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Der Israelit · 1928-10-11 · Heft 41 (11.10.1928) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 41 (11.10.1928)
Date
1928-10-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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12.0Kf.1928 . ™ ■ 11. Oktober 1928 Frankfurt a. 2TT., den 27. eifert 5689 / j£L-> 9!r 41 orthodoxe Judentum Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Abonnement ab Sanuai 1934: Deutschland I Toldmarl monatlich; Ausland: Merteljahrpreise (entsprechend dem.deutsche» Inlandspreis zuzüglich Koste« des Streifband-Versandes) Deutsch-Lfterreich: Schilling 8.—; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; ab 1. Juli Frankreich 28 Fr.; Belgien üb 1.7.27. Belga ö; Holland 3 fl.; Italien abl. 1.38.18 Lire; Jugoslawien 86 Din.; Litauen 7.60 Lit.; Rumiinie« ab 1. 7. 27. 160 Lei; Pole« 4 deutsche Eoldmark «um Tageskurs oder 7 Zloty. Schweiz 6 Fr. Tschecho-Slowakei 85 Kronen; Ungarn Pengö 5 ab 1.Juli1927; Dänemark 3.50 Kro«.;Norwegen3.60 Krön.; Schwede« 3.60 Krön. Einzelnummer dreißig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 40 Goldpf. für die fiebengespalteue Nonpareille-Zeile. Abonnenten zähle« bei Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 30 Pf. Die 76 mm breite Reklmnezeile: letzte Tertseite 1.60 ML, vorletzte Textseite 3.— SRI; Thiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbrtefportos. Rabatt nach Tarif. Bet laufende» Inserataufträgen tartfm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Jnferatenannahme durch de» Verlag des Israelit G. m. b. H., Frankfurt a. SR., Rechneigrabenstratze 7. Tel. Hansa 5843 sow. durch sämtl. Annoncen-Exved. des In- und Auslands. Alleinige Jnferatenann. für Franks. Geschäftsanz.: Jul. Schmidt, Langestr. 7, II, Tel. Hansa 4841. Platzvorschr. ohne Verbindlicht. direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) Nr. 18803. — Außerdem an: Postsparkasse Wien Nr. 79805. — Postsparkassenamt Budapest Nr. 18424..— . Warschau Nr. 190767.—Postscheckamt Zürich Nr. Via 7L4 — Inkasso-Bank Rotterdam — Postscheckamt Amsterdam Nr. 34869 — Böhmische Uuionbank in Prag - San«:» bl-u-m-uoscd Blank & Cojte Bukarest - Filiale des Wiener Bankvereins in Agram. — Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inserate» sich ergebende» Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. SB. Entwicklungen. Die großen Tifchri-Tage laden denjenigen, der Nicht ganz in sein persönlichstes Wollen und Wünschen eingesponnen ist, mit besonderer Eindringlichkeit zum Ausblick auf den Barometerstand des geistig-religiösen Lebens im großen Ganzen des jüdischen Volkes. Niemand allerdings vermag in die Tiefen der Seele des Einzelnen zu dringen, geschweige denn den Millionen von Individuen, die über alle Erdteile zerstreut, sich an den Tagen der Erhebung zum Gotte Israels wenden, das Horoskop ihrer religiösen Zukunft zu stellen. Man ist auf die Beobachtung der mehr oder weniger organisierten Gruppe n von einheitlicher Geisteshaltung angewiesen, auf ein ahnendes Einfühlen in die Richtung ihres Wachsens-und in die Tendenz ihrer Entwicklung . " Die Diskussion, die sich in der zionistischen und liberalen Presse an die Berliner Weltkonferenz der Liberalen anschließt, bietet einer solchen Beobachtung manches interessante Material. Hat die Konferenz mit aller Deutlichkeit die starke Tendenz zum jüdischen N a t i 0 ti a I g e danken offenbart, die in der jüngeren Rabbiner-Generation der Liberalen. lebendig ist und den anzufachen, der Hauptzweck der liberalen Festnummer