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Der Israelit · 1928-05-10 · Heft 19 (10.5.1928) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 19 (10.5.1928)
Date
1928-05-10
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 Nr. 19 Der Israelit 10. Mai 1928 Das Heiligtum — er wandte sich den alten Schriften zu und die kleinen Punkte nahmen feine Sinne ganz gefangen, — das Heiligtum in der Wüste. Es ist die Weltschöpfung! Bau der Stiftshütte, erste Schöpfungswoche! Wüste und Chaos, Tohuwabohu! Daraus Licht und Heiligtum! Zuletzt, am sechsten Tage, kam, wie zur gedeckten Tafel, der Mensch. Der Mensch, der gerechte, der gottgesalbte Priester tritt den Opferdienst an. Beendet, gesegnet und geweiht war am siebenten Tage das Werk der Schöpfung wie das des Stiftsheiligtums in der Wüste... War fein Heiligenbau fertig? Durfte er nun ins Innere und Innerste sich wagen, um zu segnen und zu weihen, er, der Priester von Geburt, der sich wie ein Hoherpriester gereinigt und gerüstet hatte? Er sah nach der Tür zur geheimen Kammer, lauschte hinein und hörte auf den Sturm, horchte in die Nacht. War noch nicht Mitternacht! Das Heiligtum! Es hatte den Zweck, Gott und Mensch zu einen. So war es vom Schöpfer gedacht am sechsten Schöpsungstage, da der Mensch, wie an eine gedeckte Tafel, in den Eden gesetzt wurde, daß er sich im Antlitze seines Gottes sonne. „Und der Herr wandelte im Garten zur Seite des Tages." Gott, das Prototyp, und der Mensch sein Abbild gehören zusammen, der Adam Hakodmon ist zugleich der letzte Obermensch, Moschiach. Es hätte dies jeder sein müssen. Wie kam die Trennung, wer hat die gähnende Kluft geschaffen? Der Mensch mit der ersten Sünde. „Und es versteckte sich der Mensch und sein Weib vor dem Anblick Gottes unter die Bäume des Gartens." Damals war die Trennung vollzogen und Gott zog hinauf, zog sich in den ersten Himmel zurück. Der Mensch sank und die Schechina stieg, je tiefer der Mensch, um so höher die Schechina. Groß ist die Kluft zwischen Gott und Mensch, geschaffen von Schwäche und Sünde, vom bösen Triebe. Und in dieser Kluft droht alles Hohe und Heilige, der göttliche Weltenplan, zu versinken. Da, halt! Ein Lichtstrahl, endlich ein Mensch! . . . Abraham senkt in den Sumpfboden seiner Zeit die ersten Grundmauern für den Bau, der eine Stätte für die Schechina sein kann, und Gott läßt sich vom siebenten zum sechsten Himmel herab. Der Mensch steigt, und die Schechina läßt sich tiefer herab; je höher der Mensch, um so näher ihm der Strahl der Schechina. Bis zu Moses und Aron und dem heiligen Tempel; eine Zusammenkunftsstätte zwischen Gott und Mensch ist errichtet, und so heißt es endlich: „Und siehe, die Herrlichkeit Gottes füllt das Zelt." Gott ist wieder auf Erden unter den Menschen, wie von Ihm von Anfang her gewollt und geplant. „Ihren Hauptsitz hat die Schechina bei den Unteren..." Und so ist es denn des Menschen Priesterpflicht, in seines Lebens Heiligtum eine Stätte zu haben, die ihn mit seinem Gotte eint. Dreiteilig, wie das in der Wüste und auf Morias Höhen. Vorhof mit Opferaltären, innerer Heiligenraum und Allerheiligstes. Das Leben nach außen, und Beziehungen zur Umwelt, sie sind der V o r h o f zum Heiligtume unseres Lebens, darin die Opferaltäre stehen. Hier heißt es opfern, sich ganz hingeben. In Haus und Familie, darin der heilige Leuchter brennt und leuchtet und in dessen Strahlenglanz