Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 26 (28.6.1928)
- Date
- 1928-06-28
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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kok ^ÖÄflELIT //» N IW Zur Zentralisierung der Frankfurter jüdischen Wohlfahrtspflege. I. Es herrscht Aufruhr in den Frankfurter jüdischen Wohlfahrtsvereinen. Die Israelitische Gemeinde hat dekretiert oder richtiger gesagt, hat provisorisch beschlossen, all die vielen Bäche und Ströme der jüdischen Wohltätigkeit in ein Sammelbecken zu leiten und an sein Ufer Wächter zu stellen. Wächter mit der Aufgabe, diesem Sammelbecken jahraus, jahrein, tagaus, tagein, neues reiches Wasser zuzuführen und aus ihm zu tränken alle Bedürftigen, Kranken, Durstigen^ die von des Lebens Notdurft zermürbt und zermahlen werden. Ausschalten dürften dabei zunächst zwei Vereine: die ja nicht örtlich begrenzte Arbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung der Tuberkulose unter den Juden, die gegenwärtig mit Hilfe einer Lotterie das der wärmsten Förderung werte Riesenwerk der Errichtung einer deutschen Lungenheilstätte für jüdische Männer und Knaben zu erreichen trachtet. Ferner der Arbeitsnachweis, dessen Existenzberechtigung als jüdische Arbeitsnachweisstelle eine höchst fragwürdige ist, da er auch am Sabbat geöffnete Stellen vermittelt. Um ihre Selbständigkeit ringen mit dem Aufgebot ihrer ganzen Kraft die W e i b l i ch e F ü r s o r g e e. V. und die Wirtschaftsbeihilfe, beides Vereine, die eine lange und außerordentlich segensreiche Tätigkeit entfaltet haben. Zwar hat im Namen der ersteren eine der Gemeindevertretung ungehörige Frau mit dem geheimnisvoll klingenden Wunsche einer nochmaligen Aussprache prinzipielle Zustimmung zur Eingliederung erklärt. Aber die Einberufung der obersten Instanz des Vereins, der Mitgliederversammlung zur Beschlußfassung, deutet wohl darauf hin, daß diese Frau nicht mit genügend rechtskräftigen Vollmachten ausgestattet war. Auch ist es ein öffentliches Geheimnis, daß eine durch die Klarheit und Gradheit ihres Denkens und die überlegte Vernunft ihres Handelns berühmte Philantropin aus Ab- Der Segen. Von einem Frankfurter Freunde unseres Blattes wird uns ein Gedicht über den'Segen Bileams zur Verfügung gestellt, das, vermutlich aus der Feder von Direktor Dr. Mendel Hirsch bei der Schlußseier der Samson Raphael Hirsch-Schule am 29. März 1860 von einem Schüler gesprochen wurde. Es scheint uns angebracht, einige Strophen aus dem umfangreichen Gedichte zu pn mns wiederzugeben. Hoch auf kahler Felsenspalte, wo der Wüstensonne Strahlen Keinen Wurm im Staub erfreuen, keines Blümchens Schatten malen. Und die beutegier'gen Geier in den weitgerissnen Spalten Ungestört von Menschenblicken ihre blut'gen Mahle halten — Ernst und stolz wie ein Gebieter, doch im Herzen tief vernichtet. Steht der hochgerühmte Weise, den sein eigner Ruf gerichtet. Bileam, der große Meister — von des fernen Frat's Gestaden Hat der Moabiter König ihn an seinen Hof geladen. Daß er mit den Zauberkräften und des Wort's geübten Waffen > Neigung gegen die Zentralisierung sogar bereits aus der Frankfurter Israelitischen Gemeinde ausgetreten ist. Ueber die Weibliche Fürsorge und ganz besonders auch über die Wirtschaftsbeihilfe ist das letzte Wort noch lange nicht gesprochen. Ebenso opponiert der Israelitische Brot verein, diese prachtvolle Institution für das einfachste und notwendigste Bedürfnis des Daseins. Auch die Jüdische Frauen Vereinigung wird sich schwerlich anschließen. Bleiben also in der Hauptsache nur die Stellen, die im Wesentlichen von der Gemeinde oder von einem in seinem Einflüsse und in seinem hingebenden Wirken sehr schätzenswerten Herrn gespeist werden. Wir nennen als Beispiel der ersten Gattung den Almosenk a st e n, der zweiten Kategorie: die Zentrale für private Fürsorge. Auf einem besonderen Blatt mag die Stellungnahme der Syn agogengemeinde Israelitische Religionsgesellschaft verzeichnet werden, für die neben vier Vertretern der Israelitischen Gemeinde und fünf Mitgliedern der Freien Wohlfahrtspflege eventl. zwei Sitze im Direktorium dieser Zentralwohlfahrtsstelle vorgesehen sind. Dies das äußere Bild. Versuchen wir, die Ursache des Kampfes zu ergründen. (Schluß