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Der Israelit · 1928-08-16 · Heft 33 (16.8.1928) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 33 (16.8.1928)
Date
1928-08-16
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 33 Seite 11 1-6. August 1928 Der Israelit Elul-VorkrügeAn Dekor Lhajim. Auf v-ieyocherr- WuysH' finden 'jaaxfy in diesem Jahre an üen Sonntagen des ^«-Monates jeweils 1 Stunde vor nn2» ivi»-Vorträge xstatt. X)m ersten Vortrag hält Sonntag den 19. August, abends L Uhr inder Langesträße 18 Herr B. Rachelsohn über: „Das nvn iv Gebet", Wir bittenum i-echt zahLveicherr Besuch. Gäst-e stets willkommen. Vom Misrachi. , den Kamps, der um Las Gemeindegesetz geht und in dem die logische Geschlossenheit der agudiftischen Anschauung im Gegensatz zur verschwommenen Erfolgsideologie des Misrachi besonders 'klar zutage tritt. Aber ein- Vorwurf, dender Misrachiführer gegen die Aguda erhob, sollte uns nachdenklich, machen: der der rnangeiknden opferbereiten Begeisterung für Erez Jisroel. Aber trifft nicht auch den Misrachi ein gut Teil der Verantwortung dafür, daß die Liebe für das heilige Land, die bei seinen Anhängern zweifellos vorhanden ist, Jn einer gutbesuchten^öffentlichen Versammlung, die 'da sich auswirkt, wo sie sich mit Liebe zur Thora von Gememdevabblner Dr- Hoffmann galei-tet mürbe, jm Rahmen einer choratreuen Weltorganisation vereinen sprach Rabb. Meier-Berlm-, Präsident der Mlsrachl-Weltorgan-ifation, über den derzeitigen Stand oer Organisation, die bekanntlich am Sonntag in Danzig die diesjährige Wektkonferenz ab ha lten' wird. In der allmählichen Ueberwindung der wirtschaftlichen Krise in Erez Jisroel steht der Referent ein erfreuliches Zeichen des fortschreitenden Gesundungsprozesses. In der Jervifh Agency sehe der Misrachi weder die Erfüllung seiner Hoffnungen, noch aber auch ein Unglück für die Organisation. Bedenklich sei allerdings, daß immer mehr Einfluß dem Privatkapital eing-eräumt werde auf Kosten des Einflusses der zionistischen Massen, aber trotz schwerster Bedenken wolle man nicht am Sturze der derzeitigen Leitung Mitarbeiten, .sondern Geduld haben-, da man wisse, daß'der Aufbau von Erez Israel nur. unter geistigen „Jissurim" erkämpft werden könne. Der Redner zählte dann eine Reihe von Tatsachen auf, die der Tätigkeit des Misrachizuzurechnen seien: vor allem die Unterhaltung von Schulen mit religiösem und profanem Erziehungsplan, in denen zur Zeit 6000 Kinder unterrichtet werden. Der Redner betonte, daß dieser Erfolg mitzuverdanken sei einem Frankfurter Herrn, der ehemals in führender Stellung beim Misrachi — heute der Aguda angehört. Auch durch Anstellung von Rabbinern und Schochtim habe der Misrachi dazu beigetragen, den religiösen Standard im Lande zu heben. Am Werke der Aguda übte der Redner scharfe Kritik: die Feststellung, daß in einzelnen Agudaschul-en in Jargon unterrichtet wird — (eine an und für sich allerdings bedaueMche Tatsache, mit der die Leider der agudiftifchen Erziehungspolitik sich einmal energisch befassen sollten) — rief, jedesmal, wenn sie gemacht wurde (und sie bildete einen wesentlichen- Punkt in den Ausführungen -des Referenten) einen-Sturm des Abscheus und der Ent- . rüstung unter den anwesenden- Misrachisten hervor, der bei Erwähnung der zahlreichen Chillule Scha-bbos, die von zionistisch bezahlten und subventionierten- Parteiführern und Sportvereinen begangenwerden, wohl kaum -derart spontan und intensiv eingesetzt hätte. Aber von -diesen Dingen wurde auch nichts erwähnt . . . Die Geduld des Mis-rachr, die nach der linken Seite