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Der Israelit · 1928-10-25 · Heft 43 (25.10.1928) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 43 (25.10.1928)
Date
1928-10-25
Page
– (sequence 17)
Language
German
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MWWMWWWW ntia® J Vortragsabend der Agudas-Jisroel Ortsgruppe. . R a b b i n e r D r. Au e rb a ch ü b er d ie Lage der deutschen Orthodoxie. Die Agudas Jisroöl Ortsgruppe Frankfurt hatte die gute Gelegenheit der Anwesenheit von Rabbiner Dr. Auerbach-Halberstadt und Rabbiner Dr. Breslauer-Fürth benutzt, um ihre ursprünglich für die Generalversammlung des orthodoxen Rabbinerverbandes gedachten Vorträge einem weiteren Kreise zugängig zu machen. Dieser weitere Kreis hatte sich denn auch Kopf an Kopf in der Liederhalle eingefunden. In großgespannter, von Entschiedenheit und Duldsamkeit zu gleichen Teilen erfüllten Betrachtung schilderte Rabbiner Dr. Auerbach die Lage der deutschen Orthodoxie. Er ging von S. R. Hirsch aus. Nicht Austritt, sondern Sammlung war sein eigentliches Ziel, Sammlung für alle, die sich um das Banner der Thauro scharen. Aber dazu war die Loslösung von der Muttergemeinde notwendig, weil sich eben diese Muttergemeinde nicht um das Banner der Thauro scharte. Trotz alledem: Loslösung ist ein Negatives, Positives müßte geschaffen, müßte gestaltet werden aus dem unausweichlichen Kampf der Ideen heraus. Denn nur den Ideen gilt unser Kampf, niemals den Menschen. Ideen aber vertragen keine Kompromisse. Wehe uns, wenn wir das Prinzip dieses Kämpfens gegen Ideen vergessen und den Kampf gegen Menschen richten. Der Redner ging dann auf die verschied-men Gruppen ein, in denen sich das Judentum ber Gegenwart in Deutschland entfaltet und in dieses sich spaltet. Da ist die „Freie Bere i n i g'u n g für die Interessen des orthodxen Judentums". Ihr grundlegender weitsichtiger und Weitfassender Satz: Jeder unbescholtene Israelit kann Mitglied dieser Vereinigung werden. Ihr Gründer S. R. Hirsch beschränkte sich zunächst auf Süddeutschland, sein Nachfolger Salomon, Breuer zog in richtigem Verständnis von Hirschs Absichten den Weg nach Norden. Dann die Agudas Jisroel. Die Gemeinde ist Grundpfeiler, ihr letzter und umfassendster Sinn: Vereinigung aller Länder, in denen Jpden wohnen. Der Kenessio Gedaulo in Wien huldigend, brach Dr. Auerbach m die begeisterten Worte aus, daß der nie Großes und Freudiges gesehen habe, der sie nicht sah. Aber dem Hochdrang, Hochglanz folgte Enttäuschung. Der Kampf um den Paragraph 4. Und dann die andere Organisation, die der Aguda das Leben ihres Lebens, die Seele ihrer Seele nahm: der Zionismus. Gedankenlose, aber bestechende nationalistische Vorstellungen wurden in tausende und abertausende von Seelen gesenkt. Zwei Antipoden, zwei unversöhnliche und unvereinbare Gegensätze stehen sich gegenüber: Hie Judentum mit der Tauroh als dem einzigen Zweck, Ziel und Inhalt des Lebens — dort Judentum mit der alleinigen Anerkennung und Umschlingung des nationalen Bandes. Aber auch hier wieder solche dabei, die uns als Menschen nahe stehen, manche, vor denen wir als Menschen sogar Verehrung hegen. Der Zionismus ist eine große, gewaltige, furchtbare Gefahr. Aus der Ungleichheit, der