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Der Israelit · 1928-06-21 · Heft 25 (21.6.1928) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 25 (21.6.1928)
Date
1928-06-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 25 Der Israelit Ein Mahnwort vor Beginn der Reisezeit. Man schreibt uns: Die Frühlingssonne, die so lange hinter Wolken sich verborgen hatte, kommt endlich mit warmem Glanz hervor und mahnt die niedergedrückte Menschheit zu neuer Lebensfreude und Lebenslust. Sie lockt hinaus ins Weite und weckt in jedem Wünsche und Pläne für den kommenden Sommer. Wohin geht diesmal die Reise? Auch unser jüdisches Publikum rüstet und überdenkt die Stätten der Erholung, aber der Baedeker allein kann ihm nicht genügend Wegweiser sein. Eine wahre Erholung gibt es nur, wenn man unter Freunden, unter Menschen seinesgleichen weilt, wenn die neue Welt, in die man tritt, Verbitterung und Gefühle der Zurücksetzung dir erspart. Nur an den Orten, an denen erfahrungsgemäß du jüdische Bekannte triffst, wo du als Jude dich nicht verstecken und schämen mußt, geht dein Atem frei und wird auch der Naturgenuß Dir ein voller und echter. Du mußt den jüdischen Baedeker zur Hand nehmen, wenn du den Wanderstab ergreifst, mußt fragen: Wo haben jüdische Wirte die Möglichkeit eröffnet, in der Fremde ein jüdisches Haus zu finden? Wo werden dir strahlende Sabbatlichter entgegenleuchten, wenn Du, von neuer Gottesbegeisterung von der Schönheit der Welt erfüllt, in der Sommerfrische nach Sabbatstimmung verlangst? Das jüdische Hotel ist der Kristallisationspunkt, um den herum sich eine jüdische Gesellschaft sammelt, der dir ein neues Zuhause gibt, wenn du deine eigenen vier Wände verlassen hast. Wir glauben dir nicht, wenn du sagst, ich fühle mich auch ohne dies wohl, auch fern von der Gemeinschaft meiner Glaubensgenossen. Das ist eine künstliche Haltung, durch die du dich selbst betrügen willst. Aber der.Mensch bleibt immer, der er ist. Und wir Juden, wir wollen auch bleiben, wer wir sind, wollen unserer Eigenart uns freuen und es als, schönste Zugabe des Sommerausflugs betrachten, wenn uns ebenso wie die neue Herrlichkeit der Natur auch wertvolle Persönlichkeiten unsrer Gemeinschaft begegnet sind, der Kreis unsrer Bekannten sich erweitert hat und wir in Gespräch und Umgang mit ihnen aus dem engen Horizont unsrer nächsten Umgebung herauswachsen und teilnehmen an den Interessen weiterer Kreise. Ich sehe, du stimmst mir nicht zu. Du hast einen Einwand auf den Lippen, du willst mir sagen: Ja! wären unsre jüdischen Hotels gleichwertig allen anderen, dann, ja, recht gerne. Aber Sprachliches und Sachliches im Gebetbuch. Von Rabbin-er Dr. Felix Kanker in Zwittau (Mähren). Ein Mitglied meiner Gemeinde brachte mir vor einigen Jahren aus der italienischen Kriegsgefangenschaft ein in Livorno erschienenes hebräisches Gebetbuch, n!ny genannt. Dieses Gebetbuch ist nach dem r-,20 ji:a und dürfte sich wenig von Gebetbüchern desselben neu unterscheiden. Und trotzdem verdanke ich diesem Gebetbuche manche Erklärungen und Aufklärungen in sprachlicher und sachlicher Beziehung in unfern Gebetbüchern. Hier nur eine kleine Auslese aus denselben. Gleich am Anfänge des Morgengebetes (inem naia) heißt es: up’mm.us'an Vni.. ^nnna (alles in Zukunftsform), dann aber heißt es zweimal Ttvism upan (in Befehlsform). In seinem mim '121 schlägt daher Rabbiner Eysler die Lesart vor, die er grammatikalisch zu begründen sucht. Im genannten italienischen Gebetbuch heißt es auch beide male up’a-tfn (und nicht "paii), ein glänzender Beweis für die.Eyslersche „Vermutung". Herr Rabbiner Eysler findet auch den Ausdruck snp 1»p P» ^»37 -pt? 718 als den Regeln der Grammatik nicht entsprechend, an? wird im Hebräischen niemals mit by, sondern mit 3 in Verbindung gebracht, wie z. B. 