Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 22 (31.5.1928)
- Date
- 1928-05-31
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 22 seite 7 31 Mai 1928 Der Israelit Montreux, 21. Mai. Wie angekündigt, wurde pünktlich am ersten Jjar das zweite Semester der Jeschiwah eröffnet. Die zur Eröffnung zahlreich eingetroffenen Eltern mit ihren Söhnen, die sie der Jeschiwa anvertrauen wollten, vereinigten sich zu einer gemeinsamen Mahlzeit. Herr Botschko, der Leiter der Jeschiwah, begrüßte alsdann in tief bewegten Worten die Eltern und Kinder und warf einen Rückblick auf die Entstehung der Jeschiwah. Er schilderte, mit welchen bescheidenen Mitteln diese geschaffen wurde und welche schweren Kämpfe sie gegen rechts und links durchzufechten hatte, da es die Natur des Schweizers ist, jeder neuen Schöpfung skeptisch und ablehnend gegenüberzustehen. Einen harten Weg voller Hindernisse mußten wir zurücklegen. Dessen ungeachtet setzte die Leitung zielbewußt und mit unerschütterlichem Vertrauen ihren Weg weiter fort und der Erfolg ist nicht ausgeblieben. Der Traum ist zur Wahrheit geworden. Die ursprünglichen Gegner haben uns selbst freudestrahlend ihre Kinder gebracht und die gesamte Schweiz hat jetzt die Jeschiwah de facto anerkannt und ist bestrebt, diese zu erhalten. Mit jedem Tage begreift es die Schweizer Judenheit mehr und mehr, daß durch die Schaffung dieses Werkes die Schweizer Judenheit einen Ehrenplatz im Judentum einnehme. Die zahlreichen Gäste, die die Pesiachtage in Montreux zubrachten, unter ihnen die markante Figur des Prof. Chapkin aus Paris, standen wie gebannt und voller Ehrfurcht vor diesem heiligen Werke. — Alsdann wandte sich der Jeschiwahleiter mit einer progrümmatischen Rede an die Schüler und ermahnte sie zur Disziplin und zum Gehorsam. Sie als erste Pioniere sollten bestrebt sein, Wächter der Thora und treue Söhne ihres Volkes zu sein und durch ihre makellose Führung und eifriges Studium den Ruhm der Jeschiwah zu mehren. Namens des Kuratoriums sprach Herr A. W. Rosenzweig, Zürich, Worte vollster Bewunderung und Anerkennung aus. Die Gegner der Aguda (Misrachi) zogen sich von diesem Werke zurück, während die Aguda stolz darauf blickt. Er sprach dann die Hoffnung aus, daß auch diese Gegner der wegbahnenden Wahrheit Platz machen müssen und zu uns kommen werden. — Herr Eh. I. Eiß sprach namens des Ekternrates. Er betonte, daß die Jeschiwah die Schmach die bisher auf der Schweizer Judenheit lastete, ihre Kinder zu Am haarez heranwachsen zu lassen, endlich heruntergenommen hat. Auch die Schweizer Juden werden jetzt die Möglichkeit haben, zu sagen: '■»■nna-s t33 ■ Die Parole der' Weisen lautet: „Wenn Du Brot mit Salz issest, Wasser aus geringer Schale trinkest, auf der Erde schläfst und ein kümmerliches Leben verbringst, bemühe Dich doch mit der Thora". Die Parole in Montreux aber lautet: „Wenn Du auch erstklassig verpflegt sein wirst, in schönem und bequemen Hotelzimmer schläfst und die reizende, angenehme Luft des Genfer Sees einatmest, bemühe Dich doch mit der Thora." Namens der litauischen Dozenten sprachen Herr Kirsch und Herr Schwarz tiefempfundene Worte der Begeisterung für Thora und Judentum. Gewisse Kreise, die sie einst verdächtigten, sie seien nach der- Schweiz zum profanen Studium gekommen, haben sich jetzt von ihrem 'Irrtum überzeugt. Nicht die profane Wissenschaft hat sie nach der Schweiz gelockt — die war ihnen auch in Litauen nicht fremd — sondern