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Der Israelit · 1928-08-09 · Heft 32 (9.8.1928) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 32 (9.8.1928)
Date
1928-08-09
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Die Rabbinerwahl in Frankfurt. Der Gemeindevorstand erläßt unterm 20. Am (6. August) folgendes Rundschreiben: Im Sinne der am 20. Jjar 5687 -unter Vertagung der Wahl von uns erlassenen Bekanntmachung wären die angestrengten; Bemühungen des Vorstandes während des abgelaufenen Jahres daraus gerichtet, durch Verhandlungen mit Herrn. Rabbinats-Assessor Posen und durch Anrufung einer unbeteiligten rabbintschen Instanz die halachischen Vorfragen ^restlos zu klären und den Vorschlag zweier Kandidaten sowie die unbedingte Freiheit der Wahl unter diesen beiden Kandidaten zu ermöglichen. Dieses Ergebnis ist leider nicht erzielt worden., Ein Schiedsgericht kam nicht zustande. Die von uns angerufene rabbmische Instanz hat erklärt, daß sie aus allgemein jüdischen Gründen nicht für richtig halte, an einer aks Richtschnur für die Praxis ausgesprochenen Entscheidung des Herrn Rabbinats-Assessor Posen im Sinne einer Entscheidung für die Praxis Kritik zu üben. Die rabbinische Instanz hat jedoch ferner erklärt, daß unter der durch die Entscheidung des Herrn- Posen geschaffenen Lage eine Wahl im Sinne der Gemeindesatzung aus verschiedenen schwerwiegenden Bedenken heraus nicht mvg-- lich fei. Angesichts dieser Lage sind neue Verhandlungen mit Herrn Rabbinats-Assessor Posen eingeleitet worden. Dieser hat uns nunmehr ermächtigt, bekanntzugeben, daß gemäß seiner früheren Erklärung zwar jeder l'dino verpflichtet sei, den Sohn des verstorbenen Rabbiners zu wählen, daß jedoch gleichwohl jeder Wähler, der glaubt, hier liege ein Irrtum bezüglich des Din vor, so wählen darf, wie er es vor n"2pri verantworten kann. Die cmgefragte rabbinische Instanz hat uns jetzt mitgeteilt, daß -durch die Kundgebung des Herrn Rabbinats- Assessors Posen, indem jedem Wähler eine Entscheidung in obigem Sinne freigestellt und somit die Abgabe eines weihen Zettels unter Umständen zugebilligt werde, die Wahl im Sinn-e der Gememdefatzung ermöglicht worden sei. Zum Zwecke der Rabbinerwahl wird daher durch eine a u tz e ro r d entli! che Gemetnd e v e rsam intun g auf Sonntag den 17. Elül 5688 (2. September ds. Js.) nach der Aula der Realschule. Am Tiergarten 8, einberufen. Vorgeschlagen wird auf Grund Mehrheitsbeschlusses des Vorstandes, nachdem.Herr Rabbiner Dr. Klein in Nürnberg mit Schreiben vom 22. März ds .Js. seine Kandidatur zu unserem Bedauernzurückgezogen hat, als alleiniger Kandidat Herr Distri k ts r ab bi n e r D r. Raphael Breuer in Aschaffenb ürg. Der für die Wahl maßgebende Satzungsparagraph ist am Fuße dieses wiedergegeben. Die Gemeindeversammlung wird um 10 Uhr vormittags eröffnet und um 5 Uhr abends geschlossen. Einziger Gegenstand der Tagesordnung ist die W ahl; Wortm-eldungen werden nicht entgegengen-ommen, Diskussionen nicht, gestattet. Wahlberechtigt sind alle männlichen Gemeindemitglieder, die das 21. Lebensjahr vollendet haben und in die Wählerliste eingetragen sind. Die Wählerliste liegt vom 12. August bis zum 26. August ds. Js. wochentäglich m den Stunden von 9—12 und 4—6 Uhr in der Gemeindekanzlei zur Prüfung offen. Anträge auf Berichtigung oder Ergänzung der Wählerliste sind bis spätestens 28. August, mittags 12 Ähr, schriftlich an den Vorstand zu richten. Die Ausübung des Wahlrechtes ist an das persönliche Erscheinen des Wählers gebunden; jeder Stimmzettsk wird in «inen mit dem Gemeindeftempel