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Der Israelit · 1928-11-01 · Heft 44 (1.11.1928) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 44 (1.11.1928)
Date
1928-11-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 44 Der Israelit l. November 1928 Palästina. Um die klagemauer. des „Pester Lloyd"-Palastes, so daß die Versammlungsteilnehmer unbehelligt den Saal verlassen konnten. Erste Konferenz der Aguda-Arbeiler in Polen. Warschau, 29. Oft. (Vorbericht.) Die erste Konferenz der „Poale Agudas Jisroel" (Verband der der Agudas Jisroel angeschlossenen Arbeiterschaft) wurde in Anwesenheit von 135 Delegierten aus 100 Städten, die eine Mitgliedschaft von 25 000 repräsentieren, abgehalten. Der Konferenz wohnen bei die Führer der Weltorganisation Agudas Jisroel, Dr. Pinchas Kohn und Jacob Rosen he im-Frankfurt a. M., u. a. m. Ansprachen hielten Dr. Pinchas Kohn, I. M. Lewin, Rabbiner Michelsohn im Namen des Warschauer Rabbinats, der Rabbiner von Nowidwor Neufeld, der Vizepräsident der Warschauer Jüdischen . Gemeinde, I. Trockenheim. Die Programmrede hielt Herr Leibl Fromm, der die Ideologie der Poale Agudas Jisroel im Gegensatz zu der Ideologie der weltlichen Arbeiterparteien herausarbeitete. In der zweiten Sitzung entspann sich eine lebhafte Diskussion um die Frage, ob die' Poale Agudas Jisroel sich dem Weltverbande Agudas Jisroel unterordnen solle oder nicht. Eine kleine Gruppe trat für Anschluß an die zionistische Internationale ein, bloß in religiösen Fragen solle sich die Organisation den Beschlüssen der „Moazath gdeoleh hathorah" unterwerfen. In die Diskussion griff Herr Jacob Rosenheim ein und wies darauf hin, daß die Arbeiter von agudistischen Arbeitgebern schon auf Grund der Thoravorschriften eine menschliche und soziale Behandlung erwarten dürfen. Herr Bomaz referierte über die Wirtschaftspolitik der Poale Agudas Jisroel. Er führte aus, daß die Mehrzahl der jüdischen Arbeiterschaft religiös fei. Herr Redakteur Landenberg referierte über die politischen Richtlinien der Aguda-Arbeiter in den gemeindlichen und sozialen Organisationen. In der dritten Sitzung wurde die Diskussion über die organisatorische Zugehörigkeit zur Weltaguda abgeschlossen. Die Herren Dr. Kohn und Rosen he im appellierten an die Arbeiterschaft, den Zusammenhang mit der Weltaguda zu behalten. In dem gleichen Sinne sprachen Rabbi H u r w i tz, Dr. I a c o b s o h n, O r l e a n und andere Redner. Schließlich wurde mit 63 gegen 17 <Stimmen bei 4 Stimmenthaltungen das Verbleiben in der Weltaguda beschlossen. Damit schloß die erste Landeskonferenz der Poale Agudas Jisroel. Die Landeskonferenz der polnischen Agudas Iisroel. Warschau, 31. Okt. Die dritte Landeskonferenz der polnischen Agudas Jisroel wurde gestern bei Anwesenheit von 670 Delegierten eröffnet. Die Eröffnungsrede hielt Rabbiner L e w i n. Es wurden dann viele Begrüßungen gehalten. Auch der Gerer Rebbe sprach herzliche Begrüßüngsworte. Zum Schluß wurde eine scharfe Protestresolution gegen die Vorgänge an der Klagemauer angenommen. Ausführlicher Bericht folgt. England. Der Protest der Agudas Iisroel-Weltorganifation wegen der Vorfälle an der klagemauer. London, 24. Ott. Die politische Exekutive der Weltorganisation Agudas Jisroel und der Rabbinische Rat der Aguda haben durch Herrn H. A. Goodman dem britischen Kolonialamt ein Memorandum