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Der Israelit · 1928-04-26 · Heft 17 (26.4.1928) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 17 (26.4.1928)
Date
1928-04-26
Page
– (sequence 13)
Language
German
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y. «srl L7«T 1 Eine Varmizwofeier im Waisenhanse» Barmizwoh! Welch Zauberwort, ein Ziel heißer Sehnsucht für den Jungen, von der Zeit an, da er zu denken beginnt und sich seines wachsenden und werdenden Ich bewußt wird, bis zum Tageder die Erfüllung bringt. Und ein Ziel heißer Sehnsucht nicht minder für die Eltern!. Wie greift es uns tief ans Herz, wenn wir hie und da in den Familiennachrichten der jüdischen Zeitungen lesen: „Barmizwa.Zögling des Waisenhaus es ufw." Ein Kind an der Schwelle der religiösen Reife, und kein Vater, der es mit väterlicher Hand über die Schwelle zum neuen Leben! führt. Im Waisenhause war ich vor kurzem Zeuge einer Barmizwohfeier, und war ich geneigt, die gemeingültige Formel von der „Unersetzlichkeit der Elternliebe" doch einer Revision zu unterziehen. Man muß früh aufstehen, um sie in allen Teilen mitzuerleben, denn der Sabbatgottesdienst in der Waisenhaus-Synagoge beginnt schon vor der siebenten Morgenstunde. Auf dem Röderberg geht die Sonne früher und schöner auf und lockt auch die Schläfer früher aus den Betten. Gegen 7 Uhr ist der schmucke, geräumige Betraum von den stabilen „Balebattim" so besetzt, daß in den Reihen der Bänke kaum noch ein Sitzplatz zu haben ist. Einfach, innig und an- . dächttg, ohne verzögerndes Beiwerk geht der Gottesdienst vor sich. Die ganze Hälfte des Raumes hinter dem Almemor ist von den Knaben der Waisenanstalt ausgefüllt, unter ihnen der „Held des Tages", ein rotwangiger, festgebauter Junge im vollen üblichen Barmizwohdreß, vom schwarzen Anzug, dem weichen Herrenhut bis zum breiten und schneeweißen Spitzenkragen mit der kunstvoll gebundenen Schleife. Es wird ausgehoben. Ohne Scheu steht der Junge vor der offenen Thora. Er ist ja hier zu Hause, und all die Kameraden haben und nehmen Anteil an seiner Glanzleistung. Haben sie doch seit Wochen und Monaten im Chore mit ihm geübt. Eine hohe schöne Stimme erhebt sich, fast zu hoch und zu stark für den kleine Raum, sicher und korrekt ertönt das Wort. Die ersten! und die letzten zwei Abschnitte (das Mittelstück eignet sich textlich weniger für den Knaben und wird von dem ständigen, peinlich korrekten Balkore' übernommen), und die „Haftora" dazu. Die letzten Segenssprüche klingen wie in einem frohen Jauchzer aus. Hundert Hände strecken sich dem kleinen Jubilar grüßend und beglückwünschend entgegen. Der Waisenhausvater empfängt ihn mit einem Kuß. Keinem konnte in diesem Augenblicke das Gefühl aufkomMen, der glückstrahlende Junge entbehre der ihn umkosenden Vaterhände. Eine halbe Stunde später. Das Mustafgebet ist zu Ende. Im großen Speisesaal sind lange Tische sauber gedeckt. Blumen streben aus malerischen! und leuchtenden Vasen. Und zwischen den Blumen, Kuchen, ganze Berge von Kuchen, Obstkuchen, Streußelkuchen, Käskuchen und was es noch sonst für Sorten und Arten gibt, die Kinderherzen erfreuen können. Fünfzig Jungen, alle gutgenährt, alle sauber und sabbatmäßig gekleidet, alle vergnügt und hochgestimmt, sitzen vor den dampfenden Tassen., vor den Blumen, vor dem Kuchen, packen zu mit fester Jungenhand, essen und trinken mit der unbeschwerten Lust und Freude ihrer Jahre, sind frohgemut, aufgeweckt, angeregt, und dabei so artig, daß man kaum ein überlautes Wort