der Tisch, will heißen: die erlaubten Genüsse stehen, haben wir das Inn enheil i g t u m. Und das Allerheiligste? Es entzieht sich dem Auge des Alltags, es ist für den heiligsten der Menschen und den heiligsten der Tage bestimmt. Wenn w i r aus Vorhof und Tempel unseres Lebens ins A l l e r h e i l i g st e treten, dann ist es T a g der letzten Versöhnung. Es führt durch ein dunkles Tor in die Stätte des großen ewigen Lichtes, dessen unsere Seele ein winziger Teil ist, ein in einen Menschenkörper eingefangenes Lichtpünktchen aus den Lichtfluten der Ewigkeit. O, daß wir dann, wie der Hohepriester im Allerheiligsten, Sühne und Segen um uns verbreiten ... (Fortsetzung folgt.) Tragische Mißverständnisse und ihre Folgen. Von Rabbiner A. Oomer inffZSerkin - Ein ehemals hoher jüdischer Regierungsdeamter in Rußland, Holpern, erzählt uns im 4. Band des russisch-jüdischen Journals „Perejiioe" folgendes aus den Erinnerungen während seiner Amtszeü: Es war im Jahre 1870, als Halpern sein Amt in einer der zentralen Regierungsstellen Petersburgs aufnahm. Halpern wurde die jüdische Abteilung übertragen. Dieser Stelle wurdet: oft Dokumente jüdischen Inhalts in hebräischer oder anderer Sprache zugeführt, die früher durch das asiatische Departement beim russischen Auswärtigen Amt ins Russische übertragen wurden. Einmal kam zu Halpern sein Chef und bat ihn um eintz vertrauliche Unterredung. Er machte ihn gleich darauf aufmerksam, daß es sich um eine „sehr ernste und seriöse" Angelegenheit handle. H. wurde nun sehr neugierig. Sein Chef, der übrigens ein sehr freundlicher und liebenswürdiger Mann war, erzählte ihm folgendes: Irgendwo im Permer Gouvernement am Ural ist ein unbekannter Jude aus der Türkei festgenommen worden. Man fand bei ihm eine ungeheure Menge jüdischer Schriftstücke mit Proklamationen, die zur Geldsammlung „für Rußland gefährdende Ziele" aufforderten. Um über Ziel und Aufgabe dieses Mannes, wie überhaupt über sein ganzes Wesen als „türkischer Emissär" im klaren zu sein, war es notwendig, sich in ein Studium der Schriftstücke zu vertiefen. „Diese Tätigkeit wurde unserem Amt übertragen", so erklärte der Chef. Halpern machte den Chef nun darauf aufmerksam, daß es wohl vorerst viel zweckmäßiger sei, diese Angelegenheit dem Auswärtigen Amt zuzuweisen, wie dies bisher immer geschah. Das wurde aber von ihm abgelehnt mit der Begründung, daß es für ihn eine große Ehre sei, wenn später sein Name bei der Aufklärung dieses Rußland so gefährdenden „Staatsaktes" genannt würde. Halpern wurde es allmählich klar, daß man es hier mit einer einfachen Mystifikation zu tun hatte, und es sich um eine belanglose Angelegenheit handelte, die als staatsgefährdend aufgebauscht wurde. Halpern wagte jedoch nicht, dem Chef gegenüber seine Zweifel auszusprechen, nahm die ihm aus einem Geheimfach überreichten Papiere entgegen, um sich mit großem Fleiß an die Arbeit zu machen. Seine Untersuchungen dauerten nicht lange. Die ihm gestellte Aufgabe erwies sich als sehr dankbar, da sie keinerlei Anstrengungen erforderte. Schon die ersten Schriftstücke bestätigetn seine Vermutungen, daß der Chef und die Initiatoren dieser großangelegten Untersuchung eine schwere Enttäuschung erfahren würden. Die ganze Korrespondenz diente vollkommen zur Klärung der Angelegenheit: dieser türkische Jude war nicht mehr und nicht weniger als ein S e n dbote der palästinensischen