Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 39 (27.9.1928)
- Date
- 1928-09-27
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2450495-2450533--75346-2532864- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
"£> r i DM ilüllüi? naiia ■fl-On n .'?W2!2 pn sV N1V ’as1? „Vor einen Blinden sollst Du kein Strauchelmrerk hmgeben!" Diese biblische Mahnung, deren Lanze Tiefe erst die mündliche Lehre uns zum Bewußtsein zu bringen versteht, tritt mit furchtbarem Ernste an: die jüdische Presse unsrer Stadt .heran in dem Augenblicke, in dem die Volksschule des „PH i l antr o p i n " vermittelst einer starken Propaganda für die von ihr in Aussicht genommene W e st e n d- Klasse versucht, die jüdischen Eltern der westlichen Stadtteile für sich zu gewinnen. Die Zeiten haben sich geändert — in d o p - pelter Hinsicht. . - Längst nicht mehr besteht die Vorstellung zu Recht, daß im Westend. nur Liberale und Assimilanten vohnten; es gibt dort viele Hunderte gut jüdischer Familien des Mittelstandes und der begüterten Kreise,, die ihre Kinder Zu J e h u d i m, nicht zu Katechismus-Israeliten erzogen, zu sehen wünschen. Aber es hat sich noch etwas — leider — geändert: d er durch und durch lib e ralj ü d i s che CH a r a kt er d es P h i l a n tr o - p i n s ist in den Augen vieler urteilsloser Eltern verschleiert,- seitdem der Schule durch Einrichtung eines konservativen Religionsunterrichtes der Sche in des Traditionalismus verliehen worden ist. In. Wirklichkeit wird die liberal e Tradition der Jost, Johlson, Creizonach und Heß von der Anstalt mit rührender Zähigkeit, festgehalten und diese ganze durch den Geist der Leiter und Lehrer bestimmte. Atmosphäre der Schule wird niemals wahrhafte Jüdischkeit im alten Sinne des Wortes aufkommen lassen. Dcheüt man sich doch nicht einmal, in einer „wahlfreien" Arbeitsgemeinschaft der obersten Stufe wie der o f f i z i e l l e B e r i ch t meldet — den halbreifen jüdischen Jungen das Martus - Ev an ge lium zur Lektüre zu.unterbreitendamit die dech liberalen Judentum nun einmal unbewußt anhaftende innere Tendenz der Astglerchung an dgs liberale Christentum nur ja auch ihre frühzeitige Fundierung finde. Und im eine solche Schule sollen h albwegs „ konserv ativ " gesinnte El t er n. i h r e K i n der s ch i ck e n! Wir w am e n! Wer sehenden Auges seine Kinder ^laV ivi» sein w i l l, der ist dafür nur Gott allein Rechenschaft schuldig — allein den B fl n d en den Star zu stechen, die in die Grube stürzen, weil sie mit einer Strohschicht sorgfältig zugedeckt ist, scheint uns heiligste Pflicht. , Wer von unsren Brüdern im Westend sich nicht entschließen kann, sein Kind unter Benutzung der Trambahn in die im Ostend vorhandene, jedermann offenstehende, jüdische Volksschule >ZÜ schicken,./dem stehen notfalls im Westen städtische Volksschulen zur Verfügung, die. der jugendlichen Seele jedenfalls verhältnismäßig geringere religiöse Gefährdung bringen als das Philantropin mit seinen liberalen Traditionen. Allein die frühzeitige Gewinnung unsrer Kinder für ihre jüdische Zukunft sollte die Unbequemlichkeit einer Trambahnfahrt wahrlich aufwiegon. Don der Samfo» Raphael ' Am 1. Oktober wird Herr Direktor. Dr. Elias Fin k wegen Ueberschreitung der Altersgrenze vom Direktorat zurücktreten unddie Führung der Direktoratsgeschäfte bis zum Amtsantritte seines Nachfolgers. Herrn Direktor Dr. E lia s aus Fürth. Herrn Stud.