Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1928-08-02 · Heft 31 (2.8.1928) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 31 (2.8.1928)
Date
1928-08-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2450495-2450525--75179-2532689
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 6 Nr. 31 _Der S » raelit___ : _2. August 1928 Die nächste Sitzung des Aktions-Komitees soll Ende Siedler und der ständig wachsenden Einwanderung unabänderliche Grundlage für die Errichtung der Agency und für die Aufstellung ihres Arbeitsplanes ist. Indem das AE auf die vorstehenden Punkte besondere Aufmerksamkeit lenkt, erklärt es, daß der Bericht der Kommission in seinen allgemeinen Umrissen von wesentlicher Bedeutung für die Aufstellung eines Arbeitsprogramms der Jewish Agency ist. . C. Der von der Kommission erwogene Plan der Errichtung eines Institutes für Industrie-, Pflanzungs¬ und Handelskredite mit einem Kapital von 750.000 bis 1.000.000 Pfund sollte mit möglichster Beschleunigung ausgeführt werden. D. Das AC beschließt, daß unter Fortsetzung der begonnenen Derhandlungen zur Erweiterung der Jewish Agency gemäß den Beschlüssen des 14. und 15. Kongresses und den vorstehenden Resolutionen unverzüglich die erforderlichen Schritte unternommen werden sollen. Die Exekutive wird ausgefordert, die Derhandlungen mit den jüdischen Gemeinschaften der verschiedenen Länder energisch fortzusetzen und sobald als möglich zum Abschluß zu bringen." (Die Frage des vom Kongreß beschlossenen dreijährigen Agency-Provisoriums wird in der Resolution nicht berührt.) Um das preußische Iudengeseh. Berlin, 25. Juli. Der preußische Landesvierband verbreitet eine Erklärung, wonach er durch seine eigenen Beschlüsse gezwungen gewesen sei, seinen Entwurf ohne Rücksicht aus die mit dem Halberstädter Verband schwebenden Verhandlungen der Regierung einzureichen. Das bedeute jedoch nicht den Abbruch dieser Derhandlungen, vielmehr lege der Landesverband den größten Wert darauf, daß die vom Halberstädter Verband angeregte kleine Unterkommission ihre Verhandlungen sobald wie möglich ausnehme, da man eine Verständigung durchaus für möglich halte. Hierzu ist zu bemerken, daß der Berliner Verband die Pflicht gehabt hätte, die.Absicht der Einreichung seines Entwurfes in der wenige Tage vorher stattgehabten Beratung mit den Vertretern des Halberstädter Verbandes diesen bekannt zu geben und sie nicht peinlich zu verschweigen. Die nachträgliche Verständigung von der erfolgten Einreichung bedeutet eine Brüskierung, die nicht zu entschuldigen ist. Eine Krisis der zionistischen Exekutive. Berlin, 31. Juli. Wenn man geglaubt hatte, daß mit der nach zweiwöchentlichen Stürmen am Freitag abend erfolgten endlichen Annahme der Agency-Resolution die Opposition gegen die Führung überwunden sei, so war das ein Irrtum. In der Nacht von Samstag auf Sonntag brach «in neuer, schwererer Sturm los. Eine Gruppe von 22 Mitgliedern, also beinahe die Hälfte des Aktions-Komitees, bestehend aus acht Misrachisten, 6 Poale Zion, 6 Hitachduth und zwei Revisionisten, brachten ein formelles Mißtrauensvotum gegen das verhaßteste Mitglied der Exekutive, den im vorigen Jahve neu gewählten Jerusalemer Advokaten Dr. Harry Sacher ein. Dr. Weizmann erklärte sich sofort namens der gesamten Exekutive mit Sacher solidarisch und verließ mit seinen Kollegen unter Niederlegung der Aemter die Sitzung. Damit war natürlich ein Chaos geschaffen, da die Opposition unfähig ist, eine neue Exekutive zu schaffen, während die Mehrheit sich dazu nicht hergibt. Nach aufregenden Verhandlungen blieb der Opposition daher nichts anderes übrig, als sich zu unterwerfen, und das Aktionskomitee