Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 25 (21.6.1928)
- Date
- 1928-06-21
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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UWßsthU Oskar Lehmann siebzig Jahre. Am 3. Tamus, nach dem deutschen Geburtstag schon am 15. Juni, vollendet Herr Oskar Lehmann in Mainz sein siebzigstes Lebensjahr. Oskar Lehmann, der nicht nur in seiner Vaterstadt Mainz und in Frankfurt, mit welcher Stadt ihn viele Beziehungen verknüpfen, eine bekannte Persönlichkeit ist, hat sich als langjähriger Herausgeber des „Israelit" und später als fruchtbarer Schriftsteller und Mitarbeiter auch unseres Blattes einen Namen gemacht, der überall da einen guten Klang besitzt, wo deutsche Juden wohnen. Geboren als Sohn des berühmten Mainzer Rabbiners Dr. Markus Lehmann, widmete er sich schon früh den Interessen der jüdischen Presse, indem er eine Druckerei grün dete, die den von seinem Vater herausgegebenen „Israelit" herstellte. Nach dem frühen Tode des Vaters, übernahm er auch die redaktionelle Leirung und führte sie jahrelang erfolgreich durch. Sein großes Wissen, sein scharfes Urteilsvermögen befähigten ihn, auch die wissenschaftlichen Fragen'in einer Weise zu behandeln, daß seine Ansichten als führend und maßgebend galten. In Gemeinschaft mit den Freunden und Mitarbeitern des Vaters veröffentlichte er ferner aus dessen Nachlaß die Werke, die seitdem Gemeingut des jüdischen Volkes geworden sind, die herrlichen Erzählungen „Rabbi Joselmann von Rosheim", „Akiba" und viele, viele andere mehr, die „Sprüche der Väter", vor allem aber die „Hagadah", ein Werk, das als Lehmann'sche Hagadah eine beispiellose Popularität gefunden hat und heute wohl in keinem jüdischen Hause fehlt. Viel hat er aus eigenem in diesen Werken dazu gegeben, wenn er auch aus Bescheidenheit und Ehrfurcht dem Namen des Vaters die größere Ehre erwies. Aber auch selbständig entfaltete er eine fruchtbare schriftstellerische und dichterische Tätigkeit. Die Geschichte unseres Volkes in Perioden, die wenig Beachtung sonst in der, Dichtkunst gefunden hatten, hatte es ihm angetan, und so entstanden die großen Romane „Samuel Hanagid" und „Die Leiden des jungen Mose". Besonders letzterer Roman birgt eine Fülle von Ergebnissen wissenschaftlicher Studien. Mit Erfolg hat er hier versucht, in das Geheimnis der Jugendjahre unseres großen Lehrers einzudringen, und es ist direkt erstaunlich, welche Kenntnis der Quellenwerke ihm dabei zur Verfügung stand. Eine Reihe anderer Romane aus seiner Feder erschienen im Laufe der Jahre in der jüdischen Presse und wurden immer mit Beifall begrüßt. Daneben hat er es nie versäumt, seine reichen Erfahrungen und Kenntnisse auch in den Dienst der Tagesschriftstellerei zu stellen, und insbesondere die Vergangenheit der Kehilloh Kedauschoh Mainz war es, die ihn stets von neuem reizte, und deren Forschung er sich hingab. Auch persönlich verstand er es, für die Verbreitung jüdischen Wissens tätig zu sein. Seine allsabbatlichen Vorträge verschafften ihm in seiner Gemeinde ein zahlreiches Publikum, das immer mit Freuden seiner farbigen Darstellungsweise lauschte und Belehrung aus seinen tiefgründigen Erklärungen zog. Als der Krieg Hunderte von jüdischen Soldaten nach Mainz brachte, stellte er sich freudig in den Dienst des Jüdischen Soldatenheims und vermittelte den aus ganz Deutschland zum Dienst unter den Waffen Herbeigeeilten Kenntnisse aus unserer heiligen Lehre. Besonders in diesen Jahren erwarb er sich die Dankbarkeit aller derer, die ihm lauschen durften, und sie verbreiten heute noch überall im ganzen Reiche den Ruf des tiefgründigen Gelehrten. Selbstverständlich war es für ihn, daß er in sozialer Beziehung sein Leben lang immer seine Person da einsetzte, wo es galt, zu helfen. An der Seite seiner vor zwei Jahren dahingeschiedenen ebenbürtigen Gemahlin hielt er ein Haus offen, in dem jeder Hilfsbedürftige Rat und Unterstützung fand. Vorstandsämter