-Rat Dr. Marcus Lan g e überlassen. Die Persönlichkeit und die Wirksamkeit des Herrn Studiendirektors Dr. Fink, der seit 42 Jahren an der Schule tätig ist und seit 1923 an deren Spitze als Direktor steht, ist allbekannt und bedarf keiner weiteren Würdigung Herr Professor Dr. Fink wird noch weiter seine Lehrtätigkeit ausüben, fo daß diese hervorragende Kraft unserer Samson Raphael Hirsch-Schule noch weiter erhalten bleibt. Herr . Prof. Dr. Fink hat sich durch eine Reihe von wissenschaftlichen Schriften, besonders auf naturwissenschaftlichem Gebiete, auch als Lehrer der Großen einen Namen erworben. Der Gemeindevorstand hat Herrn Studiendirektor Dr. Fink zum Mitglied des Schulrats ernannt/ Möge es ihm noch eine lange Reihe von Jahren vergönnt sein, in ungeschwächter Kraft und mit unvermindertem Erfolge für seine geliebte Schule, mit der er durch -ein Menschenalter rastloser Tätigkeit verwachsen ist, wie für die große Welt zu wirken. Thöra-Lehr-Anstalt Jeschiwa. Im zurückliegenden Sommersemester wurde die Jeschiwo von , 72 Hörern besucht, die sich vorwiegend aus westeuropäischen Kreisen zusammensetzen. Besonders hervorgehobsn zu werden verdient die Tatsache, daß Abiturienten .in stattlicher Zahl (sowohl aus Frankfurt wie auch aus anderen Städten Deutschlands) sich entschloffen haben, ehe sie das Universitätsstudium aüfnehmen, sich zunächst intensivem Thorastudiüm zu widmen. Da sich die Jeschiwa erfreulicherweise vor immer größeren Aufgaben gestellt sieht,, ist sie mehr denn je auf die öpferfreudige Mitarbeit aller Thorafreunde, denen die Erstarkung echten Thorageistes' in Deutschland Herzenssache ist, angewiesen. Außer geldlichen Zuwendungen (auch Jahrzeitsstiftungen) nimmt die Jeschiwa Schenkungen an Büchern dankbar entgegen. In diesem Semester konnte die Jeschiwa ihre Bücherbestände an Hebräica durch Schenkungen von' Herrn Dr. Spiegel-Altona, Sally Goldschmidt-Frankfurt, S. D. Weißkopf-Frankfurt, sowie durch Anschaffung von Judaica aus einer Stiftung zum ehrenden Andenken - an Prof .Dr. Bondi . bereichern. Das Wintersemester beginnt am . 1V. Oktober (26. Tischri) mit. der Prüfung der neu eintretenden Hörer. Neuanmeldungen sind an Herrn Rabb. Dr. Joseph Breuer, Frankfurt a. M., Rückertstr. 5V., zu richten. Suckaüswoche im Ittekor Ehajim. Für die -Woche ist folgendes Programm vorgesehen :,1. Tag twiv) nach Schluß der Synagoge im Hörsaal . Jah^eitstiftungslernen: Cmanuel. Landau-Stiftung Nathan Homburger-Gtiftung; nachmittags 3U Stunden vör nn«». im Bereinskokal :ysvvn von rnsv'»'« vi' Herr Dr. Willy Hofmann; nachmtttags im Anschluß an nnr» im Hörsaaln2«!,vn ms nnvv Herr Red. S. S chachnowitz. 2. Tag (Sonntag) 1 Stunde vor Nacht im Hörsaal viphb nsr Herr Herz H a l p e r n. Donnerstag abend nai «rimn-Lernen im Ber-einslokal, Beginn abends 8.30 Uhr (Anmeldung.erwünscht), nn^s'iwv (n-iv) nachmtttags slt Stunden nnw im Bereinskokal nvnnn owi Herr Dr. Willy Hofmann. Am »n iiv« (Montag den 8. Oktober 1928) beginnt das Winterprogramm. Sitzung der Gemeindevertretung der Israelltifchen Gemeinde am rNittwoch den 26. September. Die Behandlung, zweier. Gegenstände der Tagesordnung zeigte für den Beobachter im Untergrund eine fühlbare Tendenz der Vertiefung und Erweiterung der Einflußsphäre der Gemeinde. Der jüdischen I u g e n d kam man in der wörtlich ausgesprochenen Absicht der Heranbildung, künftiger wertvoller Gemeindemitglieder dadurch entgegen, daß man auf, Vorschlag der Finanzkommission ihren Vereinen eine..Gesamtsubvention von RM. 7709— gewährte' und diesem oder jenem Verein kleinere Beihilfen noch in Aussicht stellte. .Man teilte dabei, der inneren Konstruktion der Gemeinde entspre^ chend, wahllos/ seine Gaben, dem Blumen, jenem Früchte aus, bewilligte.dem Ostj ü difchen Jügendverern RM. 300.-^- und,' dem I ü di f ch - libe r a le n Äuge ndoe.r ein RM. 1200.—, der Kadimah RM. 200.— und dem Mädchenklub RM. 1200.—, dem Bar-K o chba RM 600.— und dem Montefiore- Verein RM. 1200.