'aiir-a bei meinem Stand, bei den mir nun einmal unentbehrlichen Lebensbedingugnen kann ich das unmöglich! . . . Ich könnte mich nie dort gemütlich fühlen, um Himmels willen, das kannst du mir nicht zumuten! Sprich sie gar nicht aus, deine Einwände, ich kenne und höre sie ohne Worte, deine Augen sagen mir genug. Aber gestatte mir eine Frage: Kennst du sie denn? Hast du schon einmal die Probe gemacht? oder sind es nur die Vorurteile von anno dazumal, die unausrottbar weiterleben im jüdischen Publikum, obwohl wir selber gar nicht bemerken, wie wir uns selbst mit solcher Charakteristik herabsetzen? Weißt du denn, daß es heute einen selbstbewußten, strebsamen Wirtestand gibt, Männer, die hochgeachtet bei ihren christlichen Kollegen dastehen, innerhalb der Städte und Bäder den besten Namen haben, die nicht mehr, wie vielleicht einstmals, weil alle Geschäfte schief gegangen sind, nun einen primitiven Mittagstisch aufmachen, vielleicht auch dürftig ein paar Mansarden mit unmöglichen Betten und Waschtischen ausstatten in dem törichten Glauben: „das jüdische Publikum muß uns kommen". Gewiß, es mag auch noch mancherorten solche geben, man kann niemand verbieten, den Urzustand zu verewigen. Auch im Baedeker gibt es Hotels mit und ohne Stern; auch diese Stätten haben, weil sie billiger wirtschaften, für ach so viele Kreise der Judenheit ihre volle Berechtigung, aber es sind heute schon die Ausnahmen. Manches jüdische Hotel ist so erstklassig geführt, daß es eigentlich in deinen Augen nur einen Fehler hat — den jüdischen Besitzer. Und nun, mein Freund, ein ernstes Wort! Ist das unserer selbst würdig, daß wir, die wir immer den Ruf nach guten jüdischen Gaststätten ausgegeben haben, nun dem schwer ringenden Wirtestand in den Rücken fallen?, daß wir so wenig common sense besitzen, uns nicht zu sagen, dann kann das beste Streben der fähigsten Menschen auch keinen Erfolg zeitigen. Wir sind gewiß nicht engherzig, wir kennen keine Parole, wie die antisemitischen Gegner gegen uns, aber es ist wahrhaftig eine berechtigte Forderung an jeden Juden: Da wir einmal durch alt-heiliges Gesetz nicht am fremden Tisch mitspeisen dürfen, da der jüdische Wirt, weil er dich koscher verköstigen muß, eine viel schwerere Ausgabe in seinem Betrieb zu bewältigen hat, so sollten wir es uns zur absoluten Pflicht machen, ihm zu Helsen und seine Bestrebungen zu fördern. Hast du den ganzen Kampf um die Schechita, die vielen Angriffe auf unser Religionsgesetz schon vergessen? Weißt du denn nicht, daß das Hauptargument unsrer Gegner ist, die Enp8 oder D3 «np'i- Eysler beruft sich auch auf den aa»> bei dem der Passus rr Di? überhaupt fehlt. Am richtigsten dürfte daher die Lesart in dem zitierten Gebetbuche tw, 7i^iy sein, wo es heißti»^^ Dip- Nebenbei schließt dort dieses Gebet nicht mit "ui t-k mpn. sondern mit a’aia vn> vij?»n (ganz im Sinne des oam). - Beim Uebersetzen der Gebete mit meinen Schülern fällt mir immer die verschiedene Lesart der -rri? im Abschnitt innn ipn n» 7irr auf. In manchen Gebetbüchern — wir haben bei uns kern einheitliches Schulgebetbuch — heißt es: nviip na'yjai niiia ns»a titoi dutiuv in manchen heißt es wieder nDiip nv-nai in manchen wieder folgt nach nanmi ein Punkt oder zumindestens ein Beistrich, so daß namp mit o'pa in Verbindung gebracht wird und mit diesem Worte ein neuer Absatz beginnt. Demgemäß verschieden sind auch die Uebersetzungen des Wortes nDiip Sachs übersetzt es: „mit lauterer Lippe und heiliger Melodie", er punktiert auch dementsprechend ner-np und faßt es adverbial auf. M. I. Landau bezieht das Wort m'np auf und versteht unter nemp einfach Me „Keduschah", ebenso M. E. Stern in seiner Wiener Ausgabe 1893. Eysler beruft sich auf die Lesart von amrias» der das Wort nDiip auf na'yaai bezieht und es als Adverb auffaßt. Dementsprechend heißt es auch in dem italienischen Gebetbuche nsmp na’yjav Damit schließt der Satz.- Der neue Absatz beginnt dann mit "121 inrra a*»a. - Im Mussasgebete zuviin ean fyeiftt -es: Pipan'n’a miaya' "w n.m- Der Herr möge doch einen neuen Altar in Zion gründen, darauf wir das Opfer des Neumondes darbringen . . . und mit dem Tempeldienst wir uns freuen werden (in Zukunft). Dann aber heißt es: „und die Lieder Davids, Deines Knechtes, die gehört werden (wpvvm) in Deiner Stadt". Es macht den Eindruck, als ob diese Lieder noch immer ertönen, während im ganzen Gebete nur von der Zukunft die Rede ift.