versehenen Umschlag gelegt, der dem Wahlvorsteher zu übregeben und von diesem in Gegenwart des Wählers in die Wahlurne zu legen ist. Wir erwarten, daß in der Wahlbewegung jede unnötige Schärfe vermieden bleibt, und daß kein einziges stimmberechtigtes Gemeindemitglisd angesichts der bedeutungsschweren Entscheidung der Wahlurne fernbleibt. Der Vorstand. Artikel 30. der Gemeinde satzung. Im Falle einer- Vakanz hat der Vorstand binnen Jahresfrist d^r Gemeindeversammlung -einen öder meh- , reve Kandidaten für die Neubesetzung'd^s Gemeinderabbinats vorzuschlagen. Gewählt ist derjenige,: aüs dessen Namen sich die Mehrzahl der abgegebenen Stimmzettel vereinigt. Weihe Zettel werden mitgezählt und gelten als Ablehnung. Weiter wird uns mitgeteilt, daß die Mehrheit des Gemeinderats als Protest gegen die Ausschreibung der Wahl, die sie unter den gegebenen Umständen für satzungswidrig hält, ihre AenÄer niedergelegt hat. Sie fordert in einem Rundschreiben auf, dem' Protest durch Abgabe weißer Zettel Ausdruck zu verleihen. Eine Zeschiwaakkion in Frankfurt. Es geht dieses Mal nicht um unsre Jeschiwa, deren Erhaltung und Ausbau selbstverständliche Ehrenpflicht der Frankfurter und der deutschen Judenheit, soweit sie ein Herz für die Thora und die Zukunft unseres Volkes hat, ist. In diesem Falle handelt es sich um die M e ssiwta in Warschau, die den Herzpunkt der polnischen- Judenheit bildet und nach dem Grundsätze Jo nn m aony isi®’ in hohem Maße unser Interesse und unsere Unterstützung verdient. Diese Jeschiwa in Warschau ist nicht eine der vielen in Polen, sie ist eine rettende Tat für das polnische Judentum, das in der Kriegs- und Nachkriegszeit geistig, so schwer gelitten hat. Sie bildet eine Konzentration -der Thoralehre in- Polen und zugleich ein Reservoir, von dem aus das geistige Lebenin Polen für Generationen gespeist werden soll. Die Mesiwta ist die Bildungsstätte für -die künftigen rabbinischen Führer Polens, die sieauch mit den nötigen profanen Kenntnissen ausrüstet. Sechszehn Talmuddozenten und sechs Lehrer für profane Disziplinen wirken an ihr. Si-e ist von den größten Männern Polens, von -den Lehrern- und Rabbis der Chassidim wie Misnagdim zu einer Zeit, da -die Flut alles, was das polnische Judentum an geistigen- Werten besaß und -der Welt geboten hatte, niederzu reihendrohte, ins Lebe gerufenworden und beherbergt zur Zeit etwa 600 Thorajünger, von denen ein großer Teil sich dem rabbinischen Berufe widmet. Aus dieser Blütestätte werden Größen in Israel heroorgehen. die von ihrem Geiste über Polenhinaus spenden werden-. Auf den Aufruf, der an die Judenheit der Welt zugunsten der Warschauer Jeschiwa ergeht, finden wir u. a. die Namen der ersten Rebbes und chassidischen- Führer der Jetztzeit, so des „ C z o rt k o w er ", des „Ger rer", der Rabbis von Ostrowicze, Amschino w und Soch -atschow, ferner aus R a d f ch i n . Stern ewitz, Now oMinsk. Strizow und Piko w. Vom R a b b i n e r v e r b a n d e in Polen appellieren für die Jeschiwa der K a l i s ch e r R aw. M a j e r Don R >a f a e l P l o tz k i Rabbi Salomo David K a h a n e aus Warschau, u. a. Ihnen schließen sich alle Mitglieder des Warschauer Rabbinates unter Führung von Rabbi Perlmutter an. Es muß doch eine große Sache sein, wenn ihr di e Besten unserer Zeit in Polen so warm das Wort reden. Bon deutschen Rabbinen haben sich u. a. bereits die Herren Dr. M. Hildesheimer, Berlin-, Oberrabbiner Dr: Spitzer, Hamburg. Oberrabbmer Dr. Carleb a ch, Altona warm für die Mesiwta eingesetzt. Ein Mitglied der Verwaltung der Mesiwta, Rabbiner Jahr,, einer der