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Der Israelit · 1928-08-16 · Heft 33 (16.8.1928) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 33 (16.8.1928)
Date
1928-08-16
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Sette 14 Ntz 33 Der Israelit 16. August 1928 uns mit der Tanne und dem großen Bündel mit den vielen Gaben sahen, rief die ganze Batterie: „Das Christkind, das Christkind!" — Nachtwache. Nach einem heftigen Gefecht bei C a m b r a i wurde das Regiment aus der Feuerlinie gezogen. Für Mann und Pferd begann die Gemütlichkeit Wir lagen des Nachts auf Strohwo dies aber nicht der Fall ist, ist es durchaus nicht gestattet, die Verstorbenen in ihrer Ruhe zu stören und sie auszugraben. Diese Empfindung der Weihe und der Unantastbarkeit der Verstorbenen wurzelte so ttef bei den Gemeindemitgkiedern, daß, wie Redner aus-dem alten Begräbnisbuch f-eststellte, keine einzige Leiche exhumiert wurde. Dasselbe wiederholte sich 100 Jahre später, als während der französischen Belagerung mehrere Verstorbene, darunter auch Rabbiner L a s e -Berlin, -sin bv bedingungsweise und vorbehaltlich am Steinweg beigesetzt, jedoch später nicht exhumiert wurden, sacken m Holzbettstellen und trcmken abends m Der Redner schilderte nun das Leben des ersten und den Estammets *) >das französische Bier, das so .' - - - - herb und bitter schmeckt wie Baumrinde. Die französischen Bauern mieteten sich unsere Gäule zum Pflügen und Holzholen und bewirteten deren Reiter mit dem Speck und Käse, der ihnen cmr dem neutralen Hilfskomitee aus Amerika zugesandt wurde. Ueberhaupt wurden zwischen der Bevölkerung und dem Militär freundnachbarlich alle die Dinge ausgetauscht, die der eine übrig und der andere nötig hatte. Der Franzose zeigte uns seine vielgerühmte Höflichkeit und Liebenswürdigkeit. Nicht nur weil er sich ins Unvermeidliche bereits geschickt hatte, sondern weil er sah, daß diese geplagten Soldaten eher Brüder un«d Leidensgenossen waren als Feinde. Man mußte nur davon absehen, mit ihm über Kriegsziele und den endgültigen Sieg zu sprechen. Heute noch sehe ich meine freundliche Quartiergeberin, eine ehrwürdige Matrone, wie sie mit erhobener Hand, glühenden Augen urab1 zitternden Lippen vor mir stehend, durch die Stube gellte: „Niemals werden die Deutschen nach Paris kommen! Jamais, jarnais!" Aber je weiter man in die Etappe zurückkam, umso eifriger jagten sich die Korps- und Di«visionsbefehle, umso fleißiger schrieben die Federn, umso zahlreicher wurden die Anfragen von den oberen und höchsten Stellen. Und das Telefon kam gar nicht, mehr zur Ruhe. Der Apparat läutete bis über Mitternacht hiniaus. Wenn die französischen Hähne sich zum Morgenkrähen auf ihren Stangen zurechtsetzten, legte ich mich nicht säten erst unter meine Decken. Da war eine Fernverbindung nach Lille herzustellen, die nach mühevollem Fragen an der vorletzten Station durch ein anderes Gepräch zerschnitten wurde und dann vom Ausgangsort her nochmals ausgenommen werden mußte. Da wetrerte ein Major, weil die Leitung nicht frei war, um den Batterieschneider nach einem passenden Knopf zu fragen. Da berief der Veterinär beim Stabe die Futtermeister zu einem Vortrag und der Oberzahlmeister verlangte nochmals die Aufstellung, weil vier Haferratianen zuviel anverlangt worden waren. (Fortsetzung folgt.) Auf dem jüdischen Friedhofe zu Altona. Am Sonntag vor Tischoh