Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 20 (17.5.1928)
- Date
- 1928-05-17
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 Nr. 20 Der Israelis 17. Mai 1928 wegen. Rabbi Naftali mußte alle Kraft an wenden, ruckweise nur drehte sich der Schlüs sel und stoppte nach jeder Bewegung. Indes es drinnen knisterte und knatterte, als brannten alle geheimen Kräfte in entfesselter Ungeduld darauf, daß er komme, der Meister, und sie be freie. Der Schlüssel hatte das Schloß besiegt, aber die Türe gab noch nicht nach. Sie saß fest. Er stemmte sich mit dem Rücken gegen sie. Nun oder nimmer! In diesem Augenblicke kam ein Getrampel, wie das eines wildgewordenen Pfer des, vom Hausflur her. In Rabbi Naftalis nächtliches Lernzimmer stürzte eine ungeschlachte Gestalt, unheimlich wie vom Sturm aus dunklen Tiefen heraufgeweht, ein Menschenkoloß, mit funkelnden Augen in einem Gesichte, das pechschwarz war wie draußen die Nacht, in einer Gewandung, die mit dem Ungeheuer so zusammengewachsen schien, wie der Pelz mit dem Tiere. Im Riemengürtel, der die kurze Felljoppe um die Lenden über ledernen Pumphosen zusammenhielt, steckte ein langstieliges Beil. Bevor noch der Rabbi seine Gedanken sammeln konnte,löste der unheimliche Riese mit plumper Hand das Beil vom Gürtel. Rabbi Naftali grif' sich mechanisch an den Kopf und seine Lippen murmelten Sterbegebete. Aber der Unhold zielte nicht nach ihm, sondern holte weit aus und schlug, im Momente, da der Rabbi in die Mitte des Raumes taumelte, mächtig auf die Türe ein. Sie barst und flog mit Gepolter in Stücken nach innen Aus . der Kammer drang Rauch und schlugen Flammen, so daß Rabbi Naftali geblendet 'zurücktaumelte. Es schien ihm, als ginge die Nachtgestalt in Rauch und Feuer auf, er sah sie nicht mehr. Draußen schlugen unzählige schreiende Stimmen zu einem Gewirre zusammen, das mit dem Sturm wogte. , Feuer! Feuer! ..." klang und rang es sich aus dem Stimmengewirr durch. Menschen, die der Rabbi in der Aufregung nicht erkannte, drangen ins Haus. Rabbi Naftali fühlte sich von festen Händen sanft angefaßt, hinausgesührt, fast getragen. Er hörte die jammernde Stimme Channa Leas und die Entsetzensschreie der Kinder hinter ihm. Draußen bot sich seinem Auge ein grandios schauerlicher Anblick. Der Himmel blutrot und zu ihm hinauf schossen die Feuergarben. Alles ringsherum e i n Flammenmeer. Und in die Wogen des Sturmes, das Knistern der Flammen und das Knattern stürzender Balken und Mauern schrillten die wilden Hilferufe der wie im Wahnsinne daherstürzenden Menschen. (Fortsetzung folgt.) Mn interessantes hestonisches Dokument. Der Prozeß des gewesenen Außenministers der österreichisch-ungarischen Monarchie, Grafen Czernin, gegen den verantwortlichen Redakteur der zionistischen „Neuen We l t" in Wien, auf den hier nicht näher eingegangen werden soll, hat ein Schriftstück- — einen Brief des Grafen Czernin an den Wiener Großindustriellen Nathan E i d i n g e r — ans Tageslicht gebracht, das von mannigfachen Gesichtspunkten aus verdient, einer breiteren jüdischen Oeffentlichkeit bekanntgegeben zu werden. Der Freundschafts- und Anerkennungsbrief Graf Czernins, der vom 21. November 1918 datiert und somit fast zehn Jahre nachher durch den anfangs