hört. Die Hausmutter und die Helferinnen tragen immer von Neuem auf, schenken immer wieder ein«. Es ist nicht das Fest eines Jungen, es ist das Fest der fünfzig Knaben, des Hausvaters und der Hausmutter. Und einige Gäste sind mit dabei — es gehört so dazu — Verwandte des Jungen, und Freunde des Hauses. Wir nehmen teil an einem Feste des jüdischen Herzens in einem Hause, wo so viel warme Liebe in jugendliche Herzen geleitet wird, daß alles Eis harten Kinderlebens zerschmilzt. Im Nebenzimmer sind auf einem Tische in schöner Aufmachung Geschenke aufgestapelt. Gute, schöne und nützliche Bücher, und auch andere wertvolle Gegenstände, die ein Jungenherz in Freude schwellen lassen. Verwandte haben geschenkt. Aber auch Freunde und Gönner des Hauses stellen sich in solchen Fällen mit ihren Geschenken ein. Freund des Hauses bedeutet in diesem Falle Freund des darin blühenden Menschenkindes! Drinnen sagt der Waisenvater: „Und nun höret zu, liebe Kinder!" Und dann hält er eine Rede, schlicht, herzlich, v ä t e r l i ch. Die Kinder hören gespannt zu. Ein Vaterherz ergießt sich ihnen, es gilt ihnen allen. Dann spricht auch ein Gast Worte der Liebe und Mahnung an! den Jungen, Worte des Dankes und der Anerkennung für das Haus und den Geist der in ihm waltet, für die selbstlosen Menschen, die diesen Geist hüten. Ein mächtiger und prächtiger Kinderchor fällt hl die vom Barmizwohjungen angestimmten Gebetformeln des Benfchens ein . Fast Satz für Satz singen sie, immer brausender. Die Feier ist zu Ende. Kinder, Blumen, Liebe, Lieder bleiben als Gesamteindruck in der Seele haften. Solche Feiern wiederholen sich in der Waisenanstalt alle paar Wochen. Wer sie miterlebt, geht innerlich bereichert von dannen, weiß, wie reich man sich selbst beschenkt, wenn mau vater- oder mutterlosen Kindern Liebe schenkt. Die Woche. Frankfurter Schulfeier in Hamburg. Die in Hamburg ansässigen früheren Schüler und Schülerinnen der Israelitischen Realschule und Töchterschule in Frankfurt a. M. fanden sich am Sonntag, dem 16. April, im Logenheim Hamburg zu einem gemütlichen Beisammensein anläßlich des 76 jährigen Bestehens der Schule zusammen. Die Festrede übernahm Herr Hermann Gumpertz, welcher die Erschienenen mit herzlichen Worten begrüßte und besonders die unvergänglichen epochemachenden Verdienste Samson Raphael Hirschs sei. And. würdigte. Herr Heineman Schloß würdigte die Verdienste der Schule, während Herr Sally M. Mainz eine Prämie vorwies, die er als Schüler der Anstalt vor 68 Jahren empfangen hatte. Die Veranstaltung nahm einen harmonischen Verlauf und befriedigte alle Teilnehmer. Jüdischer Unterricht durch Jeschiwa-Bachurim. Zu Beginn des Schuljahres herrscht erfahrungsgemäß rege Nachfrage nach geeigneten Lehrkräften für Thoraunterricht in den jüdischen Unterrichtsfächern. Im Interesse der Reflektanten — Erwachsene und Kinder — und im Interesse der Jeschiwa-Bachurim übernimmt dar» Jeschiwa-Kuratorrum den Nachweis geeigneter Lehrer für Chumisch, Talmud und Hebräische Sprache. Diesbezügliche Anfragen wolle man gefl. an Herrn Dr. Ehrmann, Hanauerlandftr. 