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Der Israelit · 1928-09-06 · Heft 36 (6.9.1928) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 36 (6.9.1928)
Date
1928-09-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Ä1w 6. September 1928 Frankfurt a. AI., den 21. <giui 56»* e Nr 36 Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Absnnement ab Januar ISA: Deutschland 1 Toldmarl monatlich; Ausland: Biertellahrpretse (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten, des Stretfbarw-Bersandes) Deutsch-Österreich: Schilling 8^-; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.: ab 1. Juli Frankreich 88 Fr.; Belgien ab 1.7.27. Belga5; Holland 8 Italien abl.,. 88.18Lire; Jugoslawien 88 Din.; Litauen 7.80 Lit.; Rumänien ab ' Der Israelit erscheint jede« Donnerstag _ 1. 7. 87. 150 Lei; Polen 4 deutsche Goldader 7 Zloty. Schweiz 8 Fr. Dschecho-Slowakei 88 Kronen; Ungarn Pengö 8 ab l.'Juli 1837; Dänemark 3.80Krön;Norwegen8.8V Krön.; Schwede«8.60 «ron. Inserate 40 Toldpf. für die stebengespaltene e« und Familtenanzeige» nur 80 Pf. ML, vorletzte Dertseite 8.— Mk.; Rabatt »ach Tarif. Bei laufenden Jnseratenannahme durch den mark zum Tageskurs oder Einzelnummer dreißig Eoldpfennige. Thiffregebühr in Höbe eines dopp. Fernbriefportos. Rabe JnseratauftrLge« tariftn. Preiserhöhung jede«. Vorbehalt. - ... _ ., _ _ - CQ.Q Verlag des Israelit ©. m. b. H., Frankfurt a. M.» Rechnetgrabenstraße 7, Tel. Hansa 88Ll sow. durch siinktl. Annoncen-Deped. des In- und Auslands. Alleinige Jnferatenann. Mr Frankf. Geschiiftsanz.: Jul. Schmidt, Langestr. 7, n, Tel. Hansa 4841. Platzvor,chr. ohneBerbindlichk. direkt an de» Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) Nr. 18808. — Warschau Nr. 190787. — Postscheckamt Zürich Nr^ vm 7L4 — Inkasso-Bank Rotterdam Bukarest - Filiale des Wiener Bankvereins in Agram. — Der Gerichtsstand für alle Wien Nr. 78808. — Postsparkassenamt Budapest Nr. 18484. — Postscheckkonto UtttOtt&aitl in Prag — Banca Marmarosch Blank & Co, tn Inseraten sich ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. Bl. Rosch-ha-schono-Glückwünfche können in drei Größen veröffentlicht werden: Größe I 10 Zeilen 1 spaltig zu Mk. 4.— Größe n 15 Zeilen 1 spaltig zu Mk. 6.— Größe III 10 Zeilen 2 spaltig zu Mk. 8 — Die Beträge wolle man auf Postschleckkonto Nr. 19 802 überweisen, den Text durch Postkarte emsenden. Texte, diie . bis zum - 9., September in unserem Besitze sind, werden in der Rosch-Haschono-Nummer, später eintreffende in der darauffolgenden veröffentlicht. Wer seine Glückwünsche zu Gunsten von Erez Jisroel a b z u l ö s.e n und keine' Anzeige zu veröffentlichen wünscht, wolle dem nach Belieben sestzusetzenden Äblösungsbetrag eine, Gebühr von z w e i M a r k für die Veröffentlichung von Namen und Wohnort im S a m m e l i n f e r a t beifügen. Frankfurt a. M. Verlag des Israelit G. m. b. H. Neue Zeiten, alle Lieder. Klänge prophetischen Trostes leiten - uns, wie auf sanften Schwingen, von der Trauer des Aw zum heiligen Ernst des Elul und Tischri hinüber. Schon im Trauerliede um Zion schwingen Trost und Verheißung mit, und prophetische Verkündung, klingt mit dem Aufschrei zu „Gott auf dem Thr.one des Erbarmens" zusammen. Wer diese Zusammenhänge, zwischen Trauer, Trost und Aufschrei um Vergebung nicht.begriffen-hat das Judentum in seinen Tiefen und letzten Ausstrahlungen nicht begriffen!: - Darum sind die Feinde dex jüdischen Sache im Innern zunächst darauf hinaus, die Trau er und die Tränen aus der Skala der seelischen Erhebung auszuschalten. Wir konnten jüngsthin unter der Ueberschrift „Kinoth und Hallaluja in Jerusalem" mancherlei darüber berichten.. In der letzten Nummer des zionistischen „Haarez" ist ein Protest von fünf Zeilen enthalten, der zu jenem Artikel eine grelle Illustration liefert. Ein V ater protestiert im Namen vieler Väter mit, blutendem Herzen gegen die S ch u l l>e i - tung in der Kolonie. „Sichron Jak oo b", die in d e r N a ch t zu T i s ch o B e aw ein Schulfest mit Gesang und Musik veranstaltete und alle Schüler dazu einlud, jttftäf ment zur Stunde, da die Gemeinde in der Synagoge der Kolonie auf dem Boden sitzend die Trauergebete um Zion'weinte.? Ist die Art, wie die jungzionistischen Arbeiter und Kulturträger, die Tränen um Zion zu trocknen, , die. Trauer um Tempel und heilige Stadt abzuschaffen suchen, neu? Nein! Dieses Unterfangen ist weit älter als der Zionismus, weit äster als alle Kolonien des neuen Jischuw mit ihren Schulen,. älter als die