Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 28 (12.7.1928)
- Date
- 1928-07-12
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 28 Seite 9 \ 12. Juli 1928 -- " . ." ~ "— it:. " . ... ■. .■■ - 1 . Der durch das Ausscheiden der Misrachi-Vertreter aus dem Erziehungsrat entstandene Konflikt wird das am 19. Juli in Berlin zusammentretende Aktionskomitee beschäftigen. Als Vertreter des Misrachi haben sich Rabbi Mayer-Berlin und Rabbi Fifhman zur Teilnahme an den A. C.-Sitzungen nach Berlin begeben. Von der deutschen Sprache in Palästina. Jaffa, 2. Juli. Bor dem Weltkriege waren in Palästina zwei Weltsprachen heimisch geworden: die deutsche und die französische. Die deutsche Sprache nahm die erste Stelle ein, da damals die deutsche Judenheit in der jüdischen Welt dominierend war. Hiermit harmonierte die Stellung Deutschlands im Konzern der Weltmächte. In den Schulen wurde in der deutschen oder in der französischen Sprache unterrichtte, je nachdem, ob eine der in Deutschland domizilierenden jüdischen Organisationen oder die Alliance Jsraelite Universelle in Paris die Verantwortung für das Budget trugen. Selbst die Söhne der arabischen Rotabeln lernten deutsch. Auch die Handelsbeziehungen, Palästinas tendierten damals nach Deutschland. Der Ausgang des Weltkrieges brachte für Palästina eine radikale Aenderung in, seinen Verbindungen mit der Weltkultur und dem Welthandel . England bekam das politische Mandat über das Land, und nun regiert nicht mehr das schwache Konstantinopel, sondern das tatkräftige, zielbewußte London in Jerusalem. Diese Herrschaft beeinflußt auch die kulturelle und die wirtschaftliche Entwicklung des Landes auf das Nachhaltigste. Die Weltsprache Englisch ist offizielle Sprache gleich den beiden Landessprachen Hebräisch und Arabisch. Die politische Führung der nur nationaljüdisch orientierten Schichten liegt heute in den Händen von Männern, die die englische Sprache beherrschen, so die zionistische Exekutive. Die vom Ausland abhängigen sozialen Institutionen unterstehen heute meist der englisch sprechenden amerikanischen Judenheit. Wohl wird die deutsche Sprache in der Form des Jargon der Ostjuden im Familien- und Berkehrsleben des größten Teiles der palästinensischen Judenheit noch gesprochen: sie hat aber nur noch eine Existenz der Duldung. Besonders die der Agudas Jisroel anhängenden und die ihr nahestehenden orthodoxen Kreise wahren unter einander und in der 'Schule ddn Jargon. Die Treue des den traditionellen Juden in den Knochen steckenden Konservativismus läßt sie das Deutsche, da es ihnen ein Jahrtausend jüdischer Geschichte bedeutet, Hochhalten, wie sie sich in der religiösen Literatur ihres Judentums die Sprache Babyloniens bewahrt haben, in welchem Lande ihre Vorfahren das erste Jahrtausend ihres Galuth lebten. Das Hebräische macht ihnen selbstredend auch in der Umgangssprache keine Schwierigkeit; sie hegen aber eine Scheu von seiner Anwendung, da sie sehen, daß die durch die zionistische Bewegung nach Palästina geleiteten thoratreuen Juden das Hebräische als Ersatz für die Thora wertem Es verdient, hervorgehoben zu werden, daß die einzige große deutsche Organisation, die wie früher in Palästina ihre Ausgaben erfüllt, die Deutsch-Holländische Palästina-Verwaltung ist, die der Agudas Jisroel nahesteht. Der „Hilfsoerein der deutschen Juden", der früher kulturell und sozial großzügig in Palästina arbeitete, hat seine Tätigkeit für Palästina ganz ausgeschaltet. Es ist vielleicht nicht nur entscheidend für diese Streichung seines Palästina-Programms, daß seine Mittel anderweitig sehr angestrengt sind, sondern auch daß Dr. Paul Nathan nicht mehr unter den Lebenden