hin so unendlich groß ist, ist nach rechts hin immer noch sehr verkümmert! In der Diskussion hob Herr Moses Blau, der Leiter der a-gu-disttschen -Organisationim heiligen Lande, die Verdienste des alten Jischuw um den Aufbau hervor, während Herr Rabb. Ribak zur Emigk-ei-t mahnte. Im Schlußwort stellte sich Raw Meier-Berlinnoch betonter als im Referate auf den Standpunkt, die Zeit der geistigen Auseinandersetzung sei vorüber: der Erfolg des Misrachi gegenüber der geringen Tätigkeit der Aguda sei entscheidend. Ja, wenn -immer der recht hat, der das meiste Geld besitztdann allerdings vereinfacht sich -der Kampf der Meinungenganz außerordentlich! . . . Liber Kampf der Meinungen!, gedankliche Vertiefung des geistigen Standpunktes, über da-s ewige Sichberufen -auf Augenblickserfolge hinaus, ist so wenig Sache -des Misrachi wie seines Führers. Rabb. Meier-Berlin — deshalb auch hüllte sich der Redner in Schweigen über Alter Herrenkurs im Jüdischen Turnerbund E. V. Seit kurzem findet im Jüdischen- Turnerbund ein Kurs für Me Herren statt, und zwar jeweils Montag Abend von 8.45 bis 10 Uhr in der Annaschule, Rechn-eigrabenstraße unter Leitung detz Turnlehrers Herrn Fr. Eifenhuth. Für diese spezielle Abteilung kommen in der Hauptsache Gymnastik und rhythmische Hebungen in Betracht. Geräteturnen dagegen nur in geringem Umfang. Irgendwelche Vork-enn-tnisse sind nicht erforderlich, da diese Abteilung vor allem nur zur Gesundheits- und Körperpflege dienen soll. Es ist erfreulich, -daß sich eine ganze Anzahl guter Turner zur Teilnahme bereit gefunden haben. Jede gewünschte Auskunft erteilt Herr Samuel Eisemann, Langestraße 11, Tel. Römer 2786.- Abraham Rubinstein Am 10. August verschied Abraham Rubinstei-n im Alter von 72 Jahren. Seit nahezu 40 Jahren in Deutschland lebend, führte -er stets ein gottesfürchtiges, streng religiöses Leben und erfreute sich dank feines lauteren und -edlen Charakters in allen Kreisen großer Beliebtheit. Mit ihm ist einguter n-nn p dahin gegangen, der den größten Teil seines Lebens dem Talmudstudium widmete und dessen höchstes Bestreben es war, in allen seinen Werken -dem Allmächtigen zu dienen. Nach langem, schweren- Heiden ging -er am Freitag Abend, kurz nach Schabbosansang, als ein wahrhaft frommer Mensch aus dieser Welt. Er hinterläßt drei Töchter und drei Söhne, inderen Wirken sein Geist fortleben wird. rrasan Herr Vereinskalender. Verein Mekor Lhajim Samstag, 1 Stunde vor Nacht Midrasch. Joseph Carleb ach. Sonntag morgens nach Schul (ebenso Mittwoch) im Hörsaale Friedberger Anlage vi« "N, Herr S. Schachno witz. — 8^ Uhr vornr. (ebenso Samstag eine Stunde vor Nacht) im Dereinslokale, Gemoro, Herr Joachim Sofer. — 9l/4 Uhr vormittag (ebenso Dienstag nachm, eine Stunde vor Mincho), Gemoro, Herr R. A. G. Posen. Montag morgen nach Schul (ebenso Donnerstag) im Hörsaale, Miichna, Mitgliederlernen. — Abends 7 Uhr (ebenso Mittwoch) im Dereinslokale, Gemoro. Herr Rabb. Dr. Joses Breuer. — Abends 874 Uhr (ebenso Donnerstag) im Vereinslokale, Gemoro, Herr Dr. G Posen. Dienstag morgen nach Schul (ebenso Freitag) im Hörsaale. Mischna. Herr Dr. E. Posen. Don Sonntag bis Donnerstag einschl., abends 83/4 Uhr im Vereinslokale v"V-Lernen, Herr H. H alp ern. Iabrzeits-Stistungen: tqw, 18. August. Moritz HirschbergStistung. Donnerstag. 23. August. Isidor Heller- und Mendel Apelt-Stiftung. Aguda- Jisroel-Jugendgruppe. N2V. 77- Uhr. Tfillas Schacharis. — »'<10—117* Herr Dr. I. Posen, Gemorob Kidduschin, Am Tiergarten 42. — 3U11-3U12, Herr Louis Kahn. Kizzur Schulchan Oruch. — S/411—3/4l2, Herr Lippmcmn Kurzweil, Gemoro Bowo Kamo. — 6-7*/2. Herr Gerson Schn erb, Kizzur Schulchan Ornch. — 12—1, Herr Herz Halpern, Das Jaumi. — Herr Dr. W Hosmann, Gemoro Bowo Kamo. — 3—4*/2, Herr Leo Schnerb. Gemoro Bezoh. — 4, Tfillas Mincho. — 4*/» —51/2, Herr 21.