit den Mitteln, die diese min ihm reicht. Das ist bx'vD’* 1 2 3. rmK byiS' wie es sich uns darstellt am Schluß der Konferenz, die wir soeben miterlebt haben. - - 2. Bis zur gestrigen Stunde rangen in P. A. I. drei Anschauungen miteinander: a) der Kampf für d as nwi' -Id eal, w j e d i e m in es dar stellt und von ihren Bekennern, so sie nicht gespalten oder Heuchler sind, fordert. Diese Anschauung, vertreten durch den eigentlichen Gründer von P. A. I., I u d a L e i b O r l e a n, Warschau, wurde auf der Konferenz verfochten durch den Generalsekretär der P. A. I., L e i b Fromm,, und fand ihren Niederschlag in. folgendem, von ihm der Konferenz, vorgelegten Programm: 1. ,P. A. I. proklamiert als ihr Zieb die volle Souveränität der mm über das gesamte Leben. 2. P.A.J. ist davon überzeugt, daß das volle Menschheitsheil vur gesichert werden kann, wenn die Menschen „menschlich" sind und daß dieses Ziel nur durch, die Erziehungskraft der mm erreicht werden kann. 3. Im Streben nach einer vom mrw-Jdeal getragenen Welt fetzt sich P.A. I. für eine soziale Ordnung ein, die auf dem Wege der Evolution kommen so^,und muß. .i 4. In der Gegenwart, solange das mvi'-Ideal nicht verwirklicht ist, kämpft P. A. I. einen wirtschaftlichen und politischen Kampf für das Recht und das Brot der armen Masten; P. A. I. handelt hierbei nicht nach allgemeinen, sozialistischen Dogmen, jeder Fäll wird mit dem Maß des irr* Ideals der mm gemessen und danach behandelt. Dieser Auffassung schroff gegenüber steht die durch Silberberg-Lodz aus der Konferenz scharf vertretene b) P. A. I. ist eine sozialistische Bewegung von Arbeitern, die sich von den anderen sozialistischen Bewegungen nur dadurch unterscheidet, daß die einzelnen Individuen in ihrem Privatleben religiös sind. „Wir gehen in allen sozialen Fragen mit den Sozialisten, in allen religiösen mit den Orthodoxen. Zur Erreichung unseres Endziels bedienen wir uns aller Mittel, deren sich der sozialistische Arbeiter bedient." Diese Anschauung predigt den Kampf gegen das Unternehmertum und den Klassenkampf mit aller Schärfe; sie ist unhaltbar in dem Augenblick, wo die Dogmen des modernen Sozialismus und anderslautende Forderungen der mm aufeinander prallen, wo der vor die Alternative gestellt wird: entweder als sozialistischer Arbeiter bei den Sozialisten, oder als'-religiöser Jude bei den Orthodoxen zu kämpfen. c) Eine dritte Anschauung, von Falk Lande n b e r g, vertreten, will, daß P. A. I. einen ausschließlich r e a l p o l i t i s ch e n Kampf führt: keinen Kampf für die sozialen Ideen, die sich „am Ende der Tage" realisieren, darum auch keine Auseinandersetzung zwischen dem ivi'-Ideal der mm und sozialistischen Dogmen, nur einen Kampf um das tägliche Brot, um die Hebung der Löhne und die Steigerung des. Ansehens des orthodoxen Arbeiters, eine rein sachliche Interessenvertretung sei P. A. I., nicht Bewegung, sondern Zweckverband. 3. Während die Anschauung ad c) es dem einzelnen Mitglied von P. A^J. völlig freistellt, wie es fein Verhältnis zur Agudas Jisroel gestalten will, ergibt sich aus den Anschauungen ad'a) und b) naturgemäß eine Stellung zur A. I. Wer den Klassenkampf und die Revolution predigt, kann n i cht zu A. I. streben, wer'vom -iVi'-Jdeal der mm das Heil erwartet, ihre Souveränität über a l l e Lebenserscheinungen und Zustände stellt, wer hie Verbesserung der Beziehungen zwischen den einzelnen - Standes- und Gesellschaftsschichten anstrebt, Evolution, aber nicht Revolution proklamiert, der muß hin zur A. I., weil zumindest Agudismus und sein Ziel sich decken. So waren denn auch in Bezug auf das Verhältnis zur A. I. auf der Konferenz wiederum drei Anschauungen vertreten. 1. Die, welche jede Beziehung zur A. I. ablehnt, das ist die oben ad b) geschilderte Auffassung von P. A. I. 2. Eine Anschauung, welche die Idee der P. A. I. identifiziert mit der alle Fragen lösenden, umfassenden Idee der A. I., aber u.- a. im Hinblick auf Versagen der polnischen A. I. gegenüber dem Arbeiter fordert, daß P. A. I. aus derpolnischenLandesorgani f a t ron ausfcheide und sich direkt unter die Weltzentrale, vor allem direkt unter den Rabbinischen Rat stelle, und schließlich 3. die Meinung, daß P.A.I. in der polnischen Landesorganisation verbleiben, in ihr für das m^'-Ideal kämpfen, feine Anerkennung erzwingen müsse. Diese dritte Auffassung, die schließlich nach stundenlanger^ siedeheißer Debatte von 85 Proz. der Delegierten akzeptiert wurde und durch die die künftige Linie von P. A. I .festgelegt würde. Motiviert folgendermaßen: Ein Verbleiben in der Weltagudo, ein Austritt aber aus der polnischen Landesorganisation bedeutete eine Kampfansage an den polnischen Fabrikanten, Besitzer und Hausherrn, bedeutete: das A. I.- Jdeal in der Theorie anerkennen, aber dem geistigen Kampf für seine Verwirklichung innerhalb der A. I. — innerhalb ihres engeren Kreises: der Landesorganisation ausweichen und ihn so verschärfen. Andererseits würde die.polnische A. I. durch das Ausscheiden des Arbeiterelements das werden müssen, was sie vor allem nicht werden dürfe: eine orthodoxe Organisation der Bürgerlichen. Es fei daher die Aufgabe der P. A. I., innerhalb der Landesorganisation zu verbleiben, in ihr für das Recht des Arbeiters zu kämpfen. Bedingung für dies Verbleiben fei allerdings, daß den P. A. I. innerhalb der Landesorganisation in allen Wirts ch a f t l i ch - politischen Fragen volle Autonomie gegeben werde und daß bei Meinungsverschiedenheiten zwischen Landesorganisation und P.A.I. keine Majorisierung erfolgen, vielmehr die Entscheidung des rnrnn nxsna m allein maßgebend fein dürfe.

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