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Der Israelit · 1928-06-14 · Heft 24 (14.6.1928) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 24 (14.6.1928)
Date
1928-06-14
Page
– (sequence 17)
Language
German
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h Lina b rz ic ano B ck zum Verein der Md. Lehrer in den Rabbinalsbezirken Emden— Oldenburg—Bremen. Oldenburg, 16. Mai. Die außerordentliche General-Versammlung des Vereins fand atu 15. April 1928 im Sitzungszimmer der Synagogengemeinde zu Oldenburg statt. In Vertretung des von feinem Amte zurückgetretenen 1. Vorsitzenden leitet der 2. Vorsitzende, Kollege Hartog-Jever, die Versammlung und begrüßt di>e erschienenen! Kollegen und Gaste. Kollege Katz-Nienburg übermittelt die Grüße des Reichsverbandes und des jüdischen Lehrervereins der Provinz Hannover, Herr de Veer-Oldenburg, heißt die Kollegen im Namen der Synagogengemeinde willkommen. Gottschalk-Emden erstattet den Bericht über di« Tagung des Reichsverbandes der jüdischen Lehrervereine in München und geht insbesondere auf den Vorschlag des Verbandsvorstandes ein, unfern Verein durch den Anschluß von Kiel, Hamburg, Holstein usw. zu verbreitern. In der Aussprache werden die Schwierigkeiten, die durch die große Entfernung entstehen, besprochen, die Beschlußfassung wird bis nach einer in Bremen stattfindenden Tagung des Hannoverschen Vereins hinausgeschoben. Popper-Leer (Ostfriesland) referiert über das Thema: Ehafon und Ehafonus. Nachdem der Vortragende als nvipn-Ouvertüre — die Gebets-Erfolge von nn, sowie eines noch lebenden Wunderrabbis erzählt hatte, sprach er zunächst über "die Person des Chasons. Während noch vor 40 bis 50 Jahren fast in jeder Gemeinde Personen vorhanden waren, welche zum Vorbeter-Amte sich eigneten, so hat sich dies in der Jetztzeit leider ins Gegenteil gekehrt, und wenn nicht der stete Nachschub aus dem unerschöpflichen Osten wäre, so müßte manche Gemeinde auf einen Vorbeteer verzichten. Zumal in den Monaten vor Tischri setzt innerhalb, wie außerhalb der Zeitungen eine große Nachfrage ein, die nur schwer gedeckt werden kann. Wenn auch die im Entstehen begriffene Kantorenschule den Bedarf allmählich decken wird, so ist dennoch zu bemerken, zu bedauern, daß die Privat leute in dieser Hinsicht ausgeschieden sind. — In früheren Zeiten hatte man keine besoldeten Vorbeter, es herrschte damals kein Mangel an kundigen Männern, die freiwillig von Fall zu Fall das heilige Amt übernahmen, wie aus den Vorschriften zu entnehmen ist. Heute kann man drei Kategorien in diesem Fache unterscheiden. Zuerst der Sänger, der in Bewußtsein seiner vorzüglichen Stimmittel sich konservatorisch ausbilden ließ, der stolz ist auf sein hohes C und der, im Geiste auf dem Konzertpodium, das Hauptgewicht seiner Leistungen aus tadelloses Singen legt. Andacht zu erwecken erscheint ihm überflüssig. Eine trostlose Verkennung des Wesens des Gebets und der Aufgabe des jüdischen Gottesdienstes, verbunden mit einer gewissen Eitelkeit mancher Gemeindeverwaltungen aber bedeutet es, wenn man Konzertsänger als Vorbeter beruft und so aus dem Gottesdienste mit seinem Flehen, Klagen und Bitten eine opernhäfte, rein musikalische Veranstaltung machen läßt, was tief bedauerlich ist. Ebenso geschmacklos, wie direkt bedauerlich ist. Ebenso geschmacklos, wie ..direkt Konzerte -im Gotteshause abhalten zu lassen. Der Kantor ist bereits etwas besser über die Aufgaben seines Amtes unterrichtet, tritt voll Stolz an das Pult, sieht vor Beginn des Gottesdienstes noch einmal um sich, auch wo die Damen stehen und räuspert sich. Seine Verwandten besitzen ein Bild von ihm in Talar, Barett und Talis. Der Chafon endlich, " der eigentliche Bal tefilo steht nach einmaliger Aufforderung gebeugt und demütig am Pulte und trägt schlicht und unkünstlerisch, aber aus der Tiefe seines Herzens die Gebete vor, der Gesang ist ihm Nebensache. Er weiß und fühlt es, daß er der Meliz feiner Gemeinde fein, deren Gebete leiten soll. — Die an den rechten Vorbeter zu stellenden Anforderungensind in den betr. Kapiteln