Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 29 (19.7.1928)
- Date
- 1928-07-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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yT Frankfurt a. AI., den 19. Juli 1928 Nr. 29 2. Aw 5688 Ein Cenfralorgan für das orMxe Jidentin Begründet von Dr. Lehmann ln Mainz. Abonnement ab Januar 1921: Deutschland 1 Goldmart monatlich; Ausland: Biertellahrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes) Deutsch-Österreich: Schilling 6.—; Amerika l Dollar; England 4 sh.; ab 1. Juli Frankreich 28 Fr.; Belgien ab 1.7. 27. Belga 5; Holland« fl.; Italien ab», i. 88/18 Lire; Jugoslawien 88 Din.; Litauen 7.60 Lit.; Rumänien eck 1. 7. 27. 150 Lei; Polen 4 deutsche Goldstar! zum Tageskurs oder 7 Zlotü. Schweiz 6 Fr. Tschecho-Slowaket 28 Stötten; Ungarn Pengö 5 ab I.Juli 1927; Dänemark 3.60 Krön.; Norwegen3.60 Krön.; Schweden 3.60 «ron. Einzelnummer dreißig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 40 Goldpf. für die stebengespaltene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuche» und Familienanzeigen nur 30 Pf. Die 76 mm breite Reklamezetle: letzte Textseite 1.60 Mk., vorletzte Textseite 2.— Mk.; Thiffregebühr in Höbe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden __,,____lands. AlleinigeInseraten«»». MrFrar . Deschäftsanz.: Änl. Schmidt, Langestr. 7, II, Tel. Hansa 4641. Platzoorichr. ohne Verbindlich!. Zahlungen direkt an den Verlag auf ^Postscheckkonto^Frankfurr^(Ma^) Nr^18803. — Ai^erdeman: Post^parkasse^Wten Nr. 79AK.^ ZSarschauNr. 180767. — Postscheckamt'Zurkch'Är. Vlll 7W4 —'Inkasso-Bank Rotterdam — PöstscheckamtÄmsterdämNr.24869 — Böhmische"jn ’SBraa^jfancaManischßlankL Lo.in Bukarest - Filiale des Wiener Bankvereins in Agram. — Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten stch ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. Heilung. Ein Stück midraschischer Naturphilosophie. (nn'«) i1? kst inner 0*0 bm ’n 1°? köt xin D’’ ^>ur inner mxanV tust xi.ner 'v (X"Q) An den Klageruf des Jeremias, der des jüdischen Volkes „Bruch" an Wucht und unermeßlicher Wirkung den sich brechenden M e e r e s w 0 g e n gleichstellt, knüpft der Midrasch das rälsclhafte Wort: „Der einst des Meeres B r u ch h e i l e n w i r d, Erallein kann. Er allein wird Dir Heilung schenke n." Es lohnt sich, dem Sinn dieses geheimnisvoll leuchtenden Trostwortes nachzuspüren. Es geht von der Voraussetzung aus, daß die Naturerscheinung der Ebbe und Flut, das gewaltige Heranrollen sich überstürzender und im Sprühregen glitzernden Schaumes immer wieder zusammenbrechender Meereswogen kein seelenloses, sondern ein sinnvolles Geschehen ist. Es reflektiert in diese Wogen ein beseeltes Wollen Hinein und erschaut in dem ewigen Angriff des heranflutenden Ozeans auf'die Küste des Festlandes den Ausdruck des Zürnens, mit dem der er berne>'fcer (Benins bes Meeres, auf das Schöpfungswerk des zweiten Schöpfungstages reagiert, jenes Tages, der ihm das „Trockene" als Bereich künftigen Menschenwirkens entriß, ihn selbst aber in die Schranken der die Erde umspülenden Wassermenge zurückwies. v An jenem zweiten Schöpfungstage war es auch, daß Gott schied zwischen den Wassern o b en und den Wassern unten, und daß diese letzteren als Epnin ö*»' als „Meinend e W a s s e r", nach derselben Weisen Wort, das glücklichere Los ihrer in Hinnnelsreinheit emporgehobenen Geschwister neidend, ihr irdisches Geschick in keineswegs stiller Trauer Hinnahmen. In.den Ozean gebannt, in tausend Formen zugleich in den Dienst der irdischen Mensch e n w e l t gestellt, sehnt sich das Wasser nach Gottes Nähe. Glücklich, wenn ihm da und dort beschieden ist, dem Gott in Reinheit dienenden Menschen zu dienen, wenn es im Becken des Gott e s h e i l i g t u m s auf Morias Höhen priesterliche Weihe vollziehen und