genannten, viel Auflehen erregenden Preßprozeß bekannt geworden ist, lautet wie folgt: Lieber Herr Eidinger! Sie waren, wie Sie mir schreiben, in letzter Zeit verschiedenen Anfeindungen und Angriffen in der Oeffentlichkeit ausgesetzt, die sich auf Ihre politische und wirtschaftliche Tätigkeit in Rumänien zu der Zeit beziehen, während der ich als Gesandter in Bukarest und späterhin als Minister des Aeußern der österreichisch-ungarischen/ Monarchie tätig war. Da ich Ihre Tätigkeit aus nächster Nähe zu beobachten in der Lage war, ergreife ich mit Vergnügen die Gelegenheit, Ihnen Folgendes zu erklären und Sie zu ermächtigen, davon jeden Ihnen beliebigen Gebrauch zu machen. Was zunächst Ihre Stellung selbst betrifft, so waren Sie auf ausdrücklichen Befehl des k. u. k. Ministeriums des Aeußern auf Grund Ihrer eingehenden Kenntnis von Land und Leuten, der führenden Persönlichkeiten Rumäniens und der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse am Balkan, der'Gesandtschaft in Bukarest als Vertrauensmann und Berater attachiert und waren so in die Lage versetzt, das Ministerium des Aeußern und mich in besonders schätzenswerter Weife zu beraten. Ihre Stellung war demnach keine private und Ihre Berichterstattung an den Gesandten und den Minister des Aeußern war von demselben Gesichtspunkt zu betrachten wie die des Gesandten oder eines Mitgliedes der Gesandtschaft. Ich hebe aus Ihrer Arbeit folgende Tatsachen hervor: Sie haben durch richtige Erkennung der Situation viel dazu beigetragen, daß es in den kritischen Monaten nach dem Eintritt Italiens in den Krieg und dem Falle von Przemysl gelang, die Neutralität zu verlängern. In richtiger Erkennung der künftigen Cntwicklungsmöglichkeiten haben Sie jederzeit darauf gedrängt, daß in den von den k. u. k. Truppen besetzten Teilen Rumäniens und den wiederbesetzten, von Rumänien besiedelten Gebieten der ehemaligen Monarchie der Bevölkerung rumänischer Nationalität besondere Schonung zuteil werde; insbesondere haben Sie in diesem Belange und bezüglich einem weitgehenden Entgegenkommen der ungarischen Regierung gegenüber der rumänischen Bevölkerung bei seiner Exzellenz dem Herrn königlich ungarischen Ministerpräsidenten Grafen Tis za wiederholt vorgesprochen und gehen die diesem Rechnung tragenden Maßnahmen der königlichen Regierung zweifellos auch auf Ihre Initiative zurück. Sie haben die der Valuta Oesterreichs und Ungarns in Rumänien drohende Gefahr oorausblickend erkannt und im Verein mit mir die dagegen notwendigen währungspolitischen Maßnahmen erwirkt. Bei der Versorgung der Mittelmächte mit Nahrungsmitteln find Sie, ohne jemals selbst mit dem Einkauf in Rumänien oder dem Verkauf an die Kriegszentralen zu tun zu haben, den Zentralmächten uneigennützig mit. Rat und Tat an die Hand gegangen und es war zu wiederholten Malen speziell Ihrer Initiative und Tatkraft zu verdanken, daß. die darbende Bevölkerung der ver bündeten Reiche Hilfe in der Not erhielt. Ich erwähne auch rühmend Ihr philantropisches Wirken, indem durch Ihre Vermittlung die Gesellschaft vom Roten Kreuz namhafte Zuwendungen erhielt; als bei der Evakuierung Ostgaliziens und der Bukowina die Bevölkerung in den heißen Sommermonaten 1916 durch Rumänien nach dem Westen der