folgt.) Der Fürsorge-Ausschuß der I. «. G. Der Fürsorgeausschuß (Zobelstraße 9) versendet ein allerliebstes Preisrätsel für die Kleinen. Im Begleitschreiben zu dieser Gabe lesen wir: „Unsere Mittel sind erschöpft, die Hilfeleistungen hierdurch in Frage gestellt. Wir übersenden Ihnen einliegend ein Preisrätsel „Für unsere Kleinen", das Ihnen, Ihren Kindern oder Ihrem Bekanntenkreis viel Freude machen wird. Wir bezwecken hierdurch nicht nur, unsere Institution in Erinnerung zu bringen, sondern auch uns in die Lage zu versetzen, den armen Bedrängten zur Hllfe zu kommen. Jene wilde Brut vernichte, die ein Gott zum Volk geschaffen. Denn es kämpft das Schwert vergebens gegen diese gier'gen Horden, Die aus Sklaven find zu Helden durch den Wüstenhunger worden. Die der Grunze Riefenfürsten ohne Müh' und Kunst bezwungen: Schon bis seines Reiches Thoren sind sie siegreich vorgedrungen, Und nur Einer kann ihm helfen, kann der Völker Schande rächen: Bileam, der Geisterkäng, soll die Kraft des Feindes brechen. Und da oben steht er sinnend, selbst dem Felsen zu vergleichen. Der im Innern ausgewühlet, widersteht den äußern Streichen. Wütend brennts in seiner Seele wie von tausend Höllenflammen; Gift'ge Strahlen sprüht sein Auge und er will die Welt verdammen. Und die Sterne möcht' er reißen von dem ehr'nen Himmelsbogen, Möchte fluchen all den Kräften, die ihn jämmerlich betrogen. Helfen Sie uns bitte bei unserm guten Werk und senden Sie eine Gabe ganz nach Ihrem Ermessen (mindestens 2,50 Mk.) ein. Mit jeder Spende lindern Sie Elend und Not!" Der Fürsorge-Ausschuß hat Postscheckkonto Nummer 40 792 Fürsorgekasse der I. R. G. Bedarf es noch der Worte, diesen Appell zu unterstützen, in einer Zeit, da die allgemeine wirtschaftliche Not den Fürsorge-Ausschuß zum Rettungsanker für Viele macht! Vergünsiigungsfahrl der Agudas Zisroel-Zugendgruppe am I. Juli 1928. Die Agudas Jisroel-Jugend- und Mädchengruppe Frankfurt a. M. veranstaltet s. G. w. am Sonntag den 1. Juli eine Fahrt zur Besichtigung der „Pressa" in Köln. Einaeladen hierzu sind alle Mitglieder der Agudas Jisroel sowie deren Angehörigen und Freunde. Treffpunkt 10.35 Uhr Mauzoie Echabbos, Hauptportal des Hauptbahnhofs. Abfahrt 11 Uhr, Ankunft in Köln ca. 6 Uhr. Auf Anregung der Frankfurter Gruppe hat der Organisations-Vorstand die Gruppen des Rheinlands und von Holland' am gleichen Tage nach Köln eingeladen. Rückkunft Sonntag Nacht ca. 12 Uhr. Der Preis stellt sich für Teilnehmer unter 20 Jahren auf ca. Mk. 7.50, über 20 Jahren auf ca. Mk. 10.— für die Hin- und Rückreise. Der Eintrittspreis zur Besichtigung der Ausstellung wird pro Person auf Mk. —.50 ermäßigt werden. Auf Wunsch können Interessenten zum Preis von Mk. 1.50 zu Mittag essen. Speiselokal sowie Tischzeit wird noch bekannt gegeben. Zur Teilnahme melde man sich bei Herrn Hermann Schwab, Rückertstraße 45. Bei genügender Beteiligung ist die Möglichkeit vorhanden, Sonntag vorm, um 6 Uhr nachzufahren. Ankunft in Köln 10.30 Uhr. Rückkunft ea. 1 Uhr nachts: in diesem Falle stellt sich der Fahrpreis auf Mk. 12.—. Anmeldefrist auch hier wie oben. Die Woche. Jacob Hamburger Aus dem Kreise der aus der stillen Gemeinschaft der allem Lärm und allem Hervortreten abholden Männer aus dem Volke' ist einer der edelsten von einem plötzlichen Verhängnis mitten aus der Bahn gerissen Möcht' das Sonnenlicht verdunkeln, das zu seiner Schmach geschienen. Und in ew'ger Nächte Schauern seine eigne Torheit sühnen. Nicht die Opfer, nicht Altäre, die er siebenfach errichtet. Nicht der Kreis, den er gezogen, nicht der Spruch, den er gedichtet, Keine jeienr Künste zündet, und der Zauber ist gebrochen, Denn der Herr hat ew'gen Segen über feine Schar gesprochen. 3 ^6 % ^4 Doch er faßt sich schnell und schweiget; nimmer soll de^ König wissen, Wie so bitter seine Seele von der Täuschung Schmerz--^ % zerrissen. Eben kommt der Fürst gegangen, und sein AugenrM % den Meister: >S, „Bist du jetzo wohlgerüstet gegen jene HöllengeistM.? <&. „Noch ein schwacher Hoffnungsschimmer deinem Blick zu wohnen, » 4 * „Mach' mir diesen nur zur Wahrheit, und ich rmllMrL- <&. fürstlich lohnen!" V % * 4 & *■ E. Lächelnd faßt ihn der Beschwörer: „Konmr"^so ^jcht^ er, „du sollst schauen. %. c S % 9S 4