Gegensätzlichkeit der Ideen heraus muß auch hier der Bruderkrieg mit aller Entschiedenheit und Schärfe geführt werden, aber wiederum ohne je persönlich verletzend zu werden. Eine weitere Bedrängnis für uns: der A ch - d u s mit dem verlockenden Namen. Nicht in sich groß, hoch, schwer zu nehmen, wohl auch kaum von langer Lebensdauer. Bedrängnis aber, weil er in gewissem Sinne Helfershelfer des Zionismus ist, weil er ihm Waffen in die Hand gibt. Ueber all den Strömungen trat die Freie Vereinigung zurück, mußte zurücktreten, weil eine neue Zeit heraufbrach, die Zeit der Trennung von Staat und Kirche, in der der Staat jede Weltanschauung achtet, die eine gewisse Zuversicht für die Zukunft birgt. Gegensätzliche Weltanschaunigen lassen sich nicht zusammenschweißen, zusammenpressen. 1921 wollte man zur Reichsregierung hintreten als Verband der deutschen Juden des ganzen Reichs Umsonst. Denn hier war überhaupt keine einheitliche Weltanschauung. Man mußte demgegenüber der« Bund gesetzestreuer jüdischer Gemeinden Deutschlands schaffen und begegnete sympathischem Verständnis bei der Reichsregierung, die erkannte und anerkannte: hier ist eine einheitliche Wettanschauung. Der Widerpart des Bundes, der P r e u ß i s ch e L a ndesverband jüdischer Gemeinden. Wir dürfen nicht mit ihm gehen, müssen uns von ihm scheiden, ob uns auch da das Herz oft blutet, daß wir gegen viele unserer Freunde kämpfen müssen. Wer es aber ernst meint mit der Reinheit des Sinai-Judentums, der muß sich doch um uns scharen, darf aus persönlichem Schmerzempfinden heraus die Waffen nicht sinken lassen. Es ist unabweisbare Pflicht, dem Bund anzugehören. Auf seiner Seite auch scheint die Sympathie der Reichsregierung, seine Gegner werden wohl nur notgedrungen toleriert. Nun strebt man eine Vereinigung der Landesverbände im Deutschen Reiche an. Friedensstörer und Fanatiker waren wir vom Bund nicht. Kometen aber nicht Zusammengehen mit denen, die a l l e Lehrer- und Rabbinerbildungsstätten unterstützen wollen — auch die des Abfalls. Um dieser Verirrung der Geister zu begegnen, galt es, ein festes, ganz bestimmtes Nein! zu sagen. Ein Nein ohne Zagen. Gott wird weiter helfen. Und nun stehen wir vor einer ganz großen Aufgabe: dem Judengesetz in Preußen. Zwei Entwürfe gehen diametral auseinander. Unser Entwurf blickt aus die Muttergemeinde der Tauroh zurück, will die Austrittsgemeinde nicht als minderwertig, als geduldet betrachtet wissen. Ja, merzt sogar deshalb den Namen Austrittsgemeinde aus. Man ist uns in den Rücken gefallen, obgleich wir nach gütlicher Einigung trachteten. Man hat von der anderen Seite den Entwurf selbständig eingereicht. Gott, der die Zukunft kennt, wird entscheiden. Aber verkennen dürfen wir nicht: die Lage der deutschen Orthodoxie ist schwer. Sie gleicht der auf dem Meere treibenden Arche. Ist im Meere der Zeit, des Raums emgefchloffen. Aber die Emunoh ist über Zeit und Raum erhaben, sie ist die Taube. Das Bitochaun dürfen wir nie verlieren. — Lebhafter Beifall dankte Rabb. Dr. Auerbach für feine Darstellung. Ueber die unter originellem Gesichtswinkel geformten und gruppierten Anschauungen von Rabbiner Dr. Breslauer- Fürth zur Behebung der Wirtschaftsnot der sabbathtreuen