Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 22 (31.5.1928)
- Date
- 1928-05-31
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Nr. 22 Der Israelit 31. Mat 1928 „Elsbe! Kind! Auf, komme mit uns! Es brennt, es brennt! . . ." Sie riß die Augen weit auf, sprang in die Höhe, schrie gequält auf. Nun sah sie es mit offnem Auge, mit offenen Sinnen. Die Feuerzeichen am Himmel. In Sturm und Feuer, und das Volk schrie . . . „Geliebter!" schrie sie mit einer Stimme, die sie nicht als die ihre erkannte, und hing mit glühenden Augen am Feuerschein,e, „Geliebter! . . ." Da riß sie jemand hinaus. Draußen war ein kleiner Wagen. Sie faß. neben ihrem Vater, der mit beiden Händen schützend ihren Arm umklammert hielt. Zu ihren Füßen im Wagen lagen Hausrat und Bücher. Eine feste Stimme sprach: „Nur hinaus aus der Gasse, wir werden aus dem Hause retten, was zu retten ist." Der Wagen setzte sich ins Rollen. Ihre Augen waren gebannt vom Feuerscheine, ihr Körper zitterte. Sie fuhr, im Sturm, im Feuer, ihm entgegen. Der Traum spann weiter, bei wachen Augen, wachen Sinnen. „Geliebter! . . ." (Fortsetzung folgt.) Israels Frauen am Sinai. Von Willy Wolf in Köln. „So sprich zum Hause Jacobs" (2. B. M. 19, 3.) „Dies sind die Frauen". (Midrasch Rabba z. St.). Dieses Wort aus dem Vorberichte der Offenbarung am Sinai ist der Adelsbrief der jüdischen Frauen. Es erneuert für immer das göttliche Vertrauen, das schon das erste Menschenpaar besessen und durch sein Verhalten wieder eingebüßt. Damals, im Glücke des Paradieses, war zunächst die Frau der Verführung anheimgefallen und verleitete in ihrer Verblendung den Gatten. Jetzt begann nach so vielen Zeitperioden die Aera der Tauroh, um mit ihrem Segen aufs neue einen paradiesischen Zustand auf Erden zu begründen. Moscheh war Aon den Berg hinangestiegen, um sich für die Empfangnahme der Tauroh bereitzuhalten. Den herrlichsten Weg zum herrlichsten Ziele hatte er bereits angetreten, als Gott ihn vom Berge herab noch einmal zuvor zum Volke mit einer Botschaft entsandte, die es befähigen sollte, den bedeutungsvollen Weg seines unsterblichen Führers und das unvergleichliche Ziel, die Tauroh, mit rechtem Verständnis zu erfassen. Die Botschaft trug den Stempel der Tauroh, indem ihr Schlußsatz: „Dies sind die Worte, die du zu den Söhnen Israels sprechen sollst" nach der Mechilta den Gedanken in sich birgt: „Nicht mehr und nicht weniger" und daher einen Wesenszug der ganzen Tauroh bild'et, die ja gleichfalls dank ihrer Göttlichkeit kein Mehr und Minder verträgt. Gerade dieses Moment der Unabänderlichkeit des Gotteswortes hatte Chawa im Paradiese unbeachtet gelassen und war dadurch der Ueberredungskunst der Schlange zum Opfer gefallen. Gott hatte das Verbot auf den Genuß der Frucht beschränkt, Chawa dehnte es im Zwiegespräche mit der Schlange auf die Berührung des Baumes aus. Diese Erweiterung des göttlichen Verbotes bedeutete eine Herabminderung desselben und gereichte Chawa zum Verhängnis. Da fügen sich nun durch Gottes Wallung die Umstände zu einer denkwürdigen geschichtlichen Situation, welche die hohe Bestimmung der jüdischen Frau füt alle Zeiten deutlich hervortreten läßt. Gott ruft Moscheh vom Berge entgegen: „So sprich zum Hause Jakobs und verkünde den Söhnen Israels." „So", d. h. laut der Mechilta: „in dieser Sprache und in dieser Reihenfolge, zunächst zu den Frauen, dann erst zu den Männern." Wahrlich eine Situation, die nur die göttliche Gestaltungskraft zu schaffen vermag und die zu den wunderbarsten Momenten