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Der Israelit · 1928-09-13 · Heft 37 (13.9.1928) · page 19

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 37 (13.9.1928)
Date
1928-09-13
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Dr. 37 mr Ferienkurs Veth Zakob in Rabka. ld°rN°rd,eitd?» P d» H°nz°n« s-W-t zum Sonnenaufgang und gen Süden zu fallt (Ao-or — AatzKa.) Wieder ist ein Sommer ins Land gegangen. Hügel und Felder der weitgedehnten Karpathenlandschaft liegen in ihrer vollen Reife. Gott weckt jeden Morgen aufs neue mit Sonnenschein den neuen Tag zum Leben. Jahr um Jahr haben wir nun dies erlebt. von der Weite in unsere Fenster das Abendrot Hell und geräumig ist alles! Auch das Lernen ist ein anderes. In Robow waren es wirre Probleme aus dem Chaos des Nichtwissens und des ersten Vefserahnens. Man ließ sich belehren. Aber es fehlte die Grundlage des Wissens, die aus dem Ver- Die Helle des Sommers gleicht der Helle früherer stehen ein Verarbeiten, einen dauernden Besitz ’ schafft. 1 Hier ist es ein Arbeiten mit den durch zwei Jahre Seminarausbildungszeit trainierten wisienfchaftlich geschulten Junglehrerinnen, die an geistige selbständige Arbeit und Denken gewöhnt sind. Wie anders sind hier die Voraussetzungen für eine'sechswöchentliche Kursarbeit. Ein Streifzug durchs Beth Jakob-Lager quer durch den Tag^ Um 8 früh haben sie begonnen. Eine Gruppe auf dem mit Bänken bestellten Lehrplatz im Freien lernt. — an einem das Bild der Landschaft ist unserem Auge und Sinn längst vertraut, anheimelnd gewohnt. Schon viermal fanden wir uns alljährlich für die Sommermonate hier zusammen, die Beth Jakob Arbeits- und Gesinnungsgemeinschaft um uns und zu uns gekehrt, beim Lehrerinnenfortbildungskurse. In der Muße einer zweimonatlichen Ferienzeit erneut sich hier m Licht und Ruhe aus Lehre und Freundschaft frische Kraft dem Arbeitsjahr. Wie seltsam das Zeitgeschehen ist. Wir sinnen die Jahre zurück. Es änderten sich Form und Rahmen, es ändert sich die Heftigkeit des bewußten Gefühls und das Tempo der geistigen Reaktion — aber es ist die ruhige Reife einer sicheren Gegenwart über alle gekommen und hat die wilde Sturmkraft der romantischen Anfangsperiode unserer Bewegung in ein gediegenes im System fundiertes Gleichmaß gebracht. Doch spinnen wir weiter den Pulsschlag unseres Lebens. Nur die Feste sind seltener geworden; denn der Alltag wurde 'zur Feier. Robow! Wie sind wir hinausgezogen vor vier Jahren in eine verlorene Gebirgslandschaft. Und wie lebten wir dort! Verfallene Häuschen primitiver Bauern waren unser Dach — eng und nieder, nicht Licht noch Wasser, noch ebene Wege. Schön war es nur ringsherum, und wenn man auf die nahen Berge stieg, ging einem das Herz auf, aber Geröll und reißende Bäche, die bei Regen zu flutenden Gebirgsschrecken wurden, brachten oft unsere kleine Jugend in Gefahr. Man war zusammengekommen im ersten Impuls einer neuen Aera, die man als historische Wendung erlebte. Der Impuls war so mächtig, daß er alle mitriß. Man kehrte sich ganz zu sich und der Arbeit und saß stundenlang ohne Ermüdest, während der Gebirgsbach brauste und Zigeunerbandest neugierig durchs Fenster schauten, gemein sam bei Vorträgen und Stunden. Robow war der Höhepunkt der romantischen Periode der Beth Jakob-Bewegung. Es