Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1928)
- Date
- 1928-08-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Frankfurt a. 2TL, den 23. Aw sss« Ein Centralorgan fOr das orthodoxe Judentum |föI L * jBB&HSm ist Bearündet von Dr. Leknnann in Mainz;. 111 i Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Abonnement ab Januar 1834: Deutschland 1 Goldmark monatlich; Ausland: Blerteljahrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes) Deutsch-Österreich: Schilling 8.—; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; ab 1. Juli Frankreich 38 Fr.; Belgien ab 1.7.27. Belga S; Holland 8 st.; Italien ab 1.1.88.18 Lire; Jugoslawien 58 Din.; Litauen 7.50 Lit.; Rumänien ab 1. 7. 37. 150 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty. Schweiz 5 Fr. Tschecho-Slowakei 35 Kronen; Ungarn Pengö 5 ab 1.Juli 1937; Dänemark 3.60 Krön.; Norwegen3.50 Krön.; Schweden 3.50 Krön. Einzelnummer dreißig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 40 Goldpf. für die stebengespaltene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzetgen nur 30 Pf. 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Ernst Samts berichtet in der Wiener jüdischnationalen Zeitschrift „Die Stimme": „Die Last des alten Unglücks drückt die Herzen nieder, doppelt stark hier in Jerusalems wo die ruinenhaften alten Häuser, die engen,. schmutzigen Gassen und die entsetzliche Armut des Volkes den großen „Churban", die vollkommene Zerstörung, noch so illustrieren, daß man fühlt, so muß es in den Tagen Nebukadnezars und Titus", nach dem Falle der Stadt, und nach dem Abzug des Feindes gewesen sein. Oder wo das alles wie eine aufreizend-deutliche Erläuterung für die Tiefe unseres Falles, als empörender und widerwärtig aufdringlicher Kontrast zu den Schilderungen unseres alten Glanzes wirkt und zu den Erinnerungen daran, in die man sich heute versenkt. Aber es ist doch nicht mehr alles genau so, wie es bisher Tradition, war. Mitten in der Atmosphäre der Trauer und der Erinnerungen kündet sich ein neuer Zug an: Aus der Nähe tönt lauter, fröhlicher Gesang. Eine Schar Chaluzim zieht unter den Fenstern vorbei und singt im Marschtempo mit schallen,der Stimme: „Hallelujah, Hallelujah!" Die Alten in den- Häusern und den Betsälen, besonders soweit sie zum „alten Jischuw" gehören, sind empört. Kann man es ihnen verdenken? Ist es nicht ein offenbarer „Chrlul Haschem", eine religiöse Entweihung, gerade heute, an dem allgemeinen Trauertage, wo jede Spur von Fröhlichkeit untersagt ist, ostentativ mit lautem Jubelgesang durch die Straßen zu ziehen? Selbst nicht religiöse Menschen nehmen daran Anstoß. Denn mehr noch als eine öffentliche Verletzung religiöser Vorschriften ist es für sie eine bewußte Provozierung des gutbürgerlichen alten Jerusalem und seiner Bräuche, eine triumphierende Verhöhnung der Alteingesessenen durch die Neuhinzugekommenen, die „Rußkes" und „Polakes", durch die „Bolschewisten", die mit ihven lärmenden Unmanieren „uns europäische Zivilisation beibringen und über uns herrschen wollen." Aber Dawis hat wohlwollendes Verständnis für das Benehmen' der „Jungen" und er entschuldigt sie: „Es geschieht nicht zur Verhöhnung des Trauertages oder derer, die ihn nach der alten Weise begehen, daß die Chaluzim ihre Jubelhymnen singen. Es geschieht' zur- Verhöhnung des Feindes, der glaubte, an diesem Tage seinen Triumph zu erleben und uns für immer vernichtet zu haben, während wir leben und unseren Staat wieder errichten. Es geschah aus Trotz gegen die alten Ruinen, gegen die schmutzige Armut, die grinsend unser Unglück symbolisieren und die in unserem neuen Bau allenfalls als Mufeumstücke weiterexistieren werden. Es ist, mit einem Worte, ein Gesang, der die Ueberwindung des Churban und die Entstehung des dritten jüdischen Reiches verkündet — gerade heute, an diesem