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Der Israelit · 1928-11-01 · Heft 44 (1.11.1928) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 44 (1.11.1928)
Date
1928-11-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Dfäffcr kevansgegeben von dev landesovganifafton dev Agudas-Jtsvoel in Aeutfcfifand. Jahrgang Hamburg, November ^928 / \8. TNarcheschwan 5689 Nummer 22 Schriftleitung: Wolf S. Jacoöfon in Kamövrg. Reiseeindrücke aus dem Osten! Von Wolf S. Jacobson. Der Einladung der Krakauer'Freunde, in Ostgalizien einige Wochen für den Baufonds des Bais Jakowheims in Krakau zu werben, folgte ich gern. Sie gab mir Gelegenheit, meiner Bewunderung für das großartige Werk im Interesse der jüdischen Tochter durch meine Mitarbeit Ausdruck zu verleihen, sie ermöglichte mir einen, wenn auch nur kurzen Einblick in die mir bisher fremde Welt Ostgaliziens. Die Beobachtungen, die ich herbei gemacht habe, schreibe ich nieder. Es ist überflüssig zu betonen, daß das nachstehend Niedergeschriebene nicht mehr sein will als oberflächliche Skizze. Ich weiß sehr wohl, daß ein Land und seine Menschen sich nicht-so schnell erfassen lassen; andererseits boten die vielen Besuche bei Einzelnen, die Besprechungen mit den verschiedensten Agudakreisen, die Versammlungen im engeren Kreise und die sogenannten Massenmeetings die Möglichkeit, mit vielerlei Menschen der verschiedensten Gesellschaftsklassen in nahe Berührung zu kommen. Krakau. Nach Vorbesprechungen in Kattowitz, über deren Ergebnis ich noch weiterhin berichten werde, verbrachte ich den ersten nnw meiner Reise in Krakau. Schon einige Male war ich dort über nnw und jedes Mal wurde ich dort von der gleichen Rührung und wehmütigen Freude umfangen: S 0 mag wohl der ganze jüdische Osten ausgesehen haben, da noch nicht Haskala und Zionismus seinem Körper die tiefen Wunden geschlagen hatten, Wunden, aus denen er heute noch blutet. So schön und edel die Männer besonders am vLir in ihrer stolzen, sabbatlichen Tracht und Pracht — Nathan Birnbaum hat wahrhaftig Recht, wenn er von „Tiferes" als einer besonderen Schönheit, der Schönheit vor Gott und im Dienste Gottes spricht— so rein und verklärt die Jünglinge, mit den hohen Stimmen und den tiefen Augen so anheimelnd diev''V'i'H2''7i3'so interessant die „Stibel", so Künder jahrhundertealter Vergangenheit, die Synagogen, deren jede fast ihre besondere Geschichte hat, Geschichte, durch Legende und Sage verklärt, so vom Schauer vergangener, größerer Zeiten erfüllt die D”n ■»m — und wiederum so östlich lebendig der Trubel auf dem freitäglichen Markte, in den auf den Sabbat sich rüstenden Gassen, im Schwitzbad und in der mp»* Und dann der nitf selber; in Krakau spürt man ihn wirklich ganz und ganz. Im Judenviertel — aber das Krakauer Judenviertel ist nicht so, wie ein Judenviertel gewöhnlich in der Vorstellung des Westlers lebt, sondern es hat auch große und breite Straßen mit herrlichen Wohnungen, deren Einrichtungen auch für westliche Begriffe überaus luxuriös sind — ist wohl kaum ein Geschäft am mtp geöffnet. Da spürt man die mir» now ganz anders als bei uns, da mag es einem passieren, daß man den Gruß eines Mannes erhält, dessen imponierende Gestalt in die wunderbare Sabbattracht gehüllt, auf irgendeinen „Gemeindegewaltigen" oder „Agudoführer" schließen läßt, bis unsere Erinnerung uns belehrt, daß wir am gestrigen Freitag bei ihm in irgend einem Torwinkei unser v3V-Obst gekauft haben. Gebt dem Juden, was des Juden ist, in Gewand und Tracht auch, und er ist "in jedem Zoll ein Fürst! Am Freitag