Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1928-05-24 · Heft 21 (24.5.1928) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 21 (24.5.1928)
Date
1928-05-24
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2446951-2450495-2450515--74988-2532488
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

mm. des Vereins zur Wahrung der Interessen des gesetzestreuen Judentums in Buden am 18. und 19. Siwan 5688 | am 6. und T. 3utii 1928 in öen Räumen der Angnst kamef-Loge in Mannheim (<L 4, 12) 1. Oeffentliche Kundgebung. Mittwoch, den 6. Juni, abends 8 Ahr im Festsaal der August Lamey-Loge. Redner: S. Ehrw. Herr Oberrabbiner Dr. C a r l e b a ch - Altona: „Die Religiosität der Großstadt". Herr Synodalabg. R.-Anw. S. K a s s e w i tz - Freiburg: „Das religiöse Leben in Baden während der letzten 25 Jahre".?. Generalversammlung (nur für Mitglieder). Donnerstag, den 7. Ium, vorm. 10 Uhr im unteren Saale der August Lamey-Loge. 3. Festakt. anläßlich des 2 5 j ä h r i g e n B e st e h e n s des Vereins, , Donnerstag, den 7. Juni, pünktlich 12 Ahr im Sitzungssaals der August Lamey-Loge. 1. Boruch haboh.Chor der Klaussynagoge. 2. Begrüßungsansprache des Vorsitzenden. 3. Festrede S. Ehrw. Herrn Stadtrabbiner Dr. U n n a - Mannheim. 4. Zaddik katomor (vorgetragen von den Herren Kantoren E p st e i n und D e I o n g). 5. Ansprachen der Vertreter jüdischer Behörden. 6. Bekanntgabe von Ehrungen. 7. Jigdal . . . . . . . . ' Chor der Klaussynagoge. 4. Gemeinsames Esten. Nachmittags halb 2 Ahr im Festsaal der August Lamey-Loge. Es ist den w. Herren Vertretern befreundeter Vereinigungen, auf Wunsch und nach Mitteilung an den Herrn Vorsitzenden, während des Mahles Gelegenheit gegeben, das Wort«zu ergreifen. Mitgliederversammlung des V. z. W. Donnerstag, den 7. Juni, vorm, pünktlich 10 Uhr im unteren Saal der Loge (<£. 4, 12). Tagesordnung: 1. Eröffnung durch den Vorsitzenden. 2. Rückschau und Ausblick, zugleich. 3. Geschäftsbericht des stellvertretenden Vorsitzenden und des Rechners. 4. Bericht über die Rechnungsprüfung. 5. Entlastung des Vorstandes. 6. Wahl des Vorstandes sowie zweier Rechnungsprüfer. 7. Satzungsänderung. 8. Anträge des Vorstandes und der Mitglieder. 9. Verschiedenes. Anträge zur Versammlung sind satzungsgemäß unter Einhaltung der notwendigen Fristen an die Briefadresse des V. z. W. zu richten. (Für die Herren Vorstandsmitglieder: Dex Mitgliederversammlung geht im gleichen Raum um 9 Uhr eine Vorstandssitzung woraus.) Zur Geschichte der Israelitischen Religionsgesellschaft in Karlsruhe. Die Reformen, die die Mannheimer Gemeinde eingeführt hatte, fanden auch bald in Karlsruhe Nachahmung. Schon um das Jahr 1860 wurden in der Karlsruher Gemeinde Pläne zux Einführung von Reformen ernsthaft erwogen. Die Männer an der Spitze der Gemeinde stellten sich auf den Standpunkt, daß sie die Majorität auf ihrer Seite hätten und verpflichtet wären, für die zeitgemäße Fortentwicklung der Gemeindeinstitutionen Sorge zu tragen. 