ein heiliges Ziel, litauischen Thorageist und litauische Lehrmethoden nach der Schweiz zu verpflanzen, und sie sind glücklich darüber, in Montreux eine solche Pflanzstätte gefunden zu haben und stolz daraus, bereits im ersten Jahre solche gutgereiften Früchte zu sehen. Namens der alten Garde der Schweizer Schüler, sprach David Grünwald, Luzern, seinen tiefsten Dank an Leitung und Lehrer aus. Ueber die Thorastätten von Ungarn und Frankfurt habe er den Weg nach Montreux gesunden, wo er eine sprudelnde Quelle von echt litauischer Thora fand und deren heilbringendes Wasser die kranken Seelen der Schweizer Jugend retten kann. Er appellierte an die gesamte Schweizer Jugend, daß sie mindestens für ein Jahr auf die Jeschiwah nach Montreux kommen soll. So gestaltete sich die Eröffnung zu einer machtvollen Kundgebung, die noch lange in Erinnerung derer bleiben wird, die ihr beigewohnt haben. Inzwischen schreitet die Jeschiwah weiter fort; sie zählt ja heute schon 30 Bachurim, darunter 20 Schweizer von Basel, Baden, Zürich. Biel, Genf und Luzern. Herr Rabbiner Dr. Weil-Basel und Herr Rabbiner KornfeimZürich, die die Jeschiwah letzthin besichtigten, waren von diesem Werke entzückt und versprachen, in ihren Gemeinden Interesse für die Jeschiwah zu werben und ihre Schüler für die Jeschiwah vorzubereiten. Köln, 24. Mai. Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums, e. V. hält am 4. Juni hier ihre Hauptversammlung ab. Die Versammlung beginnt um 19 Uhr; der allgemeine Teil um 20 Uhr. Wir suchen auf 1. Sept. evtl, auch früh, einen unverh. Religionslehrer welcher zugleich den Vorbeterdienst und die Schochetstelle zu übernehmen hat. Derselbe muß orthoxer Richtung an gehören. Jährliches Gehalt R.-M. 8800.— sowie R.-M. 660.— Nebeneinlommen. Neben ledigen Bewerbern können sich auch Verheiratete melden. Anmeldungen mit Zeugnissen erbittet das Jsr. Vorsteheramt Braunsbach. Wttbg. Die Religionslehrer-, Vorbeter- und Schocket-Stelle in hiesiger Gemeinde ist per sofort zu besetzen. Diensteinkommen in Anlehnung an die neue Besoldungsordnung des Oberrats der Israeliten. Schöne Wohnung vorhanden. Reflektiert wird auf gebildete Persönlichkeit, guten Vvrbeter mit angenehmer Stimme, der zugleich den Synagogenchor (Männerchor) zu leiten hat. Gültige Kaboloh von gesetzestreuen Rabbinern ist beizubringen. Bewerbungen sind unter Beifügung von Zeugnisabschriften a. d. Unterzeichnete Stelle zu richten. Synagogenrat Gailingen (Baden) Detail-Reisende f. d. provistonsw. Berk. v. Damenu. Herrenftoffen, Baumwollwaren, fertiger Weist-, Leib- und Bettwäsche, Trikotagen. Steppdecke« an Beamtenkundschaft von leistungsfähigem ersten Versandhaus gesucht. Geboten wird: Dauerstellung, hoh. Einkomm., wöchentliche Bezüge, erstklassige handliche Kollektion, erhebl. Zahlungserleichterungen, vorteilhafte Preise, tadellose Belieferung. Verlangt wird: Bestens eingeführte, branchekundige, fleißige, vertrauenswürdige Herren mit großen Umsätzen. Angebote, möglichst mit Lichtbild, ausführl. Ang. über bisher. Tätigkeit, Zeugnisabschr. bzw. Refer. erb. u. 27282 a. d. Exped. Krankenschwestern. Junge Mädchen, welche sich für diesen Beruf ausbilden wollen, sofort für unser Krankenhaus gesucht. Mindestalter 20 I. Ausstchtsvolle Lebensversorgung. Meldungen mit Geburtsschein, Schulzeugnissen, Lebenslauf, Leumündszeugnis und Lichtbild erbeten an Mannheim, im Mat 1928 M. 6. 12. 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