der zionistischen „Rundschau" war, so ist es begreiflich, daß es den weiterblickenden Führern des „ Misr ach i " bei der Aussicht auf einen starken Zustrom liberaler Theologie in den Zionismus hinein etwas unbehaglich zumute wird. Diesem Unbehagen gOt Oskar Wolfsb e r g in der letzten Nummer der „Rundschau" Ausdruck. Und doch ist diese Entwicklung ganz unvermeidlich. In dem Augenblick, in dem der Liberalismus die äußere Assimilation in B r a u ch u n d Sitte als würdelos empfindet, um dafür umso bewußter die „Befreiung" von der i n n e r e n B i n d u n g durch die jüdische Glaubenslehre anzustreben, mündet er von selbst im zionistischen Nationalismus, der ja seinerseits — siehe die beachtenswerten Ausführungen Dr. Erich H i r f. ch b e r g s im Centralvereinsblatt — mehr und mehr zu einer bloßen Betonung des Stammes- und Blutmäßigen sowie der geschichtlichen Gemeinschaft aufgelockert und damit der gegebene Boden für eine religiöse Reform von innen heraus wird. berg selber weiß gar nicht weit genug abzurücken von der „Orthodoxie strengster Observanz", statt umgekehrt, wie es die Lage erforderte, die dog5 matifche Uebereinstimmung mit der „Orthodoxie" umso stärker zu unterstreichen. Er schreibt in dem erwähnten Aufsatz: „Ebenso wie der Begriff Liberalismus ist der der Orthodoxie zu weit gespannt. Damit erleichtern sich die Liberalen die Durchführung ihrer Gedankengänge ebensosehr wie ihre Offensive nach rechts. Die Liberalen differenzieren nämlich nicht im geringsten die vorhandenen Richtungen und Strömungen innerhalb des traditionellen Judentums und glauben, wenn sie im geistigen Kampf die Position der Orthodoxie strengster Observanz erschüttert haben, daß auch die kultursreundlichen traditionellen Gruppen damit erledigt seien. Tatsächlich müßte sich die liberal-zionistische Gruppe mit den Gruppierungen der Rechten auseinandersetzen, die ihnen den Kampf weniger bequem machen, u. a. aud) mit bem Misrachi: Im engeren misrachistifchen Kreis fand kürzlich anläßlich der Anwesenheit von E. M. Lipschitz, Jerusalem, eine ideologische Aussprache statt, die auch Sthamzionistengezeigt hätte, mit welchem Ernst sowohl die Tradition als auch modernes Denken und die Problemanlage der Gegenwart zum Zwecke der Gewinnung einer national-religiösen Theorie durchdacht wird." Es ist sehr zu befürchten, daß eine nach dieser Methode erdachte selbständige „national-religiöse Theorie" die Kluft, die insbesondere den „Misrachr" in den östlichen Ländern von der religiösen Masse und den •’Vm trennt, immer tiefer und schließlich unüberbrückbar werden wird. Wir verweisen in dieser Hinsicht auf einen Artikel des Jerusalemer „ K 0 l Israel" über Wesensart und Ergebnisse der Misrachi-Schulen in Palästina. Wir können die Angaben des Artikels im einzelnen nicht nachprüfen und setzen von vornherein voraus, daß er nicht grade mit der Objektivität eines unparteiischen Richterspruches geschrieben ist. Aber er gibt doch recht, recht Trübes zu denken und sollte Anlaß zu einer ernsthaften Untersuchung durch diejenigen deutschen und holländischen Misrachisten geben, denen es ernst ist um die Rettung der schlichten nKT im heiligen Lande. .