Monarchie flüchtete und den bitteren Unbilden des Transportes ausgesetzt war, haben Sie die Organisierung dieser Transporte in die Hand genommen und durch die Errichtung von Labe- 'tationen auf eigene Kosten usw. Tausenden von Mönchen zur Rettung verholsen. In Würdigung Ihrer zahlreichen Verdienste und Ihres durchaus selbstlosen Wirkens habe ich Sie wiederholt für eine allerhöchste Auszeichnung in Antrag bringen wollen. Gelegentlich einer Ihnen von Seiner k. u. k. Apostolischen Majestät gewährten Audienz wurde Ihnen ebenfalls, wie mitgeteilt wurde, in huldreichster Weise eine Auszeichnung für Ihr verdienstvolles patriotisches Wirken angeboten, die Sie in gewohnter Bescheidenheit abgelehnt haben; Ihr einziger vorgebrachter Wunsch war, daß der k. u. k. Minister sein gegebenes ort einlöse und gelegentlich der Friedensschlüsse, insbesondere in Rumänien, die Rechte Ihrer Glaubensgenossen international verb riefen, sowie in den F r ie d e n s v e r tr ä ge n festlegen lasse. Ich möchte auch hervorheben, daß Sie sich mit der Ihnen'eigenen Energie meiner Vermittlung bedient haben, um gelegentlich der bevorstehenden Friedensschlüsse der Autonomie der Juden in Palästina zum restlosen Sieg zu verhelfen. Ich habe auch tatsächlich damals über Ihren Wunsch einen der maßgebenden Führer der zionistischen Bewegung, Herrn Dr. Hantke, empfangen und ihm eine nachdrückliche Unterstützung zugesagt. Dies hat, wie Ihnen bekannt, mir große Schwierigkeiten verursacht und sogar eine vorübergehende Krise in unseren Beziehungen zur alliierten Türkei provoziert. In Würdigung Ihrer Bestrebungen habe ich gelegentlich der Friedensverhandlungen von Bukarest Ihnen die Möglichkeit gegeben, Ihren Einfluß für die völlige Emanzipation der rumänischen Juden geltend zu machen, wofür ich mich mit meinem ganzen Einfluß eingesetzt habe. In wahrer treuer Freundschaft Ihr ergebener Ottokar Czernin m. p. Die Eröffnung der «Pressa" in Köln. Am 12. Mai wurde in Köln programmgemäß in Gegenwart der städtischen Behörden Kölns, der Vertreter der Regierung des Deutschen und des Preußischen Staates und fast des gesamten Berliner diplomatischen' Corps owie in Anwesenheit einer nach Tausenden zählenden char geladener Gäste die Internationale Presse-Ausstellung („Pressa") eröffnet. Am Dienstag den 15. Mai erfolgte die, Eröffnung der Jüdischen Sonder sch au der Pressa 1928" Jsop" mit einem feierlichen Akt. Das Gebäude der „Jsop" hat seinen Platz in der Straße der Nationen", unmittelbar.neben der in der form einer Kirche erbauten Sonderschau der. protestantichen Kirche, gefunden. Es repräsentiert sich in der Reihe der „Presta"-Häuser als ein Bau von besonderer Eigenart, der seinem Schöpfer, dem Kölner Architekten Robert Stern, alle Ehre macht. Ueber einem rechtwinkligen etwa 4 Meter hohen Unterbau erhebt sich im der Mitte eine sechseckige Halle, die an der Stirn von einem schönen Turm überragt wird, von dem als Symbol der jüdischen Gemeinschaft ein „Mögen Dowid" weithin leuchtet. Ueber den beiden hohen Toren des Bauwerks leuchtet in Goldbuchstaben die dreisprachige Inschrift (deutsch, hebräisch, jiddisch) „Jüdische Sonderschau". Betritt man durch eins der beiden Tore das Gebäude selbst, so gelangt man sofort in die als Ehrenhof eingerichtete