in vielen Wohltätigkeitsvereinen verwaltete er mit großer Ge- Oskar Lehmann. wisienhaftigkeit, und seine Beliebtheit bei den Behörden der Stadt und des Staates hat er nie anders ausgenutzt, als um armen Glaubensgenossen zu helfen und ihnen Erleichterung zu verschaffen. Seit langen Jahrzehnten ist er einer der eifrigsten Mitarbeiter der Chewrah Kadischah, von deren heiligen Aufgaben ihn kein Wetter und keine andere Behinderung abhalten kann. In seinem bürgerlichen Leben verstand er es ebenfalls, sich die Achtung und das Vertrauen seiner Mitbürger zu erringen. Als Vorsitzender des Vereins Mainzer Buchdruckereibesitzer wurde er Mitgründer des Gutenbergmuseums und der Gutenberg-Gesellschaft, war auch einer der Anreger der Veranstaltung jenes großen Gutenbergfestes, das in Mainz im Jahre 1900 stattfand. Als Druckereifachmann beschäftigt er sich! heute noch mit den Fortschritten der „Schwarten Kunst" und eine Reihe von Erfindungen und! Verbesserungen auf diesem Gebiete werden von! Fachkreisen gern benutzt und verwertet. Auch als; Kunstkenner und -Sammler genießt er einen gro-! ßen Ruf, sowohl in profaner als auch in jüdischer Beziehung. Seine Altmainzer Sammlungen, seine reiche Sammlung von Hagadath und Megilloth sind in allen Fachkreisen wohlbekannt, und aus aller Welt erbittet man sich seinen Rat. Sein goldener Humor, sein treffender Witz, seine Unterhaltungsgabe, seine Güte und sein allumfassendes Wissen, alles dies hat ihm zu einer Beliebtheit verholfen, die das Alltägliche weit überschreitet. Möge ihm seine geistige und körperliche Frische, die er nach langwieriger Krankheit nun wieder erlangt hat, noch lange erhalten bleiben und möge ihm ein gesegnetes Alter befchieden sein im Kreise seiner Kinder und Enkel und seiner anderen Verwandten, die in ihm den Patriarchen ehren. Wir im „Israelit" verehren in Oskar Lehmann den Sohn des unvergeßlichen Begründers unseres Blattes und den Mann, der das heilige Erbe des Vaters nach der Richtung der Presse durch Jahrzehnte treulich gehütet und verwaltet hat. Herr Lehmann ist ein lieber, hingebender Freund den Freunden, ein Ban TöVn, der immer zu spenden weiß aus dem reichen Schatz seines Wissens, aus den Tiefen seines goldenen Herzens. Lange, nachdem er sich vom politischen Leben zurückgezogen hatte, war und ist ihm noch gegönnt, als tqs N'bv von unvergleichlicher Innigkeit die Interessen und die Wünsche einer großen Gemeinde an den heiligen Tagen vor dem himmlischen Vater zu vertreten. Möge ihm ein heiterer Lebensabend befchieden sein, an. dem noch weiter reiche Früchte seines Geistes uns reifen, ihm und uns zum Segen. Die Woche. Vom Synagogenchor der Israelitischen Religionsgefellfchaft. Herr Max Neumann ist vom Vorstand der Synagogengemeinde Israelitische Religionsgesellschaft erneut zum Dirigenten des Synagogenchors bestellt worden. Wie der Vorstand bekannt gibt, hat er mit Herrn Neumann einen Anstellungsoertrag abgeschlossen, der dem Vorstande die Gewähr zu bieten scheint, daß die früheren Differenzen, die im Dezember v. Js. zur Entlassung des Chordirigenten führten, sich nicht wiederholen. Verein zur Förderung ritueller Speifehäufer. Man schreibt uns: Als Folge der am 3. ds. Js. hier stattgefundenen Generalversammlung des obengenannten Vereines, hat sich eine große Anzahl neuer Mitglieder bei dem Verein angemeldet. Infolge intensiver Tätigkeit des Vereins ist es gelungen, in jüngster Zeit in Stuttgart und Heidelberg erstklassige Speisegelegenheit zu schaffen. Sabbatgeist. Unter dieser Ueberschrift ist bei Sänger u. Friedberg, Frankfurt a. M., eine Sammlung kleiner Erzählungen von Hermann Seckbach erschienen. Sabbatgeist nennt sich die führende Skizze in dieser Sammlung, aber alle 15 Nummern atmen Sabbatgeist, singen in warmen Tönen ln der Hauptsache das Lob des jüdischen Wohltuns. Das Ganze zeigt den Menschen mit dem guten jüdischen Herzen, dem jeder Bruder und jede Schwester nahe sind, am nächsten die Armen und