Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 19 (10.5.1928)
- Date
- 1928-05-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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10. Mai 1928 Frankfurt a. M., den 20. u » Nr. IS ifDer Israelit Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Abövnement ab Januar 1984: . Deutschland 1 Goldmarl mouaUich: Ausland: Bterteliahrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes) Deutsch-Österreich: Schilling 8»—; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; ab 1. Juli AanbretchEFr.; Belgien ab 1.7.27. BelgaS: Holland 8 fl.;Italien ab 1. >38.18 Lire; Jugoslawien 55 Din.; Litauen 7.50 Lit.; Rumänien ab 1. 7. 27. 150 Lei; Polen 4 deutsche Voldmark -um Tageskurs oder 7 Zlotu. Schweiz 5 Fr. Tschecho-Slowaket 85 Kronen; Ungarn Pengö 6 ab I.Juli 1937; Dänemark 3.60Krön.;Norwegen3.50 Krön.; Schwede« 8L0 Krön. Einzelnummer dreißig Eoldpfennige. Der Israelit -erscheint jeden Donnerstag. Inserate 40 Doldpf.' für die stebengespaltene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bet Stellengesuche» und Familienanzeige« nur 80 Pf. Die 75 mm breite Reklamezeile: letzte Textseite 1.60 Mk., vorletzte Textseite 2— Mk>; Thiffregebühr in Höbe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt »ach Tarif. Bei laufenden Jnseraiaufträgen tarifrn. Preiserhöhung jedem. Vorbehalt. Jnferatenannabme durch den Verlag des Israelit G. m. b. H., Frankfurt a. M., Rechnetgrabenstraße 7, Tel.Hansa 5848 §w. durch siimtl. Annoncen-Exped. des In- und Auslands. Alleinige Inserate««»», für Franks, eschkiftsanz.: Jul. Schmidt, Langestr. 7, U, Tel. Hansa 4641. Platzvor>chr. ohne Berbtndlichk. . Zahlungen direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) Nr. 18803. — Außerdem an: Postsparkasse Wien Nr. 79605. — Postsparkassenamt Budcwest , Warschau Nr. 190757. — Postscheckamt Zürich Nr. Vlll 7864 — Inkasso-Bank Rotterdam — Postscheckamt Amsterdam Nr. 34869 — Böhmische Untonbank in Prag — Banca Mannaroseh Bukarest Filiale des Wiener Bankvereins 1« Agram. — Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten stch ergebende» Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. Nr. 184L4. - Postscheckkonto LlanL & Co. in Die Emanzipation dev jüdischen 2dee. Beitrag zur Orienkierung in einer jüdischen Weltanschauung. Von Dr. Iosef Levi in Mannheim. Wir überzeugungstreue Juden von heute glei- -chen oft so sehr der Wasserrose, die wohl letzten Endes fest m ihrem Grunde verankert ist, die aber sich selbst und dem Beobachter ein willenloses Spielzeug jeder Welle und jedes Windes scheint. Der königliche Sänger zeigt uns Anderes als Ideal: Selbstsicher wie die Palme grünt, wie die mächtige Zeder des Libanon strebt der Gerechte auf. — Unsere jüdische Innenwelt steht im Gegensatz zu der Ideenwelt, die uns außen umgibt. Und wir wissen oft genug mcht das rechte Verhältnis zu finden, in dem beide sich widerspruchslos decken. So entstehen die gespaltenen Charaktere, die unterscheiden wollen zwischen Jude und Mensch, die in der Synagoge andere sind als im Beruf oder beim Vergnügen. Nur wenn es uns gelungen, all unsere Jdeengänge und damit unsere Handlungen aus einem Grunde herzuleiten, werhen wir die Sicherheit unserer selbst erreichen, das Idealbild Davids, das nur dem ganz ungekrümmten und ungespaltenen Charakter winkt. — Nicht so sehr der Rassencharakter, dessen Erscheinen wir bei uns und anderen Nationen unter den Einflüssen des Klimas und Bodens wechseln sehen, wie auch die Physiognomien dort wechseln, ist das, was uns nach außen hin in Gegensatz stellt, es ist vielmehr der in. der Tauroh verankerte und unverfälschte Jdeenkomplex, dessen Vorkämpfer wir sein sollten. Unsere Idee muß einheitlich sein und rein von Fremdem. Wir müssen uns aufschwingen zu einer Emanzipation der jüdischen Idee, das ist zu deutsch: zu ihrer Loskaufung aus sklavischer Hörigkeit. — In einem gedrängten Ueberblick, der uns im Rahmen dieser Betrachtung "nur gestattet ist, können wir allein das Wichtigste in knappen Zügen andeuten. Zuerst werden wir versuchen, aus der verschiedenen Grundlage die Verschiedenheit unserer Idee von der unserer Umwelt zu erklären. Dann wollen wir von den stärksten Widerständen auf diesem Wege: der Mode und der Oberflächlichkeit sprechen, und zuletzt von den besonders.gefährlichen Klippen, die unsere moderne, epikuräische Zeitrichtung uns hietet im Kult des Gefühls, im Kulte der Unabhängigkeit und der sogenannten Objektivität. Werden wir uns vor allem klar über das Wesen der Idee. 1. Jüdische Wahrheit — Weltanschauung — Idee. Die abstrakte Wahrheit einer Sache nennen wir ihre „Idee". Wir verstehen darunter das Allgemeine, Wesentliche, das