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Der Israelit · 1928-07-19 · Heft 29 (19.7.1928) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 29 (19.7.1928)
Date
1928-07-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Nr. 29 Der Israelit 19. Juli 1928 hatte Gewißheit. Er kannte die Ansicht des Rabbi und teilte sie, hatte sie immer schon empfunden, und sein Entschluß stand unerschütterlich fest. Er ging, ohne Tränen, aber mit festem Wollen im Auge, von dannen. Der lange Anton begleitete ihn hinauf, bis er in den Schutz der Wache kam, mit Blicken, die die Gefangenen wie die Ratten in ihren Löchern festhielten. (Fortsetzung folgt.) In den Bergen. Von Karl Darmstädler. Da warf auch der Ainderecke. Der rechtschaffene Obed. Eine Legende von Mordechai Avi-Schaul. 1. Schon hatten die Frauen entzündet. Mond sein Licht auf die ewigen Gletscher und über die zackigen Gipfel Im kleinen Raume war Minjan. In gleichen Lauten und Weisen beteten Männer von überallher. Aus Nähe und Ferne aus London, Berlin und Paris, aus Holland und jen seits vom Meere, grüßten sich Alle: Gut Schabbos! Gut Schabbos!, machten dann Kiddusch, saßen und aßen und plauderten, Männer und Frauen redselig und heiter, von Dingen des Alltags, von Men fchen, vom Leben, von jüdischen Fragen, von Sorgen auch und vom Kampfe der Meinung . . . Draußen aber — wir traten nach dem Benschen ins Freie und schauten Täler und Berge — lag die blaue Nacht über den weißen Flächen und war geschmückt mit den Sternen. Doch es begann kein Sabbath wie sonst, beaw war am Abend. Denn Tischo- Am Ausgang des Sabbaths. Kein Mondlicht fiel aus die Berge, und in der Stunde, da man zu Hause, in Städten und Dörfern, Sabbathgewänder von heiligen Räumen entfernt, diese nur spärlich erhellt und erdnah sich kauert, da rollten die schweren, die schwarzen Wolken wie Trauerbehänge über die Berge herab, und schweres Wetter lastete über dem Tal. Kein Gruß, kein fröhliches Wort löste die drückende Stille, aber — Jisroel lo jo da, ami Io hisbonon — drunten in den lichtgrellen Hallen der großen Hotels lachten und tanzten, vergaßen sich lustvoll, verloren, die irrenden Söhne und Töchter des Volkes. Am Boden faßen die trauernden Männer und lasen die Lieder der Klage, die aus Paris, aus Deutschland und Holland, von Ost und von West und vom fernen Newyork: lasen die Weisen des Klaglieds, und Weinen erstickte die Stimme, als einer begann zu singen, zu sagen von Heiligtums Brand und von arger Zerstörung,' als einer anhob, die Kino zu lesen, die von „G e s e r a s ratnu", von Magenza, Wormeisa berichtet, als einer beklagte die Arse Halwo non, die gewaltigen Großen, als einer das Grablied der heiligen Rollen, Schaali Serufo, gesungen, als allen gemeinsam die schweren Weisen von bebenden, zitternden Lippen sich lösten- Eli Zijon weoreho, kemo ischo bezireho, wechiwsulo chaguras sak, alebaalNeureho . . . Die ewigen Höhen schauten die Trauer. Aber vorbei gingen Brü^?r und Schwestern und lächelten spöttisch: Ach, so verwildert, ach, fremd der Gesittung, gingen wir schweigsam inmitten der Menschen, gemieden von Kindern des trauernden Volkes. Es gingen die Stunden. Rasch eilten die Stunden. Am Abend war wieder die blaue Hülle der silberbesternten Nacht über der Erde, wie Vorhang und Decke zur Minchazeit