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Der Israelit · 1928-08-09 · Heft 32 (9.8.1928) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 32 (9.8.1928)
Date
1928-08-09
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Nr. 32 Der Israelit 9. August 1928 Willen nicht fort gelassen werden. Denn in Ihrer Festeswoche darf ich nur die 8. Batterie beurlauben. Unsre Prozentzahl ist für diesen Monat erschöpft." — Vor dem halb zerschossenen Hause stand ein Holzklotz. Daraus saß ich eine Viertelstunde lang, ohne mich zu rühren. Es war mir immer, als senke sich der Holzblock mit mir langsam in einen Abgrund. Wie wenn man in einem Fahrstuhl zur Erde fährt. Die Ohnmacht, gegen diese Entscheidung sich zu empören, Hilfe herbeizurufen oder Beschwerde zu führen, drückte mich zu Boden. Ich hatte meinen Einfall für so gut gehalten, und mich auf seine Verwirklichung so fest schon eingestellt, daß ich auch nicht einen Gedanken herbeizerren konnte, damit er mich aus dieser innerlichen Verödung ablenkend rette. Zwei Tage lang war ich ohne Seele. Als ich am dritten Morgen darnach von, der Feldküche meinen Kaffee holte, winkte mir der Schreiber. In der Stube schob er mir einige Feldpostpakete über den Tisch zu. Aus einem fielen kleine Stücke von zerbrochenen Mazzos. In einem andern war ein versiegeltes Fläschlein Wein und darunter lag mit zerdrückten Deckeln eine Haggodoh. Wenn ich wie ein wildes Tier hätte schreien dürfen, dann wäre es mir leichter geworden. So aber überkam mich eine Schwäche und ich mußte mich an die Wand lehnen. „Lach' doch!" schrie mich da der Schreiber an. „Lach' doch, daß der Bauch wackelt!" „Wegen der Pakete da? Ich . „Lach', sag' ich dir!" fiel er mir ins Wort. „Das is Schwein! Lach'!" Dabei fuchtelte er mir mit einem Stück' Papier vor der Nase herum. „Lies selbst!" Das war das Gesuch um Peßachurlaub. Darunter stand: „Br. kann nicht beurlaubt werden,, da die der 7. Batterie zustehende Quote bereits erreicht und überdies frühere landwirtschaftliche Gesuche vorliegen." Zurück an die 3. Abtlg. Der Batt.-Führer: Roth, Hptm. (Fortsetzung folgt.) Lin bisher unveröffentlichtes Protokoll in Sachen Ionakan Eibenschütz. Mitgeteilt von D. Simon Adler in Prag. Extractus Prothocolli.*) So den 10t. January dieses neu eingetretenien 1762 Äahres von denen anwesenden Eltesten und gemein Eltesten wegen des hreher nach Prag zu begeben Dermeynenden Joseph Jonas Eybefchitz der Ordnung nach eröffnet worden. Der Nathan Epstein Eltester und der zeit Monathalter votiret. Es ist nicht ohne daß der Eybefchitz ein sehr gelehrter Mann auch ein großer Mitkontribuent gewesen sey, daß aber derselbe in Anfang der Kriegstroubln von allerhöchsten Orth proscribiret worden sey, die ursach ihm nicht wissend mithin weilen derselbe ein alt erlebter Mann sey, wegen seynes herein begehren nichts einzuwenden hätte. I s a a c Austerlitz Eltester meldet, wenn er nicht befürchten thäte, daß durch Len Eybefchitz hier unfern dermahligen Ober-Aiabbiner (mit welchen wir wohl zufrieden seyn) einige Wieder Willen entstehen könnten, dagegen nichts zu erinnern hätte. Salomon K o r e f Eltester reseriret sich auf obbemelten Monathalter Epstein seinen Vortrag, darbey erinneret, daß die Person an sich selbst in denen jüdischen Gesätzen nicht allein hochgelehrt, sondern auch in allen Wissenschaften sehr fundiert sey, annebst auch derselbe zu der Gemeinde von einem großen Nutzen gewesen, weil selbter nicht nur die hiesigen als auch auswärtigen Kinder in Studien wohl inftruiret, zum