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Der Israelit · 1928-05-24 · Heft 21 (24.5.1928) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 21 (24.5.1928)
Date
1928-05-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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2&MAi1923 -< Ä1- , — 24. Mai 1928 . Frankfurt a. ZiLr den 5. siwan 5688 Nr. 21 UDer Israeli Ein Centralorgan fOr das orthodoxe Judentum Begründet von Dr. Lehmann ln Mainz. Abonnement ab Januar 1824: Deutschland 1 Gowmark monatlich: Ausland: Bierteliahrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes) Deutsch-Österreich: Schilling 8.—; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; ab 1. Juli Aankreich25Fr.; Belgien ab 1.7.27. Belga8: Holland2 fl.;Italien ab 1. l. 28.18Lire; Jugoslawien 88 Din.; Litauen 7.50 Sit.; Rumänien ab 1. 7. 27. 150 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty. Schweiz 5 Fr. Tschecho-Slowaket 25 Kronen; Ungarn Pengö 6 ab 1.Juli 1927; Dänemark 3.50Krön.; Norwegen8.60 Krön.; Schwede» 8.50 Kro». Einzelnummer dreißig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 40 Goldvf. für die stebengespalteue Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahle« bet Stellengesuche« und Familienanzetgen nur 80 Df. Die 75 nun breite Reklamezeile: letzte Textseite 1.80 Mk., vorletzte Textseite 8.— Mk.; Ehiffregebühr in Höbe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden Jnferataufträgen tartfm. Preiserhöhung jede«. Vorbehalt. Jnferatenannahme durch de» Verlag des Israelit G. m. b. H., Frankfurt a. M., Rechneigrabenstratze 7. Tel. Hansa 6842 sow. durch sämtl. Annoncen-Exped. des In- und Auslands. Alleinige Jnferatenann. für Franks. Geschäftsanz.:Iul. Schmidt/Langestr. 7, II, Tel. Hansa 4841. Platzoorschr. ohneVerbindlichk. direkt an den Verlag ans Postscheckkonto Frankfurt (Mat«) Nr. 19803. — Außerdem an: Postsparkasse Wien Nr. 79805. — Postsparkafsenamt Budapest Nr. 18424. — . Warschau Nr. 190757. — Postscheckamt Zürich Nr. Vlll 7E4 — Inkasso-Bank Rotterdam — Postscheckamt Awfterdam Nr. 24889 — Böhmische Unionbank in Prag — Marmarosch Blank & Cojht Bukarest - Filiale des Wiener Bankvereins in Agram. — Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten sich ergebende« Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. Vom Machkfrieden zur Friedensmacht. „Ms die Thora auf Sinai gegeben wurde, erdröhnte die Gottesstimme vom Weltende bis zum Weltende, daß alle Völker und Mächte von Beben ersaßt wurden. Es sammelten sich die Mächtigen der Erde um ihren Propheten Bileam und fragten: „Was soll das Beben und Wanten? Kommt eine neue Flut über die Welt?" „Nein," sprach Bileam, „nimmer, so schwor Gott, soll die Wasserflut vernichtend über die Erde kommen." „Oder sollen uns aber F e u e rg l u te n verderben?" „Auch kein Feuer," beruhigte sie Bileam. „Gott gibt seinem Volke Macht". Und " "uhig, stimmten die Völker ein: „So segne ''-»tt sein Volk mit Frieden." (Talmud Tra.,at Sebachim 116.) Religionen suchten in der Geschichte die Geister, oder sagen wir richtiger, stürmende Geister suchten die Welt vermittelst der Religionen zu beherrschen, und sie Hielten ihre Triumphzüge durch die Lande mit Schwert, Sturm und Feuer. - In der Hauptsache zeichnen sich im Gange und Drange der Völker zur Weltmacht durch die Religion zwei Phasen deutlich von einander: Das Sieger volk des Altertums, das es stolz ablehnte, fremde Götter und deren Träger und Anbeter sich zu assimilieren, weil es in den Unterlegenen Vertreter einer minderwertigen Rasse sah, gut genug, sür die Galeeren, für Sklavendienste, oder in dichten Massen dem Feinde vorgesetzt zu werden, damit sich dieser im ersten Vorstoße an ihnen verbrauche und verblute. Das alte Rom hatte selten den Ehrgeiz, die „Barbaren" als gute Römer für fein Imperium zu gewinnen. Den Jahrhunderten des frühen und späten Mittelalters blieb es Vorbehalten, das Schwert im Dienste der Religion zu schwingen und ihr mit der Geißel neue Bekenner zuzutreiben. Die Feuertaufe mußte all da verhängt werden, wo die W a s s e r t a u f e nicht verschlug. Schon mit Mohammed und mit seinem von Allah geweihten Schwerte fing es an. Ob ihm das Schwert die Welt für den Koran erobern sollte, oder umgekehrt der Koran als bester Weg zur Vormacht in der morgenländischen Welt erschien, ist unter den Historikernnicht /ausgemacht. Im Dämmer der Geschichte verschieben sich oft Wirkung , und Ursache und verwachsen in eines, daß die Grenzen nicht mehr klar zu sehen sind. Die Kreuzzügler werden, soweit die irregeleiteten fanatisierten Horden in Betracht kommen, an ihr gutes Werk, erkauft mit Not und Tod, Gut und Blut