Tage, an dem unsere Feinde zu triumphieren scheinen und uns vernichtet glauben. Dies ist der Sinn des Gesanges." - Und gegenüber weiter aufsteigenden Zweifeln und Bedenken tröstet sich und uns der Artikelschreiber mit der Feststellung, daß das stolze Jubilieren doch sein Gutes hätte, es reiße die Seele aus der dunklen Kammer heraus, in der sie seit Jahrhunderten in trüben, wehmütigen Vergangenheitsbetrachtungen versunken sitzt, und Wende sie dem neuen Leben der Gegenwart, der Zukunft, dem Aufstieg zu. Es laste sie wenigstens für Augenblicke spüren, daß unser Sieg, die Wiedererstehung unseres Staates, kein Traum ist, den sie zum Tröste in ihrer Unglücksnacht träumt, sondern daß der große Churban von damals, in dem sie lebt und webt und der ihre Wirklichkeit ist, verschwindet und zum Traume wird. Wir glauben, daß es Herr Dawis recht gut und ehrlich meint, der ganze Ton spricht dafür. Auch sein Bestreben, die Tischohbeaw-Sänger jtdt *p$ zu'beurteilen, ist zu loben. Aber einen Rechenfehler hat das Plaidoyer, der die ganze Darstellung.fälsch macht. Nämlich: Hat die Tradition, wie sie im alten Jischuw und der gesamten Diaspora lebt, nicht auch Töne und Klänge für die Ueberwindung des Churban gekannt und anzustimmen gewußt? Hat sie damit erst bis zum Hallelujah der Chaluzim warten müssen? Siebenfach erklingt prophetische Trostv e r h e i ß u n g nach d r e i w ö ch i g e r Trauer. Vom ersten iaw bis zum tzmtw vw ist all das nichts anderes, als Ueberwindung des C h u r b a n , der Gesang der Erhebung, die Gewißheit, daß aus den Ruinen neu ein Tempel erblühen wird, so mächtig und prächtig, wie nie zuvor als'Stätte der Schechinäh, als Heim des jüdischen Geistes, wo sich „Völker im Lichte Gottes sonnen werden." Wessen Seele dieser Prophetenruf nicht aus der dunklen Kammer herausreißt, aus Vergangenheitskummer zu neuem Leben in Gegenwart und Zukunft, der hat nie e i n e e cht e , rechte jüdische Seele besessen .Aber wie soll sich ein Jubel ob kommender Genesung einstellen bei dem, der des Schmerzgefühles verlustig ging und schon auf dem Krankenlager wie im Hochfieber in hellsten Tönen sang und jubelte? Nur der tiefe, uns zu Boden drückende Schmerz kann Trost gebären, kann Quelle der Genesung, Anbeginn des Gesundungsprozesses sein. Diese Trauer war in der Geschichte nicht negativ, sie wirkte sich in Taten aus, die unter Leiden und Gefahren ohnegleichen px amo1 ■>t Vsr bcnaltcrt Jischuw ge - schaffen und ihn als Basis für den neuen bis zu unseren Tagen erhalten haben. Wir vermögen an die Zionsliebe derer, die am Tage des Trauergedenkens mit Hallelujahliedern durch die Straßen ziehen, indes ringsumher Mutter Zion aus der Tiefe der Gotteshäuser ihre Klagestimme erhebt, einfach n i ch t z u g l a u b e n. Die K i n 0 t h , und nicht ein verfrühtes Hallelujah, haben Erez Jisraels heiligen Boden für den Wiederaufbau locker erhalten. Rur: tbwrp *?nxnan nnarm nxvn roit Wochenrundschau. Die Mission im Heiligen Land. Vor einigen Wochen ging eine auch von UNS registrierte Nachricht durch die Presse, daß der jetzt zurücktretende Oberkommissar von Palästina, Lord Plumer, einem schottischen Missionar außerordentlich freundliche und anerkennende Worte über die Tätigkeit der Missionäre im Heiligen Lande gewidmet und hinzugefügt habe, er begrüße die Tätigkeit der Mission, weil durch den von ihr erstrebten „Ausgleich unter den Bevölkerungsschichten die Verwaltungstätigkeit wesentlich erleichtert würde." Man hat vergeblich auf ein Dementi dieser im Munde eines seiner Verantwortung bewußten Politikers geradezu unmöglichen Aeußerung gewartet. Zwar ist Lord Plumer ob seiner soldatischen Offenheit berühmt, und man hält ihm diese Eigenschaft gern zugute, wenn, es sich um Unliebenswürdigkeiten an die Adresse dieses oder jenes Besuchers handelt. Aber dieser Grad von Offenheit, scheint doch