Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 23 (7.6.1928)
- Date
- 1928-06-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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t Seite 8 Nr. 23 Landwirt zu Solz ließ es sich nicht nehmen, den toten Freund zu Grabe zu fahren. Der frühere Kultusminister von Trott zu Solz ehrte den Verstorbenen durch Uebersendung eines Blumenstraußes. rra-xin- Brückenau, 20. Mai. Nach kaum vollendetem fünfundsiebzigstem Lebensjahre verschied hier Frau Jeanette Strupp geb. Eisemann. Von ihrem Geburtsort Maßbach (Ufr.), woselbst die schlichte, anspruchslose, stets pslichttreue Frau ein echt jüdisches Haus gründete, siedelte sie in unsere Gemeinde über, die ihr zur zweiten Heimat wurde. Wechselvoll zwar war ihr Lebensschicksal) doch ihr Gottvertrauen hielt sie stets aufrecht. Nun hat ihr arbeitsreiches Leben, das nicht nur zahlenmäßig, sondern mehr dem Inhalt nach im Sinne der nDj’»n nna® pav bezeichnet werden darf, einen sanften Abschluß gefunden. Nicht nur im Kreise ihrer Familie, auch in unserer Gemeinde wird ihr Andenken ein gesegnetes bleiben. rraxirv Der 8 sraelit Vermischtes. Leipzig, 11. Mai. Innerhalb der Leipziger Gemeinde sind in den letzten Wochen bedeutungsvolle Veränderungen vor sich gegangen, deren Bekanntgabe auch das Interesse der Außenwelt in Anspruch nehmen dürfte. Ein neuer Friedhof ist seiner Bestimmung übergeben worden und ein jüdisches Krankenhaus ist fertiggestellt worden, dessen Eröffnung in diesen Tagen vor sich gehen soll. Beim Friedhof handelt es sich natürlich um eine Schöpfung der Gemeinde, während das Krankenhaus das Werk eines "einzelnen, durch' feinen das Maß des Durchschnittes weit überragenden! Wohltätigkeitssinn bekannten Mannes ift: Der Friedhof ist eine großzügige Anlage, wie sie dem Bedürfnis, einer etwa 20 000 Seelen zählenden Großgemeinde entspricht. Die Säle, die für Trauerfeiern bestimmt sind, eine große und eine kleine Halle, die Räume für Aufbahrung der Leichen, nach Geschlechtern getrennt, und diejenigen, 'die der Vornahme der Tatzara, der vorgeschriebenen Waschung dienen, Zimmer für diejenigen, die die Totenwacht zu halten haben, Wohnungen für die Beamten des Friedhofs, kurz, alles, was nur irgend erwartet werden kann, ist in geradezu mustergültiger Weife erstanden. Die Haupt- Halle speziell ist nach dem Urteil Sachverständiger ein architektonisch bewunderswertes Meisterwerk, das dem genialen jüdischen Architekten Herrn Haller alle Ehre macht. Es soll nicht verschwiegen werden, daß für das Empfinden des orthodoxen Juden diese Friedhofsbaülichkeiten, trotzdem sie jeden Prunk vermeiden, sogar eine betonte Schlichtheit und Einfachheit und einen Verzicht auf überflüssige Ornamente aüfweisen, doch zu großartig sind und der Vorstellung, die man sich von altersher vom „Zelt des Zidduk Hadin" macht, nicht ensprechen, und daß man, wenn unsere Gemeinde eine orthodoxe wäre, wohl nur einen einfachen kahlen Raum erstellt hätte. Aber wir sind ja eine Einhettsgememde mit einer Gemeindevertretung, in welcher zurzeit noch das liberale Element überwiegt. Es verdient gewiß alle Anerkennung, daß man sich in der Gemeindestube darüber einig war, ohne daß es überhaupt erst Gegenstand der Diskussion sein brauchte, daß alle Erfordernisse des Religionsgesetzes aufs Strengste einzuhalten feien. So hat man für die Einrichtung des Tahararaumes die Vorrichtung der konservativen Gemeinden zum Vorbild gewählt und den orthodoxen Gemeinderabbiner' mit dem Architekten auf die Reise geschickt, um festzustellen, wie es anderwärts gehandhabt wird. Selbstverständlich ist auch auf die Kauhanim weitgehendste Rücksicht genommen, und