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Der Israelit · 1928-07-05 · Heft 27 (5.7.1928) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 27 (5.7.1928)
Date
1928-07-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 27 Der Israelit 5. Juli 1923 sollen, sondern, daß wir sie mit jüdischem Bewußtsein zu lesen verstehen. Die geistigen Zeitströmungen kennen und gerade deshalb Thorajude sein, pa *pn ny mini — das ist das Entscheidende. Diese Forderung verlangt aber ihren methodischen Aufbau in der Erziehung der Jungen und in der Belehrung der Alten, — und hierin ist gefehlt worden! Die Schulzeit hat zwei Perioden; — zuerst die Jahre der mechanischen Stoffbeherrschung, dann die Jahre der geistigen Stoffvertiefung. Diese zweite Periode hat nur dann ihren Zweck erreicht, wenn sie ihre Absolventen so vorbereitet hat, daß das Leben sie nicht ungerüstet überrascht. Die jüdische Schule hat im allgemeinen diese Erziehungsmethodik nicht genügend erfüllt, sonst hätte ihr erzieherischer Einfluß nachhaltiger einwirken müssen. Lehrerausbildung und Unterrichtsbücher der Schule dürfen sich nicht ferner auf Religion 8ar>8 phrase konzentrieren und die geistigen Strömungen sowie die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Zeit nur gelegentlich streifen, statt sie systematisch zu würdigen. Und von der Kanzel sollte nicht mehr homiletische Predigt, sondern der schlichte über das Judentum belehrende Vortrag gesprochen werden und zwar gleichfalls unter Anwendung systematischer zeitgemäßer Methodik. Auch der Redner auf der Kanzel muß das Publikum überzeugen, daß er gerade als moderner Mensch Thorajude ist. Tausend Bücher kennen und trotzdem oder besser deswegen dem einen Buch dienen, — wenn die Hörer von den Vertretern des Judentums immer wieder und wieder diesen einen Eindruck gewinnen, dann ist die Rettung da. Wochenrundschau. »Jerusalem und dein Volk zu Schmach . . . Unter dem Titel HSTin1? "pm oVizn-p bespricht der „Doar Hajom" die häufigen Ueberfälle, denen in letzterer Zeit in den Straßen Jerusalems Juden, besonders junge Mädchen, ausgesetzt sind, ohne daß die berufenen Hüter der Ordnung ganz ihre Pflicht zur Vorbeugung und Ahndung der Verbrechen getan hätten. Mag es so sein, daß man in Jerusalem selbst, wo man die türkischen Zustände noch in guter Erinnerung hat und den Kulturtiefstand des arabischen Mob kennt, diesen „Zwischenfällen" keine so große Bedeutung beimißt, im Auslande, wo man andere Maßstäbe für sittliche Kultur anlegt, müssen aber die täglichen Berichte der Zeitungen über Ueberfälle, Mißhandlungen und Schändungen schon den Eindruck erwecken, als befände man sich in der heiligen Stadt in einer Wüste weit hinter aller menschlichen Kultur. Vom epidemischen Charakter dieser Erscheinungen zeugt die Tatsache, daß in einem einzigen Tage die Presse in Jerusalem und Tel-Awiw sieben solcher Fälle zu verzeichnen hatte, darunter recht schwere. In den Jerusalemer Gefängnissen, wo für kleine Vergänge fleißig geprügelt wird, sind diese Verbrecher nicht zu finden. Die Administration leitet Untersuchungen ein und die Ueberfälle mehren sich indes in erschreckendem Maße. Setzt die Palästinaregierung nicht ihre ganze Autorität und alle ihr unterstehenden Organe zur Abstellung dieser Schmach ein, so ist sie mitschuldig, so wäre sie sogar als die H a u p t s ch u l d i g e an der Stabilisierung der Verbrechen anzusprechen. Da dies nicht in ihrer. Absicht liegen kann, so ist zu hoffen, daß-der Schrei der jüdischen Bevölkerung um besseren Schutz des jüdischen Lebens und der jüdischen Ehre nicht wirkungslos verhallt. Abrechnung mit Olympia. Die „Olympier" in Amsterdam, das heißt die Veranstalter der olympischen Spiele und ihre hohe Gesellschaft sind unglücklich darüber, daß die Königin dem Spielplatz den Rücken kehrt und sich den Eröffnungsfeierlichkeiten durch eine Auslandsreise entzieht. Damit nicht genug, tritt der berühmte st e Kanzelredner Hollands, Prof. Dr. G. W i s s e, in Utrecht in den Kampf gegen die Spiele. Eine Rede, die er in einem der größten Amsterdamer Säle vor vielen Tausenden gehalten hat, bildet zur Zeit den Gegenstand lebhaftester Diskussion in der holländischen Presse. Was Dr. Wiste zum Spielverderber macht, das sind religiöse Bedenken, Empfindungen, die in der puritanischen