beschloß alsdann mit allen gegen zwei Stimmen, die gesamte Exekutive, einschließlich des Herrn Sacher, zu bitten, im Amte zu bleiben. Damit ist auch diese Episode erledigt. Am Montag, dem letzten Sitzungstag, wurde anstelle des ausscheidenden Dr. Eder Professor Brodetzky- London in die Exekutive gewählt. März oder Anfang April 1929 in Palästina stattfinden. Zum Punkte „Alija" wurde beschlossen, 1250 Einreise-Zertifikate für Arbeiter sowie 750 Reserve-Zertifikate zu verlangen. Das Budget für das Jahr 5689 wurde auf 570.000 Pfund festgesetzt, darunter 60.000 Pfund für Erziehung und 4000 Pfund für religiöse Erziehung und religiöse Angelegenheiten an den Misrachi. Hinsichtlich der Abstimmung über die Aufforderung an die Exekutive, im Amte zu verbleiben, wird noch mitgeteilt, daß Poale Zion, Hitachduth und Radikale sich der Abstimmung enthielten, Misrachi mit den allgemeinen Zionisten dafür stimmten. Litauen. Der Streit um den Rabbinersitz von Slabodka. K o w n o , 29. Juli. Vor einigen Tagen versandte ein „Rabbiner-Komitee in Slabodka" eine Meldung an die Presse, daß zum Rabbiner von Slabodka und Leiter der dortigen berühmten Jeschiwa Rabbi Susmanowitsch, den, Schwiegersohndes gegenwärtig in Palästina lebenden „Rosch Jeschiwah", Rabbi Epstein, der Rechtsansprüche auf den Rabbinatrsitz erhebt, gewählt worden sei. Wie sich nun herausstellt, handelte es sich bei dieser Meldung um die Aktion einiger Außenseiter, die nicht anerkannt wird. Zum Rabbiner und Jeschiwah-Leiter vdn Slabodka wurde — wie das wirkliche Rabbinerkomitee offiziell bekannt gibt, — Rabbi Josef Bakscht (bisher in Lomscho) gewählt. (ITA.) England. Londoner Brief. (Antisemitische Versicherungsgesellschaften. — Die Lrebskrankheik unter den Juden. — Orthodoxe Rabbiner in liberalen Synagogen. — Lord Balfours achtzigster Geburtstag.) London, 27. Juli. Unliebsames Aufsehen in jüdischen Kreisen verursacht die in den letzten Wochen bekannt gewordene Tatsache, daß eine ganze Reihe großer Versicherungsgesellschaften, insbesondere solche, die die sogenannte Motoroersicherung für Automobile betreiben, durch Rundschreiben an ihre Vertrauensmänner Versicherungsnehmer jüdischen Glaubens ganz zurückweisen oder aber höhere Prämiensätze von ihnen nehmen lassen. Die Gesellschaften versuchten die Tatsache zuerst in Abrede zu stellen, müssen sie aber nun unter dem Drucke des veröffentlichten Materials zugeben, ohne mit der Begründung herauszürücken. Wahrscheinlich soll sich die Maßnahme in Wirklichkeit nur gegen die ostjüdischen Einwanderer richten, denen man mit Mißtrauen gegenüberfteht. Es, ist aber anzunehmen, daß die gesamte jüdische Oesfentlichkeit sich gegen eine so unerhörte Dlscrimination wenden und die Gesellschaften wohl zwingen wird, letzten Endes nachzugeben. Auf der internationalen Konferenz für Bekämpfung des Krebses hielt der angesehene jüdische Chirurg Dr. Moses Sourasky eine aufsehenerregende Vorlesung über das Vorkommen des Krebses unter den Juden und die Rolle des Rassenfaktors beim Krebs. Dr. Sourasky, der im Auftrag der jüdischen Gesundheitsorganisation weitgehende statistische Erhebungen durchgeführt hat, stellt fest, daß der geographische Faktor stärker mitwirke, als derjenige der Rasse. Im allgemeinen kann von einer Immunität der Juden gegen Krebs nicht gesprochen werden. Starke Unterschiede zwischen. Juden und Nichtjuden zeigen sich nur hinsichtlich der Empfänglichkeit der verschiedenen Einzelorgane gegenüber der Krankheit. Während der Krebs des Magens und der Verdauungsorgan unter den Juden viel häutiger vorkommt als unter den Nichtjuden, ist das Gegenteil bei den Krebsen der Geschlechtsorgane, zum Teil auch bei der Zunge der