überreichen lassen, in welchem die Aufmerksamkeit der britischen Regierung auf die tiefe Erregung und Entrüstung hingelenkt wird, die unter der Judenschaft der ganzen Welt, in ganz besonderem Maße aber unter den streng kraditionstreuen Juden wegen der Störung der jüdischen Gottesandacht durch britische Polizei an der westlichen Tempelmauer am Versöhnungstage herrschen. Zehn Jahre nach der Balfourdeklaration, heißt es in dem Memorandum, sind Vorfälle passiert, wie sie in der ganzen Zeit der türkischen Herrschaft nicht ihresgleichen hatten. Die Aguda schlägt vor, daß das Kolonialamt alle interessierten Parteien zu einer Konferenz einberuft, damit die Frage des Besitzrechtes-an der Klagemauer und dem Platz vor derselben für die Zukunft geregelt wird. Jerusalem, 22. Okt. Der für den 22. Oktober vom Oberrabbiner Kuck proklamierte Fasttag wurde von vielen, aber nichit von allen, eingehalten. In vielen Synagogen und an der Klagemaüer wurden Trauerpsalme gelesen. In seiner Proklamation appellierte Oberrabbiner Kuck an die Juden in der ganzen Welt ,sowie an alle zivilisierten Nationen, laut ihre Stimme gegen die an der Klagemauer oorgekommenen Freveltaten zu erheben. Er forderte Großbritannien und den Völkerbund auf, das an den Juden geübte schwere Unrecht wieder gutzumachen. Inzwischen sind wiederum Juden an der Klagemauer von Arabern mißhandelt worden. Am Sonnabend 6 Uhr morgens, als sich die ersten jüdischen Andächtigen vor der Mauer zum Gottesdienst einfanden, erschien eine Gruppe Araber und forderte die Juden aus, Stühle und andere an der Mauer befindliche Gegenstände zu entfernen. Als die Juden sich weigerten, der Aufforderung Folge zu leisten, fielen die Araber über sie her und verprügelten sie. Ein Jude namens Jsaac Misrachi wurde so schwer mit einer Eisenstange geschlagen, daß er schwere Kopfwunden daoontrug. Zwei der angreifenden Araber wurden verhaftet und vom Gericht sofort zu je 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Der Waad Leumi (Jüdischer Nationalrat Palästinch hat beschlossen, eine Proklamation an die Araber zu veröffentlichen und darin, sowie in mündlichen Verhandlungen mit arabischen Vertretern zu erklären, daß wenn auch die westliche Tempelmauer als jüdischer Besitz betrachtet wird, dies keineswegs eine Verletzung einer moslemitischen heiligen Stätte bedeutet. Der Waad Leumi beschloß ferner, an die Regierung Palästinas die Aufforderung zu richten, gegen die antijüdische Verhetzungstätrgkeit gewisser Krebse wirksame Mittel zu ergreifen, da die Regierung für alle Konsequenzen jetzt und in Zukunft verantwortlich gemacht werden muß. Ferner beschloß er, die Frage der Entsendung einer Abordnung nach den auswärtigen Ländern erst nach der Tagung der Mandatskommission des Völkerbundes in Estnf die am 26. Oktober eröffnet wird und in der die Frage der westlichen Tempelmauer zur Verhandlung steht, zu behandeln. Der Ober st e Rat der Moslemiten hat eine Konferenz von Delegierten ganz Palästinas einberusen, in welcher das Problem der Klage mauer behandelt werden soll. Man sieht dem Ausgang dieser Konferenz mit großem-Interesse entgegen und ist insbesondere gespannt darauf, wie die Kreise des moslemitischen Rates auf den an das Moslemitentum ergangenen friedlichen Appell reagieren werden.. Bekanntlich haben alle jüdischen Instanzen erklärt: daß der Besitz der Klagemauer