Anschauung seiner Kirche begründet sind. Er nennt seinen Vortrag „Golgatha und Olympia" und spielt die beiden Höhen gegeneinander aus. Sieht man von diesen Anknüpfungspunkten und einigen Wendungen, die ins Spezialgebiet der puritanischen Kirche gehören, ab, so bleiben, zusammengefaßt, folgende Ausführungen der allgemeinen Beachtung wert: „Der moderne, durch Kritik vergiftete Mensch hat sich immer mehr zur altgriechischen Auffassung! bekannt, und die Olympischen Spiele von heute sind als eine Abkehr Ider Völker zum griechisch-römischen Kulturheidentum an-! zusprechen . . . Die Spiele sind der trotzige, verführerische! Ausdruck der modernen Oberflächlichkeit. Sinnlichkeit und l Sittenlosigkeit sind in ihrem Gefolge, solche Dinge gehen i unweigerlich gepaart mit Ausschreitungen des Fleisches. Die tiefsten Lebensfragen trachtet man wegzurudern, j wegzulausen, wegzusporten. An die Stelle des Gottes der?Offenbarung ist der Mensch gesetzt, und zwar fein Körper. Artikel 1 des Katechismus der neuen Lebensauffassung lautet: „Seelisch bin ich wie ein Heide und körperlich ein Athlet." Wie die alten Griechen die Olympischen Spiele mit einem Opfer für Jeus eröffnet hätten, werden die Amsterdamer Spiele mit einem Weihewort eröffnet, in dem kein Ewigkeitsgedanke ausgesprochen wird, sondern das ein Ausdruck der „Diesseits- Religion" fein soll. Wie Schopenhauer von dem Willen zum Leben, Nietzsche vom Willen zur Macht gesprochen hat, so spricht die „Diesseits-Religion" von dem Willen zu Gott in den Lebensfunktionen. Die Welt lebt sich aus im Tanzen und im übertriebenen Sport, und dieser Lebenstaumel geht bis ins Unehrenhafte. Am Ende des 19. Jahrhunderts hat er die Olympischen Spiele mit ihren zweifelhaften Ehren wieder eingeführt und damit die Abwendung der Völker nach Olympia demonstriert. , Wird doch in der Sportbetätigung eine Art von „Gottesdienst" gesehen; Sonntags geht es, statt in die Kirche, ins Stadion, um dort „Gottesdienst des Körpers" zu treiben. Die Olympischen Spiele sind die Pfingsten des Fleisches. Gott hat schon durch Zyklone, Wetterstürme und Wasserfluten gesprochen, und ist es etwa kein Warnungszeichen, daß jetzt das griechische Korinth in Trümmern liegt? - Weil die Menschen Gott verloren haben, darum ringen sie im Stadion um einen Kranz." . Manches mag in dieser Darstellung übertrieben klingen, im Ganzen ist es uns aber aus der Seele gesprochen. Nichts ist gegen Sport und Spiel, in bescheidenem Maße betrieben, zur kör--, perlichen Ertüchtigung der Jugend, einzuwenden. Wo aber der Sport zum Kult, zum Gottesdienst wird und sich gar bis zur heidnischen Olympiade ausreist, da ist kein Wort der Warnung und Zurechtweisung zu stark. Schon nahezu grotesk mutet es an, daß auf den Namen des Mannes, der mit Einsatz seines Lebens gegen den Olympus im heiligen Lande gekämpft hat, hörend, junge — Juden s i ch an olympischen Spielen beteiligen. Maccabi und Olympia! Es klingt schon fast wie ein Witz der Weltgeschichte! Wiener Zeitungen berichten in langen Artikeln über „Hakoahs Glück und Ende". Hatoah hat einen Match verloren und ist in die zweite Klaffe abgestiegen. Wir können diese Niederlage so wenig beweinen, wie wir je die großen Triumphe der jüdischen „Kraftmenschen" bejubelt hätten. Im großen Ringen der Weltgeschichte haben wir ganz andere Rekorde geschlagen und noch zu schlagen. Der Kampf zwischen Maccabi und Olympus ist der Kampf zwischen Geist und Faust — und dieser kann nicht auf dem Sportplätze zum Austrag kommen. ■AV-1 Ein liturgisches Problem. Bekanntermaßen ist die Verlesung der Tiiiüsn von unseren wv-n eingesetzt worden, — sei es zu einer gewissen Zeit als Ersatz für den verbotenen oder sehr erschwerten Vortrag aus der Tauroh selbst, sei es „zur Gewinnung der Geister und Herzen für das verlesene Gotteswort" (siehe Einleitung zum Haftaurohkommentar v. Dir. Mendel Hirsch Yst). — Jedenfalls doch als eine Auswahl aus den Prophetenbüchern, die „in engstem innerem Zusammenhänge mit dem Wochenabschnitt stehen, bezw. geeignet sein soll — den Charakter eines besonderen Schabbos oder eines Festes uns innerlich nahe zu bringen". Es erscheint darum merkwürdig, daß, soviel uns bekannt, die Kommentatoren bei der vn -in» mcsn in dieser Beziehung keinerlei deutliche Hinweise gegeben haben, so daß es zunächst