Fall. Für außerordentlich günstig , hielt der Vortragende den Einfluß der Beschneidung, die das betreffende Organ vor Krebserkrankung schütze, wie andererseits auch die Vorschriften über „Nidda" und „Mikwa" und die durch das mosaische Gesetz in dieser Hinsicht gegebenen Reinheitsbestimmungen zu emeni weit selteneren Vorkommen des Uterus-Krebses bei den jüdischen Frauen führten. Die United Synagvgue hat in dev letzten Sitzung ihres Verwaltungsrates beschlossen, die für ihre aktiven Beamten geltenden religiösen Disgiplinäroorschriften auch auf die pensionierten Beamten auszudehnen. Der Beschluß richtet sich gegen den emeritierten Rabbi Stern, der in einer Reformsynagoge gepredigt hatte, obgleich dies den Rabbinen der United Synagoge untersagt ist. Auffallend ist, daß die ganze Aktion nicht, wie es natürlich gewesen wäre, durch den Chiefrabbi oder das Bes Din angeregt wurde, sondern daß hierbei vielmehr ausschließlich die Laienmitglieder des Board für die religiöse Disziplin eintraten. Ganz England begeht heute den 8 0. Geburtstag Lord Balfours, dessen Persönlichkeit über die engeren Kreise der Politiker hinaus sich tiefster Verehrung und Beliebtheit erfreut. Die zionistischen Körperschaften richteten Glückwunschadressen an den Jubilar. Der jüdische Nationalfond teilte mit, daß die Aktion zur Pflanzung eines Balfourwaldes von 150.000 Bäumen in Palästina glücklich beendet fei. paliiskina. Die palästinensischen Araber und Lord Plumer. Jerusalem, 24. Juli. Wie der United Preß-Korrespondent aus arabischen Kreisen erfährt, hat das Ergebnis der soeben stattgefundenen Besprechung zwischen dem Oberkommissar Lord Plumer Und dem Vorsitzenden der arabischen Exekutive in den Reihen der nationalistischen Araber Enttäuschung hervorgerufen. Der Vorsitzende des Kongresses überreichte Lord Plumer das von dem Kongreß ausgearbet-- tete Memorandum, in dem für Palästina eine parlamentarische Regierung auf demokratischer Grundlage gefordert wird, und erklärte, daß die Araber niemals die Rechte der jüdischen Bevölkerung zu schmälern versucht hätten und gleiche Rechte für die gesamte Bevölkerung ohne Unterschiede des Glaubens erstreben. Cr behauptete weiter, daß Uebergrisfe in dieser Beziehung nicht von den Arabern, sondern von den Juden ausgingem Von einem Parlament erwarten die Araber eine Besserung der schlechten Wirtschaftslage des Landes und einen Ausgleich der religiösen Gegensätze. Oberkommissar Lord Plumer erwiderte, er werde in kurzem nach London reisen und bei dieser Gelegenheit die Forderungen der Araber der englischen Regierung unterbreiten. Diese lakonische Antwort enttäuschte die arabischen Politiker sehr. Die Registrierung der orthodoxen Gemeinde in Tel Aviv. Tel-Awiw, 15. Juli. Eine interessante Rechtsfrage ist bei der Bildung der unabhängigen orthodoxen Gemeinde in Tel-Awiw zur Lösung gekommen. Der Distriktsgouverneur hatte die Registrierung der Gemeinde zunächst abgelehnt, weil esin ihren Satzungen heiße, daß Mitglied der Gemeinde nur derjenige werden könne, der aus dem Waad Leumi austrete. Da der Waad Leumi nach dem neuen Gesetz, noch nicht konstituiert, ein Austritt also praktisch nicht möglich sei, so fehle einer Anerkennung der orthodoxen Gemeinde auf Grund ihres eigenen Status zunächst die Grundlage. Auf Beschwerde beim Justizsekretär in Jerusalem ist die Entscheidung des Distriktsgouverneurs aufgehoben und die Eintragung der Gemeinde verfügt worden. Damit ist — wie übrigens auch bei Gelegenheit der Mazzoth-Steuern — das gesetzliche Recht der nach dem neuen Gesetz aus dem Waad Leumi Austretenden erneut als bereits bestehend anerkannt worden. fjri

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.