Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 21 (24.5.1928)
- Date
- 1928-05-24
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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AusWef f und JLctc ullastrierte Eeilaje zum „Usraefif Zu unseren Bildern. 1. Der alte Kupferstich von Nicolas Pouffin dürfte ein Muster der bildenden Kunst des 17. Jahrhunderts fein. Wir sehen, wie Moses in Gegenwart des durstenden Volkes dem Felsen mit dem Stabe das Wasser entlockt; wie glückselig eine Mutter mit dem gefüllten Kruge das Kindlein labt, wie gierigsich Männer und Frauen auf das kühlende Elementnach dem, sie lange verzweifelt gelechzt, stürzen. Der Maler lebte 1594—1665. Sein Meisterwerk, dessen Abbildung wir hier bringen, Lesiedet sich in der Eremitage in Leningrad und hat sich durch den Wandel der Zeiten in Rußland erhalten. 2. Wer den Osten nicht kennt, ahnt kaum, welche schwere Berufe dort von Juden ausgeübt werden, welche anstrengende Arbeiten dort von kräftigen jüdischen Händen geleistet werden. Der jüdische Droschkenkutscherder jüdische Steinklopfer, der jüdische Gepäckträger und Hafenarbeiter ist keine Ausnahme, sondern ein Typ. In den letzten Jahren wenden sich die Juden mit Vorliebe auch der Landarbeit zu, und die „Ort"-Gesellschaft geht ihnen in anerkennenswerter Weise mit Aufbietung von immensen Summen an Kraft und . Geld zur Hand. Das Bild zeigt uns jüdische Gartenbauarbeiter in G r o d n o (Palen). Die von _ ihnen gezüchteten Hauptprodukte sind Kraut und Gurken. : 3. Wie so ein r i ch t i - . ger jüdischer Bauer in den Kolonien Rußlands. und Polens yüssieht, zeigt' uns. das dritte Bild. Kraft in den Muskeln und Intelligenz in Gesicht und Augen. Die Landschaft rings herum üppig, dir Häuser und Ställe und anderen Bauten höchst primitiv. Unverfälschtes Landleben. Die Kolonien, von der das Bild einen Ausschnitt zeigt, heißt Ignatowka in - Polen. Die jüdischen Niederlassungen in Polen werden vom „Ort" weitgehend unterstützt. 4. Weniger bodenständig mutet das vierte Bild an. Ein Schiff des Norddeutschen Lloyd, sein Name ist „Sierra Vinetta", verläßt die Insel Madeira und steuert dem A e q u a to r entgegen. Die Passagieer rüsten sich zu einem Aequator feste: Die Juden an Bord ziehen sich in einen Raum zurück und halten Sederabend, denn die Nacht zum 15. Nissan, dem Tage der Befreiung, ist hereingebrochen. Die Sedertafel ist nach Möglichkeit geschmückt, in den Gesichtern spiegeln sich Sehnsucht, Heimweh, Festesfreude, Hoffnung auf eine neue Zukunft. Die Hagadahlieder tragen ihre Seele hinaus und hinauf über di« Wellen des Atlantik, verbinden sie mit Heim und Familie, mit der Gesamtheit Israels, die an diesem Abend, gleich ihnen, in hellerleuchteten Stuben feiert. 5, 6, 7, 8. Die Bilder zeigen einen interessanten alten Synagogenbau und jüdischen Friedhof, vor dem die Leser eine genaue Schilderung in einem eigenen Aufsatze in dieser Beilage finden. Moses schlägt den Felsen. Nach einem Kupferstich von Nicolaus Pouffin (15S1—1865). Synagoge und Friedhof der Gemeinde Sulzbürg. Mt vier Bildern. Betrachtungen von Rabbiner Dr. M. Weinberg, Neumarkt (Oberpf.) In meiner soeben erschienenen „Geschichte der Juden in der Oberpfalz",, Band IV, habe ich versucht, die Geschichte der alten ruhmreichen Gemeinde Sulzbürg zu verfolgen. Dabei war mir leider aus ökonomischen! Rücksichten vresagt, einen besonderen Wunsch zur Ausführung zu bringen, nämlich den, manche Darstellungen. aus der Gemeinde durch Beigabe von Illustrationen anschaulicher zu machen. Einige der vorgesehenen Bilder erscheinen für weitere Kreise so instruktiv, daß ich sie auf diesem Wege in der bayrischen Gemeindezeitung veröffentliche. Sie wurden mir durch den Senior der Gemeinde, Herrn Moritz Wertheimer, der dreißig Jahre lang die Stelle des Gemeindedieners versah und mit der Gemeindegeschrchte eng verwachsen ist, vermittelt. Sulzbürg gehört leider zu den dahinschwindenden Gemeinden (wie es deren so viele in Bayern gibt), in denen die Führer und Einzelmitglieder stets eine heilige Aufgabe darin erblickten, die öffentlichen Gemeindeeinrichtungen in einer Vollendung herzustellen, die heute noch für manche Großgemeinde vorbildlich fein könnte. Hür unsere alten Glaubensgenossen in den kleinen Städtchen und Dörfern gab es bei all ihrer geistigen Regsamkeit keine andere Möglichkeit, sich öffentlich zu betätigen, als in ihrem engen Gemeindeleben. In Kommune und Staat waren sie nur passive, geduldete Mitglieder; um so mehr und umfassender kam ihr Tatendrang im Kehillohleben zur Geltung. Man muß heute beim tieferen Eindringen . in die alten Gemeindeeinrichtungen und Gemeindebräuche oft staunen über das tief jüdische Verständ- ' nis,, über den geradezu überraschenden natürlichen Kunstgeschmack, der noch nicht, wie heute oft, zur Schablone geworden und über den praktischen Sinn, der sich da oft offenbart. Und was da alles in den Bereich der öffentlichen Gemeindepflichten einbezogen wurdet In Sulzbürg z. B. stehen zwei Ge- ,. meindefeffel bereit,, die be- -stimntt sind^ bei^oorkom^ wenden Beschneidungen in' das Haus gebracht zu werden, wo die Beschneidung vollzogen wird, ebenso der Gebärstuhl, der in vorkom- . mend«n Fällen in das Haus der Wehmutter überführt wurde und noch bis vor nicht allzulanger Zeit in Gebrauch war, — der silberne Gemeindekamm, mit welchem die Braut von den Frauen gekämmt wurde, bevor sie kurz vor der Hochzeit „unter die Haube" kam usw., alles Dinge, die heute längst aus dem Aufgabenkreis der Gemeinden geschwunden sind. In alten, jetzt leer stehenden Synagogen einst berühmter Gemeinden finden wir eine bis in das kleinste gehende Durcharbeitung für die religiöse Praxis, die wir in unseren heutigen, vielfach nur für pompösen Eindruck hergerichteten, vergeblich suchen. In diesen Einzelheiten gerade merkt man die Liebe, mit der man an allem hing, was das religiöse Gemeinschaftsleben betraf.- Ich möchte hier auch an die leider noch so wenig bekannten, kulturhistorisch so überaus bedeutsamen Memorbücher erinnern, die als besonders heiliges Besitztum, immer wie^ D s % u