wax zugleich das Ende der Romantik. Denn von hier aus begann die aus dem Nichts gewordene Beth Jakob-Bewegung sichere haltbare gesetzmäßige Formen anzunehmen. Es> war der Pionierwille, der dort triumphierte. Ein Kunststück war es, ein ganz merkwürdiges, abenteuerliches Unterfangen, das uns heute, da es vorüber, zum Träumen, Staunen, Denken wird. Von Robow, diesem kühnen Erstlingswerk, ging es während vier Jahre bergauf. Vier volle Iahte angestrengter, getreuer Kleinarbeit mit dem großen Ziel vor Augen, unermüdliches Jneinanderschaffen von Ost und West. ' Es ist alles geblieben, wie es war und ist doch so anders geworden — von Robow bis Rabka! Rabka ist ein sehr hübscher kleiner Badeort von der guten, bürgerlichen Welt besucht. Konzert, Kurpark, Tennisplätze, Kino, Tanz. Die von Beth Jakob gemietete dreistöckige leicht und luftig gebaute Sommervilla liegt eine Viertelstunde vom KurzeNbrUnn außerhalb just wie hineingelegt in die schönste Sennhüttelandschaft. An Memoiren eines Dichters. Juda Leb Gordon war der hebräische Dichter des vorigen Jahrhunderts. Seit Jehuda Halevy, so sagte man damals gewiß etwas übertrieben, hatte die jüdische Harfe nicht mehr so geklungen, wie aus den Liedern Gordons, .die, in 'i'V gesammelt, heute noch zu den Klassikern der neuhebräischen Literatur gehören. Gordon hatte eine größere Popularität als beispielsweise Bialik, schon aus dem Grunde, weil er viel produktiver war, sich auch publizistisch betätigte und Geist und Witz und beißende Ironie in den Kampf, leider zumeist gegen die alte Schule, einsetzte. Er gehörte noch zu den Maskilen alten Schlages mit Neigungen zur Assimilation, die später von den nationalen Kulturverbreitern abgelöst wurden. Ein stattliches Buch der Erinnerungen aus dem Nachlaß schattigen Waldplätzchen nahe dem Hause hört läßt eine verklungene Welt vor man einen tispv iiberxxn '3 zu, oben im Turn zimmer, wo von drei Fenstern das Licht hereinflutet, sind sie vertieft in Sprechen und Lesen vom Glanz und Blut der jüdischen, spanischen Geschichte. Ueberall Arbeitsunterricht. Die jungen Kräfte erproben sich selbst. Der Lehrende m - s-;; 1? >Rp. Bes Jaakow-Lehrerinnenheim in Rabka. (Autzenfront). führt und klärt. Am Abend: Konferenz der 80 amtierenden Lehrerinnen. Da kommen die Probleme des realen Lebens zum Vorschein, die ganze Not, in der die Schulen dieser jungen Jdealistinnen noch stehen. Eine Junglehrerin leitet die Sitzung. Das Dozentenkollegium sitzt zwischen allen. Die Junglehrerinnen vertreten die Sache bewußt — klar und in prägnanter Kürze. Sie sprechen von finanzieller Not der Schulen, sozialem Elend der Schüler, pädagogischem Unverstand des Verwaltungsrats und der Elternschaft, vom Kampf ums Schulprogramm, um das sich die verschiedenen Parteien und Richtungen streiten, vom Mangel an-geeigneten Lehrbüchern, von den Erfahrungen zur Verbesserung des Lehrplans und pädagogischen Maßnahmen. Hier ist ein Junglehrerinnengeschlecht, das eisern schafft, bei mangelhafter Bezahlung. Im Meinungsaustausch und Redekampf spürt man pädagogische Ergriffenheit. Robow und Rabka. Vom Wille zur Leistung. Von Sehnsucht zum Können. Aber noch ist es nicht cm. der Zeit, lange Rückschau zu halten. Vor uns liegt weites Arbeitsfeld. Hatten wir damals 45 Lehrerinnen, so sind es heute 50 