Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 22 (31.5.1928)
- Date
- 1928-05-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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„ 31. Mai 1928 Frankfurt a~ ITC., den 12. Awan 5688 Nr. 22 Begründet von Dr Lehmann in Mainz. . ... . -. “ Abonnement abJanuar 1924: Deutschland 1 GöRunäS monatttch; Ausländ: Bierteljahrpreise (entsprechend dem deutsche« Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Bersandes) Deutsch-Österreich: Schilling 6.—; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; ab 1. Juli Frankreich 25 Fr.; Belgien ab 1.7.27. Belga 8; Holland 2 fl.; Italien ab 1.1.28.18 Lire; Jugoslawien 55 Din.; Litauen 7.60 Lit.; Rumänien ab 1. 7. 27. 160 Lei; Polen 4 deutsche Doldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty. Schweiz 5 Fr. Tschecho-Slowakei 28 Kronen; Ungarn -Pengö 5 ab I.Juli 1927; Dänemark 3.50 Krön.;Norwegen3.60 Kro«.; Schweden 3.50 «ron. - Einzelnummer dreißig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 40 Goldtzf. für die stebengespaltene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familtenanzeigen nur 30 Pf. 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Trotz aller erbitterten Gegenarbeit von rechts und links, da doch bekanntermaßen weder die orthodoxe. noch die neologe Landeskanzlei von der staatlichen Anerkennung und — Verewigung einer dritten Richtung im ungarischen Judentums etwas wissen wollte, ist es den etwa 20 größeren und kleineren status quo-Gemeinden in Rumpfungarn (in dem ehemaligen Großungarn waren ca. 70 Gemeinden solchen Charakters) gelungen, die staatliche Geniehmigung ihrer selbstständigen Organisation zu erwirken. Nun wollen wir hierorts keinesfalls die äußere politische Konstellation, die nach mannigfaltiger Annahme, für die entschiedene Stellungnahme der Regierung zu Gunsten der erwähnten Gemeinden, wo nicht ausschlaggebend, so doch allenfalls sehr stark beeinflussend gewesen sein soll, einer prüfenden Würdigung', unterziehen. Denn solches änderte doch gar wenig an der größeren oder kleineren' Bedeutung oder — Bedeutungslosigkeit dieser Tatsache und an deren mehr oder minder folgenschweren Answirkungen für die zu künftigen religiösen und religionspolitischen Entwicklungen im ungarischen Israel. Aber vom innerjüdischen Standpunkte aus wäre es allenfalls geboten!, den Werdegang dieser Bewegung von ihrem Quellpünkte bis zu dem mit der staatlichen Anerkennung gegebenen Marksteine in all .ihren hervorragendsten Entwicklungsphasen zu verfolgen. Und zwar wäre ein solches Unternehmen, so es diesen bedeutenden Ausschnitt m der religionspolitischen Geschichte' des ungarischen Judentums quellenmäßig. bearbeiten möchte, nicht bloß von einfacher historischer Bedeutung, sondern wie doch Geschichte überhaupt Lehrmeisterin des Lebens ist . oder wenigstens sein soll, also wäre eine solche Leistung auch geeignet, die geheimsten Quellen aufzudecken, woraus der große Bruch im allgemeinen und die kleinen Brüche und Sprünge im besonderen am Gebäude des ungarischen Israel mit zwingender Notwendigkeit hervorgehen mußten. Denn mit tiefster, aus genauester Kenntnis der historischen Voraussetzungen und der gegenwärtigen Verhältnisse stammender Resignation müssen wir< 3JVD mit Tränen die Worte niederschreiben: Die Würfel sind sch0 n l ä ng st g e - f allen! Und die, welche den Bruch meines Volkes so leicht heilen zu können wähnen, D’Ksnn nbpi m 332? nrr sind — falsche Propheten. Es gibt hierfür keinen Balsam in Gilead. Kein Pflaster und kein Pflästerchen vermag diesen Bruch zu heilen. Am allerwenigsten aber dieser