Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 39 (27.9.1928)
- Date
- 1928-09-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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29.SEP.T92J 27. September 1928 Nr. 39 Frankfurt a. AI., den 13. Tischri 5ö»9 Begründet von Dr. Lehmann in Mainz Monnement ab Januar.1934: Deutschland 1 Goldmark monatlich; Ausland: Bierteltahrpreife (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes) Deutsch-Österreich: Schilling 6.—; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; ab 1. Juli Frankreich 25 Fr.; Belgien ab 1.7.27. Belga 5; Holland 8 fl.; Italien ab 1.1.28.18 Lire; Jugoslawien 56 Din.; Litauen 7.50 Ltt.; Rumänien ab 1. 7. 27. 160 Lei; Polen 4 deutsche Doldmärk zum Tageskurs oder 7 Zloty. Schweiz 5 3?c. Tschecho-Slowakei 25 Kronen; Ungarn Pengö 5 ab 1.Juli 1827; Dänemark 3.60 Krön.; Norwegen3.50 Krön.; Schweden 8.60.Krön. Einzelnummer dreißig Goldpfennige. - Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 40 Voldpf. für die fiebengespaltene Nonpareille-Zelle. Abonnenten zahlen bei Stellengesuche« und Familienanzeigen nur 80Pf. Die 75 mm breite Reklamezeile r letzte Tertseite 1.80 Mk., vorletzte Tcxtseite 2.— Mk.; Ehiffregebühr in Höbe eines dopv. Fernb^efportos. Rabatt nach Tarif. Bet laufenden Jnserataufträge« tartfm. Preiserhöhurg jeden. Vorbehalt. Inferatenannahme durch de» Verlag des Israelit ®. m. b. H., Frankfurt a. M., Rechnetgrabenstraße 7, Tel. Hansa 8842 sow. durch sämtl. Annoncen-Exped. des In- und Auslands. Alleinige Jnseratenan«. für Franks. Geschäftsanz.: Jul. Schmidt, Langestr. 7, N, Tel.Hansa 4641. Platzvor,chr. ohne Verbindlich!. rankfurt (Main) «r^19802. — AGerdem an: Postsparkasse.Wien Nr. 79605. — Postsparkassenamt Budapest Nr. 18424. — Postscheckkonto - " ‘ 8 — Böhmische Urnonbank in Prag — Lrmer «jarschau Nr! IM 75?! — Poftsche^amt^Zur^Nr.^V?ll 7^4"—'InkaflöÄan'k Rotterdam — Postscheckamt Am'sterdamNr. 24869 — BöhmischeUÄonbant in Prag - Bwaca Marmstfosch Blank* Co. te Bukarest — Filiale des Wiener Bankvereins in Agram. — Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten stch ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. Als Ersah für die ausfallende Chol Hamoed Nummer erscheint — abgesehen von dem verstärkten Umfang der heutigen Festausgabe — eine Sondernummer kleineren Umfanges am Dienstag den 9. Oktober. Zions Mage und Freude. Wie wir die Skala der seelischen Erhebung, beim Reifen der Ernte schon, mit der Trauer um Zion begonnen haben, so schließen wix hie Symphonie, die aus dem Moll der Zionsklage über Ernst und Einkehr zum Dur der Thorafreude führt, mit der Bitte für Zion, mit der Hoffnung um Zion, mit dem R e g e n g e b e t e, daß der Ehrfurchtgebietende „denke der Bittenden um Wasser und den heiligen Boden tränke von seinem Wonnenstrome mit Wasser." •ö'a 'bxw'? x: aar dvx ' An Babels Strömen hoben unsere'Väter die Hand zu feierlichem Schwure, eher möge ihre Rechte verdorren, ihre Zunge eintrocknen, als daß sie nicht Jerusalems gedächten am Eingang einer jeden Freude. Ohne Schwur taten es unsere Väter und tun wir es bis auf den heutigen Tag, daß wir keine Träne um eigenes Lew weinenj ohne daß sich die Tränen um Zion und Jerusalem in den Tränenkelch mischen; daß wir bei jedem Schmerze, den uns das Leben bereitet, die offene Wunde, die uns Titus vor bald zweitausend Jahren geschlagen, wieder frisch verspüret; keine Klage um der Zeiten Weh ertönen lassen, aber auch kein Lied der Hoffnung anstimmen, ohne die Klage und die Hoffnung um Zion Mitschwingen zu lassen. ErtwiTi ji'X '^ax '“ixw *pnn trösten wir den Trauernden, und nxnn ist jeder großen Freude-Schlußakkord. Durch alle Phasen, die die jüdische Volksseele von Aw bis zu Ende des Tischri zurücklegt, klingt es immer und immer wieder durch: Zion, Zion! ... Ist der Aw g a n z der Zions k l a g e und dem Zions tröste geweiht, so kündet im Elül das Schofarhorn neben der Heimkehr der Seele auch den Tag, an dem Gott in das große Samrnelhorn stößt, um Israel heimzuführen. Vor Tagesanbruch gedenken, wir mitten in unseren Slichausgebeten des iriiya a*irr UEnpa rrn ^iiT' der „heiligen Wohnstätte, die infolge unserer Sünden der Zerstörung anheimgefallen ist." Und ein anderes Mal voll wehen Schmerzes der „Gottesstadt, die so tief darniederliegt, indes jede, andere Stadt hoch auf festem Grunde ragt." '’anxi a’j^x matx *7sr n!?siyia a'p^xn i'vi '»ua Vsr -w ^2 mixia .'