der Vorschriften niedergelegt und sind für die Selichaus- Gebete und dir Jomim nauroim zu erweitern. Auch den bloßen Schein des Unrechtes vorsichtig vermeiden! Soll den Wortlaut, Inhalt, Sinn der Gebete kennen und fühlen. Soll sich geistig ganz und gar auf das Gebet konzentrieren. Sich nicht trösten mit: ni-3 nsn’ m ]n. Von großer Schönheit und besonderer Bedeutsamkeit empfindet der Vortragende die für die Person des Eh. selbst gedachten Stücke an den „Hohen" - Feiertagen (sind die a'*>n vbv nicht genau so „hoch" wie Rausch haschono?) Er wundert sich nur, wenn man die beiden Gebete des CH. vor Anfang mit fröhlicher Unbekümmertheit hinausschmettert, anstatt sie innig und leise und tiefgefühlt für sich zu beten. Der w”vn rovs aus einer Zeitz wo Andacht und Machsor noch ein größeres Format als heute besaßen, besagt zu ni'v’v □$? rnr£ beispielsweise: „Dieser und der nV-ns urs ist eine Tefilo vor dem Chason. Als n"apn soll dem CH. unterweisen und Verstand geben zu verstehen um recht snvr! zu sein, was sie wegen des i»np sein. Und daß sein Aip hoffen und getüften, als sich über sie erbarmen werd. Und soll nit gestrauchelt werden in ihr lie»;», was sie i»>on» seinen. — Das Tragen des Tatars, Barett ist nicht etwa auf Nachahmung, oder auf dekorative Gründe, sondern aus gewisse religiöse Vorschriften zurückzuführen. — Das Singen sei einfach, schlicht,' aus dem Herzen kommend, vor allem nicht um Beifall oder zum eignen Ergötzen. Wohl ist die Bestimmung des 3->s? ^1? begründet, da eine gute Stimme dem Ohre schmeichelt, hat aber auch den großen Nachteil, daß man diese Vorschrift an die Spitze aller Anforderungen gestellt hat und bei der Wahl des Eh. vielerorts nur nach diesem Gesichtspunkte verfährt, andere, wichtigere Punkte außer acht läßt! Wer die schönste Stimme hat, wird gewählt. Der Gesang soll unsichtbare Fäden zwischen Borbeter und Gemeinde knüpfen, ihren Geist auf einander einstimmen, man soll aber nur singen, um zu beten, nicht beten um zu singen! Rechtes Singen erweist eigne Andacht und weckt solche auch beim Hörer. — Wenn unsre Weisen 10 verschiedene Ausdrücke für „Beten" gefunden haben, so muß man doch wissen, daß die Aussprache in Nord- und Süddeutschland in manchen Lauten differieren, so das au, ei, das v und wie überhaupt der Süddeutsche gern d und t, b und g, ü und i, ö und e verwechselt. Omen, Ome-in, Omein, Mosche, Mo-usche bis Maufche. Aber auch allgemein entstehen durch Flüchtigkeit und Gewohnheit Fehler in der Aussprache: Afrohom statt Awrohom u. a. Oft vertauscht werden ffton- (Altjüdische Fehler). Heißt der Synagogendiener richtig: Schammes oder Schammesch? Dann macht der Vortragende auf viele Fehler aufmerksam, die durch Vernachlässigung des me» vm on» gemacht werden, -u’üjw /ds?ib? a®s /Mn n —; u. ‘ö ,ns u. ns ,12’nsn mwo 133M /Y23ii>33 .Tbyb SIN 1"13 - sPYipT ,'w llii-B» mr?N' usw. pnirprna^ Milel und Milra beachten! Bei Häufungen absetzen, wie in nii>npn:n ,n3nv ,S3'i Nicht wie die 10 Söhne Hamans. (Bei dieser Stelle macht der Vortragende auf die amüsante Beobachtung aufmerksam, daß bei Trauungen der )nn unter der gefühlvoll gespielten Melodie von ymlbs prrns i‘»rpi! hereingeführt wird und meist das entsprechende Gesicht zeigt.) Besondere Vorsicht bei der Selicho -22 nss»» richtig abzusetzen. Bezüglich der Ausbildung wurde gesagt, daß hier gilt: Sehe jeder wie ers treibe! Hinsichtlich der Fortbildung: Es kommt nicht daraus an, möglichst viele Nigunim zu kennen. Womöglich andere Chasonim hören und vor allem, sich religiös-wissenschaftlich weiterzubilden, zu „lernen". Dinim übre Tefilo, Krias Hataury, Tekio und alles sonstige. Entstehung und Aufbau des Gottesdienstes, sowie des Ehafonus zuschildern, gäbe einen besonderen Vortrag. Referent sprach sich über das Wesen des jüdischen Gottesdienstes und feine Eigenart aus. Andacht soll nicht erst durch äußere Hilfsmittel geschaffen werden — nicht durch Prachtbauten, baute Fenster, Malereien, Figuren, instrumentale Eindrücke — vielmehr soll die Andacht tief in uns selbst schlummern, emporwachsen, im Gebet nach außen