allerneueste Wendepunkt im religionspolitischen Leben des ungarischen Jsreel, von dem manche Uebelberatene in ihrer Unkenntnis der Sachlage und der historischen Antecedentien wähnen und noch anderen mit papiernem Trompetengeschmetter einreden wollen, daß jetzt der erste Schritt zu einer Versöhnung der Gegensätze im ungarischen Israel geschehen, daß die neugenehmigte Organisation der wunderwirkende Kristallisationspunkt sei, der die einzelnen Bestandteile des orthodoxen und des neologen Lagern an sich ziehen wird, um unter seiner Juste-mllieu- Fähne die so heiß ersehnte Einheit zu suchen und zu finden. Und doch stellen sich unserem diesbezüglichem Wollen nicht außerachtzulassende Schranken entgegen. Erstens ist es die Rücksicht auf unseren eigenen Gesundheitszustand, die uns eine derartig erschöpfende quellenmäßige Bearbeitung des Themas, wie wir solche in vielen unserer früheren Arbeiten zu leisten uns bestrebt haben, untersagt. Zweitens aber möchte eine solche erschöpfende aktenmäßige Behandlung zu einem dickleibigen Buche sich auswachsen, wofür wir vorläufig keinen Verleger wüßten. U n d d r i t - tens find die Rosen, die man nicht e t w a v 0 n d e n G e g n e r n , sondern von d e n eigenen Gesinnungsgenossen f ü r e i n e I a h r z e h n t e w ä h r e n d e , a u f- 0 Pf er ungsvolle, f e l b st v e r leugnende literarische Tätigkeit im Dienste der h e i l i g st e n I n t e r e s f e n u n d I d e a l e erntet, k e i n e sf a l l s s o herrlich blühend, so süß duftend, daß m a n d ar ü b e r d ie D 0 rn e n und D i st e l n , die man nicht e t w a von Gegner n, s 0 n d e rn von eigenen Gesinnungsgenossen auf den Lebensweg gestreut bekommt, allzuleicht vergessenkönnte! Letzteres besonders ist ein Umstand, der einem Jahre, ja, Jahrzehnte, alle Anteilnahme an öffentlicher Betätigung grünblichst verleidet und einen das alte Wort ausrufen läßt: ’nsxa rr^> NP'MP» 31V qi^ Schweigen ist Gold! Doch ist der in unserer Ueberschrift genannte Wendepunkt ein derartiger Markstein in der Organisationsgeschichte des ungarischen Judentums und bietet uns dessen Besprechunig eine derartige Gelegenheit Zu historischen Rückblicken auf die Vergangenheit des ungarischen Gesamttsraels, daß wir der Versuchung nicht Widerstand leisten können, um wenn auch den bereits früher erwähnten Gründen zufolge unser Thema nicht auf breitester geschichtswissenschaftlicher Basis und mit ebensolcher Akribie zu behandeln, doch das Wesentlichste unseres Gegenstandes auf aphoristische Weise mit einigen Worten zu beleuchten. Es soll aber diese unsere Vorbemerkung über die äußere Form der folgenden Ausführungen, nämlich über das Sprunghafte und nur das Wesentlichste ins Auge Fastende derselben, niemanden zu der Annahme berechtigen oder auch nur veranlassen, als hätte er es mit einer bloßen religionspolitischen Kannengießerei zu tun. Denn eben der Eingeweihte wird es erkennenwie in der nur in groben Umrissen und bruchstückweise erfolgenden Darstellung sich die Quintessenz einer auf unzähligen und unleugbaren historischen Daten und Fakten sich aufbauenden prüfenden Beurteilung der gegebenen Lage widerspiegelt. (Fortsetzung folgt.) Wochenrundschau. Das russische Mysterium. Wir haben in der vorigen Nummer über die schwere Lage der jüdischen Bevölkerung in der Ukraine berichtet, die unter dem doppelten Drucke wirtschaftlicher Not und einer anscheinend auf völlige Erdrosselung gerichteten. Steuerpolitik lebt, und die dabei noch vox der Gefahr steht, von den geistig-religiösen Quellen abgeschnürt zu werden, die in den Jahrhunderten zaristischer Gewaltherrschaft den Jungbrunnen ewiger Er-