Chaluzim, von der neuen Sorte der pirrpn* Die Methode stammt - vom L i b e ralismus -in seiner Maienblütenzeit. Schade, daß hier die historischen Kenntnisse der „Jüdischen Rundschau" nicht so weit ausreichten, - sie hätte in ihrer Sonderfestnummer . zu Ehren der Liberalen Weltkonferenz darin ein neues Moment der Verbrüderung finden und feiern können. Es war im Jahre 1828, als m einem kleinen süddeutschen Landstädtchen der dortige Rabbiner einen Befehl an seine Gemeinde ergehen ließ, am A b e n d z u m neunten Aw in F e st e skleidern in der Synagoge zu erscheinen. Diese war hell beleuchtet wie an Feiertagen. Von der Kanzel herab erklärte nun der junge Rabbiner, die festliche Aufmachung sei * als Protest gegen die Millionen gedacht, die in gleicher Stunde bei winziger Beleuchtung auf dem Boden sitzen und um ein Zion trauern, das räumlich und zeitlich in weiter Ferne liege, während unser Zion hier in Deutschland uns all das'in Fülle biete, was unsere Väter in Liedern und Gebeten aus ihrem alten Zion erhofften. Ein Verrat am geliebten Vaterlande, so meinte der liberale Geistliche, sei die alte Trauer, und es sei an der Zeit, diese in Freude und Jubel zu verwandeln, im Gedanken an die messianische Erlösung, die Deutschlands Juden mit . der Emanzipation schon erlebt hätten. Damit hat die Originalität und die Priorität der zionistischen Tischo-beaw-Sänger in Jerusalem einen schweren Stoß erhalten. „Es braust ein Ruf wie Donnerhall" — vom Liberalismus in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts bis zum Zionismus unserer Tage — am neunten Aw! . . . Siebenundzwanzig Jahre später, 1855, kommt Rabbiner Samson Raphael Hirsches in einem Jeschurun-Artikel, einem seiner ewigen „Briefe gm die jüdische Nation" (der Aufsatz ist in den Gesammelten Schriften, Band 1, Seite 123 abgedruckt) auf diesem Vorgang zurück und konstatiert zunächst, daßmach bald drei Jahrzehnten die Sache so stehe, daß während überall in Deutschland wenigstens die drückendsten Schranken 'für die Juden gefallen sind, in j ene m Staate, in dem man sich beeilte, die Aw- Trauer abzuschaffen, der graue und grimmige Judenhaß noch in aller Ueppigkeit wuchert und immer neue Fesseln schmiedet, so daß seine jüdischen Kinder scharweis ein neues Palästina jenseits des Ozeans zu suchen gezwungen sind. „Freilich", sagt Rabbiner Hirsch, „wenn der modernen Anschauung eines israelitischen Geistlichen das alte Palästina nichts anderes gewesen, als die übrigen orientalischen Staaten, unter Jerusalems Ruinen keine andere Größe begraben liegt, als die auch Ninivehs und Babylons und Karthagos Trümmer bedecken, hier wie dort nur eine politische Größe geblüht und nur eine politische Größe.gefallen, dann freilich hätte die Trauer um Jerusalems Fall und die Sehnsucht nach Jerusalems Auserstehungsmorgen nur politische Ziele zum Inhalt; es wäre die Trauer um. den Verlust der eigenen politischen Selbständigkeit, es wäre die Sehnsucht nach dem Davidszepter und dem Joabschwerte und den Achitofelorden, nach Adorams Kataster und Jofafats Archiv und Eliakims Kammerherrnschlüssel, es wäre die Sehnsucht nach dem eigenen Acker und der eigenen Sichel und' nach dem von Druck und Hohn entlasteten eigenen Herde. Dann freilich hätte eine solche Trauer und eine solche Sehnsucht , nur Sinn und Berechtigung während der Nachtjahrhunderte des Mittelalters gehabt, und die moderne israelitische Anschauung hätte vollkommen recht, daß in dem Jahrhundert der Emanzipationshosfnungen diese alte Trauer und die alte Sehnsucht immer blässer werden und endlich ganz schwinden müßten, wenn diese Hoffnungen* verwirklicht und nun auf europäischem Boden die Söhne Israels ihre politische Gleichberechtigung und eine Heimat gefunden haben würden, die ihnen gleich den übrigen Erdensöhney Grund und Boden und die gleichgeebneten Wege zur Nahrung, zu Aemtern und Würden, gewährte. Die moderne Anschauung, die den gewesenen und verheißenen jüdischen Staat nur ^in das Schema aller übrigen staatlichen Erscheinungen einzutragen weiß, welcher das Bewußtsein des ganz eigentümlichen, von allem andern spezifisch verschiedenen Wesen des jüdischen Staates nntergegangen, die auch in ihm nur eine Veranstaltung erblickt, in welcher die Entfaltung der ebengenannten politischen Momente als Zweck, alles andere, Tempel und Thora mit inbegriffen, aber nur als untergeordnete Hebel und Mittel erscheint, diese Anschauung freilich muß es als Torheit, als Wahnsinn, wenn 1

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