der Sache zugrunde liegt, unabhängig von zufälligen räumlichen und zeitlichen Verhältnissen, also vom Einzelwesen. So kann ich z. B. die Idee eines Baumes, eines Dreiecks usw. besitzen, und erkenne damit denWesensbegriff, Baum und Dreieck, ohne mir gerade ein bestimmtes Objekt dieser Art denken zu müssen. In Abstxaktis ist das nicht anders. Gewonnen wird diese Idee wie aus der Definition oben einleuchtet, durch Anschauung der Dinge. Es mag paradox klingen, wenn wir nach unserer Definition, so speziell von einer „jüdischen Idee" im Gegensatz zu einer unvölkischen sprechen. Wir setzen dann ja gewissermaßen zweierlei Wahrheiten voraus. Das tun wir nun wirklich. Hier ist die Wurzel des Gegensatzes zwischen uns und der Umwelt. Es gibt nämlich eine relative, menschliche, nur angenäherte und s 0 genannte und eine absolute, göttliche Wahrheit. Wie wir die Umwelt betrachten, ob mit getrübtem Auge, durch verzerrende und falsche Medien hindurch oder nicht, das bestimmt die Richtigkeit unserer Idee ausschlaggebend. Es gilt: Richtige Weltanschauung richtige Idee. Und so sind als klare Gegensätze (die sich trotzdem in manchem zufällig treffen können und in Zukunft einmal Eins werden): die selbst gesuchte und durch Menschenohnmacht oft getrübte und schwanke Weltanschauung (also auch Idee) der Völker und die uns von außen gegebene, absolut richttge göttliche Weltanschauung ms nv'2N» .iivrri n rmy „Des Ewigen Zeugnis, bewährt, macht Toren weise." Folgende Tatsache ist grundlegend für unser jüdisches Denken und Handeln: Wir sind zwar so konstruiert, daß wir uns in vollster Wahrheit (naturwisfenschaftlich-me-nschlich ausgedrückt: Naturgemäßheit) wohl fühlen, als harmonisches Ganze können wir uns aber zu dieser reinsten Wahrheit nur mit Hilfe des göttlichen Wortes (auch durch den Geist der ungetrübt überliefert) ohne Irrwege finden. Uebernehme ich daher von den Völkern um uns eine Idee, so darf sie von mir nur assimiliert werden, insofern sie dem Geiste unserer Lehre und Lehrer entspricht. Jede andere ist falsch in ihren letzten Folgerungen und muß in unserer verpflichteten Wahrheitsträgergemeinschaft Jsroel aufs schärfste bekämpft werden. Sie gefährdet als Lüge eine der Säulen und damit den Bestand der Welt. VSirn'V» nv'»n"'7Niin„Die Gotteslehre in ihrer vollkommenen, alles umfassenden Ganzheit gibt der Menschenseele die Zufriedenheit", eben weil sie die allesumfassende, lauterste Wahrheit ist, in der der Mensch allein sich ganz wohl fühlt. Wahrheit nenne ich hier das, was ganz fo ist wie sein Schöpfer es wollte, völlige Ausgeglichenheit zwischen dem, was mit uns gewollt ist und was wir sind. Wahrheit ist das Prinzip, das allein den Bestand der Welt ermöglicht. Der Naturwissenschaftler würde sagen: nur in den Gleisen ihrer Gesetze kann die Natur bestehen oder sich entwickeln. Für den Jehudi sind diese Gesetze, der in die Welt gelegte Wille Gottes, gleich-stark, gleich-bedeutungsvoll, gleich-furchtbar sich rächend im Uebertretungsfalle, ob sie dem engeren Begriff Naturgesetz beizuzählen sind, oder ob sie heute erst noch min nicht allgemein anerkannte „Lehre" sind. Unnahbare und auch für den Augenblick unüberschreitbare Gesetze hat nur die Materie; der Mensch hat die Macht zu übertreten. rwn, muß dann aber der sicheren Strafe gewärtig sein. Da Menschengeist nicht ausreicht, zur Wahrheit zu finden, deren Folge die beglückende Harmonie ist (Sechario 8, 19 mbVni n»s) ward sie ihm durch Gottes eigne Hand gegeben, geoffenibart am Sinai. — In den schon früher den Völkern insgemein gegebenen göttlichen sieben noachidischen Verpflichtungen finden wir die Begriffe von Eigentumsrecht, Lebensschonung, Reinheit der Ehe usw., die Gemeingut der Menschheit geworden sind und fo gewissermaßen fortgeerbt durch ein Artgedächtnis heute oft geradezu das Eingeborensein „ethischer Begriffe" Vortäuschen. — Die jüdische Idee verträgt, wie jedes Wahre keine Halbheit. Gewiß, auch die Wahrheiten der Anderen verdienen Respektierung. Ihnen gilt zumeist: et volnisse fat est. Äber seien wir stets bewußt, daß es.sich dort nur um die menschenmöglichen, meist angenäherten Wahrheiten handelt. Führend kann uns nur der göttliche, untrügliche norr fem. (Der Unterschied zwischen der sogenannten „voraussetzungslosen" in Menschenhirnen konstruierten Wissen s ch a f t und unserem zwingend überzeugenden Wissen ist ähnlich sogar auch im Gebiete der Wissenschaft selbst zu finden. Es gibt eine Geometrie, die sich frei macht von dem unbeweisbaren Glaubenssatz: Winkelsumme im Dreieck 180°. In dieser Geometrie läßt sich wohl ohne menschliche Fehlschlüsse arbeiten. Aber ihre, Resultate sind praktisch unbrauchbar, sie versagt.