Abend bei den Vx*n2» man man : —eine Gruppe von Hunderten von Mädchen, die Betty Wrefchner-Rothschild vor einigen Jahren gegründet — am nnw Morgen zu bei den : ^xiw» fmx wirklichen Arbeitern und Hand- 1 werkern, nachmittags wieder in ihrem Kreise, zu : rmsro Bnbip int Hause des großen und adligen n Krakauer um ihn die Edelsten seiner Stadt geschart, die Mahlzeiten im gastfreien und freundlichen Hause , der Familie des fel. Agudoführers ' Rabbi Fraenkel V"2T' fürwahr, ein solcher ' bringt wenn auch kaum nmaa» bringt aber vor allem eine starke Festigung und Vertiefung des agudistischen Bewußtseins; denn, daß östliche Arbeiter mit einem Westler so ganz und gar nahe kommen' konnten, ohne Agudas Jisroel Aufklärungs- und Pionierarbeit wäre das kaum | denkbar gewesen. „0, Krakau, 0 Krakau, du wunderschöne Stadt" — so tönt es mir immer und immer in der Seele, wenn ich dort weile, darinnen liegt begraben so mancher unserer Großen, Größten; darinnen leben und wirken aber Gottlob auch heute noch ihres Geistes würdige Erben, in den Alten und den Jungen, in den Patriziern und den Arbeitern, in allen lebt Gott 'n üsirni! Daß ich im Sinne meiner Aufgabe mich vor allem für den Beis Jäkowbau interessierte, ist selbstverständlich. Was ich seit frühester Jugend nicht getan, hier tat ich es —, in der Hoffnung ppn jrx nirrv 'Ni^>V — ich kletterte zwischen Leitern und Gerüsten bis auf das Dach der dritten Etage und auf dieses Daches Zinnen stehend, schaute ich mit vergnügten Sinnen auf das bisher durch wenige, aber starke Persönlichkeiten Geleistete — und diese Schau gab mir Mut und Kraft für die bevorstehende, schwere Aufgabe des „Schnorrens" — ein deutscher Schnorrer in polnischen Landen — die mich zuerst in Begleitung des unermüdlichen und opferfrohen Meier Schachne Fränkel nach Lemberg führte. Ich will mich nicht der Versündigung der Kundschafter schuldig machen —' und so will ich mit dem Unschönen beginnen. Wenn man glaubt, daß die Jüdischkeit, je östlicher man kommt, desto stärker und lebendiger sei, dann irrt man sich." Lemberg ist eine Stadt, berühmt durch die D^na' die dort amteten, viele v'svn ’TaVn sollen 'unter seinen Bürgern, vor allem auch id der jüngeren Generation sein, aber „die jüdische Gasse" ist zionistisch und die wirtschaftlich stärkeren Kreise sind assimliert „fortgeschritten", wie man das hierzulande völlig sinnwidrig nennt/ Ca. 702 der Geschäfte sollen am naw geöffnet sein, ein „Scheitel" ist bis weit in die führenden Agudokreise hinein — übrigens nicht nur in Lemberg, sondern in ganz Ostgalizien — ein Zeichen besonderer, u n g e w ö h n l i ch e r Frömmigkeit. Bis vor ganz kurzer Zeit hat man im Osten noch mit einem Lächeln auf das westlichennaLm-System herabgeschaut, jetzt will man es nachahmen und in Galizien sind, angeregt durch den rührigen Selig Vordach in Lemberg, Vorbereitungen im Gange, einen Verein nach dem Vorbild des „Hamburger Speisevereins" zu gründen. Ich will nur n^a» nsv sein und deshalb nur auf die Bemerkung mich beschränken, daß es für den mit den lokalen Verhältnissen in Lemberg nicht ganz genau Vertrauten fast unmöglich ist, sich dort mit i^v-Milch und -,^3'Butter zu versorgen. Mich auf die Mitteilung beschränken, daß in einer anderen Stadt mit großer, jüdischer Bevölkerung der a*v ein bekannter bn* mir auf meine Anfrage, wo ich zuverlässig ->V3 essen könnte, antwortete, das sei schwer zu sagen — dabei befinden sich an dem Orte zahlreiche Restaurants und Hotels in jüdischen Händen. Und dennoch darf man-, so glaube ich, wenn man als agudistischer