■ Die nervöse Abneigung gegen alle „Orthodoxie" und die Betonung einer national fundierten äußerlichen „Gesetzestreue" — alias „Orthopraxie" — ist geradezu verhängnisvoll in einem Augenblicke, in dem steigender Einfluß der prinzipiell bibelkritisch und antidogmatisch eingestellten Strömungen auf das heilige Land sowohl wie auß die hoffnungsvolle „Heimkehrer-"Vewegung um Westen sich^ geltend macht. Mochte man sich fast eines in feiner Ehrlichkeit ängönehm radikalsten Rufer im Streit, Rechtsanwalt Schweitzer in der „Liberalen Zeitung" über den „Gewissenszwang" gegenüber den liberalen Rabbinern hinaussendet. Von diesen Theologen die öffentliche Respektierung des Religionsgesetzes zu fordern, dessen göttlichen Ursprung sie leugnen, wie es fast überall geschieht, sei nichts anderes als „Gewissenszwang". Er schreibt dann: Von allen Irrlehren, die im religiösen Judentum verbveitet sind und die immer wieder unangefochten und gedankenlos nachgesprochen werden, scheint mir die oberflächlichste, armseligste und dabei gefährlichste die zu sein, daß das religiöse Judentum in Gegensatz etwa zum Christentum gar keinen Gewissenszwang ausüben könne. Man erklärt, düs Christentum stelle Dogmen auf, deren Anerkennung bedeute eine Anforderung an die subjektive Ueberzeugung und damit also der-en Opfer, soweit sie den kirchlichen Lehren entgegensteht. Das religiöse Judentum aber verlange nur die Jnnehaltung bestimmter Gesetze, deren Befolgung aber liege in der Sphäre des praktischen Handelns und könne daher nicht im Gegensatz zu dem theoretischen Denken stehen. Daher gebe es eigentlich nur gesetzestreue und nicht orthodoxe Juden. An dieser Lehre ist für den ernster Denkenden alles falsch. Zunächst ist schon die Behauptung daß wir es überhaupt nur mit einer gesetzestreuen Richtung im Judentum zu tun hatten, falsch. Wir haben — um in Deutschland zu bleiben — bekanntlich in Frankfurt a. M. eine jüdische Gemeinde, die sich als orthodox bezeichnet. Hierbei kommt es nicht auf die Größe dieser Gemeinde an, sondern daraus, daß diese Gemeinde ihre Begründung gerade d e m Manne verdankt, der der eigentliche wissenschaftliche Repräsentant jenes gesetzestreuen oder orthodoxen Judentums ist: Samson Raphael Hirsch. Wenn jene Gemeinde, die den Manen dieses Mannes folgt, sich als orthodox bezeichnet, so beweist sie einen zehnfach tieferen Blick als jene scheinmodernen Apologeten, welche die Möglichkeit einer Orthodoxie im Judentum bestreiten. Denn man braucht nur die Schriften eines Samson Raphael Hirsch zu lesen, um zu erkennen, daß das, was hier..verkündet wird, nichts anderes ist, als Orthodoxie. Orthöd'ü'xte,- -die an sich durchaus konsequent und daher von unserem Standpunkt durchaus achtenswert ist, aber eine Orthodoxie, die unserem modernen Empfinden genau ebenso fremd gegenübersteht, wie der Dogmatismus etwa der katholischen Kirche. Worauf beruht dann der religiöse Sinn der genauen Befolgung des Zeremonialgefetzes — sofern man ihr überhaupt einen religiösen Sinn beimißt, und nicht die ganze Angelegenheit in eine andere Sphäre bringt, — als, daß dieses Zeremonialgesetz letzten Endes in seiner Verbindlichkeit aus göttliche verbale Inspiration zurückgeht, so daß eben die Befolgung des Gesetzes durch die Mitglieder der jüdischen Religionsgemeinde ein gottgewolltes Werk darstellt. Dies ist der Gedanke, der das Zeremonialgesetz Jahrtausende lang erhalten hat. Aber dies ist auch der Gedanke, der einer werteren Fortdauer in den geistig hochstehenden. Werkten eines Hirsch klar zugrunde gelegt wird. Dieser Gedanke aber, ich wiederhole es, ist nichts anderes als Lehre, ist nichts anderes chls Dogma.; .. ... ' _ -; 2 Gewiß kann man den Begriff des „Dogmas" nicht in dem Sinne des credo quia absurdum auf; .Der. jüngere „Misrachi" scheint diesem VerschmWungsp.rMß: Mischen ListeraNsmus imft Zionismus unbewußt entgegenzukommen. Wolfsherührenden Stoßseufzers freuen, den einer der

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