cmmutet, als ob nur der äußere Anklang der Worte zu Beginn dieser nivonnämlich i»8'i v~,n in» Mim ii> bestimmend für die Auswahl der Prophetenstelle gewesen sei. Eine solche ausschließlich formale Begründung ist jedoch an sich undenkbar. — Es kommt hinzu, daß z. B. der in Frankfurt a. M. dieser nicsn sogar den Vorzug vor denjenigen von a'bpv und vnrmjs gibt, was vermuten läßt, daß gewisse Q’^na unserer Liadt um einen außergewöhnlichen Zusammenhang zwischen dem Texte von '2 brriov und irn 2iy gewußt baden, und ihn unbedingt in Erscheinung treten lassen wollten. Wir. möchten im.Folgenden eine Erklärung dieser Beziehungen versuchen, ohne Anspruch auf unbedingte Richtigkeit zu erheben. Es ist schwer, außer dem hier vorliegenden Text in Y'in eine direkte Parallele zwischen in, der hier hervorragenden Persönlichkeit und dem Tage n"iy zu finden. Darum muß der Umweg über rri selbst genommen werden. — Aus der Suche nach Anhaltspunkten erregte unsere besondere Aufmerksamkeit jener pws» welcher mit großer Eindruckskraft den Hauptteil von nnb m’p abschließt: O'pi 'N brriv Tn: Wenn wir ihn lesen, so meinen wir, er müsse sich wie mit Flammenschrift in die Herzeneinprägen, — und seine selbstverständliche Zuversicht läßt unsere n^on heiter und zufrieden in gegenseitigem ca-’*?'ibv ausklingen. Zu diesem p"in -pan Tn bemerkt nun u. a. der Verfasser der i-nie" 71120 ttd :,i*>37i,un& zwar im Namen des '21' ^2» bni’S zu t>"3 ll'b.iv: :D’i?iD3n 'a rin 712122 ->mb anann i'2wv >n~b >T"b ,r'b :ü"s n’^rm ebenso habe er auch im vinn 71212 '0 gefunden: „Es gebe einen Minhag, der vorsehe, bei ~r-b tri'p auch die Verse 36 bis 38 des Psalm 89 zu sprechen. Begnügen wir uns nun nicht damit, nur diese drei Verse, die wir später zitieren werden, näher anzusehen, sondern versuchen wir, uns an Hand des in echtester n n»an geschriebenen Hirsch'schen -Kommentars in diesen Psalm v"3 als Ganzes zu vertiefen, so —, glauben wir, dürfte der Schlüssel gefunden werden zur Beantwortung unserer eingangs aufgeworfenen Frage. Dieser b^vrt, dieser tiefgründige Lehrpsalm hat nach S. R. Hirsch b"v zum Inhalt „uns die Zuversicht auf -die Erlösung aus dem m^a und auf die Heileszu' kunft Jisroels — als durch die Erwählung der davidifchen Dynastie von rrapn gesichert und garantiert, nahe zu bringen. — Nicht allerdings, als eine Krönung irgend einer Einzel-Großtat Davids, auch nicht als Preis seiner etwa als nahezu vollkommen, angesehenen Einzelpersönlichkeit, sondern als Errungenschaft eines nie erlahmenden Strebens, das, wenn auch oft zurückgeworfen, sich doch stets mit verjüngter Kraft wieder einsetzte, für den Geist und die Verwirklichung des Gottesgesetzes: „Der Gott, der Himmel und Erde schuf und was sie füllt", so spricht etwa dieser Psalm zu uns, „der sie nach Seinen einmal gegebenen Gesetzen ihrem endlichen Ziele entgegenführt, — derselbe führt auch, unbeirrt durch alle scheinbaren Widerstände, Sein Sittengesetz, die Tauroh und ihr- Wächtervolk dem Heilesziele entgegen. Es braucht sich nur bewußt von Gottes Hand führen zu lassen. (V. 16);i2i-n' n .mmn ’yir asm ’ir.\- |Unt „im Lichte von Gottes Angesicht" — dem Lichte entgegenzuwandeln. Einen Führer auf diesem Wege Seines Volkes, urid somit einen „Helfer" Gottes, hat Er sich m David erwählt. (93. 20.) Ein Ina. einer der für Gott streitet wie ein Held, aber — ein „menschlicher Held" muß es sein, auch mit menschlichen Schwächen. Keinen oder Asketen kann n"3pn als 2]otbilb gebrauchen, uns ein Leben nach der Tauroh in allen Lebenslagen vorzuleben. Denn es heißt ja von ihr"rr'no'»V2rrp 'und ihr Mneschheitsideal soll von jedem Weibgeborenen erreicht werden können. 'i2N in '7i8Lv (V.- 21) heißt es weiter: „meinen Diener' David habe ich zu diesem Zwecke gesunden und seinem Streben die Weihe erteilt". — Es ist eine Wechselwirkung von Davids Treue und Hingebung einerseits — und von Gattes Schutz und Förderung von Davids Streben andererseits, welche die nächsten Verse bringt. Diese Wechselwirkung geht so weit, daß die göttliche „Vaterliebe" die späteren Repräsentanten der davidischen Dynastie, wenn sie ihrer Tradition untreu wurden, lieber furchtbar züchtigte, um sie zur Rückkehr zu bewegen, als sie straflos in das selbstverschuldete Verderben rennen

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