der Raum für di«s Aufbahrung der Toten während der Trauerseier von der eigentlichen Halle in oorgeschfiebener Weise getrennt worden. Abpr daß-die Empfindungen und die religiösen Bedürfnisse orthodoxer Juden anders geartet sind, als die der liberalen Brüder gab sich doch auch bei dieser Gelegenheit wieder kund; so ist eine doppelte Cinweihungsfeier veranstaltet worden, die eine ganz nach der Tradition, an welcher sich wohl ausschließlich gesetzestreue Juden beteiligt haben, die andere für die Gesamtgemeinde berechnet und so gestaltet, düß astch diik' nichts jüdischen Behörden,' die dazu geladen waren, auf ihre Rechnung kamen. Die letztere Veranstaltung war für die Mittagsstunde des 6. Mai.vorgesehen; man hatte nun beabsichtigt, in den frühen Morgenstunden den v"nv /Ta -juri oorzunehmen, so wie es in den einschlägigen halachischen Quellen niedergelegt ist. Aber ein tragisches Ereignis zwang dazu, die rituelle Einweihungsfeier schon einige Tage früher stattfinden zu lassen. Ein junger Arzt, in der gesamten jüdischen Bevölkerung beliebt und um seiner hervorragenden menschlichen Eigenschaften) willen in allen Lagern hochgeschätzt, Dr. Hermann Spitz, kam bei einem Autounfall ums Leben, und man beschloß, ihm als dem ersten eine Ruhestätte auf dem neuen Friedhof zu bereiten. Am Morgen des Beerdigungstages wurde nun der Boden für feine heilige Bestimmung geweiht. Man hatte in allen orthodoxen Gotteshäusern bekanntgegeben, daß -an diesem Tage gefastet werden oder wenigstens der Fasttag durch Geldspenden fürs Thoralernen abgeköst werden solle. Dann ließ man das erste Grab von Kauhanim schaufeln,-um diesen die Gelegenheit zu einer Mizwa zu'geben, die ihnen später' nicht mehr würde geboten werden können. Um 10 Uhr vormittags versammelte sich dann eine nach vielen Hunderten zählenden Gemeinde, um den Umzug nach dem Herkommen abzuhalten. An der südöstlichen Ecke des großen Areals beginnend sagte man die zu solchen Anlässen üblichen Psalmen und zog unter Vorantritt der •’Tn^n der Stadt bei stets wiederholter Rezitation des moa awv von Ecke zu Ecke. Die beiden Kapitel aus dem Propheten Jesaia, die vom Vertrauen des im Sinne Gottes lebenden Juden und von seiner Furchtlosigkeit allen Gefahren gegenüber reden, wurden mit dem Nigun der Haphtaroth oorgetragen und die Feierlichkeit mit einem Gebete beschlossen. Dann ergriff Herr Rabbiner Dr. Car leb ach das Wort, um im Anschluß an den Wochenabschnitt die gespannt Lauschenden zur Tschuwo aufzufordern-. Herr Rabbiner Feldmann schloß sich diesen Worten mit einem eindringlichen Appell an die Versammelten an. Zur offiziellen Feier am Sonntag waren Vertreter aller jüdischen Korporationen der Stadt, und des Landes, außerdem Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden erschienen. Der Gemeindevorstand hatte sich, um die Gefühle seiner konservativen Mitglieder nicht zu verletzen, entschlossen, bei dieser Gelegenheit auf die Mitwirkung des Gemeindechores, der aus Herrn und Damen besteht, zu verzichten und diese Funktion dem Synagogenchor der orthodoxen Synagoge „Ez Chaim" übertragen. Die Weihereden wurden von beiden Gemeinderabbinern, dem liberalen und dem orthodoxen gehalten, und man darf wohl sagen, daß die ganze Veranstaltung, bei welcher natürlich auch außer dem Vorsitzenden der Gemeinde, die behördlichen Vertreter und die des sächsischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden zu Worte kamen, — zumal da die vorgetragenen Gesänge, -dieselben, die sonst, bei Haskoras Reschomaus üblich sind, tief zu Herzen gingen —, einen alle Teilnehmer außerordentlich befriedigenden Eindruck hinterließ. Das Krankenhaus, das noch in dieser Woche