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Der Israelit · 1928-10-18 · Heft 42 (18.10.1928) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 42 (18.10.1928)
Date
1928-10-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
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JeuilktOH Der Israelit Rr . 42 192$ 3m jüdischen Burgenland - und in der Slovakei. 'AiY Don L. Wofc*- II. Das alte Carnuntum lag an der Grenze des Römerreiches gegen die Germanenstämme, heute aber beginnt knapp hinter Carnuntum, bei Deutsch-Altenburg die Slovakei und schon aus der Straße nach Hainburg begegneten mir Sokoln in ihren nationalen Kostümen. Diese Straße von Deutsch-Altenburg nach Hainburg gewährt an schönen Sonntagen mit ihren Scharen von Spaziergängern einen Anblick, der an die Szene ,>Vor dem Tore" aus Faust, 1. -Teil, lebhaft erinnert. Es fehlte da nur der grübelnde Gelehrte, der mitten unter vergnügtem Volk Ewigkeitsprobleme erörterte, während das Bild sogar des dazugehörigen Stadttores, mit seinen Türmen nicht ermangelte. Knapp vor diesem Stadttore, dem „Wienerin", befindet sich ein Gasthaus, in dessen Gartenveranda eine Holzverschalung mehrere dort in der Mauer befindliche jüdische Grabsteine züchtig bedeckt. Leider war es mir nicht möglich, die Kosten einer Entfernung dieser Verschalung zu tragen, und so mußte es weiter dieser Form von Denkmalschutz überlassen bleiben, das Geheimnis der jüdischen Grabsteine von Hamburg zu bewahren. Hamburg gehört auch darin, zur Slovakei, daß dort die im 14. Jahrhundert aus Preßburg vertriebenen Juden bis zu ihrer Rückkehr in die Heimat wohnten. Der Großvater Israel Jfserleins war Chaim (auch Henschel genannt) aus Hamburg und im Jahre 1338 stellte ein Priester in der Kirche zu Hamburg eine in Blut getauchte, aber nicht konsekrierte Hostie auf und sagte dem Volke, das Blut sei aus den Wunden hervorgequollen, die ihr ein Jude beigebracht hätte. Er gestand später in Gegenwart des Bischofs Und anderer glaübwürdiger Perfonem- Mselbsthktbe dke Hostie blutig gemacht und getrieben von seinem Hasse gegen die Juden die Verleumdung erdichtet, (Mayer, Geschichte Oesterreichs, I, 496). Aus jener Zeit stammten vielleicht auch die noch in deyjKreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts bekagntey Judenbädevk-m der- Stadt und das im Hofr<mm.e des Hauses. Wienergaffe^g nvch'ijetzt bestehende, turmähnliche. Gebäude, das als - Judensyrchgoge oder vielmehr aln deren Rest bezeichnet Wird.: M einer Weggabelung beim- Ungavtox heißt ein Hlckerdreieck noch heule „Judenfriedhof" und aus diesem Friedhöfe dürften sowohl die Steine beim Wienertor stammen als auch die in Maurers „Geschichte der Stadt Hamburg" erwähnten drei Grabsteine. Nur einen von diesen Grabsteinen konnte ich im Pfarrhofe dank dem Entgegenkommen des Pfarrherrn, eines Priesters, dessen bereitwilliges Verständnis ihn nur vorteilhaft von seinem oben erwähnten Amtsvorgänger unterscheidet, besichtigen. Er weist eine stark verwitterte Inschrift auf, deren hier folgender Text nicht ganz mit der von. Maurer veröffentlichtem von Hofrat Frankfurter in Wien besorgten Uebersetzung übereinstimmt: „ Mein Schmerz ist frisch, ...>V7N '12V Mein Herz geändert und .... »pri» •’i? mein Auge schwand dahin; (genommen ist von mir) die "2 nivp '288.' Krone meines Lebens (besser ........ „Hauses") Chanina (kein Frauenname); dann die bekannte _ hebr. Formel. „Ihre Seele fei eingeschlossen in den Bund der .y .. Seligen." % Jedenfalls erscheinen Hamburger Juden auch in verschiedenen Urkunden des 14. Jahrhunderts und nach der im Jahre 1420 in Hamburg wie überhaupt itt ganz Niederösterreich' erfolgten Vertreibung schenkte Herzog Albrecht dem Pfarrer von Hamburg „das Tukhaus (samt aller Zugehörung), das vorhin den Juden gehörte, nächst der niederen Badstube nächst der Tukmauer." Durch eine schmale Luke in der Stadtmauer, an der eine Gedenktafel die Erinnerung an schwere Kämpfe mit den Türken bewahrt, so daß man vermeint, durch Blut zum Dönaustrand hinabzuwaten, verlasse ich die Stadt. Wozu ist dieses viele Blut eigentlich geflossen? Schließlich haben ja die Türken doch Hamburg erobert, wenn auch nicht mit ihren Säbeln, sondern mit ihrem Tabak, der in der Fabrik hart an^der Stadtmauer verarbeitet wird. Meine Mutter erzählt meinem Töchterchen mit Vorliebe Begebenheiten aus meinen Kinderjahren. Da hört denn das Enkelkind mit offenem Munde u. a. regelmäßig, daß ich einst gelegentlich