-91. M. Katz, Sidrah mit Nascht. 712V ,von 3—4 Uhr. Montag und Dienstag von 729—10 Uhr Schiur des Herrn Cmanuel Wolf. Minjan am 712V morgens pünktlich um 7*/4 Uhr. Don Montag bis Freitag morgen im Sitzungszimmer der Jsr. Religionsgesellschast, Gemoro, Herr Dr. Ehrmann. Aglldas Zisroel-Mädchengruppe. Der n'VV'-Kurs des Herrn Dr. A. Merzbach fällt im kommenden Semester aus. Der WB? des Herrn Lehrer Hirschberg mm mit v'bh findet 7»2V nachmittag 4-5 Uhr statt; arpi 14-ägig am Mittwoch abend von 8-9 Uhr. erstmalig am 15. August. Der ilN'V des Herrn Julius Lewin '2 Vkibw findet feit letztem 712V wieder direkt nach Schul statt. Wir hoffen, daß die Teilnahme weiter rege bleibt. Liwjath Lhen-Verein. Samstag nach Mincho (574 Uhr) im Hörsaale Friedbergeranlage, Vortrag des Herrn S. Sch ach nowitz („Schema" als Kampfesruf). V»V 712277* Deshamidrafch. Ostendstraße 1$. ä’*V73 712V». Herr Rabb. S. Weber. Don Sonntag—Donnerstaa. abends 7*U-lh 10. Ostjüdifcher Jugendbund. Samstag, 10—11 vorm., Tenach. 11—12 vormittag, Jüd. Geschichte, 4-5 nachm , Hebr. Sprachkurs. Sebelzeite». V'VSIV 7,2V Frettag Abend 7.— Samstag noDVn 6.30 Samstagmorsen 7.45 Samstagnachmittag 1 und 5.— Samstagabend 8 30 U)ochengottesdienst: A?prgens 6.15 Nachmittags 7.— Tefilin-Legen am Morgen 4.15 Familiennachrichken. Darmizwo: Sami Faust. Sohn des Herrn Mox Pelze! Frankfurt a. M., Obermain-Anlage 1. rrL7» '2 »Vis. Synagoge Börneplatz. — Bernhard, Sohn des Herrn Jak. Ahrend, Am Tiergarten 36. Synagoge Friedberger-Anlage. »'vsiV 7,V2S 7>2V. — Ernst Ludwig. Sohn des Herrn Sigmund Neu, Zeppelin-Allee 40. Samstag. 25. August, Synagoge Unierlindau. — Richard, Sohn des Herrn Justus Ahrend. Frankfurt a. M.. Stallburgstr. 26. Synagoge Friedberger Anlage, ksi, i> Das Scholofchsudaus des Voran Willi von Rothschild und Anderes. Herr Isaak M. Mainz, Frankfurt a. M., -teilt uns aus der un-gemeinreichen- Fülle seiner Erinnerungenfolgende Rothschild-Anekdoten mit: Es war -im August 1863, -als hier in Frankfurt ein Fürstenk0ngreß, -einberufen von Kaiser Franz Josef von Oesterreich, tagte. Achtzehnjährig und interessiert für alle Dinge -der hohen- Politik, wie ich damals war, schenkte ich, wie übrigens die ganze jüdische Bevölkerung, de,n Vorgängengrößte Aufmerksamkeit. Stünden-lang ständen wir -am Bundespalais in -der Eschenheimer Gasse, um den prächtigen Sechsspänner -des Kurfürsten von Hessen zu bewundern. Es galt für uns auch, die seltene Gelegenheit zu -ergreifen-, die vorgeschriebene zu sagen- und dem Weisenspruch gerecht zu werden pna-> rop dkb? nVijrn owirr njnpV tm ss’ ■9*Tix ■»bbnb .'’S Ganz besonders interessierte uns die Frage, wie sich der Baron v. Rothschild als österreichischer Generalkonsul bei Anwesenheit der vielen Fürstlichkeiten verhalten würde, wie er den vielen an ihn- -bei diesem Anlaß herantret-enden Ausgabengerecht werden wollte, ohne in KonWt mit den göttlichen Geboten' zu kommen-, die er bekanntlich aufs Peinlichste beobachtete. Wirklich erfuhr man bald, daß der Baron Willi von Rothschild vom österreichischen Kaiser -eine Einladung zu einem Festessen im Prunksaale des ehemaligen Main-Neckarbahnhofs, der rheit äutzerhakb des Stadttores -lag, erh-ielt, und ausgerechnet für Samstag, es .roax.rw-mv 's o2v (dle EriMberMg rvi.r-d -dahurch aktüell). Was würde -nun der Baron anfangen-? zerbrach man sich ist der