Be'vw veranstaltete der'Israelitische wissenschaftliche Verein in Alt o na einen Vortrag mit anschließender Führung auf dem Gemeindefriedhof in der Rentzelstraße in Hamburg. Nachdem Herr Martin Cohn die Vertreter der Hamburger Gemeinde und die Delegierten begrüßt hatte, ergriff Herr Rabbiner Dukesz - Altona das Wort, um mit einer schönen Erklärung einer entsprechenden Tabnudstelle seinen Vortrag einzuleiten. Da der Andrang der Erschienenen zu groß war, mußte der Vortrag im Freien stattfinden. Der Friedhof wurde 1711 angelegt, als die Schweden Altona belagerten und Hamburg die Grenzen gegen Dänemark absperrte. Durch diese Absperrung konnten die Verstorbenen nicht nach den Hamburger Gemeindefriedhöfen in Altona, Königstr. und in Ottensen überführt werden und 'der Senat überließ am 23. September 1711 vorläufig auf zwei Jahre den Judeneinen Platz von 200 Quadratfuß vor dem Dammtor als Friedhof. 1713 ließ bekanntlich Graf Stönbeck Altona niederbrennen, die Absperrung Hamburgs gegen Altona wurde noch schärfer durchgeführt und einige Verstorbene wurden auf diesem Friedhof beigesetzt, bis die Grenzen wieder geöffnet wurden. In den Responsen des Knefes Jecheskel Nr. 43 ist eine Abhandlung darüber, ob es gestattet ist, die dort provisorisch Begrabenen nach den Gemeindefriedhöfen zu überführen. Oberrabbiner Katzenellenbogen entschied, daß jene, deren Ahnen auf den Gemeindefriedhöfen ruhen, oder diejenigen, welche ausdrücklich bestimmt haben, sie später zu überführen, exhumiert werden dürfen, *) Wirtschaften. des letzten dort begrabenen Rabbiners. C H ach am Bernays wurde dort am- 9. Jjar 1849, Rabbi M o - fes Gottlieb am 19. Schewat 1873 beigesetzt. Bei Bernays erwähnte -er, daß dieser außer seinen- Predigten mehrmals wöchentlich Kusari-Vorträge hielt. Seine eigenartig packende Darstellung der Fragen und Antworten fand ein begeistertes Publikum. Alle beiden Buchhändlern aufzutreibenden Exemplare des „Kufari" wurden aufgekauft, und als man sah, daß die Nachfrage trotzdem immer noch sehr groß war, wurde eine neue Drucklegung veranlaßt. Zum Zwecke seiner Vorträge wurde der Kufari ohne llebersetzung in kleiner handlicher Form herausgegeben: zwei seiner Lieblingsschüler, Samson Raphael Hirsch und Last b en Jos es, besorgten die Drucklegung. , - ■ Je mehr diese klaren und schönen Vorträge das Entzücken feienr Schüler und Anhänger bildeten-, desto mehr erregten sie den Neid und Haß seiner Gegner, welche in damaliger Zeit mit fanatischem Eifer bemüht waren, die sog. Zeremonialgebote, ja, das ganze rabbinifche Judentum als veraltet und geistlos hinzustellen. Da trat Bernays in stiller, zielbewußtor und unermüdlicher Weife auf, um dieses geschmähte, talmudrsche Judentum und seine Lehren in modernem Gewände, in klarer klassischer deutscher Sprache, in philosophischer Fassung öffentlich zu verkünden und mit seinem gewaltigen Geiste zu beleuchten. Wie weit die Gehässigkeit ferner Gegner und deren Bemühung zur Hinderung seines erfolgWsegneten Strebens ging, ist aus folgendem aktenmähig überlieferten Vorgänge ersichtlich. Am 9. Dezember 1839 schrieb der Hamburger Senator und Polizeiherr Hudtwal der an den Gemeindevorstand: „Es ist mir berichtet worden, daß Herr Bernays Sonntags nachmittags in der Böhmkenstraße Vorlesungen über das Buch Cosri hält, zu denen nur Israeliten zugelassenwerden. Da jenes Buch voll der abgeschmacktesten