— usw. Auch gegen die O st j u den, die allerdings einen integrierenden Bestandteil der Gemeinde bilden, war man freigebig. Trotz der Meinung mancher, daß ihre Einnahmen aus sich' selber heraus leicht wesentlich besser gestaltet werden könnten und daß ihre Bilanzen ein wenig aus dem Handgelenk gemacht seien, einigte man sich schließlich dahin, daß man ihren 8 Betsälen insgesamt einen Betrag von RM. 8000.— zubilligte. Ohne damit den schon lange vorhandenen und heute wieder zum Ausdruck kommenden Gedanken der Errichtung einer Zentralsynagoge für sie ganz auszug-eben. Ein unerquickliches, ja für die Dauer unhaltbares Verhältnis scheint zwischen dem Jsraelittschen Krankenhaus, Gagevnstraße und dem Schwesternhause des Vereins der jüdischen Krankenpflegerinnen schon längere Zeit zu bestehen. Ein innerer Kontakt, wie er notwendig wäre, besteht unverkennbar zwischen -den beiden Kontrahenten nicht. Die Schwestern klagen, daß sie dem Krankenhaus ein zu starkes Kontingent von Kräften — 17 an der Zahl — bei nicht ganz ausreichender Entlohnung und nicht genügenden Sicherstellung ihxex späteren Zukunft stellen müssen. Krankenhausärzte wiederum erklären, sie könnten ihre Arbeit nicht fortsetzen, wenn ihnen nicht genügend Schwestern zur Verfügung gestellt würden. Der dadurch etwas reizbar gewordene Zustand dokumentiert sich auch darin, daß dem Schwesternverein vorgeworfen wird, er lade, wie vereinbarungsgemäß vorgesehen sei, die Delegierten der Gemeinde nicht zu seinen Vorstands» sitzungen ein. Allheilmittel, nach Ansicht des Vorsitzenden vom Pflegamt des Krankenhauses und mehrerer Redner: Vergemeindung des Schwesternhauses. Wobei abzuwarten bleibt, ob man sich auf dieser Basis wirklich je einigt. — Aber die Subvention von RM. 12.000.— wird einstweilen für den Krankenpflegerinnen-Vevein beschlossen. Verschiedentlich geäußerte Wünschet die Zentralisierung der jüdischen Wohlfahrtspflege möge doch endlich greifbare Gestalt gewinnen, bleiben, wie es den Eindruck macht, zunächst noch Wünsche, die aber wahrscheinlich am 1. November erfüllt werden. Lebhaft diskutiert wird über die prinzipielle Frage, ob der, im Etat vorgesehene Bettag von RM: 285.000.— für Wohlfahrtspflege ein Rahmengesetz darstelle, dessen Ausfüllung und Ausführung im Einzelnen der sozia» 1 e n Ko mm i s si o n als Exekuttve oder der Geme in de Vertretung überantwortet werden solle und müsse. Die Meinung der überwiegenden Mehrheit neigt der letzteren Aufsassu-ng zu. — Wesentliche Abänderungen einiger Posten des Etats durch den Dofttand wer? den der Finanzkommission zur Beratung überwiesen. Lebende und Töte werden dann noch bedacht. Dem Srechenhaus werden RM. 12.000.— Beittag, dem Heim des Jüdischen Frauenbundes RM. 25.00.— gewährt, dem neuen Fttedhöf RM. 5000.— Mr Isolierung von 4—6 Zellen und RM. 1200.— für Pflanzen und Blumen. Sicherlich um einem dringenden Bedürfnisse zu genügen, erhält die Häuptsynagoge rasch noch eine Laubhütte. Ob in diesem oder nächsten Jahr, wissen wir nicht. Hauptgewinne der Wertlotterie zur Bekämpfung der Tu-, berkutofe unter den Juden. Bei der Ziehung am 26. September fiel der erste Hauptgewinn auf Nr. Iß 306, der zweite auf Nr. 42 67',, der -dritte bis siebente im Werte von je RM. 1000.— auf die Nummern 95 878, 104182, 61157, 51936, 88 914. Ferdinand Ehrmann Am 11S2 dt> :ny brachten wir hier auf dem Friedhof der Jsraelittschen Religionsgesellschaft Ferdinand Ehrmann zur ewigen Ruh^. Obwohl die Bestattung nicht rechtzeitig angezeigt werden konnte, umgab doch eine große Schar von Freunden und Verehrern in tiefer Trauer die Bahre. Ferdinand Ehrmann entstammte einer, guten jüdischen Familie in König im Odenwald, war -ein- Kind jener guten alten Zeit, die in Freude, Frömmigkeit und Gottvertrauen die von der Pflicht vorgeschriebene Lebensbahn wandelte. In frühester Kindheit hatte er. den Vater verloren und hing mit um so größerer, schwärmerischer Liebe an der Mutter, die bis JÜ