öfteren auch die Leuths durch die Predig zum gut halten bewogen, sondern auch in allen und-jeden sogar in Kriegszeiten gegen damaligen Feinden zum Schanzen gestellen sich emsig gebrauchen lassen. Folgsam weil die Gemeinde vielen *) Das Dokument gibt interessanten Aufschluß über die Gründe, warum Eibenschütz, nicht, wie er erst plante, nach Prag übersiedelte. Nach Grätz hätte Rabbi Jecheskel 'Landau mittels der kaiserlichen, Behörden diesen Plan -vereitelt, was aber völlig unbegründet ist. Nutzen durch seiner geschöpfet, mithin der Gemeinde die höchste gnade durch seine Hereinbegebung widerfahren thäte, in spezie daß derselbe bereits ein alterlebter Mann sey, und allhier gerne bey seinen Vorfahren beerdiget werden könnte. Jacob Eger Cltester votiret, es ist nicht ohne, daß nicht allein der jetzige Oberrabbiner Ezechiel Landa durch 6 Jahre feine Funktion allhier eifrig ohne den mindesten aussatz versehen, sondern auch während der Kriegstrublen und feindlichen preysischen Belagerung deren Prager Städten neue gebetter errichtet der Gemeinde aus das schärfste anrecommandieret aus Schanz und andere gefährliche arberthen ihr leben zu sakrifizieren, daß alles eifrig geschehen, zur genüge kontestieren. Wenn wir von vielen Seculis her das Exempel haben, daß solche 2 große Rabbiner in einer Gemeinde durch ihre unter sich habende jüdische Studenten oder Scholaren in größter Strittigkeit gerathen gleich wie es ermelter Oberrabbiner angebracht hat, wodurch das Sistema leyden dürfte, wie auch Ihre Kays. König!. Mayt. unsere allergnädigste Landessürstin um Willen, daß zwischen beiden Judenfchaften keine Sttitttgkeiten seyn möchten, bey aller höchst ergangenen Resolution dd. 20. July 1744 allergnädigst beharrt und weilen der Außerlitz ebener maßen wegen künftigen Zank nicht einwilligen thuet, daß der Eybefchitz sich hier niederlassen solle, also ich zu seinem veto beysalle, daß demselben seyn hereinbegeben nicht gestattet werden möchte. Wolf Sekeles gemein Cltester votiret nach seiner geringen Meynung, wär wohl oonnöthen gewesen umb die Gemeinde in der lieben Ruhe zu behalten mit diesen unterth. bericht zu erstatten man noch zurückzuhalten, weilen der Primator und unser gemein Eltester Wolf Bunzl bey heutiger Zusammenkunft nicht beywohnen können, allein weilen unser Oberrabbiner in der heutigen Zusammenkunft diese Vorstellung so weith gemahnt, daß ihm eins unmöglich wäre, mit dem Eybefchitz in einer Gemeinde seßhaft zu seyn, auch die obbemeldten Eltesten ihre Meynung beygebracht, sothut er eben nicht ermangln, seine Meynung mit den Vorgesetzten Eltesten Eger unterth. bey zufallen mit diesen Zusatz weilen de Anno 1725 bereits in Zeiten des vorigen Ober-Rabieners David Oppenheimb allhier mit dem errvehnten Eybefchitz viele Zwistigkeiten sich ereignet auch mehr besagter Eybeschitz in seiner Rabbiner-Stelle zu Metz Diele unruhig empfunden, dergleichen unruhe auch dermahlen zu Hamburg und Altona sich eben zu traget mithin zu besorgen wäre, wann ihm seines aller unterthänigsten Anverlangen hiesiges Wiederbegeben allergnädigst gestattet werden möchte, unsere Gemeinde in größte unruhe gesetzt werden könnte, wie es auch sich ereignet, daß wie der amsterdamer Rabiener allhier zum Ober-Rabbiner ausgenommen werden sollte, des mentionierten Eybefchitz allhier befind!. gute Freunde durch Briefe uns denselben abspenstig gemacht haben, worüber auch die Eybeschitzische gute freunde der mahlen von Einer hochlöbl. Kays. König!. Representation und Eamer in eine Straf