Verleumdungen gegendas Christentum und dessen Stifter ist, so -ersuche ich Sie, mir über -diesen Gegenstand einige nähere Auskunft zu erteilen." Die Gemeinde wies die Einmischung des Polizeiherrn in diese Angelegenheit von sich und erklärte % dem Antwortschreiben, daß -erstens die Gesinnung Bernays'. dafür bürge, daß er solche Ansichten nicht hege und lehre, daß ferner -das Buch Cosri nichts gegen« die christliche Religion enthalte, daß auch Nichtjccken gerne dem Bortrage beiwohnen dürften, außerdem es eine -lateinische Uebersetzung des Buches von Buxtorf gebe, die ihm (dem Senatsherrn) zugeftellt werden solle. Am 22. Dezember ersuchte der Senator, zur Verständigung über denberegten Gegenstand Herrn Bernays zu veranlassen, daß er sich zu ihm bemühe. Die Unterredung führte zur vollständigen Verständigung und Aufklärung, Bernays' geistreiche und gelehrte Erklärungenbefriedigten den Senator vollkommen, der feiner Anerkennung und -Zufriedenheit auch in einem Schreiben an Bernays Ausdrück gab. Am 3. Januar zeigte Bernays dem Vorstände an, daß er den Polizecherrn Hudtwalcker ausgesucht und mit ihm eine Unterredung gepflogen habe, infolge deren er -ein« Schreiben von demselbenerhalten, welches zur Wahrung und Erhaltung des -bisherigen, ihm auf so schöne Weise gewährten, unschätzbaren amtlichen Vertrauens führe- und wovon er eine Abschrift dem Vorstände überreiche. (Hamburger Gemeindearchio, Bernays-Mappe.) Herr Rabbiner Duckefz wies dann auf die jüdischen Schriftsteller Schönem Cohn, Moses Mendelssohn und Löb Spiro Frankfurt — Verfasser vieler hebräischer Werke — hin, ferner auf den gelehrten Sammler Hermann Chaim Michael und den- Briefwechsel zwischen Michael und Leopold Zun-z, den Professor Berliner im Jahresbuch 1905 veröffentlichte. Es wurden« noch andere bedeutende Persönlichkeiten geschildert, darunter der berühmte Freiheitskämpfer Dr. Gabriel Rieß er, erner Betty Heine, die Mutter des Dichters Heinrich- Heine. Am Grabe-des Rap hael Hirsch und Frau. Eltern des berühmten Sohnes Samson- Raphael Hirsch in - Frankfurt, „den Wächtern feiner Kindheit, -den« Führern seiner Jugend und den Freunden seines Alters", wie er feine Eltern am Eingänge feines ihnen gewidmeten nennt, schilderte der Redner den spornenden, anregenden Einfluß dieses wackeren, echt jüdischen Elternhauses auf Samson- Raphael Hirsch. Am Schlüsse zitierte er -denschönen- Spruch, den sich Moses Mendelssohn für seinen Grabstein selbst dichtete: -■»ms» nsi •>n»pn nmia — •»nssn ttVi 'vvpg n»an „Weisheit suchte ich und habe sie nicht gefunden Die Ruhe habe ich noch nicht gesucht und hier gefunden." . Im »Namen -des Hamburger Gem-eindevorstandes dankte der Vorsteher, Herr Jacob Heck sch e r, dem Redner für seinen lehrreichen-, packenden und hochinteressanten Vortrag, insbesondere für seine halachische Ausführung betreffs der Heiligkeit der Leichen und des strengen Verbots der Exhumierung. (SamoAowttschs, der Letter des „Srafstn",.eln Jude.) j Professor S a m o i l o w i t f ch, der Leiter der Rettungsexpedition des Eisbrechers „Krassin", -die in der Arktis die von der ganzen Welt bewunderten Rettungstaten vollbracht und später auch den schwer havariertendeutschen- Dampfer „Cervantes" aus höchster Seenot gerettet hat, ist Jude. Man nennt -ihn-.Rudolf, feinwirklicher Name aber ist Reube-n; er stammt von einer gutjüdischen Familie-in der Gegend von Rostow. Er wurde 