Geschäftsinhaber und Angestellten finden die Leser Näheres in den daraus entstandenen Thesen bei der Generalversammlung des orthodoxen Rabbinerverbandes im Hauptblatt dieser Nummer. Die Woche. Vortrag in der Jüdischen Frauenvereinigung. Zur Eröffnung des Winterfemestres in der Jüdischen F r a u e n v e r e i n i g u n g spricht Sonntag, den 28. Oktober, abends 6 Uhr, im Hörsaal Friedberger Anlage 5, Herr Redakteur S. Schachnowitz über das Thema: „Was hat L. Tolstoi uns Juden zu jagen?". — Dienstag, den 30. Oktober, nachm. 4 Uhr findet im Promenaden-Cafe, Friedberger Anlage, die erste Gemütliche Zusammenkunft statt. Als Vortragende ist Frau Dr. Herrn. Oppenheimer gewonnen. klciderverteilung der Jüdischen Frauenvereinigung. Die Jüdische F r a u en ve re in i gu n g erläßt folgenden Aufruf an die jüdischen Hausfrauen: „Nächstenliebe heißt Verpflichtung eines für den andern und darin haben sich Frauen jederzeit bewährt. Vielen bedürftigen Familien mangelt es an Leib- und Bettwäsche, Kleidern und Mänteln für den Winter. Deshalb ergeht der Ruf an Euch: Gebt uns alles bei Seite gU Legende und Ueberflüfsige an Kleidern, Wäsche und Hausrat. Wir übermitteln es an Familien, die sich keine Neuanschaffungen leisten können, für die guterhaktene, getragene Stücke recht wertvoll sind. Auf Wunsch lassen wir die bereitgestellten Sachen im Hause abholen. Meldungen erbeten an die Jüdische Frauenvereinigung E. V., Kleider- und Wäsche-Depot, Schützenstraße 1, Karolus 44 217, nachm. 3—5 Uhr. Das Neueste aus der A. J.Jugendgruppe. Ain kommenden Freitag abend, 26. Oktober, sprechen im Rahmen der gemütlichen Freitagabend-Veranstaltungen die Herren Redakteur S. S ch a ch n o w i tz und Dr. Hermann Hirsch. Die Veranstaltung beginnt pünktlich 8,15 Uhr; die Leitung des Abends hat Herr Leopold Deutsch. Es empfiehlt sich, rechtzeitig zu erscheinen, da erfreulicherweise die 'vorwöchentliche erste Veranstaltung dieser Saison sehr gut besucht war. Die Anmeldung zu den Vorlesungen, die im kürzlich versandten Programm veröffentlicht sind, sind leider noch nicht sehr zahlreich eingegangen. Wir bitten alle Interessenten, ihre Anmeldungen bis! spätestens 1. November einzusenden. Weitere Veröffentlichung wird dann erfolgen. Durch einen Irrtum ist die vorwöchentliche Veröffentlichung des Jahrzeitslernens fehlerhaft gewesen. Am vorigen Schabbos fand anläßlich des Jahrzeitstages von N. Perlmutter bn um 12,45 das Lernen statt. Für Frau Clemen'tine Sondheimer b"i findet das Jahrzeitslcrnen am 24. Cheschwan (Dienstag, den 6. November), abends 8,30 Uhr im Heime statt. Der Angestelltenausschuß hat seine Sprechstunde auf Montag und Dollerstag von 8—9 Uhr verlegt. Dringender Appell an alle Arbeitgeber. Der Arbeitsnachweis der Weiblichen Fürsorge für jüdische Frauen und Mädchen (Langestr. 30, Hansa 3425) erläßt folgenden Appell: „Denkt an die jüdische Jugend, die Ostern die Schule verläßt und Lehrstellen sucht. Unsere vorjährige Bitte um Verschaffung von Lehrstellen ist von vielen n i ch i gehört worden. Es ist Pflicht d-er jüdfichen Arbeitgeber ihr-e Lehrstellen für Mädchen mit jüdischen Mädchen zu besetzen und diesen zu ermöglichen, den Sabbat zu halten."

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