15, richten. Agudas Irsroel-Iugend- und Mädchengruppe. Kommenden Sonntag, den 29. ds. Mts., abends um 8.30 Uhr, findet eine Mitgliederversammlung der Mädchengruppe im Lokal Schwanenstraße 12 statt. Alle Mitglieder, die an einer Reorganisation und einem gesunden Arbeiten der Gruppe interessiert sind, werden gebeten, pünktlich zu erscheinen. Eine Lag - Beaumer - Feier der Jugendgruppe findet am 7. Mai, abends 8.45 Uhr (Maariw-Bismanau) in den oberen Räumlichkeiten des Cafe Faßbender, Schillerftrahe, statt. Auf das jeden Abend eine halbe Stunde vor Nacht stattfindende Aumer - Lernen wird besonders aufmerksam gemacht. Oeffenlliche Sitzung der Gemeindevertretung der Israelitischen Gemeinde am 19. April. Mit scharfem Nachdruck und unterstrichener Betonung ' wandte sich Rechtsanwalt Dr. Geiger als Berichterstatter der Finanzkommission, die in mehreren Sitzungen das Problem der K u l t u s st e u e r ausgiebig erörtert hatte, gegen eine vorgekommene Indiskretion, durch die in eine — übrigens auch sonst auf Indiskretionen spekulierende Presse — unrichtige Tartarennachrichten über einen Konflikt zwischen Vorstand und Gemeindevertretung hinsichtlich der Kultussteuer gelangt waren. Geheimhaltung von Kommissionsverhandlungen lei Pflicht, Notwendigkeit und unerläßliche Vorbedingung für ein gedeihliches Arbeiten. Innerhalb der zweistündigen sachlichen Beratung wurde zunächst der Standpunkt der Finanzkommission klargelegt. Sie warnte vor einem übertriebenen Optimismus hinsichtlich der wirtschaftlichen Gegenwartslage, sprach Zweifel betreffs der tatsächlichen Steuereingänge aus, wies auf notwendige Zukunftsaufgaben der Gemeinde hin, von denendie breitere Ausgestaltung der Wohlfahrtspflege nicht an letzter Stelle stehe und kam zum Resultat, daß nur eine Senkung um ]4 Proz. (von 121/a Proz. auf 12 Proz. der staatlichen Einkommensteuer) unbedenklich gutgeheißen werden könne. Syndikus Dr. Eugen A. Mayer wies demgegenüber rechnerisch, nach, daß im Interesse der Schonung der Gemeindemitglieder die Herabsetzung auf 11 Proz. durchausgenügend und gerechtfertigt sei. Die Kultussteuer hat mit Schluß des Rechnungsjahres am 31. März 1928 an Einnahmen für 1927: RM. 1.614.000 aufgewiesen, was bei der damaligen Quote von 12% Proz. einer staatlichen Einkommensteuer der Gemeindemitglieder von rd. RM. 12.912.200 entspricht. Das — für den noch nicht fertiggestellten — Etat vorgesehene Defizit betrage RM. 101.200 und sei bei 11 Proz. Kultussteuer gedeckt. Reserveansammlung für künftige Bedürfnsse sei nicht unbedingte Aufgabe der Gemeinde. Vom Vorstandstisch wurde ferner geltend gemacht, daß man herantretende Anforderungen nur im Rahmen der vorhandenen Mittel erfüllen könne und demzufolge die Mitglieder nicht mehr als erforderlich belasten dürfe. Die Majorität entschied sich für 12 Proz., womit aber noch nicht das letzte und bindende Wort gesprochen ist, da sich nunmehr der Vorstand erneut mit der Festsetzung befassen wird. Auf Grund des vorjährigen Etats wurde dann für die Monate April und Mai je ein Budgetzwölftel bewilligt. Für gewisse Maßnahmen des Vorstandes beider letzten Mazzoversorgung wurde nachträglich Entlastung erteilt. Die neue Dienststrafordnung wird der Rechtskommission überwiesen. Aus dem Kreise der Gemeindevertreter werden delegiert: In die Religionsschule I. L. G o i t e i n, in die Synagoge am Börneplatz Ludwig Grünebaum und Dr. Julius Hamburger. in die Synagoge Königsteinerstraße H. Wronker, Dr. Georg Klein und Wilhelm mann, in die Hauptsynagoge Dr. Max Mainzer und Joseph H a a s e. Zur Kenntnis genommen wird die Ernennung von Dr. Lazarus zum Referenten für den Religionsunterricht, die Genehmigung erteilt; für die Anschaffung eines neuen Heizkessels.für die Hauptsynagoge und die Ueberschreitung des ursprünglich für » die Uebernahme von Röntgenmeßäpparaten vorgesehenen Betrages von Mk. 1500 und Mk. 800.

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