1880 in der Stadt Asow geboren«. Sein Vater, Lasar Samvilowrtsch, war -ein frommer. jüdischer Kaufmann. Von seinen vielen Kindern wurde keinesin eine russische Schule ausgenommen-, da in dem damaligen zarischen Rußland der Numerus clausus gegen Juden in feinen schärfsten Formen praktiziert worden war. Rudolf Reüben und sein Bruder Josephs wanderten ins Ausland: Rudolf vollendete seine Studien als Ingenieur in Deutschland, Joseph in Belgi-en, ihre Schwester beuchte das Wiener Musik-Konservatorium. Nach Beendigung seiner Studien in Deutschland, 1908,, kehrte Samoilowitsch nach Rußland zurück und wurde bald' darauf von. einer privaten Firma eingeladen, die Gebiete im hohen- Norden Rußlands nach dem Vorhandensein von Kohlenlagern zu durchforschen. Er hat wirklich ertragreiche Lager entdeckt. Er beschloß, sich der Wissenschaftlichen Erforschung der Polargegenden zu widmen-. (Die Jiddische Abteilung der „Jfop".) (Jüdische Sonderschau der Presse»). Dieselbe ist eigentlich erst am I. Juli fertig geworden; die in der jiddischen« Presse gegen diese Abteilung gerichtete ungünstige Kritik war daher verfrüht. Der große Raum der jiddischen Presse ist vollständig reorganisiert worden und hebt sich von den anderen- Abteilungen der „Jfop" durch seinen« modernen Charakter ab. Wenn auch der Raum yi-ele selten gewordene Ausgaben aus der Vergangenheit aufwe-ist, wurde das Hauptgewicht nicht auf -die geschichtliche Seite, sondern auf die Gegenwart der jiddischen- Presse, ihre Bedeutung und ihren Wirkungsbereich gelegt. Ausgestellt sind künstlerisch ausgeführte Plakate, Diagramme -über Entwicklung, Verbreitung und Auftagen-höhe der siddischen Presse. Eine -in großem Maßstabe ausgeführte Weltkarte illustriert die ungeheure Verbreitung der siddischen. Presse in der Welt, ein Album mit selten gewordenen jiddischen Ausgaben/ -ein Ständer fijx die große Dagespveffe und ein Most der größten jiddischen Zeitung-, des „Vorwärts" in Newyork, Vitrinen enthaltend künstlerische jiddische Ausgaben, wissenschaftliche Publikationen und dergl. m. vervollständigen die Exposition. Die zentralen jüdischen Organisationenwie „Ort", „Ose" und „Emigdirekt" wurdeneingeladen-, ihre Pla-. kate, Diagramme, wissenschaftliche und Werbeschriften in der siddischen Abteilung auszustellen. Eine Ecke ist der Tätigkeit der jiddischen Schulorganisatton in Polen, deren Schulen von Zehntausenden Kindern« besucht werden, gewidmet. Eine andere Ecke -illustriert die Arbeit des Jüdischen Wissens chaftlichen Instituts, welches den «größten Teil der Ausstellungs-Objekte der ganzen Abteilung aus seinen Archiven zur Verfügung, gestellt hat. Ein Mhrer durch die jiddische Pvesse-Mteilung in siddischer ünd deutscher Sprache wird den Besuchern überreicht. Der Raum «der jiddischen Presse repräsentiert sich heute sehr reich, gut gegliedert und übersichtlich: er kann «natürlich mit «den Pavillons der größeren Staaten Nicht konkurrieren, steht aber durchaus nicht hinter vielen Pavillons kleinerer Völker zurück. A nnoncen-Büro Julius Schmidt Frankfurt a. M.f Langesftr. 7 Telefon Hansa 4641 Postscheck-Konto Frankfurt am Main 142 353 Einzige Inseraten' Annahme für Frankfurter Geschäfftsinserate des „ISRAE L I T “ Ausserdem Annahme von Inseraten für sämtliche hiesige und auswärtige Tageszeitungen, Wochenu. Fachblätter zu Originalpreisen

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