eines Spazierganges so lange mit meinem Spgzierstöckchen umherfuchtekte, bis es im Schwung in einen Garten, den wir eben passierten, flog. Ohne dieses Spazierstöckchen wäre ich kaum jemals in diesen Garten gelangt und so habe ich nachher noch öfter in meinem Leben den Stab, den andere fest in Händen zu halten pflegen, weggeworfen, um auf der Suche nach diesen Stützen realen Lebens in die verschlossenen Gärten der Vergangenheit oder der Märchenwelt zu gelangen. Darum mußte ich. auch, statt direkt nach Preßburg zu fahren, in Deutsch-Altenburg den Zug verlassen, um erst in der Vergangenheit von Hainburg unterzutauchen, ehe ich in> die große Gegenwart von Bratislava kam. (Fortsetzung folgt.) S. R. Hirsch in Abefflnien. (Mit einem Bild.) Ein Freund unseres Blattes, der sich für die Sache der F alasch as einsetzt, erhielt folgenden Brief aus Addis Ababa in Abessinien: „Es ist vielleicht richtig, wenn ich Ihnen in Fal»fcha-Sch«le in mbis Abeba (Abesstnien). aller Kürze berichte, was hier vollbracht wurde, feit- Ntm ich. Zhneu nicht mehr geschrieben habe. Zwar schreitet -das Unterrichtswerk im Tempo einer Schildkröte tek . Koch; ist es eine Tatsache, dgtz es vor- HAchrAej. Die Laugsamkest der Entwicklung; ist, LM^? •;;in.2U— wie leicht zu verstehen ist, aus den Mangel an Geldmitteln zurückzuführen. Ich habe Ihnen zwar bereits über diesen Gegenstand geschrieben, doch werde ich. s. G. w„ bald Gelegenheit haben. Ihnen ausführlicher darüber zu schreiben.Gleichzeitig danke ich Ihnen nochmals für den „Israelit", den ich regelmäßig erhalte. Ich möchte den heutigen Brief nicht schließen, ohne auf ein stark empfundenes Bedürfnis hinzuweisen, dessen Stillung meiner Lehrarbeit größte Dienste leisten würde. Ich möchte Sie bitten, die Güte zu haben, mir drei oder vier Exemplare des P entateuchs mit Uebersetzung und Kommentar von Samson Raphael Hirsch s. A. zugehen zu lassen. Dieses Werk des in gesegnetem Andenken stehenden Samson Raphael Hirsch ist hier besonders wichtig, und ich bitte Sie daher, es entschuldigen zu wollen, wenn ich gleichzeitig mit meiner Bitte den Wunsch ausspreche, daß mir das verlangte Werk möglichst mit größter Beschleunigung zugehe . . ' Diesem Briefe, der durch die eine Illustration belegt und veranschaulicht ist. fügen wir die Bitte an, der Ruf der fernen Brüder möge Erhörung finden, in dem Sinne, daß Edelgesinnte ihnen die gewünschten Hirsch-Werke zukontmen lasten. ' ■•3- : N! V;;0; -- . ,'3: f :| M Mischer Witz. Der Amhoorez. Beißend ist der Witz, der den Amhoorez, den Ungelehrten, zur Zielscheibe hat. Ein -unwissender Fleischhändler, der zudem noch im Rufe steht, mehr- Knochen als Fleisch zu wiegen, wird von einem gelehrten Spaßmacher bös hereingelegt. Der Fleischer bittet ihn um einen schönen Bibelvers als Motto und Aushängeschild für sein Geschäft, und dieser empfiehlt ihm mit gutem Erfolge den Satz: „Wehaalifsem es azmausai mise ittchem." . * * -- . :.; * ■ ’1. „Schqbchol daur wohaur", das sich irregelaufene „Schebchol" findet. * * * > Einem anderen Amhoorez ist das Mißgeschick passiert, daß er im Winter die Hagada mit einer „Slicho" zusammynbinden ließ. An diesem Sederabend will die Hagada gar kein Ende nehmen. Er ist fertig mit „Chadgadjo", nun beginnt es von neuem mit „Oschamnu" usw. Der ältere Sohn wird ungeduldig und meint, voriges Jahr sei die Haggada gar nicht so lang gewesen. „Du bist ein Ignorant", verweist ihn der Vater, „du weißt wohl nicht, daß wir dieses Jahr ein Schaltjahr haben." * * * >> Schwer rächt sich das Ignorantentum am Peßach und insbesondere am Sederayend mit seinen komplizierten Vorschriften. Ein Amhoorez liest die Hagada etwa wie folgt:: „Manischtano; halaüo haseh mikol halelaus schebchol", macht hier den Punkt und liest so weiter, immer mit „schbechol" schließend. Zum Schluß fehlt ihm ein. „Schebchol", denn er weißes müssen vier Fragen sein, und er ist glücklich, als er einige Blätter weiter im Abschnitte Berke, ein biederer Dorfjude, ist nicht allein um das körperliche Wohl, sondern auch sehr um das geistige und Seelenheil seines Weibes besorgt. Am Sederabend muß die tapfere Hausfrau mitten im Sagen der Haggada einmal hinausgehen, um nach dem Wohle der Knödel sich umzusehen und sie legt ihrem Gatten sehr ans Herz, jedes Wort gleich für sie mitzusagen. Er tut es mit der Gewissenhaftigkeit eines treuen Gatten. Wie er an den „zehn Plagen" ange-

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