drängen, Expression, nicht Impression, nur angefacht zu einem lodernden Feuer «aus dem Gefühl der Abhängigkeit von Gott, im Drucke unserer Sorgen und Lasten und Kümmernisse, in der Sorge um unsre Lieben, um die Gesundheit, ums tägliche Brot usw. verbunden mit Versenken seiner selbst in den Inhalt und den Sinn der Gebete. - Gottesdienst sei nicht bloß eine Feierlichkeit, bei welcher man untätig und unbeweglich die Dinge an sich herankommen läßt, nur eine passive Teilnahme zeigt, dem Geistlichen allein die Ausführung überlassend. Diese Form des Gottesdienstes bildet einen unnatürlichen Zwang, der Geist und Körper - in Fesseln schlägt, während der jüdische Gottesdienst Freiheit in Bewegung und Aeußerung läßt einem jeden nach seiner Veranlagung, unbeschadet des epitheton ornans: der Judenschule! — Die Singweisen unserer Gebete verlaufen meistens ln Moll — der Vortragende erklärt kurz das Wesen der Moll- und Durtonarten — als Aeußerung der Klage, Trauer, Sehnsucht, Buße. Der Untergang des vipvn nn mit seinen Folgen und Auswirkungen, das trübe Mittelalter mitseiner Zerstörung und Verfoglung, das alles kann nur in Moll sich auswirken. ins n>ir. Es ist nicht zu verwundern, wenn man zu Zeiten des Unglücks trauernd die Harfe an die Weiden des Baches hängte und die Träne mit den Wellen sich vereinte. Wenn auch Japhet erklärt, „die Hoffnung habe die Harfe längst wieder heruntergeholt" — so hat uns die Hoffnung unferm Ziele ('s) noch nicht näher bringen können, wird wohl noch lange Hoffnung und Erwartung bleiben müssen. 132 nms!»» 'n -re» ns tw *ps- Das kann man höchstens nur in Moll denken und singen. Aber dennoch, frohe Hoffnung spricht sich aus in dem schönen Schluß von oT.oi ’s, wo nach der neunfachen, schmerzensreichen?n'E» endlich das letzte, zehnte, frohe i'v uns erklingen wird. Eigenartig, daß der Trop der Thora-Vorlesung in heiterem Dur, die aus Leidenszeiten entstammende Haphtauro in Moll ertönt. Betreffend Charakter unserer Nigunim ist zu fordern, daß sie der Stimmung des Gebetsstückes entsprechen, Frohes froh und Klagendes trauernd zu singen. Warum beispielsweise Lewandowskys linn in Moll? — Vortragender ist bemüht gewesen, über den Ursprung der jüdischen Melodien näheres zu erfahren, insbesondere, ob noch Ueberreste von den Gesängen des Tempels irgendwo vorhanden sind. Solche, waren am ehesten in der Liturgie der katholischen Kirche zu vermuten, jedoch verschiedene Anfragen, dieserhalb bei den Domorganisten in Köln und Osnabrück hatten leider negativen Erfolg. Wenn auch ohne Zweifel diese Liturgie an die Gesänge des Tempels anknüpft, so dürfte der musikalische Zusammenhang im Laufe der Jahrhunderte doch schon gänzlich verwischt sein. Mehrere musikgeschichtliche Werke bestätigen übereinstimmend diese Voraussetzung. Nach den Forschungen des Kantor Jdelsohn in Jerusalem sind die altjüdischen Gesänge am meisten noch in Jemen und Babylon erhalten. Der erste Musiker des biblischen Berichtes war bekanntlich Jubal, Sohn des Lemech, der jedoch feine Kunst des Harfen- und Flötenfpiels in den Dienst der Götzen stellte. Am Titusbogen in Rom sieht man noch die Abbildung einer langen Trompete aus dem zerstörten jüdischen Reiche. Aus einem Sefer: mm n’san vom Jahre 1649 kann Vortragender Nachweisen, daß man beim Tempeldienste bereits schriftliche Aufzeichnung gen zu spielender oder zu singender Noten, bezw. Unterrichtsbücher zur Erlernung der Lieder oder der Instrumente besessen hat, welche in einem unterirdischen Gemache aufbewahrt wurden zum Gebrauch für die musizierenden Leviten. Der Gelang war jedenfalls einstimmig (divre hajomim: ins i>ip«?'»B?n^) und bewegte sich im 5 Töne-Raum. Wenn solche EimTöne von Hunderten von Sängern, unterstützt von zahlreichen Instrumenten erzeugt wurde, so ist bei der reinen Luft in Erez Jisroel zu verstehen: TE?n!»ip pj?»iE? ■pnlvp-vn (Y>nn). Die Voraussetzung geht nicht fehl, daß inzwischen viel Profanes unb Selbstkomponiertes Eingang in unsre Liturgie gefunden hat. 11s ns?» soll ein alter Reitergesang

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