® Eysler schlägt 21. Juni 1928 Juden achten ihre Religionsgesetze selber nicht? Weißt du es nicht, daß, wie es jüngst in einer norddeutschen Kleinstadt sich ereignet hat, bei einer denunziatorischen Anzeige gegen die Schechita der Hinweis sich findet, der Jude T. hält ja selber eine Schweinezucht? W,eißt du es nicht, daß, wenn ein Jude in den Kurorten in ein fremdes Hotel eintritt und sich an den Tisch niedersetzt, das Getuschel an allen Seiten beginnt, das hämische Naserümpfen, das Gefpötte, weil jeder das Empfinden hat, der gehört nicht hierher? Nein, lieber Freund, so kommen wir nicht weiter: Charity begins at home! Jeder MUß seinerseits den Anfang machen, um dadurch der Gesamtheit einen Dienst zu erweisen. Man kann nicht immer die Mizwos dem lieben Nachbar mechabed sein und für sich nach dem berühmten dawkenistischen Prinzip die entgegengesetzte Praxis üben. Und ich sage nochmals: Du irrst, wenn du meinst, du müßtest deine Haut zu Markte tragen. Du bist gut aufgehoben im jüdischen Hotel! Du wirfst dein Geld Nicht zum Fenster hinaus, du findest eine Leistung, die deinem Aufwand entspricht und wirst gewiß dich zum allerersten enttäuscht finden. Es ist doch G. s. D. anders geworden. Die jüdische Oeffentlichkeit betrachtet heute die Frage der jüdischen Hotels als die ihre. Der Landesverband preußischer Gemeinden hat aus öffentlichen Mitteln schon eine größere Summe bereitgestellt, um die Bestrebungen in dieser Richtung zu unterstützen, der Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser hat mit wachsender Kraft seine Ziele zu verwirklichen gewußt, und der Verein jüdischer Hotelbesitzer und Restaurateure ist energisch am' Werk, diesem Lebensbedürfnis jüdischer Menschen seine Befriedigung zu verschaffen. Stehe auch du nicht zurück, wenn du den Staub des Alltags von den Füßen schleuderst, um ins Freie zu kommen und wirf auch die alten Vorurteile mit fort! Mache es auch nicht, wie so manche reichen Herrschaften, die zwar auch nur dort hingehen, wo ihnen der jüdische Wirt die Lebensmöglichkeiten verschafft hat, die seine Synagoge benutzen und kein Minjan darin versäumen, die Tausende für alle andren Aufwendungen der Reise zur Verfügung haben, nur den jüdischen Wirt nichts verdienen lasten wollen. Wir reden hier nicht von dem kleinen Mann. Im Gegenteil, diesem ist der jüdische Wirt immer selbst entgegengekommen, wenn er eigene Küche führen mußte mit seiner kinderreichen Familie, hat ihn aus eigenen Beständen mit Lebensmitteln versorgt, um ihm den Aufenthalt zu erleichtern. Wir reden von den großen Herren, deren eigne daher unter Berufung aus den oa»i undorn na» die Lesart T'va ynm 111 'i'vi vor. Diese Lesart ist auch tatsächlich in dem italienischen Gebetbuch t»ti nVw vorhanden. Anfrage: Warum findet sich das Dagefch beim Worte eh/?» (Ende der Schiras hajom) im Buchstaben i? anstatt in (Den Sinn des „von" kann es nach Targum Untelos und nach Raschi nicht haben.) P. in L. Meines Feuilleton. - t ■■ Brief aus Bad Nauheim. , Von Fr. Bad Nauheim! Das berühmte Weltbad für Herzleidende! Kann man sich einen schöneren Flecken auf dem weiten Erdenrunde denken? Die Natur hat ihr Füllhorn des Segens auf diese herrliche Landschaft ausgeschüttet. Quellenreiche Becken zwischen der emporragenden Höhen des Vogelsbergs und dem anmutigen Taunus fesseln das Auge. Infolge der Reichhaltigkeit seiner heilkräftigen Quellen nimmt das Bad eine hervorragende Stelle ein. Herrliche Vuchenwaldungen krönen die umliegenden reizenden Berge . Köstlich ist hier das Wandern im Wonnemonat, wenn am Hag der Schlehdorn blüht, wenn die lichten Buchenwälder von der Maiensonne beleuchtet werden. Die zahlreichen Kurgäste lassen sich diese Naturschönheiten nicht entgehen und schöpfen hier fleißig Luft, namentlich morgens und abends, wenn sich eine angenehme Kühle bemerkbar macht. Wo die

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