mehr und werden im nächsten Jahr 150 sein. Von allen Städten und Städtchen Polens ruft man nach uns. Man drängt uns stürmisch nach Lehrerinnen. Weiter aufwärts.. I. R. unserem Geiste wieder erstehen. Eine ältere Generation, die die Dinge in der Sturm- und Drangperiode eigenen Lebens mitgemacht, aber auch Nachgeborene werden Freude an diesen Schilderungen von Menschen, und Vorgängen haben. Einige Proben mögen folgen: LeopoldZunz. . Leopold Zunz bewohnte, in'' Berlin ~. ein kleines unansehnliches Häuschen ° ,"j auf dem Kappenmarkt. Ich stieg die schmalen Holztreppen hinauf und zog an der Klingel. Eine älter« Frau mit unschönem, grämlichem Gesicht öffnete die Türe zu einer kleinen Spalte und stagte, ohne mich hereinzulassen, nach meinem Begehr. Ob Dr. Zunz zu Hause sei, gab ich zurück. Das befriedigte die Dame nicht, sie wollte wissen, was ich von ihm wünsche. Ich aber fragte nicht viel und trat ein. Da sah ich schon vom Korridor aus, indem ich meinen Mantel ablegte, durch die offene Türe den kleinen Alten im Nebenzimmer stehen, hager und bleich, mit glattem, grauem Gesichte voller Runzeln und weihen Locken, die nach hinten gekämmt waren. Mit großen fragenden Augen blickte er mich, den Eindringling, an. „Ist Herr Dr. Zunz zu Hause?" wiederholte ich meine Frage. „Der bin ich selber. Was wünschen Sie von ihm?" „Was ich hier wünsche, habe ich bereits erreicht, und so kann ich wieder von dannen Ich komme aus weiter Ferne, bin fremd in Berlin, und da dachte ich: in Berlin fein und Zunz nicht sehen? Ich habe ihn nun gesehen.-" Ganz versöhnt, fast freundlich lud mich nun der Alte ein, 'näherzutreten, Platz zu nehmen und mich vorzustellen. Ich nannte meinen Namen. Er schlug sich auf die Stirn, als wollte er sich entsinnen und sagte endlich etwas verlegen: „Der Name ist mir nicht ganz unbekannt. Sie gehören zu den Schreibern, weiß nur im Moment nicht recht, was ich schon von Ihnen gelesen habe. Warten Sie mal ..." Ich kam ihm zu Hilfe und sagte scherzend: „Ich gehöre nicht zu den Gelehrten und Forschem, bin Poet und schreibe Gedichte. Hätte ich das Glück gehabt, ein Zeitgenosse von Elasar Hakalir zu sein, Zunz hätte dann alle Details von mir gewußt. Nun aber, da ich Zeitgenosse Zunzens bin, hat Zunz kein Interesse daran, mich und meine Werke zu kennen." Ich nannte ihm darauf meine Hauptschristen und Gedichte. Im Lause des Gesprächs wurde der Gelehrte immer freundlicher, bat mich, länger zu verweilen und erklärte mir, daß die Unterhaltung ihm große Freude bereite. „Ein glückliches Volk, Ihr Lichter und Erzähler", fing dann Zunz einlenkend an. „Euch ist es beim lebendigen Schaffen und beim Sichergehen im Garten der Poesie choch gegeben, auch einmal nach einem w elken Blatt alter Wissenschaft zu greifen. Wir, die wir uns Tag für Tag nur mit den alten Blättern der Vergangenheit abgeben, haben^kaum noch Zeit und Muße, uns die lebendige geistige Produktion der Zeit anzusehen. So konnte es mir passieren, daß ich Ihre Werke nicht alle kannte." Ich nahm die Artigkeit an, ließ die Entschuldigung gelten, glaubte aber. in . einem protestieren zu müssen. „Leider trifft dieses Lob für die Dichter nicht immer gehen. -bn *i»an fwwin rmi-Di »pia ,-*iaa im irrna -b >' ’ana •) •irsixi a»a«

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