angesehensten Rabbiner Valens, weilt zur Zeit in Frankfurts Mauern, um e d eld e n k e.n d e Thorafreunde für die große Jeschiwa in Warschau zu interessieren. Frankfurt wird in altbewährter Thoraliebe seine Pflicht gegenein Thora-zentrum ineinem Lande, das unter schweren wirtschaftlichen Röten sich sein- Heiligstes zu erhalten sucht, für sich und für uns alle, erfassen und der Sache mit Herz und Hand wärmstens entgeg-enkommen. Vom Reichsbund jüdischer Fronksoldaken. Der R. j. F., Ortsgruppe Köln, stellt uns öje Abschrift eines an, die Burdesleitung in Berlin abgegangenen Schreibens zu, in dem zu der im „Israelit" Nr. 30 gebrachten Mitteilung über eine Veranstaltung des R. j. F. in Köln am Abend des neunten Aw folgendes berichtigt wird: „Durch die Anwesenheit einer großen Anzahl Kameraden unseres Bundes beim Deutschen Turnfest beabsichtigen wir, einen Begrüßungsabend zu veranstalten. Dieses wurde ungefähr 14 Tage vor Beginn des Deutschen Turnfestes festgesetzt, und in der betreffenden Sitzung, an der auch eine Anzahl konservativer Kameradenteilnahmen, wurde der einzige für die Turner freie Abend der Woche, Mittwoch abend, gewählt. Die Einladungen wurden sofort in Druck gegeben und an die einzelnen Ortsgruppen versandt. Direkt nach Versendung der Einladungen stellte sich jedoch heraus, daß inder Sitzung an den Feiertag (?) nicht gedacht worden war, und aus diesem Grunde unterblieb auch die Absendung der Einladungen an die Mitglieder der Kölner Gemeinde. Der Abend fand, wie auch selbstverständlich, nicht statt." Soweit die Berichtigung. Ein Feiertag ist der rr"nn,im Sinne des Tina ■»tor «np, aber keiner von denen, die gesellschaftliche Veranstaltungen nur wegenausschließt. Wir freuen uns auf alle Fälle)' konstatieren zu können, daß die Feier, nachdem den Einberufern der Charakter des Tages zur Kenntnis gekommen war, abgesagt wurde. Wie steht es aber mit den anderen Ausstellungen des Herrn Ccchn-, auf die man scheinbar nichts zu erwidern weiß; wie vor allem mit dem gemütlichen Abend der Frankfurter Ortsgruppe in der Tischohbeaw-Woche? Roch weit schlimmer verhält es sich mit der schon geradezu provozierend wirkenden Nummer für Nummer öffentlich zur Kenntnis gebrachten Sabbatentweihung des „Schild". Es bleiben noch ferner unbestritten die sechs Herren an prominenter Führerstelle, die in Mischehe leben, die Besprechungen am Sabbat, zu denen Delegierte gefahren kommen, unrituelles gemeinsames Essen in Kreuznach und manches andere, was gewiß gegen den- Willen der Frankfurter Ortsgruppe, insbesondere geschieht. Die letzte oder, sagenwir. j ü n g st e Illustration entnehmen wir der letzten, am Sabbat den 4. August erschienenen Nummer des „Schild". Dort ist in hervorgehobener Schrift zu lesen : „Ortsgruppe Berlin. An der von Reich, Staat und Gemeinde veranstalteten Verfassungsfeier mit F a ck e l z u g beteiligt sich auch die Ortsgruppe Berlin. Die Kameraden treten am Sonnabend, den 11. August, abends 7.30 Uhr, am Monbijouplatz an. Abmarsch pünktlich 8 Uhr. Eigene Musikkapelle. Die Beteiligung sämtlicher Käme r a d e n i st Pf l i cht." -I- * * Ein höherer Beamter der C. V. verlebte dieses Jahr seine Ferien m einem kleinen Bade und hatte mit Familie, wovon sich Schreiber dieses überzeugen konnte, seine volle Pension in einem christlichen Hause — obwohl am Platze zwei jüdische Hotels so erstklassig geleitet werden, daß sie gelegentlich auch von Nichtjuden ausgesucht und hochgeschätzt werden«. Ein schlichter jüdischer Mann vom Lande meinte dazu, die Sache komme

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