weilt. Der _De r I s rcel t t_ „Lemaan Zion" in Frankfurt a. M. möchte wieder seine Tätigkeit in Palästina aufnehmen; er hat bereits vor zwei Jahren in Palästina wieder ein Komitee eingesetzt: im bescheidensten Rahmen hat dieses Komitee seine Tätigkeit begonnen;. aber bis jetzt hat der Vorstand in Frankfurt a. M. infolge der wirtschaftlich ungünstigen Lage der deutschen Judenheit noch nicht die Mittel aufbr'mgen können, um, wie er es möchte, ein größeres Programm zur Ausführung zu bringen. Es sei auch erwähnt, daß das Schaareh Zedek-Hospital, eine Gründung speziell Frankfurter orthodoxer Kreise, noch diesen Kreisen untersteht. Dieses Spital hat auch seinen deutschsprachigen Charakter bewahrt. Die deutsche Regierung richtet ihr Augenmerk nicht auf die Tatsache, daß es in dem kleinen Palästina neben etwa zweitausend christlichen Deutschen noch mindestens hunderttausend Juden gibt, die die deutsche Sprache verstehen und trotz ihrer osteuropäischen Herkunft mancherlei Beziehungen zur deutschen Kultur haben. Andere Regierungen denken anders. So hat Polen durch seinen jüdischen Konsulatsvertreter in Tel-Awuv eine polnische Leihbibliothek errichten lassen. So hat ferner Italien in Tel-Awiw einen italienischen Juden, Mario Leoi, wahrscheinlich der einzige italienische Jude in Palästina, der in seiner Behausung italienischen Unterricht erteilt. Mario Levi hat jetzt von seiner Regierung den Auftrag bekommen, für den Besuch der akademischen Ferienkurse der Universität Perugia zu propagieren. Seit der großen Umwälzung in Rußland, dem Numerus Clausus in Ungarn, der jüngst nur scheinbar aufgehoben worden ist, der antisemitischen Einstellung der Universitäten Deutschlands- und Oesterreichs studieren übrigens an den Universitäten Italiens ständig einige tausend, in der Mehrzahl ostjüdische Studenten. Italien dient durch diese kluge Politik der Ausbreitung seiner Kultur und dem Absatz seiner Waren. Sicherlich wird auf die Dauer die Zahl der Juden Palästinas, die deutsch verstehen, abnehmen, da immer mehr Jugend nur in hebräischer Sprache aufwächst und als Weltsprache die englische lernt. Personalien. Filehne (Posen), 3V. Juni. Am Montag, den 23 si'v starb hier Frau Sara Tykoschinski nach kurzem Krankenlager, 70 Jahre alt. Sie entstammte einer berühmten Gelehrtenfamilie. Ihre Lebensaufgabe war, im Vereine mit ihrem Gatten ihre Söhne und Töchter in die Bahnen der Thora und Jrah zu leiten, was ihr auch gelang. An der Bahre sprach der älteste Sohn aus Leipzig. Auf dem Friedhofe hielt Herr Rabbiner Dr. Cohen- Schönlanke einen ergreifenden ison, der seine Wirkung nicht verfehlte. rraxan Vermischtes. Würzburg, 6. Juli. Die Bereinigung der Sabbathfreunde Würzburg, Domerschulstr. 13 veröffentlicht folgende Bakanzliste: Nr. 107, Detailreisender nach Salmünster, Manufakturwaren; Nr. 108: Lagerist nach Hörstein, Gemkchtwarengeschäst; Nr. 109: Lehrling nach Crailsheim, Manufakturwaren; Nr. 110: Lehrling nach Würzburg, Posiamentrie engros; Nr. 111, Lehrling nach Würzburg, Manufakturwaren engros; Nr. 112: zwei Weinreisende nach Würzburg. Meldungen an Herrn Friedrich Pfeuffer, Würzburg, Domerschulstr. 