der Geschichte zählt. Die Vorbereitung für den Empfang der Tauroh beginnt. Da wendet sich Gott zunächst an das weibliche Geschlecht, dessen erste Vertreterin dem Charakterzuge der Tauroh entgegengehandelt. Gott will durch den Einfluß der Tauroh die traurige Folge der Sünde des ersten Menschenpaares tilgen, die Erde in einen Zustand des Friedens und des Glückes zurückversetzen und gründet in solch entscheidendem Augenblicke seine Zuversicht in erster Linie otr den Kreis der Frauen, obwohl zuerst durch das Vergehen der Frau sich die Pforten des Paradieses geschlossen hatten. Ein so geartetes Vertrauen, das auf solch untrüglicher Sicherheit beruhte, obgleich die geschilderten Umstände ihm vollends widersprachen, konnte nur Gott allein als Grundstein in den Boden der neuen zum Segen der Menschheit bestimmten Zukunft legen. Mit dem Vertrauen war eine heilige Berufung verbunden, die Berufung, einen anregenden und beispielgebenden Einfluß auf die Umgebung auszuüben. Im Paradiese hatte das erste Weib diese ihm anerschaffene Fähigkeit in Unrechter Weise betätigt. Seitdem war sich aber die Frauenseele immer mehr bewußt geworden, daß die ihr innewohnende Eigenschaft des Ansporns nur in Uebereinftimmung mit dem göttlichen Willen ihrer wahren Bestimmung entspricht. So hatten bereits unsere Stammütter ihrem Hause führend vorangestanden und gar oft die geistigen Belange der Familie zielbewußt in die rechte Bahn geleitet. Schon bei Sara hatte diese dem Ideal kraftvoll zustrebende Wirksamkeit eine solche Vollkommenheit erreicht, daß Gott zu Abraham sprechen konnte: „Alles, was Sara zu dir sprechen mag — höre auf ihre Stimme." Hatten nicht ferner die jüdischen Mütter mit eigner Gefahr dem Befehle des ägyptischen Herrschers getrotzt, um ihre neugeborenen Knaben am Leben zu erhalten? Hatte nicht Mirjam mit Gottvertrauen, Weitblick und Mut in schwerster Zeit so gewaltig auf den Entschluß ihrer Eltern eingewirkt, daß durch ihr Verdienst Moscheh, der gottbegnadete Erlöser, ins Dasein trat und aus der Gefahr, die auch seine erste Lebenszeit umschwebte, unversehrt hervorging? Freilich ragten diese erhabenen Gestalten, die auf den geistigen' Höhen der Menschheit wandelten, weit über die Allgemeinheit hinaus. Indes ihr Vorbild erzeugte auch im Kreise der übrigen Frauen wertvolle Eigenschaften, die für die Pflege der Tauroh in Lehre und Leben eine günstige Vorbedingung bilden. Der Midrasch zur Stelle hebt zwei dieser vortrefflichen Eigenschaften hervor: „Eilfertigkeit in der Pflichterfüllung, Anleitung der Kinder zur Tauroh." Das Feuer der Begeisterung, das in ihren Adern lodert, entfachen sie zu frohem Tatendrange auf dem Gebiete des Pflichtenlebens. Mit zarter Hand geleiten sie die Jugend an den Quell der Tauroh und pflanzen die Liebe zur Erforschung der göttlichen Lehre in das kindliche Herz. Die Mütter von dieser Beschaffenheit haben einen hervorragenden Anteil an der Größe unsrer Gesetzeslehre, die seit Moscheh auf hoher Warte die Tauroh gelehrt. Wir erkennen in ihnen die ursprünglichen Bildner der großen Charaktere, die aus Geist und Tat zu einheitlichen Persönlichkeiten geformt, im Dienste der Tüuroh, zum Wohle ihres Volkes gelebt und gestrebt. In diesem Zusammenhänge begreifen wir den vielsagenden Wechsel des Ausdrucks, dessen sich unser Vers bedient, wenn er die Frauen „das Haus Jakobs" und die Männer „die S ö h <n> e Israels" nennt. Wie der Text uns hier die Männer als Einzelmenschen vor Augen führt, die Frauen aber m einem anschaulichen Begriffe