so höchster Le- ' bensbestimmung sich hingeben darf. Wehe aber, 1 wenn dieses aus Unseligkeit erlöste Wasser in das Innere der Ehebrecherin (nviv) gelangt: on»1? onnxan D’an im dann erwacht der Grimm der cnnm ona' der um ihre Gottesnähe gebrachten, zur Erde gebannten Wasser mit doppelter Leidenschaft, und fluchbringend vollziehen diese Wasser als Gottesboten das Strafgericht an der Unwürdigen (mi 'q B^nn ms)- Aus dem gleichen Gefühl der zwecklos erlittenen Verstoßung heraus stürmt — so dürften die Weisen meinen— die Flut gegen das Festland in ewigem Rhythmus. Dort, auf bem den Wogen entstiegenen Boden, leben die Menschen ihr gottentfremdetes Sein, blähen sich Machtstolz und felbstvergötternde Staatssouveränität, leidet der Gerechte und bettelt staatenlose, gottverbundene Demut umsonst um Duldung und Rechtsachtung. Mußten darum die reinen Wasser weichen von der unheiligen Erde, damit diese in sittlicher Unreinheit versinke und über die Trümmer des eingeäscherten Gottesheiligtums hinweg die Schechina hinwegflüchte von dem entehrten Menschenboden? Aus dem Donner der brechenden Wogen hört die grandiose Naturphilosophie der Midraschweisen diese zürnenden Klagerufe des Genius des Meeres —. Solange die Meeresfluten das Werk des zweiten Schöpfungstages nicht anerkennen wollen, solange sie — ganz wie die Sota- Wasser gegen die der Unreinheit Verfallene — gegen die Menschenwelt anrennen, solange hat diese das Ziel ihrer sittlichen Entwicklung noch lange nicht erreicht und vermag der Treue des gottdienenden Weltmeeres das Bewußtsein eigener treuer Gottesdienerschaft nicht entgegenzusetzen. . , . . Der „Bruch des Meeres", B'Her inner, wird so zum sprechendsten Symbol des nme? ber sittlichen Unzulänglichkeit der Erdwelt.- Wenn aber dereinst die Pforten der Weltenzukunft sich öffnen und der König der Ehre feinen Einzug halt in die befriedete, in Liebe und Gotteserkenntnis geeinte Menschheit, dann „heilt G o.t t den Bruch d e s M e e r e s " , dann legt sich die tosende Wassermasse wie ein gezähmtes Raubtier dieser erlösten Menschheit zu Füßen und gleich „Feld und Feldesfülle", gleich den jubelnden „Bäumen des Waldes" feiert auch der Ozean brausend mit — ixi>»i &\n vxn' — das Siegesfest der messianischen ~~ elf. ' . - ' Aber nur über die weltgeschichtliche Reife des jüdischen Volkes geht der Weg der zu erlösenden Menschheit. „Der ben Bruch des Meeres heilt" — Er ist es, der dir Heilung sendet, ruft der Vater der Menschheit seinem Volke zu. Untrennbar sind Menschheitserlösung, Welterlösung verknüpft mit der „Heilung" des jüdischen Volkes. Der neunte Aw, der unter den Feuersflammen des in Trümmer sinkenden Gottesheiligtums den Messias geboren werden läßt, ist der dies ater der schwarze Tag und zugleich der Hofsnungstag nicht nur des jüdischen Volkes, sondern der ganzen suchenden, irrenden, erlösungsdurstigen Menschheit. Seine schwarzen Schatten haben nicht umsonst die furchtbare Weltkatastrophe, die mit ihren Schrecken noch in den Herzen der Kulturmenschheit zittert, eingeleitet, und alljährlich, wenn dieser Tag der Tränen naht, ringt sich die sehnsuchtsvolle Hoffnung zum Gott der Geschichte empor, daß die Opfer dieser Katastrophe nicht umsonst geopfert, nicht umsonst tausendfältige Tode erduldet worden sind, daß die Staaten der Erde ihre Mordwaffen endlich für immer niederlegen und der Tempel des Gottesgesetzes auf den Höhen des Zionsberges als Friedenstempel der ganzen Menschheit zum Lichte erstehen werde. Erneuern Sic sofort beim Postböten die Bestellung auf den „Israelit" für den Monat August! Wird dies versäumt, so tritt eine Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wir selbst Kenntnis davon erhalten. Für verspätete Bestellungen rechnet die Post einen Aufschlag von 20 Pfg. Verlag des Israelit G.m.b.H,, Frankfurt a.M. 71 1 , # H