13. Ahlem bei Hannover, 2. Juli. Der Verein ehemaliger Ahlemer feierte in der vorigen Woche sein fünfundzwanzigjähriges Jubiläum durch eine Festsitzung in der Gartenbauschule in Ahlem. Direktor Albert Silberb e r g, der Leiter der Anstalt, der die Bereinigung der Ehemaligen begründete und sie noch heute als Vorsitzender leitet, wies einleitend auf die Tendenzen des Verbandes hin und gab gleichzeitig einen Ueberblick über das Erreichte, sowie über die Zukunftspläne, die in den späteren Referaten im einzelnen mehr dargelegt wurden. Im Mittelpunkt der Tagung stand ein eingehendes Referat des Domänendirektors Dyck, der zunächst nicht nur Herrn Direktor Silberberg für feine Arbeit für Ahlem und die Ahlemer im Laufe eines Vierteljahrhunderts dankte, sondern der auch in wundervoller, tief ergreifender Weise der verstorbenen Gattin Silberbergs gedachte, die mit allen ehemaligen Ahlemern weit über das Grab hinaus auf immer verbunden ist. Worte des Gedenkens fand man dann für den Begründer ' Ahlems, Konsul Simon, für die Männer, die heute nicht mehr unter uns weilen, aber ebenfalls in der Anstält ihr Lebenswerk sahen und schließlich für alle die Kameraden, die dem Verein im Laufe der fünfundzwanzig Jahre entrissen wunden. Domänendirektor Dyck berichtete dann über jüdische Siedlungsbestrebungen in Deutschlands, eine Angelegenheit, die nicht nur sehr aktuell ist, sondern naturgemäß die Interessen Ahlems und der Ahlemer lebhaft berührt. An das Referat kenüpfte sich eine längere Aussprache, die ihren Niederschlag in folgender Resolution fand: „Die Mitglieder des Vereins ehemaliger Ahlemer, die heute zur 25. Generalversammlung in Ahlem versammelt sind, haben die verschiedensten Referate über die Möglichkeit der Ansiedlung jüdischer Landwirte mit Interesse entgegengenommen. Sie sind als Gärtner und Landwirte an diesen Fragen brennend interessiert, da in erster Linie ihre eigene Zukunft und die Zukunft kommender Ahlemer Generationen praktisch in Frage kommt. Sie bitten deshalb in dieser Entschließung alle in Frage kommenden Verbände und Vereine, alle Versuche in möglichstem Einvernehmen mit Ahlem durchzuführen, das feit beinahe einem halben Jahrhundert durch Ausbildung von jüdischen Gärtnern und Landwirten praktsich in der Agrarwirtschaft arbeitet." Diese Entschließung ist inzwischen an alle diejenigen jüdischen Zentralstellen geleitet worden, die augenblicklich das Siedlungsproblem betreiben. Nachmittags sprach Friedhofsinspektor Piepes über jüdische Fredihossgärrnerei, ein Thema, das die Mitglieder des V. e. A. ebenfalls praktisch stark interessiert. Den Nachmittagsverhandlungen wohnte der zweite Vorsitzende des Vorstandes der Israelitischen Gartenbauschule, Justizrat Wolfes,' sowie Herr Dr. Weil bei. Die Herern nahmen Gelegenheit, auch ihrerseits zu dem schwebenden Problem Stellung zu nehmen. Ein zwangloses Beisammensein der Ehemaligen mit den augenblicklichen Schülern und Lehrlingen der Gartenbauschute schloß die gut besuchte Tagung, die wiederum Zeugnis ablegte, von dem innigen Zusammenhang und dem herzlichen Einvernehmen, das zwischen der Leitung und den ehemaligen Schülern herrscht, die sich im Leben auf dem Gebiet der Bodenkultur bewähren. Bevorzugt von der anspruchsvollen S Hausfrau, Außergewöhnliche Vorzüge, Uj (H Trotzdem niedriger Preis. Gj] W E-HAGE&C? W AM ESCHENHEIMER TOR 3 Wochenkalender. v. 14. — 2t. Juli 1934. ' o. 26. Tammus bis 4. Aw 6688. Samstag ~ Juli 14 ' nnn' 26 viv» ’yon BftWI P212V,- - Mauled: Dienstag nachm. 5 Uhr 35 Min. 36 Sekunden Sonntag 15 27 Montag 16 28 Dienstag 17 29 svp 1122 01' Mittwoch 18 28 1 V1N V81 Donnerstag 19 2 Freitag 20 3 Samstag 21 4 v'121 firn V2V Verantwortlich für den allgemeinen Teil und da» Leutlleton S. Schach «owitz, Frankfurt a. M.; Inserate 1.58.: LSchach« «owitz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer L. Kaufmann in Sprendlingen Ufr. Offenbach). — Verlag »Israelit", l>.m.b.H., Frankfurt a. M. — Druck Hermo« Verlags« Mtfenaesellköbakt. Frankfurt a. M. SAISON~ Preisermässigungen teilweise bis zu und viele Gelegenheits -Posten 50 o auf alle nicht ermäßigten Preise o Marken- Artikel ausgenommen 10 o Rabatt | Beginn: Montag, den 16. Juli 1928] Frankfurt-M., ZEIL, Ecke Stiftstrasse