Mensch durch das Land fährt — das Wort „Agudenik", das unsere Gegner uns als Schmähtitel beigelegt haben, wird hoffentlich bald der offizielle Ehrentitel jedes Mannes von Anstand und Gesinnung hierzulande sein — sprechen: *»3 nnx iaw-»'i nVs?" „Wenn wir nur weiter hinaufsteigen, werden wir das Land erobern, wir werden es vermögen" — und so kommen wir zur erfreulichen Seite, zur verhältnismäßig jungen, aber kräftig sich entwickelnden Agudo Ostgaliziens, deren Vater Josef Lau Kolomea ist und die ihren ^snan 191 in Lemberg hat. Hier habe ich unter den Alten und den Jungen viele wertvollste Menschen und manchen wahren Agudisten kennen gelernt, Namen wie Wittels oder Wahl, Hirschsprung oder Halpern — dieser, Vorsitzender der Jugendgruppe, ist Sohn eines führenden „Belfer" und hoffentlich ein 23N n*?ian nx nxrin — sind für den Leser nur Namen, für Ostgalizien sind sie Begriffe, mit denen sich die Vorstellung verbindet: es wird 'auch hierorts mit der Jüdischkeit besser werden — durch Agudas Jisroel. Lembergs Agudas Jisroel spielt zur Zeit politisch — d. h. in der n^np — eine große Rolle, die Orthodoxie, d. h.: Agudas Jisroel plus Bels hat bei den letzten Kultuswahlen fünf Mandate erhalten und bildet nun das Zünglein an der Wage; wo sie ist, da ist die Majorität, sie wird darum in diesen Wochen von den beiden großen Parteien — Zionisten und Liberalen — diese werden von den Zionisten „Assimilanten", von den Orthodoxen „Fortgeschrittene" oder „die Datscher" genannt und bezeichnen sich selbst als „Unparteiische" — stark umworben. Gerade bei meinem Dortsein fanden diese „hochpolitischen Beratungen" statt — hoffentlich lenken sie die Lemberger Herren nicht gar zu lange von ihren agudistischen Aufgaben auf dem Gebiete des 11m onyi ab Talmud Thora, Jeschiwa und 'iiv' «mn ist mit Oeffenttichkeitsrecht erst vor wenigen Monaten gegründet worden und erfreut sich schon jetzt großen Zuspruchs, so daß die Räume — eine hochherzige rwx schenkte ein großes, schuldenfreies Haus für diesen Zweck, — bald zu eng sein werden, und auch auf dem Gebiet des weiblichen “pari' leisten die Frauen — und wirth — über ihre Kraft. Auch in Lemberg ist die agudistische Jugend aktiv — 'Nirnzw D’Tsrx 'Q^sna — leider aber in sich nicht so einig, wie es sein mühte und wie ich — der Gast aus der Fremde — es ihnen dringend ans Herz legte. Daß Lemberg auch äußerlich viel des Interessanten bietet — ist Krakau die Stadt des x"»i so ist Lemberg die Stadt desam 'iiv — ist selbstverständlich. Die am ■nie Schul, die „Vorstädtische Schul", das ist die eigentliche „große Schul", bekanntlich hatte Lemberg zwei Oberrabbiner — einen in der Stadt und einen in TjrV pin Zahlreiche „Stibel" unö D’izma mn— sie sind die Quellen der Kraft, Bollwerke gegen den Ansturm von draußen. In der „Vorstädtischen Schul" zeigt man noch den Prangerstuhl, darin der gestanden, die Ketten, mit denen man ihn gefesselt, ihn, den man als vermeintlichen Dieb bei seinem Eintreffen in der Stadt festnahm und solchen 23'^ nbw bot. In der gleichen Schul ist eine Tafel, auf der alle crm verzeichnet sind, die als 0'a33 in Lemberg gewirkt: „Wie gewaltig groß war dieser Ort, fürwahr ein Haus Gottes", wenn man sieht, welche ö^vra alle hier gewirkt. Und jetzt ist das Rabbinat verwaist, gebe Gott, daß die Gemeinde finde den mvn w V'X' der sie wieder führt zur alten Größe! Weiter nach Südosten führte mich mein Weg nach S t a n i s l a u. Von Stanislau hatte ich gehört, daß es Hochburg der Zionisten sei und Barum ging ich /

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