achteckige hohe Mittelhalle, die in dunkelroten! Farben gehalten ist und von''deren Rückwand dem Beschauer beim Eintritt in hebräischer Sprache die Worte des Propheten Secharja entgegenleuchten: „Nicht durch Kraft und nicht durch Gewalt, sondern durch meinen Geist . . .". In der Mitte des Ehrenhofes steht in einer Vitrine aufgerollt und im Schmuck ihrer silbernen Krone eine Thorarolle, während in den ringsum an den Wänden aufgestellten Glaskästen die Entwicklung des hebräischen Schrifttums von der Zeit der Manuskripte bis zu den Inkunabeln und Frühdrucken gezeigt. wird. Die Wände des Ehrenhofes bedecken die Porträts berühmter Männer der Juden, die Nischenrundungen füllen vergrößerte farbige Wiedergaben alter hebräischer Münzen. Wendet man sich im Ehrenhof wiederum dem Eingang zu, so fällt das Auge auf ein zwischen den beiden Cingangstoren aufgehängtes, bisher unbekanntes Gemälde Lester Urys „Moses schaut vom Berge Nebo das gelobte Land", ein Werk von überwältigender Größe und Schönheit, das tief erschüttert. Vom Chrenhof führen rechts und links je 2 weite Eingänge zu 4 Räumen, in denen die Entwicklung der jüdischen Presse von ihren ersten Erscheinungen bis zur Gegenwart gezeigt wird, und in denen die Sonderkojen jüdischer Organisationen und Zeitungen ihren.Platz gefunden haben. Das Einteilungsschema ist. folgendes: Abteilung I. Mittel und Formen der jüdischen Publizistik: 1. Die hebräischen Schriftzeichen und ihre Entwicklung. 2. Die Handschrift. 3. Der Druck: a) Inkunabeln, b) Seltene Pergament-Drucke (Unica et ignota), c) Bild-Drucke, d) Einblattdrucke und Flugblätter, e) Die ersten jüdischen Zeitungen. Abteilung II. Die jüdische Publizistik: 1. Die Publizistik im Dienste der Religion: Die Bibel und das von ihr ausgehende religiöse Schrifttum bis zur jüdischreligiösen- und wissenschaftlichen Zeitschrift der Gegenwart. 2. Die Publizistik im Dienste der Verbreitung profanen Wissens unter den Juden. 3. Die Publizistik im Dienste der Soziologie, Politik,' Geschichte, Wirtschaft und sozialen Organisationen, Erziehung, Wohlfahrt, Gemeinde und Verbände. 4. Die Publizistik im Kampfe um Bürger- und Menschenrechte. Abteilung III. Die nichtjüdische Publizistik über das Judentum: 1. Auswahl bemerkenswerter Judenedikte und Judengesetze. 2. Die Presse im Kampfe gegen die Juden. 3. Die Presse im Kampfe für die Juden. Wochenkalender. v. 19. bis 28. Mai 1828. v. 29. Ijar bis 7. Siwan 8688. Samstag 19 i»« 29 s Sonntag 20 JVD 1 p Montag 21 2 Dienstag , Mai 22 3 Mittwoch 23 4 Donnerstag 24 5 Freitag 25 6 Samstag 2b 7 nin »inrt t’anato 'i »ns Mauled: Samstag nachm. 4 Uhr 7 Min. 30 Sekunden N1N Vtrn , n p^ana-m mya^an? /nyiaen nwiacn 'a Nirgends bessere Herde Nirgends größere Auswahl und doch billigste Preise bei E44AGE&C9. AM ESCHENHEIMER TOR 3. AUSVERKAUF wegen AUFGABE DES LADENGESCHÄFTS Auf Glühlampen keine Preisermäßigung BEIN &WEDEM EIER KAISERSTRASSE 42 BerännvortUch tat Den allgemeinen Leu uns va» -Feuilleton S. Schachnowitz, Frankfurt a. M.; Inserate t. SS.: S.Schach» norvttz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer &> Kaufmann in Sprendlingen (Kr. Offenbach). — Verlag Israelit". S.m.b.H.. Frankfurt a. M. — Druck Sermou Verlag»» Aktiengesellschaft, Frankfurt a. M.