seiner Bestimmung übergeben werden soll, .ist eine Stiftung der rühmlich bekannten Familie Eitingen. Es erhebt sich in einer der besten Gegenden der Stadt und ist ein herrlicher Bau, der der Gemeinde und der Stadt zur höchsten Zierde gereicht. Herr Eh. Eitingen, der auch der Spender der großen Ez-Chaim-Synagoge in Leipzig ist, hat nicht nur die vielen Millionen, die das Krankenhaus gekostet hat, gestiftet, sondern auch mit rührender Liebe und unter großer persönlicher Aufopferung den Bau überwacht und dessen Gestaltung bis in alle Einzelheiten hinein durch seinen Rat beeinflußt. Es ist damit ein Werk entstanden, dem sich in dieser Großartigkeit wohl so leicht keine andere jüdische Heilstätte an die Seite stellen kann. Die all-e-rnrodernsten Fortschritte auf dem Gebiete der Hygiene und der Therapie sind hier berücksichtigt worden, so daß dieses Krankenhaus von Kundigen geradezu als mustergültig in jeder Beziehung bezeichnet wird. Da der Stifter selbst als streng gesetzestreuer Jude lebt und ihm bei seinen Schöpfungenvor allem der Gehanke an die Mizwo vorschwebt, und -er auch bei diesem Werk nichts anderes wollte, als seinen Mitmenschen zum Segen werden im Sinne des Psalmwovtes: „Heil dem, der sich des Armen,, d. >ch. des Kranken annimmt", so bedarf es wohl kaum der -Erwähnung, daß das Krankenhaus ganz-nach' jüdischer Vorschrift eingerichtet ist und vor allem hinsichtlich seines Wixtschaftsbetriebes allen Forderungen gerechtwird/ so daß auch der gewissenhafteste Jude -dort in feder Beziehung sein Genüge findet. Die Küche steht) unter Aufsicht der orthodoxen Rabbinates, für Gelegenheit zum Gottesdienst ist gesorgt. Und so steht denn zu erwarten, - daß diese neue Errungenschaft das gesamte Leipziger Gemeindeleben günstig beeinflussen und das Leipziger jüdische Krankenhaus eine Stätte des Segens für die Allgemeinheit werden wird. Würzburg, 12. Mar. „Vakanzliste der Vereinigung der Sabbatfreuyde": 1 Reifender für Lebensmittelbranche, 1 Commis für Pofamenterie en gros, 2 Verkäufer für Manufakturwaren en detail, 1 Verkäufer für Herrenkonfektion en detail, 2 Lehrlinge für Kurzwaren -en gros, 1 Lehrling für Textil en gros. Meldungen an: Herrn Friedrich Pfeuffer, Würzburg, Domerschulstr. 13. Veuthen O.-S., 15. April. Am letzten Pessachtage hielt der älteste der hiesigen Vereine — der Talmud Thora- _ 7. Juni 1928 Verein — seine Festversammlung ab. Nach dem nm» Gebete sprach der erste Vorsitzende, Herr Gottfried Altmann, die zahlreich erschienenen Mitglieder und Gäste mit herzlichen Worten der Begrüßung an. Seine Ausführungen waren mit köstlichenmin nai umrahmt. Er betonte, daß die verschiedenen bmmzr. auch für die Folge stattfinden werden, uNd bat. die Mitglieder, sich möglichst vollzählig an den Veranstaltungen' beteiligen zu wollen. - Die .eindrucksvolle Rede hatte um so-. größere Wirkung bei allen' Anwesenden, als Herr Altinänn dafür bekannt ist, daß er veranlaßt, daß die sämtlichencni?’® regelmäßig abgehalten werden und er selbst mit dem glänzenden Beispiel vorangeht, allen onw’w pünktlich beizuwohnen, wenn er nicht durch dringende Geschäfte abgehalten wird. Er dankte noch in herzlichen Worten Herrn Dr. Melchior für seine rege Tätigkeit) beim Abhalten der Lehrvorträge. Bei der sich anschließenden Festtafel hielten die beiden Gemeinderabbiner, Herr Prof. Dr. Golinski und Herr Dr. Melchior längere Reden. — Es waren Perlen der jüdischen Homiletik über die Pessach-Haggada und die Ziele der n"n, die zu Gehör kamen und reichen Beifall fanden. Darnach interpretierte' Herr Przysneter, Oberkantor der konservativen Gemeindesynägoge, ein herrliches Jargonlied, das reichen Applaus fand. Die Stimmung