wieder Lade und Pult und Almemor umhüllen. Und wie das nie verlöschende Licht an heiliger Stätte, hing über den Tempeln der Gletscher und Höhen, der Weihe gewärtig, die Ampel des Mondes. Vor Zelten lebte in Erez-Jisrael ein fleißiger, rechtschaffener Landmann mit Namen Obed. Er bearbeitete das kleine Erbe seiner Väter und war mtt seinem Lose zufrieden. Tag für Tag dankte er Gott für den Segen, der auf ferner Arbeit ruhte. Jedes Jahr pflegte er den Ertrag feines Bodens in drei Teile zu teilen. Einen Teil gab er dem Cohen, dem Levi, dem Fremdling, den Witwen, den Waisen und den Bedürftigen des Dorfes. Der zweite Teil diente seinen- Hausleuten zur Nahrung, den dritten aber verkaufte er und bekleidete von dem Erlöse Frau und Kinder. Und der Mann fand Gnade in Gottes Augen, denn er war fromm und gerecht in allen seinen Handlungen. Emst zur Zeit der Gerstenernte,, als Obed den Ertrag seines Feldes schnitt, ging ihm sein Schleifstein verloren und war nicht mehr zu finden. Als er nun den Schleifstein zwischen den Garben und dem Golde des stehenden Getreides vergeblich suchte,' da bemerkte er am Boden einen glatten, runden- Stein. Diesen nahm -er und chliff damit seine Sense. Der Stein aber war wunderbar schön, und wenn die Sonne darauf iel, dann glitzerte er in tausenden Farben und trahlte in herrlichem Lichte. Da sprach Obed zu sich: ,>Jch will ihn an den Rand des Getreidehaufens legen und ihn am Abend mit nach Hause nehmen, damit mein Söhnchen damit spielen kann." Es wurde Abend, und purpurrot versank die Sonne im Meere. Obed hörte mit seiner Arbeit auf und ging müde nach Hause. An den Stein aber dachte er nicht, den hatte er ganz vergessen Am anderen Tage verkaufte Obed das eine Drittel seines Ertrages an seinen Nachbar Cha nah, wie er das jedes Jahr zu tun pflegte. Chanah kam in das Feld Obeds, das Getreide, das er gekauft hatte, zu holen, und er ließ es in seine Tenne bringen. In der Nacht nach diesem Tage konnte Chanah nicht schlafen und er schaute hinaus durchs Fenster. Da sah er auf einmal ein blendendes Licht, strahlender als der Schein der Sonne am Mittage. Chanah staunte und dachte bei sich: Aber es ist ja schon mehr als eine Woche fett Lag Beomer vergangen und es ist doch schon Ende Jjar. Wie kann es möglich sein, daß der Mond am Ende des Monates leuchtet und dazu noch Heller als Sonnenlicht? Chanah ging nun in den Hof, und er sah, daß das Licht aus seiner Tenne kam. Da erchrak der Mann sehr und fing laut an zu schreien: „Hilfe! Hilfe! Es brennt in meiner Tenne!" Da eilten die Bewohner des Dorfes aus ihren Häusern nach der Tenne Chanahs mtt Waffereimern in den Händen, um den Brand zu löchen, der in Ehanahs Tenne entstanden war. Als sie sich aber ganz bestürzt und erschreckt der Tenne näherten, da war kein Brand und. i'ein Feuer, nur ein großes Licht brach unter dem Getreidehaufen hervor. Chanah streckte seine Hand aus, und er fand den schönen Stein, den er zusammen mtt dem Getreide von dem Felde Obeds gebracht hatte. Da fragten ihn die Leute: „Wo hast du dieen Stein gefunden, der kostbarer ist als alles Vermögen?" Hierauf bemerkte einer: „Sieh, von dem Felde des rechtschaffenen Obed hast du das Getreide gebracht, welches du von ihm gekauft hast, und dort hast du den schönen Stein gefunden." Chanah aber schwieg, denn er