verfallen, welche gleichen Uneinigkeiten bey seiner anhero kunft sich ereignen und die prestanda publica hierdurch leiden konnte, also bittet je(doch ohne mindeste Masgabe) umb die liebe gemeinde in Ruh zu behalten ihm seines hereinbegeben nicht gestattet werden möchte. Ahron Lieberles gemein Cltester erwähnet weilen der hiesige Ober-Rabbiner seine Anliegenheiten bey unserer Zusammenkunft angebracht, mithin ist seine geringe sondern mindesten maßgebige Meynung mit dem Vorgesetzten Jsaac Austerlitz seinen Vorschlag. Mora Jerusalem gemein Eltester conjungiret sich auf des Vorgemelten Monathalter Epstein seiner Meynung. Urkund dessen haben wir uns eigenhändig unterschrieben. (Archiv der isr. Kultusgemeinde Prag. Alte Akten Nr. 2810.) Die größere Liebe. Rebekka Groß, das Vorbild der Heldin aus Sir Walther Scotts „Jvanhoe". Wohl jedem Leser von Sir Walther Scotts bekanntem Roman „Jvanhoe" wird, nachdem er das Buch aus der Hand gelegt hat, noch lange die rührende Gestalt der edlen Rebekka in der Erinnerung haften geblieben sein, aber die meisten werden das tapfere und schöne Mädchen für ein Phantastegebilde des Dichters gehalten haben. Wie jetzt aber ein Rewyorker Blatt feststellen kann, hat diese Rebekka wirklich in Fleisch und Blut auf Erden gewandelt, denn außer in den Seiten des Scott'schen Romans lebt ihre Erinnerung noch heute auf dem israelitischen Friedhofe an der Spruce Street in Philadelphia, wo eine schlichte Marmorplatte mit der Inschrift Rebecca Gratz Born March, 4, 1781 Died August 27, .1869 die Stelle bezeichnet, wo das Vorbild der Scott'schen Heldin, ihre letzte irdische Ruhestätte gefunden hat. Und hinter diesen Tatsachen verbirgt sich eine Lebensgeschichte, durchpulst von den besten menschlichen Gefühlen, verklärt durch eine edle Tragik und doch wiederum so einfach, anspruchslos und schlicht, wie die Grabplatte auf dem stillen Friedhof. In ihren jungen Jahren zählte Rebekka zu dei^bewundertsten Schönheiten der Gesellschaft in Philadelphia und Saratoga Springs, wo sie mit ihrem Vater, den» Kaufmann Michael Gratz, und ihrem Bruder Simon, dem Begründer der Akademie der schönen Künste, im täglichen Verkehr mit solchen Männern der nachrevolutionäven Zeit, wie Henry Clay, Washington Irving und Nickolas Schuyler, den Sommer zu verbringen pflegte. Aus! diesem Umgang heraus entsprang eine Liebesromanze, die einen dauernden Eindruck auf das junge Mädchen hinterlassen sollte, denn so groß auch ihre heimliche Liebe!mar, noch tiefer lebte in ihrer Brust ein anderes Gefühl, das alles überstrahlte — das war ihve Religion.! Nicht daß Rebekka ihren jüdischen Glauben als eine; Scheidewand betrachtete, hinter der sie sich von der an-!dersgläubigen Welt abschloß; im Gegenteil: ihre Mild-! tätigkeit und stete Hilfsbereitschaft, die in späteren Jahren; fast ein Beiwort zu ihrem Namen wurde, kam allen 'Bedürftigen zugute. Sie unterstützte die Wohlsahrtseinrichtungen der Quäker mit derselben offenen Hand und demselben großen Herzen, wie die jüdischen Pflegeheime, oder die Schulen für israelitische Einwandererkinder. Rebekkas Vater war in den Bergen Steiermarks in Oesterreich geboren und hatte außer einem kleinen Vermögen und einem ausgesprochenen Gerechtigkeitssinn als kostbarstes Gut seine jüdische Religion mit in die neue Welt genommen und aus seine Kinder übertragen. Noch auf seinem Totenbette .nahm er ihnen das Versprechen ab, diesen Glauben höher zu achten als das eigene Leben und ihm niemals untreu zu werden. Deshalb stand Rebekka dem