Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1928-04-26 · Heft 17 (26.4.1928) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 17 (26.4.1928)
Date
1928-04-26
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2450495-2450511--74911-2532407
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Seite 10 Nr. 17 Der Israelit 26. April 1928 gegen das, was sie in ihrem Innern sah und er lebte, so nah, so gegenwärtig?!- Glücke! wunderte sich und ärgerte sich sogar ein wenig darüber, daß" Elsbe nicht weinte Tränen mußten kommen, Tränen in Strömen wie es sich gehörte in solchem Falle, und Ent spannung und Befreiung bringen. Glückel liebte die Tränen, wo sie am Platze waren. Tränen lose Trauer erschreckte sie, schnitt ihr ins Herz wie mit kaltem Stahl. Sie sollte weinen weinen . . . Elsbe erhob sich nach einer Stunde vom Boden. Die Frauen gingen, auch die Männer nur einige blieben, in einer gelehrten Ausein andersetzung über die halachische Seite des furchtbaren Falles und die Konsequenzen für das Eheweib befangen. Elsbe schloß sich in ihr Zimmer ein und warf sich aufs Bett. Jetzt in ihrer Einsamkeit brach endlich der erlösende Tränenstrom bei Elsbe durch. Die Menschen im Hause hatten ihr die Sicht verstellt, der Brief der vorgelesen wurde, hatte erst jetzt seinen klaren Sinn für sie. Und all die Worte, all die Tränen all die Liebesbeweise der Menschen, alles ballte sich jetzt zu der erschütternden Tatsache zusammen, die sie im ersten Taumel nicht begriff All die Visionen waren verflogen, wie verschwommene Traumbilder bei entsetzlichem Erwachen. (Fortsetzung folgt.) Blut statt Eiweiß. Von Saly Geis in Tel-Awiw. Ein Aufsatz in der „Newyork Times" verzeichnet, daß es den Chemikern gelungen ist, aus Blut ein gelbes, geruchloses Pulver herzustellen, das den gleichen Gehalt an Eiweißstoff hat und sich ebenso zu Schaum schlagen läßt wie das natürliche Eiweiß. Bedenke man, daß etwa 3500 Tonnen getrocbretes Eiweiß jährlich von China nach Amerika gesandt werden und dort in der Nahrungsmittel-Industrie sihre Verarbeitung finden, bedenke man ferner, daß etwa 25 Millionen Stück Vieh jährlich geschlachtet werden, so erhelle sich die wirtschaftliche Bedeutung dieser Vlutverwertung. Auch getrocknete rote Blutkörperchen dürften bei der Herstellung von Arzneien und Nahrungsmitteln eine große Zukunft haben. Wir Juden müssen aus diesen Ausführungen das Resultat ziehen; allen präparierten Nahrungsmitteln, wenn sie auch noch so harmlos aussehen, mit dem größten Mißtrauen zu begegnen. Doch da subjektive Auffassung nicht bestimmend sein darf so würde es sich empfehlen, wenn in den Spalten des „Israelit" eine besondere Rubrik dem Thema: „Erlaubte und verbotene Nahrungsmittel" gewidmet würde. Die orthodoxe Monatsschrift „The American Jewish Advokate" (Newyork- Eity, 100 West 42 nd Street) beschäftigt sich bereits fortgesetzt mit diesen Problemen. Die Erfahrung lehrt, daß selbst unser orthodoxes Publikum es auf dem Gebiete der Speisegesetze häufig zu leicht nimmt. Man kann dies z. B. beim Genuß von Eis, Eiskrem und Schlagsahne beobachten, die selbst in ihren guten Qualitäten verdächtig sind, Gelatine zu enthalten, — und Gelatine ist ein Extrakt aus Knochen, Knorpeln und den weißen saftigen Geweben der Tierkörper. Ein Bekannter erzählte mir einst folgenden Fall: Er hatte geschäftlich bei einem Konditor zu tun. Der Mann bediente gerade eine jüdische Kundin. Auf die Frage der Frau, ob das Gebäck nur reine Butter -enthalte, antwortete er, seine Ware werde nur mit Naturbutter gebacken. Als die Frau den Laden verlassen hatte, sagte der Konditor zu meinem Bekannten: „Man muß den Leuten ihren Gefallen tun! — In Wirklichkeit nehme ich zu dem Buttergebäck Schweineschmalz hinzu, da dieses mürber und schmackhafter macht. Sogar die Wasserbrötchen der Bäcker enthalten häufig einen Zusatz von Schweineschmalz." Die vorstehenden wenigen Beispiele lehren bereits folgendes: Unter unserem religiösen Publikum gibt es einen beträchtlichen Teil, dem es genügt, koscheres Fleisch zu kaufen, sowie Milch-- und Fleischspeisen zu trennen. Darum bedarf es einer systematischen Aufklärungspropaganda über das Wesen der Speisegesetze und ihre Wahrung unter den heutigen Verhältnissen. Wie das allgemeine Leben noch vor 50 Jahren einfach war und heute kompliziert und voll der Probleme geworden ist, so geht es heute auch mit dem jüdischen Sein, das sich doch dem allgemeinen Leben eingliedert. So waren auch die Speisegesetze für den Juden früher ein recht einfach Ding, das zu respektieren, die