■»nnri hm ~ Am Tage des Gedenkens zu Jahresbeginn zaubert der Schofarton uns die goldene Zeit vor Augen, da „der Herr in die große Posaune stößt, auf daß heim kommen die Verlorengeglaubten im Lande Aschur und die Versprengten im Lande Mizrajim und sich huldigend bücken vor Gott, vor dem heiligen Berge in Jerusalem." Im Mittelpunkte der I 0 m kippur - An - dacht steht aber die Awoda, die uns eine Stunde ganz ins Heiligtum des Herrn versetzt, daß wir lebendige Zeugen all der heiligen Handlungen des großen Tages werden und die ganze heilige Prachtentfaltung im Geiste so miterleben, als wäre alle räumliche und zeitliche Distanz zwischen damals und heute von der Welle der Andacht glatt weggespült. Und hinauf schwingt sich aus tiefem Herzenein Gebet: „So erbaue mit deiner Willensmacht in deiner Güte Zion meine heilige Stadt Und verleih Raum und Namen in deinem Haufe den für dieses Haus Geweihten." ’amp “pst p'X nx Sirrin na'an .'llnipvb iwaa awi i' nnii Ist aber an diesem Baume, gut gewässert mit Tränen der Trauer und. der Gottessehnsucht/die köstliche -Frucht der Festesfreude herangereift, so gemahnt der E t h r 0 g an das Land der ewigen Sonne und der Schechina und den, Patme n z w e i g mit Myrthe und Bachweide in der Hand, etflehen wir von Gott, der waltet „oben und unten und in allen vier Enden der Welt" den Segen und die Wasserspende für das heilige Land. Noch können wir uns nicht ganz dem letzten Freudenakkorde hingeben, als bis wir die R e g e n b i t t e zu Ihm gerichtet haben, der „die Winde wehen läßt und den Regen herabschickt", daß er tiiwh ,a"N^ 'Nai.a^S e g e n, Leben, Sättigung dem Polke und dem Lande seiner Wahl spende.. . Diese Regenbitte hat Heuer ihren gesteigerten, lebendigen Sinn^ erhalten. Das Gespenst der W a s s e r n 0 t droht für Mensch, Tier und Feld im heiligen Lande, ein Gespenst, das die mit Feuer und Blut in Jüdäa eingezogene europäische Kultur noch nicht zU bannen vermochte, so, /n nicht den Wassersegen von oben mi' unm schickü Schon mehren sich die Nachrichten aus Jerusalem und anderen Städten des heiligen Landes über Wassermangel und, was vielleicht noch schlimmer ist, die Angst vor Mangel und Not dieser Art, wie man sie vor wenigen Jahren kennen gelernt hat. Wie' wird doch dieses Jahr dort aus tiefstem Herzen das Gebet kommen: a'a •»Vx'iff nsntp px-D hip ra'a 'jrna hy a^rrn axa Denken wir aber, wenn wir von Wasser sprachen, auch an das andere Wasser im Sinne des Propheten D’a^> -ah xax hi 'in und des Rabbi Akiba im Talmud, der in der h e i l i g e n L e h r e d a s sah, w^as das Wasser den Fischen ist: unser L e - benselement, ohne welches ein Judesein, ein Leben der jüdischen Gemeinschaft nicht möglich, noch denkbar ist. Dunkel ist die Zukunft Palästinas und die Gegenwart ist bis zum- Brechen problemgeladen. Mit Hilfe der gleichen Großmacht, die Palästina Kultur brachte, auch Eisenbahnen und Glühbirnen, aber — auch symbolisch —, ihm kein- Wasser geben konnte, mit Hilfe dieser Großmacht wird ein Gesetz geschaffen, das den Gemeinden der Treugebliebenen den Stempel der Minderwertigkeit aufdrückt. Sie schreien um Wasser, ringen um ihr Lebenselement, die nnax 'MX im heiligen Lande, und wir sollten dazu schweigen? .Einmischung von außensagen die andern. Einmischung? Wir, , die wir täglich dreimal in stiller Zwiesprache mit dem Herrn unseres Lebens die Zeit ersehnen, da wir es „mit unseren Augen schauen, wie Gott nach Zion zurückkehrt", wir, die wir seit bald zweitausend Jahren des Erlösers für Zion und Israel Tag für Tag harren-, wir, die wir von Sommermitte bis tief in den Herbst hinein um Zion klagen, mit Zion uns t r ö - st e n, Zion erleben und mit Zion uns freuen, wir sollten, weil wir nach göttlichem Willen noch in der Gola verharren, Zion als einer Sache, die außer uns, weitab vonuns liege, einer fremden Sache, gegenüberstehen? Nahe sind wir Zion, atmen seine würzige Luft und so greifbar nahe ist Mutter Zion ihren Kindern, wo sie sich auch in den Landen dep Zerstreuung befinden. Welten tf e r n t ist Zion denen, die Zions Boden mit ihren Füßen berühren, aber in ihrem Herzen ein ganz anderes, ein. eigenes Zion, das keinen Zug von der alten Mutter Zion hat. -vipyx rch a^anT |5?abi nvmx xh p'x pra!? Jerusalem ist die Stadt, der äußere Rahmen für das aus dem heiligen Quell der Gotteslehre genährte geistige Leben, das mit Z i 0 n bezeichnet wird. §