durch die Juden niemals das moslemitifche Besitzrecht an der Omar- Moschee antästen könne. Vier Millionen Dollar für Palästina. Jerusalem, 16. Okt. Aus N e w y o r k wird gemeldet, daß die Verhandlungen der zionistischen Leitung mit amerikanischen Großbanken in Sachen einer Anleihe für den jüdischen Aufbau in Palästina nunmehr abgeschlossen sind. Es bedarf nur noch der Unterschrift von Wetz mann, die am 25. Oktober erfolgen wird. Es handelt sich um eine Vi-erm i llio ne na n leih e. (D o lla r), die der Jewi sh Agency gleich nach ihrer Bildung zur Verfügung getellt wird. Ein Teil des Geldes ist für den National- : o rt ö s bestimmt zur Tilgung von Bodenschulden und zu Zwecken des Ausbaus. Ein Teil soll zur Hebung der Industrie und Stützung der Landwirtschaft dienen. Bemerkt wird noch, daß sich die jüdische Großsinanz in Amerika ziemlich kühl dem Anleiheplan gegenüber verhält, o daß derselbe ausschließlkich durch n i ch t j ü d i s ch e Großbanken zustande gekommen ist. Die Verzögerung war dadurch entstanden, daß Ussischkin sich weigerte, mit dem Besitze des Nationalfonds die Bürgschaft zu teilen, während auf der andern Seite die Geldgeber auf dieser Bürgschaft bestanden und sich mit den Garantien des Keren Hajesiod nicht begnügten. Die Palästina-Regierung rechtfertigt den moslemitischen Streich. Jerusalem, 21. Okt. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, herrscht in den Kreisen der Palästina-Regierung die Ansicht vor, daß die Moslemiten auf Grund von Artikel 13 des Palästina-Mandates das Recht Haben, an der Klagemauer- Bauarbeiten vorzunehmen, ohne daß die Regierung befugt wäre, sich hierin einzumischen. Artikel 13 des Palästina- Mandates stellt nämlich fest, daß die Mandatarmacht die ganze Verantwortung gegenüber dem Völkerbund in den Fragen der heiligen Stätten habe in dem Sinne, daß die bestehenden Rechte gewahrt und daß. der freie Zutritt zu den heiligen Stätten, sowie die freie Ausübung der Andacht an denselben gesichert werden. Die Mandatarmacht hat jedoch nicht dre Ermächtigung, sich in Angelegenheiten der Errichtung der Leitung rein moslemitischer Heiligtümer, denen die Unantastbarkeit garanttert ist, .einzumischen. Personalien. Berlin, 26. Okt. Die Adaß-Synagoge hat durch das plötzliche Ableben ihres *nip> bya Michel Rosemann einen schweren Verlust erlitten. Ein trefflicher pnpnn der guten alten Hamburger Art, ein pnaio T»b/i der Feilchenfeldschen crvniv-Schule, so ging er nach einigen Jahren in den Dienst der ms. woselbst er in siebzehn Jahren steten Schaffens sich viele Freunde erwarb, insbesondere durch seinen ausrecht jüdischen, seiner Stellung, würdigen Charakter. In der echt jüdischen Erziehung seiner nun viel zu früh verwaisten Kinder fand er sein Lebensideal erfüllt und zeigte sich die Echtheit seines frommen und treuen Wesens. Trotz des zeugte die große Beteiligung an seiner '’ib von seiner großen Beliebtheit. Hatte er sich diese doch als »«VDb *nijr» noch an den 2-' seines letzten Lebensjahres aufs Neue erworben. Erst in diesem letzten Jahre war ihm der alte sehnliche Wunsch nach einer eignen roiv erfüllt worden, und nun hat sein Geist so schnell nach 55 Jahren seine irdische »ap /nn verlassen! Am Montag nach 2-' hat Rabb. Dr. Munk in einem Hesped im Trauerhause die edle nujr und andere Vorzüge des Verstorbenen am Beispiel des n-piv vergleichend