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Der Israelit · 1928-09-13 · Heft 37 (13.9.1928) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 37 (13.9.1928)
Date
1928-09-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
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CjXrK \ pHjfl» g-BB MB <y, Aus dem Berichte des Vorstandes an die Ordentliche Gemeindeversammlung der Israelitischen Religionsgesellschaft. Der Bericht erstreckt sich auf das Rechnungsjahr 1927-28. Er beginnt mit einem Hinblick auf das Ergebnis der am Sonntag, den 2. September, stattgefundenen Rabbinerwahl und knüpft daran folgende Bemerkung: „Die Rücksicht auf den Bestand und die Festigung unserer Gemeinde maM .es zur Lebensnotwendigkeit, daß die Atmosphäre, wie sie sich infolge der Vorgänge der verflossenen zwei Jahre gebildet hat, von allen Bitternissen gereinigt wird. Jeder tat das, was er dem Wohle der Gemeinde schuldig zu sein glaubte, und was ihm von seinem Gewissen vorgeschrieben wurde. Wir müssen vom Standpunkte unserer Weltanschauung in der Entscheidung, wie sie uns geworden, eine Aeußerung des göttlichen Willens erblicken und hegen die Zuversicht, daß die Vorsehung, die unserer Gemeinde von jeher durch Klippen und Gefahren und von kleinen Anfängen auf die Höhe geleitet, auch weiter ihre schützende Hand über uns halten wird." In den folgenden sachlichen Mitteilungen wird die finanzielle Gestaltung im Berichtsjahre als unerfreulich geschildert. Der Jahresabschluß ergibt ein Defizit von 65 000 Mark. Seit dem Jahre 1924 ist das laufende Betriebsdefizit auf 133 000 Mark angewachsen. Demgegenüber erfährt der Aufgabenkreis der Gemeinde immer neue Erweiterungen. Viele Einnahmequellen sind infolge der Inflation verschüttet worden. So ergaben beispielsweise die Spenden im Jahre 1914 12 Prozent des Gesamtbudgets, die heute kaum noch in Petracht fallen. Wenn aber angesichts der Not der Zeit eine Gemeinde bei einem Bedarf von ca. 650 000 Mark die respektable Summe von 583 000 Mark aufbringt, so fei dieses ein Zeichen dafür, daß der Organismus in seinem Kern völlig gesund und von einem bejahenden Lebenswillen beseelt ist. Die Einnahmen betrugen im Berichtsjahre 582 719,16, die Ausgaben' 648 237,16 Mark. Der Ausfall von 65 000 Mark ist in der Hauptsache auf Mindereingänge von Steuern, Sesselmiete und Schulgeldern zurückzuführen. Zur Wiederherstellung des Gleichgewichtes des Etats bedarf es der Opferleistung aller, die heute in der glücklichen Lage find, Opfer zu bringen. Im einzelnen beziffern sich die Ausgaben für die U n t e r r i ch t s a n st a l t e n, einschließlich der Jeschiwa mit 230 000 M. (Realschule 150 000 M., Volksschule 65 000 M., Jeschiwa 25000 M.). In den Vorstandssitzungen wird andauernd die Finanzlage in der ernstesten Weise behandelt. Für eine Gemeinde von der Struktur der unsrigen können nur Momente religiöser, ethischer und rechtlicher Natur richtunggebend sein. Versprechend für die Zukunft ist die nunmehr erfolgte Anerkennung der Gemeinde als Körperschaft des öffentlichen Rechtes. Wie und in welchem Umfange von dem Steuerrechte Gebrauch gemacht wird, läßt sich zurzeit noch nic§t sagen; man darf aber hoffen, daß eine Einsichtnahme in die Listen des Finanzamtes eine richtige Steuererfassung ermöglichen wird, so daß man nur selten zu Zwangsbeitreibung wird greifen müssen. Als Ideal könne dieser Modus nicht angesehen werden, wenn man an die glorreichen Jahre der Vergangenheit denkt, da die freiwillige Leistung die Gemeinde jeder finanziellen Sorge enthob. Im Interesse des Ansehens der Gemeinde ist jedenfalls das errungene Recht zu begrüßen und wird allen, die sich um das Zustandekommen des Gesetzes verdient gemacht haben, Dank ausgesprochen. Von der Jeschiwa wird im Berichte u. a. gesagt: „Die Anstalt bildet die lebendige Verkörperung des Strebens unseres unvergessenen Raw innerhalb Deutschlands einen Kreis zu schaffen, der imstande ist, in die Quellen unseres erhabenen Schrifttums hinabzusteigen und einen Kristallisationspunkt zu finden für Thorastudium und Thorageist." Es werden die der Jeschiwa angegliederten Schülergruppen erwähnt und die Tatsache gewürdigt, daß die Jeschiwah die Ausbildung fähiger Leute für den R e l i g i o n s - lehrerberuf in ihren Aufgabenkreis gezogen hat. Die Realschule wird nach Abbau der Vorschulklassen zurzeit von 400 Kindern besucht. Ein denkwürdiges Ereignis bildete nach dem Berichtsjahre die 75jährige Jubiläumsfeier d^r Schule. Auch der Arbeiten zur Neubesetzung des Direktorates (sie sind inzwischen durch die Wahl des Herrn Direktor Dr. Elias abgeschlossen) wird Erwähnung getan. Die Israelitische Volksschule kann auch in diesem Jahre eine freudige Aufwärtsentwicklung verzeichnen, so daß sie heute anerkanntermaßen zu den bestgeleiteten Schulen unserer Stadt gehört. Sie war im Berichtsjahre