liebte das Geld und fein Lebenlang hatte es ihn nach Reichtum und Müßiggang gelüstet. * Sein Nachbar Obed, der neben chm stand und den Eimer mit Wasser noch in seiner Hand hielt, schwieg auch, denn er wollte seinen Nächsten nicht beschämen, und Obed liebte die Arbeit und verachtete das Geld. Die Dorfbewohner schwiegen aber auch, denn sie dachten bei sich: Chanah ist jetzt reich und gehört zu den Mächtigen des Landes, und wer sind wir, daß wir den Mund wider chn öffnen dürften, um ihm entgegenzutreten, daß er den Diebstahl zurückerstatte! Die Kunde von dem gefundenen Steine durchflog bald das ganze Land, und ein vornehmer Mann aus dem Lande Jehudah, aus der Stadt Bethlehem kam zu Chanah Und kaufte ihm den schönen Stein für sehr vieles Geld ab. Chanah war nun sehr, sehr reich und kaufte sich viel Land. Er pflügte seine Weizen- und Gerstenfelder um und pflanzte Wein, Granatäpfel, Oliven und Datteln. Gott aber hatte alles gesehen. Und es war nach Verlauf eines Jahres, der Sommer war vorbei, die Erntezeit vorüber, die junge Saat lag schon im Boden, und das neue Getteide stand wieder hoch, nur war es noch nicht gänzlich reif geworden, da schickte Gott einen Heuschreckenschwarm über das Dorf Obeds, und die Heuschrecken fraßen im ganzen Dorfe den Ertrag der Felder. Sie ließen auch nicht das geringste übrig. Das Feld Obeds jedoch verschonten die Heuschrecken, und Gott segnete den Obed, so daß 'eine Felder in diesem Jahre zehnfach trugen. Da schrieen die Bewohner des Dorfes zu Gott: „Wir haben gesündigt, daß wir es schweigend mttangesehen haben, wie Chanah den Stein von dem rechtschaffenen Obed raubte." Die Hungersnot aber lastete schwer auf dem Dorfe, da gingen die Leute und . brachten ihre ganzen kostbaren Hausgeräte und ihr ganzes Gold und Silber zu Obed, um dafür von ihm Getteide für ihre Familien zu kaufen. Obed aber sprach zu ihnen: „Ich habe bei dem Allmächtigen Gott geschworen, daß ich auch nicht das allergeringste von euch nehme, denn ihr sollt nicht sagen, wir haben den Obed reich gemacht. So etwas ist fern von mir. Nur den Betrag, den ihr mir jedes Jahr für mein Getteide gebt, sollt ihr mir bezahlen!" Die Armen aber versorgte Obed mit dem einen Drtttel seines Ertrages wie das jedes Jahr sein Brauch gewesen. Sein Nachbar Chanah jedoch verkaufte seine Felder und die Weinberge, die er sich gepflanzt hatte und ging nach Bethlehem in Jehudah zu dem vornehmen Manne, der den wunderbaren Stein von ihm gekauft hatte. Chanah erzählte ihm die ganze Geschichte und begann, vor ihm zu weinen und ihn anzuflehen: „Nimm doch dein Geld von mir zurück und gib mir den Stein, um desfentwillen Gott über mich und die Bewohner meines Dorfes so großes Unglück gebracht hat, ich will ihn dem rechtschaffenen Obed zurückgeben." Und der Reiche erbarmte sich seiner und tat nach seinem Wunsche. Von diesem Tage an kehrte Chanah mtt ganzem Herzen und ganzer Seele zu Gott zurück und nahm sich ein Beispiel an dem Lebenswandel seines Nachbarn, des rechtschaffenen Obed. Der rechtschaffene Obed aber wurde immer reicher, Gott segnete chn und er hatte Glück in allem, was er begann. (Autorisierte Uebersetzung -aus dem Hebräischen von Rachel Freund.) Qualität:?- Zigarren Moritz Wolf Zeil 49 Telefon Römer 903

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