wurde noch gesteigert, als Herr Arnold Wiener das Wort ergriff und mit prickelndem Humor den Dajenu-Abschn-itt der Haggadah behandelte. Die geistreichen Ausführungen riefen Lachsalven und zuletzt stürmischen Beifall hervor. Als Gäste sprachen zuletzt die Herren: Josef Goldfchmidt, Nürnberg, dessen Sohn Benno Goldschmidt und Jacobfohn, Berlin, in herzlichen Worten ihren Dank aus, daß es ihnen ermöglicht war, an dieser wahrhaften nix» bv mivo teilnehmen zu dürfen. Heidelberg/ 1. Juni. Aus Kreisendes „Vereins zur Wahrung" wird uns geschrieben: Es trifft sich gut, daß der V. z. W. in den Tagen feiner Jubiläumsfeier einen guten praktischen Erfolg seiner Tätigkeit aufweisen, kann. Es ist gelungen, zusammen mit den anderen in Betracht kommenden Stellen in Heidelberg ein rituelles Restaurant zu schaffen. Praktisch gelegen, freundlich' ausgestattet, bietet es den Besuchern, den Dauergästenl und den Eintagsreisenden, den Studenten und Wanderern das, was längst hier fehlte: die Möglichkeit, in der schönen Neckar- V. I. A.'er — wie in guter alter Zeit —' den Weg nach gut zu essen und schönen nap und hier zu verbringen. Schon Habens Viele ausgenützt. Alle sind zufrieden, und wir hoffen, daß nunmehr auch recht viele V. I. A. — wie in guter alter Zeit — den- Weg nach Alt-Heidelberg, der feinen finden- .Wenn man im „Weinstock"- "kb* nnn p-x" bei Blum in der Bergheimerstr-aße 71 den leiblichen Hunger stillen kann, wirds Wandern- und Arbeiten, das Studieren und „Lernen" und die Erholung derer, die P"in nsim suchen müssen, leichter sein. Und — last notlea t — das n der Orthodoxie in Heidelberg wird und möge jetzt auch größer werden. Die „Lehre" hat wieder einmal fürs „Leben,, gewirkt! Karlsruhe, 1. Juni. Der Bund Israelitischer Wohlfahrtsvereinigungen in Baden blickt auf ein lOjähriges Bestehen zurück. Aus -diesem Anlasse findet am Sonntag den 17. Juni 1928, vorm. 9.30 Uhr in den Räumen der Carl Friedrich-Loge, Karlsruhe, Kviegsstr. 154, ' ein Wohlfahrtstagstatt." Auf der Tagesordnung steht neben Begrüßungen und Ansprachen ein Vortrag der Geschäftsführerin, Frl. Fenchel, über: „Reue Wege auf dem Gebiet der Wohlfahrtspflege", sowie ein Referat der Leiterin des Israelitischen Wohlfahrtsamtes Mannheim, Frau Neter, über: „Die Fürsorgepflichtverordnung und die freie Wohlfahrtspflege". Fanuliennachrichten. B a rm i z w o.« Aba, Sohn des. Herrn Rabb- Assessor Lipinski, -r*? rhw natp/ am 16.'Juni. Synagoge Börneplatz.-- — Arno. Sohn des Herrn Sigmund Fleischhacker und Frau Kathinka geb. Neumann. Thüngen-i. Untsr. Jitns» 9. Juni. Verio b t e: Netty MssNdejsohN/ Sostin, Salo» mon Oberländer. Munkacs (20.,Mai1928). - Qualität- Zigarren Moritz Wolf Zeil 49 Telefon Römer 903 G r t Ndelwald im Berner Oberland, 1050 Meter über demMeer, ist ein Sommer- und Winterkurort ersten Ranges. Im H o t e l S i l b e r h o r n, (Tel. 79), findet man vorzügliche Berpflegung bei mäßigen Preisen. Ein gleiches Haus befindet sich in L o c a r n o, Pension -Villa Montana, Villa del Sole 33, Tel. 766. Besitzerin den Häuser ist Frau Kahn, Basel, Pension Frei-estr. 29, Tel. Sasfran 3022. Wein Obst und Südfrüchte Gg. Geling Zoll 7 Röm.3775 EIN HEIRAT In ausbaufähiges Lebensmittel - ^n gros - Geschäft (Schabbos geschloffen), in schöner Stadt Bayerns wird junger Mann aus guter deutscher Familie gesucht Etwas Vermög. erwünscht, jed. ntüil Bedingung. Off. unter 27304 an die Exped Junger gebtld. Kaufmann, 27 Jahre. SJlitinfyab einer seit 30 I.) besieh. Metallgroßhandlg,, str. orth., ans erster Fam., Neichsdeutsch., sucht pass. Partie mit größerem Vermögen. Ang. unt. 27300 a. d. Erp. 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