von 600 Kindern besucht. Hervorzuheben sind die Nachmittagskurse für Talmud und andere Zweige der jüdischen Wissenschaft. Den Leitern und Lehrern der Realschule wie der Volksschule wird Dank ausgesprochen. Die Fürforgetasse zeigte sich der steigenden Not kaum gewachsen, da ihre Einkünfte leider mit dem Anwachsen der Hilfsbedürftigen nicht Schritt halten. Besonders groß ist die verschwiegene Not, die oft in der Hilfe der Fürsorgekasse den einzigen Rettungsanker sieht. Sie hatte im Berichtsjahre 42 000 Mark zur Verfügung, die restlos zur Verteilung gelangten. Der warme Appell an alle, die Fürsorgekasse nach Möglichkeit zu unterstützen, um so mehr als sie den Posten für Zdokozwecke im Gemeindeetat ersetzt, bedarf keiner weiteren Befürwortung. Die Sache spricht für sich. Erwähnt sei noch, daß die Fürsvrgekasse vor etwa sieben Jahren zur Ehrung unseres Raw Vst ins Leben gerufen wurde. Eine Unterstützung der Fürsorgekasse ist, abgesehen von allem anderen, auch ein Werk der Pietät gegen den verstorbenen Raw V'st- Das Georgine Sara von Rothschild s ch e H o s p i t a l konnte im Berichtsjahre in organisatorischer wie medizinischer Hinsicht weiter ausgestaltet werden und hat auch großen Zuspruch zu verzeichnen. Seinen Stiftungsvermögen ist die Wohlfahrtsrente grundsätzlich zugebilligt worden, die Höhe der Quote steht noch nicht fest. Zur Zeit hat das Hospital noch eine Unterbilanz zu verzeichnen, die in der Hauptsache durch Ausnahme wenig Bemittelter hervorgerufen ist. Von Stiftungen, für die der warme Dank der Gemeinde ausgesprochen wird, wird die von Herrn und Frau Albert Mainz genannt. Sie haben anläßlich der goldenen Hochzeit ihrer Eltern das Haus Fichtestraße 5 der Gemeinde für noch näher zu bestimmende Thora- und Gemeindezwecke zur Verfügung gestellt. Herr und Frau Dr. L. Marx haben in Erinnerung an ihre leider so früh verstorbene Tochter eine „Grete Max Freiplatz-Stiftung" geschaffen. Auf der Liste der im Berichtsjahre Heimgegangenen, zu deren Ehren sich die Versammelten von ihren Plätzey erheben, sind würdigend genannt: Sam. Bamberger, Meier Bing, Prof. Dr. Jonas B o n d i, San.-Rat Dr. Wolf Hirsch und Michel M a i n 3 Vxr- Mit ehrenden Worten wird auch Geheimrat Pinpers und seiner Verdienste im Georgine Sara von Rothschildschen Hospital gedacht. Der Bericht schließt mit Worten des Vertrauens zu rraprv daß er der Gemeinde weiter den Weg zur gesunden Entwicklung und zum Frieden zeigen werde. Die Woche Gemeindeversammlung der Israelitischen Religionsgesellschast. Die Ordentliche Gemeindeversammlung am letzten Sonntag nachmittag in der Aula der Realschule Am Tiergarten war sehr zahlreich besucht. Nach kurzen einleitenden Worten des Vorsitzenden, Herrn Naftali Schwabacher, verlas der Gemeindesekretär. Herr Bergmann, den Jahresbericht, in dem manches bereits überholt anmutete, der aber im ganzen mit Aufmerksamkeit und Interesse von der Versammlung entgegengenommen wurde. Einzelheiten aus dem Berichte finden die Leser an der Spitze dieser Beilage. Zur Diskussion meldete sich zuerst Herr Seidel, der sich darüber beklagte, daß bei Vergebung von Arbeiten jüdische Handwerker, die Sabbat halten, nicht genügend berücksichtigt werden. Darauf nahm Herr Sigmund Katzenstein das Wort zu einer Erklärung in S a ch e n de r Rabbinerwahl. Er steht zur Minorität, die für den Aschaffenburger Raw eingetreten ist und sagt, daß sich diese im Interesse des Friedens und des weiteren Gedeihens der Gemeinde der am Wahltage von der Mehrheit der Gemeinde getroffenen Entscheidung fügen werde. Er müsse es aber mißbilligen, daß man keinen Weg gefunden hätte, den Wahlkampf auf friedlicher Basis ohne persönliche Verunglimpfungen zu führen. Die Anhänger der Minorität, die er mit 40 Prozent der Wähler angibt, hätten beschlossen, sich der Ergänzungswahl für Vorstand und Gemeinderat zu enthalten. Die Erklärung schließt mit einer Sympathiekundgebung für den Aschaffenburger Raw und die Familie Breuer. Eine Antwort vom Vorstandstisch oder aus der Mitte der Versammlung erfolgte nicht. Somit war die Diskussion geschlossen, und man trat zu den Wahlen. Ohne Gegenvorschläge wurden die Herren Dr. Simon Bamberger und Jacob Rosenheim in den Vorstand wiedergewählt. Die Ergänzungswahlen für den Gemeinderat bestätigten die oorgeschlagene Liste mit den Herren Siegfried A. Löwenthal, Dr. Herm. Oppenheimer, Leopold Oppenheimer, Leopold Schwab und Leo W r e s ch n e r. Jüdische Frauenvereinigung L. V. Die Jüdische Frauenvereinigung bittet uns, ihren Mitgliedern und Freunde ihre v"ni2 -Wünsche zu übermitteln. Gleichzeitig sagt sie ihren Gönnern innigen Dank für die im Laufe des verflossenen Jahres übermittelten Spenden. Leider konnte sie angesichts der großen Notlage weitester Kreise den an sie gestellten Anforderungen nicht in

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