Juden, die sich zu jener Zeit in äußerster Not befanden und ihre russischen Glaubensgenossen um Unterstützung baten. Wie bekannt, wunderten feit mehreren Jahrhunderten europäische Juden als Pilger nach Palästina aus und führten dort ein kümmerliches Dasein, da das Land ihnen keine Ernährung bot. Von jeher hatten die europäischen Glaubensgenossen den palästinensischen Juden geholfen und dies als ihre heiligste Pflicht angesehen. War eine besonders schwere Krise über die palästinensischen Juden hereingebrochen, so wurden Sendboten ausgeschickt, um die nötige Abhilfe zu schaffen.' Einer dieser Sendboten war nun dieser „geheimnisvolle Jude aus der Türkei", der mangels russischer Sprachkenntnisse die dortigen Behörden nicht genügend über seine Aufgabe aufklären konnte. Hierdurch würde der Eindruck erweckt, daß man es hier mit einem türkischen Emissär zu tun hat, der zu einer staatsfeindlichen Aktion gegen Rustland seitens seiner Regierung entsandt war. I Als Halpern seinen Chef nun aufklärte, daß es sich hier um die sogenannte „Chaluka" handele, eine Sammlung, wie man sie auch bei den frommen Christen seiner Zeit in Rußland für die christlichen Pilger nach Palästina kannte, und es eigene Sammelbüchsen hierzu gab, die in jedem jüdischen Hause aufgestellt waren, zeigte sich in seinem Gesicht Wut und Enttäuschung über den närrischen Reinfall. Auf die Frage des Chefs, was denn nun geschehen solle, äußerte Halpern, daß es zweckmäßig sei, um nicht einen unschuldigen Menschen büßen zu lassen und die übergeordneten Stellen in Verlegenheit zu bringen, die Haft sofort aufzuheben. Damit fand für Halpern die Sache ihre amtliche Erledigung. Nach einigen Monaten erfuhr er, daß der Bote aus der Haft entlassen und die Korrespondenz in dieser Angelegenheit mit den Petersburger Regierungsämtern eingestellt wurde. Wie erstaunt war Halpern, als ihm nach kurzer Zeit gelegentlich eines Aufenthaltes in Wilna von dem dortigen Gelehrten N. Straschun warm gedankt wurde für seine Mithilfe bei der Befreiung eines vollkommen unschuldigen Mannes. Es war ihm nicht gelungen, zu erfahren, auf welchem Wege diese rein interne Angelegenheit vom Ural über Petersburg nach Wilna zur Kenntnis kommen konnte und es blieb ihm dies für immer ein Rätsel. Für uns ist die Kenntnis der Angelegenheit in Wilna nicht so unverständlich, wenn wir die Umstände genauer betrachten. Der Häftling hatte sich sicher in seiner Not an die verschiedenen Rabbiner und Gelehrten gewandt, so ist u. a. auch der Gelehrte Straschun mit herangezogen worden. Das Interessante und Belehrende für uns in diesem Falle, der natürlich keinen Einzelfall bildet und täglich seine Wiederholung fand, ist, daß die Aufklärung seitens dieser Gelehrten usw. nichts geholfen hat, da die russischen Behörden bei ihrem ewigen Mißtrauen verharrten. Aber nicht immer fanden derartige MystifK kationen einen so glücklichen Ausgang. (TiTrtpmmnsfacfie ift die Wahl eines er}tkld]ftgen und einwandfreien v^> Hautpflegemittels. llem täglichen Wdfchwdffer zugefetzt erfrifcht, reinigt, klärt und befähigt die Haut aus eigener Krdft gefund und fchön zu fein. Heinrich Mack Nachf., Ulm a. D. QuaKtäts- Moritz Wolf Ziaarren zea 49 mm 51" ■ w ■ ■ Telefon Römerin AUSVERKAUF wegen AUFGABE DES LADENGESCHÄFTS Auf Glühlampen keine Preisermäßigung BEIN l WEDEMEIER KAISERSTRASSE 42

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