zusammenfaßt, so erweist sich die Lebensaufgabe der männlichen und weiblichen Geschlechtes auch in der Wirklichkeit, — und im Verhältnis der Mutter zu ihren Kindern tritt sie am deutlichsten in die Erscheinung. Da stellt jedes Kind mit 'einen besonderen Anlagen einen Einzelmenschen ur sich dar, und ihnen allen gewährt das Eltern- )aus in ihrer mannigfaltigen Verschiedenheit den gemeinsam verbindenden Halt. In der Einstimmigkeit des.Hauses wurzelt aber das Vertrauen der Kinder zu den Eltern. Sie gewahren, wie die Seele des Hauses, die Mutter, ihrem verchiedenartigen Naturell mit Herz und Verstand entgegenkommt und um sie alle das Band der Zusammengehörigkeit schlingt. Sie lernen das Haus als eine Pflanzstätte der unvergänglichen Ideale kennen, indem vorzüglich die Mutter die Lebensmomente, wie den Sabbach und die Festtagedie Gastfreundschaft und Liebestätigkeit fo eindrucksvoll gestaltet, daß sie in der Erinnerung des Kindes unauslöschlich fortleben. Durch dieses weitgesteckte Tätigkeitsgebiet war der Gesichtskreis der jüdischen Mutter von Anbeginn auf einen großen Teil des menschlichen Lebens ausgedehnt. Sie erfüllte ein Zwiefaches^: die hauptsächliche Stätte ihres Wirkens blieb das Haus. Aber ihrem geistigen Blicke standen die Gebiete des Lebens offen, so daß sie imstande war, ihren Kindern als Wegweiser voranzuschreiten. Darin liegt denn auch der Gedanke, der aus der Bezeichnung der Gesamtheit der Frauen als „H aus Jakobs" zu uns spricht. In der Botschaft Gottes kommt er wohl in folgendem Sinne zum Ausdruck: „Die Gesamtheit ' der Frauen vergegenwärtigt das eine große Haus, dessen Abbild die einzelnen Häuser aller Zeiten sind. In den Häusern werden die Generationen für die Tauroh herangebildet.. Zur Erforschung des Gesetzes sind zwar die Männer berufen. Moscheh hatte daher in seiner ganzen Wirksamkeit den Männern Gottes Lehre zu verkünden. Aber der Geist erst, der von den Frauen getragenen Häuser erschließt die Herzen der Männer, freudig den Ernst des Gotteswortes in' sich aufzunehmen." Darum sollte Moscheh sein Wort zunächst an die Frauen richten. Ein großes Vertrauen schenkte Gott ihnen damit wieder. Sie sollten in der Vielgestaltigkeit des Volkslebens das eine große Haus bilden, in welchem die einheitliche Vollkommenheit der Tauroh ihre unverlierbare Stätte findet. (Niedrigste Ehescheidungsziffer bei den Inden trotz Scheidungsfreiheit.) Die badische Statistik für 1927 gibt interessante Aufschlüsse über den Anteil der Konfessionen an der Ehescheidung. Das Scheidungsverbot der katholischen Kirche macht es ohne weiteres erklärlich, daß auf je 10 000 Katholiken in Baden nur 2,4 Scheidungen kamen, während die entsprechende Ziffer für die Evangelischen 4,4 beträgt. Noch geringer aber als der Anteil der Katholiken war der der Juden, bei denen sich die Ziffer auf 1,7 belief. Dabei ist zu bedenken, daß die Juden hauptsächlich ein städtisches Element darstellen und daß die Geamtzahl der Ehescheidungen fast nur Städtebewohner betreffen; unter der ländlichen Bevölkerung ist der Anteil an den Ehejcheidüngen nicht viel größer als ein Neuntel der Durchfchnittsziffer. Es ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inserate«- t>?U enthaltenen Empfehlungen, ritueller Waren oder sonstige Angaben rellgionsgesehtichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. Qualitäts- Zigarren Bevorzugt von der anspruchsvollen Hausfrau Außergewöhnliche Vorzüge, trotzdem niedriger Preis. E. NAGE SCO. 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