Judengasse den Kopf. Dern ZekemänW -entsprechend, maßte er in. österreichischer Galauniform mit Orden- und Degen erscheinen. Der Fests-aal lag aber weit draußen, wo man am Sabbat nicht tragen durfte. Der Berater des Ba- . rons -in solchen Dingen und oft Helfer in der Not,, war seinliebenswürdiger und äußerst gewandter Kammerdiener, e-m 25jährig-er Elsässer, mit Namen C a h n. Ich hatte die hohe Ehre, mit diesem Herrn Cahn befreunde: zu sein, da ich mit ihm fast tagtäglich in der Buchhandlung von I s -a k K ä u f f m a n n, dem Almosenier des Barons, zusammentraf. Bonihm erfuhr ich alles Weitere. Er, der junge Kammerdiener, wurde zu Rat gezogen- und er traf alle Vorbereitungen in -umfassendster Weise. Zuerst wurde die besagte Uniform beim Mikitärschnei-der bestellt und nach Ablieferung von Viktor Nußbaum, im Hauptberuf Schneider, nebenbei aber auch Börsenhändlex ünd zum Minjan des Baron gehörig-, aus ntwv' gründlich' üytresucht. Nun wurde von Herrn Cahn gegen /schweres Geld für den Sabbat im Main-Neckarbahnhof ein passendes Zimmer gemietet, wohin am Freitag ine Uniform und alle an-deren nötigen Utensilien ges^lfft wurden. Nachdem -das' Festessen glücklich vorbei war, -begab sich der Baron in seinem Zivilanzüg durch die Bockenheimerlandstraße zu Fuß nach Hause. Gegen sechs Uhr abends -erreichte er sein Heim. Kaum hatte er das Haus betreten, als König Maximilian von Bayern anfragen ließ,^ ob fein Besuch jetzt genehm wäre. Herr Cahn wurde gerufen und der Baronrichtete besorgt an ihn die Frage: . „Wir haben die dritte Mahlzeit noch nicht eingenommen und die Zeit ist vorgerückt. Kann ich den. König von Bayern noch empfangen?" Herr Cahn meinte: - „Es kommt schließlich nicht jeden Tag ein König, der Sabbat kömmt «ärer jede Woche.' Das wäre zwar kein Grund, den Körrig von Bayern pov der „Königin Sabbat"' zu bevorzugen, -aber in diesem Falle sei mit Sicherheit zu erwarten, daß der Bayer sich nicht gar zu lange aufhalte, so daß für die dritte Sabbatmahlzeit noch genü-giend Zeit bleiben--würde." „Dann i-sts gut," entschied der Baron „,wir wollen ihn empfangen." Der König blieb -eine gute halbe Stunde in der Sabbatstube des Baron, äußerte sich ganz entzückt über die Pracht des Hauses und verabschiedete sich aufs Herzlichste, worauf der Baron sich an den Tisch setzte, um „Königin Sabbat" mit der vörg-eschriebenen dritten Mahlzeit zu ehren. An- Appetit fehlte es ihm nicht, denn -er hatte beim kaiserlichen Prunkmahl, zum größten Erstaunen der Tischgenossen, nichts angerührt. Der Baron erhielt in diesen Tagen noch den Besuch zahlreicher -anderer hoher Persönlichkeiten und gekrönter Häupter. Die neue Uniform wurde für etwaigen späteresi Gebrauch aufbewahrt. Der Baron scheute keine Kosten-, wenn es um sein m-pr ging. So oft er sich wusch, mußten nachher Diener -erscheinen und die besten Zrtronen zum Nachwaschen zerschneiden. Ein noch -bestehendes Dekikatessenhaus lieferte solche in Kisten nach Bedarf. Er öffnete nie eine Türe mit der Hand, sondern mit dem Ellenbogen. Im Hause Zeit badete er täglich. Daselbst war auch vom Baron -ein Ritualbad eingerichtet. Eines Tages verlangte er ein neues Abtrockentuch. Der Diener sagte, daß er keines mehr zur Verfügung hätte, da Frau Baronin sehr lange keine Anschaffung mehr gemacht habe. „Gehen Sie nachher zu Maier hinüber (Ecke Zeil und Hasengasse, später Neubau) und bestellen Si-e zwölf Duzend (144 Stück)," befahl der Baron. Maier erledigte genau den Auftrag. Ich könnte noch mit vielen Einzelheiten aufwarten. Vielleicht später einyral.

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