18 Männer, erfüllt von der Treue zum altüberlieferten Judentum und entschlossen, für dieses bis zum Aeußersten einzutreten, traten diesen Plänen mit aller Energie entgegen und.weigerten sich, als sie sahen, daß sie überstimmt wurden, ihre Steuern zu zahlen. Auf dem Klagewege ging die Gemeinde gegen diese vor, und ein erbitterter Kampf, der nicht frei blieb von persönlicher Feindschaft, zwang diese 18 Getreüen, vor den Gerichten ihre Ueberzeugung zu verteidigen. Doch diese konnten das Verständnis hierfür im Rahmen der juristischen Bestimmungen nicht finden, »Nid in allen Instanzen wurden diese 18 Getreuen zur Zahlung ihrer Gemeindesteuern verurteilt. Ein Antrag auf Austritt aus der Gemeinde wurde als unzulässig abgewiesen, so daß dann auch am Verwaltungshof ihre Herzenssache keinen Vertreter fand. Nur die oberste Instanz, der Verwaltungsgerichtshof, hatte noch.nicht gesprochen. Von ihm kam den wackeren Kämpfern unerwartete Hilfe. Der Präsident desselben, Geh. Rat Schmitt, ließ durchblicken, daß sie zwar aus der Gemeinde nicht austreten dürften, wohl aber aus der organisierten badischen Judenheit, und gab ihnen dadurch die Möglichkeit, ihre heiligste Ueberzeugung zu wahren. Trotz der großen Feindschaft, die seitens der Gemeinde gegen diese 18 Männer nun zu Tage trat, die ihnen ihre Synagogenplätze nicht ließ, trotzdem sie ihr Eigentum geworden, und ihnen selbst das Betreten des Friedhofes, auf dem die Gräber ihrer Teuren lagen, erschwerte, gingen diese 18 Tapferen unentwegt den Weg, den ihnen das Gottesgesetz vorgezeichnet hatte. Waren sie schon in dem Kampf für ihre Ueberzeugung durch mehrere Gutachten, darunter das geistvolle und er. schöpfende von Rabbiner Samson Raphael Hirsch (abgedruckt in den Gesammelten Schriften, Bd. 5, Seite 532) unterstützt worden, so gingen sie nun mit voller Tatkraft, die großen finanziellen Opfer nicht scheuend, daran, sich ihre eigenen Institutionen zu schaffen. Der Betsaal in der Ritterstratze, der. ihnen zuerst die Möglichkeit bot, nach der Väterweise zu ihrem Gotte zu flehen, wurde bald zu klein und das Gotteshaus, das sie nach der Ueberwindung ungeahnter Schwierigkeiten in der Karl Friedrichstraße erbauten, war die langersehnte Krönung ihrer Hoffnungen und Wünsche. Da das Staatsgesetz, das damals die Trennung von Staat und Kirche nicht kannte, es ihnen nicht möglich machte, eine Religionsgesellschaft zu gründen, da es vor dem Staat nur eine jüdische Landessynagoge gab, so kamen sie auf den Ausweg, sich durch einen Gesellschafts-Vertrag als Aktiengesellschaft auf Grund des allgemeinen Deutschen Handelsgesetzbuches zu konstituieren. Der Gegenstand des seit dem 11. Januar 1869 bestehenden Unternehmens war nach diesem Gesellschafts-Vertrag die Erstellung und Unterhaltung derjenigen Institutionen, welche erforderlich sind, um das jüdische Religionsgesetz so auszuüben, wie dasselbe in Thora und Talmud enthalten und im Schulchan-Oruch kodifiziert wurde. Aktionäre und Aufsichtsrat, Bilanzen und Dividenden, Geschäfts- Reglement und Budget waren die materiellen Formen, in die das rein geistige Streben sittlicher und religiöser Glaubenstreue gekleidet werden mußte. Doch um fo erfolgreicher waren die Fortschritte, die die Religionsgesellschaft, aus kleinen Anfängen heraus entwickelt, geführt von hingebungsvollen Führern und rastlos wirkenden 4

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.