schwersten Problem ihres Lebens gegenüber, als ein junger Mann von bestem Ansehen und aus guter Familie, aber von anderem Glauben, sie bat, sein Weib zu werden. Trotz ihrer großen Liebe zu dem jungen Mann konnte für Rebekka kein langer Zweifel darüber bestehen, wie ihre Antwort ausfallen müsse, denn sie wollte ihrem Glauben treu bleiben, selbst auf Kosten ihres persönlichen Glückes. Sie gab deshalb dem Bewerber um ihre Hand schweren Herzens einen abschlägigen Bescheid, verschloß diese Liebe tief in ihrer Brust und führte fortan ein Leben, das einem herrlichen Tribut für ihr hohes religiöses Ideal glich. Es gab bald keine wohltätige Anstalt mehr in Philadelphia, in deren Goldenen Büchern nicht der Name Rebekka Gratz verzeichnet war. Unermüdlich war sie mit milder Hand und teilnehmendem Herzen tätig und die edle Tragik ihrer Liebesromanze, die manche Frau veranlaßt hätte, sich erbittert von der Welt zurückzuziehen, schien dieses tapfere Mädchen zu veranlassen, ihre ganze Persönlichkeit in den Dienst der gesamten leidenden Menschheit zu stellen. * Unter den Pfleglingen der Rebekka befand sich auch die junge totkranke Mathilda Hoffmann, die das Herz des damals noch wenig bekannten Richters Washington Irving gewonnen hatte und deren letzte Tage durch die sorgende Teilnahme der edlen Jüdin verschönt wurden, bis sie eines Abends im Alter von noch nicht 18 Jahren in Rebekkas Armen getröstet und mit einem Lächeln auf den bleichen Lippen an der Schwindsucht starb. Diese rührende, aufopfernde Pflege seiner Braut ist auch dann nicht von Washington Irving vergessen worden, als sein Name schon der Weltliteratur angehörte und er in einen regen Gedankenaustausch mit Sir Walther Scott trat, den er auch auf seinem Schloß in den Bergen von Abbottsford besuchte. Von literarischen Angelegenheiten sprang das Gespräch auf persönliche Erlebnisse über und Irving schilderte in bewegten Worten den frühen Tod seiner Braut und den tapferen Beistand der Rebekka. Sir Walther Scott zeigte ttefes Interesse und erfuhr nun von seittem Besucher die Liebes¬ und Lebensgeschichte der jungen Jüdin und sofort formte sich in seinem Kops die Handlung für „Jvanhoe", einen seiner erfolgreichsten Romane. Washington Irving war schon längst wieder nach seinem Heim am Hudson zurückgekehrt, als ihm eines Tages ein Paket von dem großen schottischen Dichter überbracht wurde. Es enthielt einige Exemplare des soeben erschienenen Romans „Jvanhoe" und in seinem, noch heute erhaltenen Begleitbrief fragt Scott an: „Wie gefällt Ihnen Ihre Rebekka, gleicht sie dem tapferen Mädchen, von dem Sie mir erzählten? Und so kam es, daß sich diese ruhige, schlichte und entsagungsvolle Jüdin durch ihre Hilfsbereitschaft und Menschenliebe ein Denkmal in der Weltliteratur setzte, das noch bestehen wird, wenn die Inschrift auf der Marmorplatte ihres Grabes auf dem stillen Friedhof zu Philadelphia schon von der Zeit verwischt worden ist. — Carolus Ey. Bevorzugt von der anspruchsvollen Hausfrau, Außergewöhnliche Vorzüge, Trotzdem niedriger Preis. E48AGE&CO AM ESCHENHEIMER TOR 3. Qualitäts- Zigarren Moritz Wolf Zeil 49 Telefon Römer 9, 03 Verantwortlich für den allgemeine» Teil und da» Feuilleton S. Schachnowitz, Frankfurt a. M.; Inserate i.B.r ».Schach' «owitz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer L. Kaufmann in Sprendlingen (Kr. Ofsenbach). — Verlag .Israelit", V.m.b.s., Frankfurt a.M. — Druck Sermon Verlag«» Aktiengesellschaft, Frankfurt a. M.

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