anderer, ehrlich geglaubt haben. Die Führer und Hintermänner dachton weniger an die Vußübungen an heiligen Gräbern, als an die Macht im nahen Orient. Im Spanien des Ferdinand und der Jfabella bedurfte man nach Niederwerfung der maurischen Herrschaft neuer Anregungsmittel, eines starken Nervenkitzels für das Volk, daß es im Taumel die Kriegsopfer vergesse. So feierte man den Sieg Granadas mit einer Illumination, die, teuflisch ausgedacht, das Letzte an bestialischer Leidenschaft aus der Volkesseele herausholte. Die Idee der „lebenden Fackeln", vom Großheiden Nero für die Kirche übernommen, war gar nicht übel. Aus den Fackeln wurden ganze Scheiterhaufen. Diese Erscheinungen wiederholten sich später in allen denkbaren Formen in den Landen Süd- und Mitteleuropas so oft, daß eine blasse Linie von jenen finsteren Jahrhunderten bis zur Kriegsschuldlüge unserer Tage unverkennbar bleibt. Zumeist war im Mittelalter die Bekehrungssucht ja auch nur die freundlichere Maske für die Vernichtungswu t. Die Seele wurde ve r l a n. g t und das leibliche Verderben innerlich gewünscht und durchgeführt. Die beiden Kräfte wirken heute noch unter der veränderten Gestalt, die die Welt angenommen hat, auf parallelen Wagen fort: Die Feinde, die den Haß um jeden Preis predigen, den Haß gegen die Raste bis ins. zehnte Geschlecht. Und neben ihnen die. bedenklichen Freunde, die mit frommen glatten Reden, zum Teil die Haßkonjunktur ausnützend, ihre Netze (sie sagen ihre Rettungsanker) nach der jüdischen Seele auswerfen, mit Vorliebe — so in Palästina — auch nach dem jüdischen Kinde. Es. ist im Rahmen einer Festbetrachtung nicht am Platze, sich in apologetischen Auseinandersetzungen zu verlieren: Nach innen ist am Geburtstage der Thora unser Blick gerichtet, nach der Quelle unserer Kraft, zur Sinaihöhe hinauf. Und wir erkennen unsere Thora in der sie von allen Religionen der Völker auszeichnenden Wesensart mit dem angeführten Talmudworte restlos und bis zutiefst. Wie hätten auch die Völker, da sie von einer neuen Gesetzeslehre hörten, sie anders verstehen und begreifen können, als in der Verbindung mit-S t u r m uyd F eu e r und F lut e n und B e b e n? ' Zitternd sammelten sie sich um den Wissenden,. um Bileam. „Kommt eine neue Flut?" fragten sie. Will heißen: Wird nun das Volk mit der ihm unter Donner und Blitz gegebenen Lehre die Welt überfluten, um kraft dieser Lehre sich alle Völker und Menschen ihm zu Füßen zu zwingen? „Rein," sagte Bileam, der von Gott, Israel und seiner Thora genug wußte, um zu künden, daß nicht nach der Richtung der Weltherrschaft diese Lehre strebe. „Dann aber Feuer", bangen sich die Völker. Mit dem Feuer in ihren Herzen, mit Folter und Scheiterhaufen, so glaubten die Völker, eigene Maßstäbe anlegend, werden sie hinausziehen, um ihre Lehre anderen aufzuzwingen, sie in den Bann ihrer Bekenntnisse zu ziehen. „Auch d a s nicht," lautet Bileams Bescheid. Weder mit dem Schwert noch mit Feuer arbeitet dieses Volk, wirbt diese Lehre. „Gott gibt seinem Volke Macht". Und es trägt die Macht in sich, sich selbst genügend. Proselyten, die zu ihm komnien, werden gefragt, was sie auf diesen Weg geführt hätte. Der Moabiterin Ruth — ein Symbol für alle Zeiten — wird dreimal der Rat rmW' zurückzukehren, gegeben. Dann aber, da ihre Liebe zum Volke der Thora und zur Thora des Volkes erprobt und unzerreißbar ist, ist sie unsere, ganz unsre, S t a m mutte r David § , U r m u t t e r d e s Moschickch. Es genügt ihnen — so dürfte Bileam, führte Ehrlichkeit seine Zunge bis zum letzten Schlüsse, gesagt haben — wenn die anderen, zunächst andere bleiben, sich in ihrer Art ausleben, dieses aber auf G run d d er s i eb en noachidifchen Gesetze, die die ersten Grundlagen gehobe- - nen Menschentums sind. Auf dieser Basis können sie Großes schaffen, ja, kann die Gotteskraft in ihnen und durch sie walten, daß „Sein Name verherrlicht wird vom Aufgang der Sonne bis zu "ihrem Untergange." yv' Dazu Rabbi Jochanan: „Die eine Stimme teilte sich in sieben Stimmen und deren jede wiederum in siebzig Tonarten. Es blieb aber nun n Vip' die Gottesstimme in der Kraft aller Stimmen." Im Vorwärtsdrange der Völker setzt sich hie und da ein Wort, ein Gedanke, fine Idee, eine Tat durch, die uns als Ureigenes anmuten, obwohl sie nicht geradewegs vom Sinai kommen. Weltfrieden, Völkerbund, und das letzte Wort: A e ch t u n g des Krieges. Wer hat der Aechtung des Krieges flammender und überzeugender das Wort geredet, als unsere Propheten, als Jesajas und Se- - charja und andere? Es ist — ein Beispiel für alles Güte und Menschenbeglückende in den Errungen- 1

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