gewürdigt. Möge das /vor des Verstorbenen seiner tiefgebeugten Witwe und den ihrem Vater nacheifernden Kindern beistehen. # _ *n Muhlherm a. 21t., 27. Okt. Am 10. November niv naicfeiert der frühere Metzgermeister Herr Adolf Stern in körperlicher und geistiger Frische seinen 70. Geburtstag. Er ist noch ein mir» 00m alten Schlage, wie solche heute in Landgemeinden leider immer weniger werden. Einen Beweis seiner Treue zur p"nin erbrachte er, als während des Krieges am dortigen Platze durch Ortsvorschrift die Fleischverteilung auf /uv angesetzt wurde und er, als der einzige unter den jüdischen Metzgern, es vorzog, seine seit 30 Jahren bestehende Existenz aufzugeben, um den *uv nicht zu entweihen. Möge ihm ein heiterer Lebensabend beschieden sein. .v-asr Bad Ems, 25. Okt. In geistiger und körperlicher Frische beging der Senior der Israelitischen Kultusgeneinde Bad Ems, Herr Jakob Bernstein, am 21. 9. einen 86. Geburtstag. Die Kultusgemeinde veranstaltete aus diesem Anlaß ihrem früheren Kultusvorsteher zu Ehren eine Feier. Am Simchas Thora-Morgen wurde der Jubilar in der Synagoge von dem Kultusvorsteher, Herrn Dr. Cohn, mit einer Ansprache begrüßt. Herr Rabbiner Dr. Weingarten gedachte sodann in erhebenden Worten des mühe- und erfolgreichen Lebens und Wir-, kens des Mannes, welcher sich aus kleinsten Anfängen heraus, vom Goldarbeiter bis zu der angesehenen Stellung des Inhabers eines weit über die Grenzen seiner Vaterstadt hinaus bekannten und geschätzten Geschäfts-- Hauses emporgearbeitet hat. Er mache seinerseits dem Judentum Ehre, welches von je die hohe Bedeutung des Handwerks lehrt. Die schönen Worte des Rabbiners, welche mit den herzlichsten Segenswünschen für den ehrwürdigen Greis endeten, fanden beider Gemeinde lebhaftesten Widerhall. Am Nachmittag fand ein Kaffeekränzchen im Hotel Löwenstein statt, an welchem sich die ganze Gemeinde beteiligte. Frau Konrektorin L.o e b aus Köln hielt einen Vortrag über: „Jüdische Dichter der Gegenwart". Die Familienfeier erhielt dadurch einen würdevollen und nachhaltigen Eindruck. — Neben den Glückwünschen aus weitesten Freundes- und Bekanntenkreisen erhielt der allgemein beliebte Jubilar freundliche Schreiben von Seiten der Behörden, u. a. vom Landrat des Unterlahnkreises. vermachtes Bad kissingen, 17. Okt. Am zweiten Tage /100, dem 50. Todestage des unvergeßlichen Würzburger 21, sund in der hiesigen Synagoge im Anschluß an qoin eine Gedächtnisfeier zu Ehren des b*nvu bin -u? statt. Frei von jeder Trauerstimmung — wie er ausdrücklich erwähnte — schilderte Herr Rabbiner Dr. Vamberger das Lebensbild des großen Führers der damaligen Gemeinde Würzburg, 'ja, der deutschen Judenheit und zeigte an Hand vieler Beispiele, welch großen Einfluß der große 21 bei allen behördlichen Stellen hatte. — Sein Wirken und Schaffen, das heute noch segensreichen Einfluß ausübt, möge auch uns zum vor fein. . Würzburg, 27. Okt. „Vakanzliste der Vereinigung der Sabbatfreunde": 1 Reisender für Manufakturwaren,- en detail, nach Würzburg: 1 Lehrling für Cisengeschäft.nac> Bad Mergentheim: 1 Kontoristn für Tuche en gros, nach Würzburg: 2 Weinreisende nach Würzburg; 1 Lehrling t Textilwaren nach Haßfurt; 1 Buchhalter für Wöinhandung nach Kitzingen. Meldungen an Herrn Friedrich Pseuffer, Würzburg, Domerschulstr. 13.

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