Gewöhnung genügte. Das Kaschruth des Fleisches erschöpfte damals tatsächlich schon fast den Anfang der Speisegesetze, und in Zweifelsfällen gab schon der Schulchan- Aruch Antwort. Heute aber verlangt die treue Wahrung der Speisegesetze Kenntnis der gesamten Nahrungsmittel-Industrie. Die Speisegesetze sind Gottes Wort. — Sie dienen in ihren Absichten der Heiligung des Körpers und des Geistes und in ihren Wirkungen auch der Gesunderhal tung des Körpers und des Geistes. Wie jeder von den Arzneien weiß, kann schon das kleinste Quantum eines Stoffes Einfluß ausüben! (Die Prinzeß Mary in der krvuzah Dilb.) Prinzeß Mary, die einzige Tochter des englischen Königspaares, und ihr Gatte Viscount Lascelles besuchten die jüdische Arbeitersiedlung Dilb. Bei ihrem Eintreffen in der Kwuzah wurden ihnen Milch und Honig entgegenge tragen, ein kleines Mädchen überreichte ihnen einen Blumenstrauß. Vertreter der Kolonie hießen das Paar in hebräischen Ansprachen willkommen, der in der Begleitung des Paares befindliche Oberstaatsanwalt Palästinas, Norman Bentwich, übersetzte die Ansprachen ins Englische. Prinzeß Mary erwiderte, es sei ihr eine hohe Freude, diese schöne Siedlung und die Arbeit in ihr zu sehen. Am 15. April verließen Prinzeß Mary und Viscount Lascelles Palästina, um über Aegypten die Heimreise nach England anzutreten. Während ihres Aufenthaltes in Palästina besuchten sie außer der Universität noch andere jüdische Kulturinstitutionen, so u. a. auch die Eoelma de Rothschild-Schule. (Der Staat und die Juden.) Der bisherige Königsberger Polizeipräsident Hans Brandt hat im Verlage der „Königsberger Hartungschen Zeitung und Verlagsdruckerei" unter dem Titel: „Der Staat und die Juden" eine Schrift erscheinen lassen, die gerade im gegenwärtigen Augenblick starke Beachtung finden wird, da die Judenfrage anläßlich der Wahlen wieder besonderes Interesse gewinnt. Aus Grund eines umfangreichen Materials weist der Verfasser nach, welches Unrecht den Juden vielfach im alten preußischen Staat angetan wurde, wie von amtlichen Stellen immer wieder versucht wurde, ihre staatliche Gleichberechtigung zu unterbinden. Die Kapitel über Staatsbürgerrechte, Verwaltungs-, Lehr- und Militärdienst sowie über die Justiz und die allgemeinen Rechte der Juden bieten einen sehr interessanten Beitrag zur Judenfrage. Dem Temperament des Verfassers entsprechend ist das Werk in frischer, anprechender Form geschrieben und zeigt hochinteressante Parallelen zwischen der Behandlung der Juden durch den Obrigkeitsftaat und dem von den Judengegnern geplanten deutschvölkischen Staat. Die Schrift verdient um so stärkere Beachtung, als ihr Verfasser mit allem Nachdruck fordert, daß der Antisemitismus bekämpft werden muß, weil er nicht nur eines christlichen, insbeöndere aber auch eines republikanischen Staates unwürdig, sondern schließlich auch dem Wöhle des Staates abträglich ist. (Höhenkultus und Bibel.) In der Bayrischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 1. April veröffentlicht Dr. G. F. Bergmann Betrachtungen über Alpinismus und jüdische Bergsteiger. Die Betrachtungen werden durch religionsgeschichtlrch-bibelkritische Auseinandersetzungen eingeleitet, die besser unterblieben wären', denn es kann nicht Aufgabe eines religiös neutralen Gemeindeverbandes sein, die Gemeindeangehörigen in Gegensatz zur Tradition zu bringen. Der Verfasser wirft eine der gewaltigsten Stellen der Gottesoffenbarung (II. B. M. 3, 2) in einen Topf mit heidnischen Vorstellungen über Höhenkult und versetzt Jesaias selbstverständlich ohne weiteres ins babylonische Exil. Schließlich gibt es noch eine Apotheose der christlichen Religion und ihres Stifters. Das alles könnte privat doziert werden, aber nicht auf Kosten der bayrischen orthodoxen Gemeinden. (Berliner Aufführungen des Moskauer Jüdischen akademischen Theaters.) Die Aufführungen des Moskauer Jüdischen akademischen Theaters unter der Leitung von Alexis Granowsky in Berlin werden als ein großes Ereignis in der Berliner Theaterwelt gefeiert. Im Zuschauerraum bemerkte manzahlreiche führende Männer der Bühne, der Kunst- und der Gelehrtenwelt, so auch den Präsidenten der Akademie der Künste, Max Reim an n und den genialen Theatermann Max Reinhardt. Im „Berliner Tageblatt" chreibt Fritz Engel: „Das Moskauer jüdische akademische Theater gab Herrliches. Sehnsucht der Ghetto-Menschen, in Burleske und Traum eingehüllt, mi-t sicherstem und reiestem Spiel aller Kräfte. Der Erfolg war wieder ganz groß." Golden bricht der Wonne Strahl durch des Alltags trübe Wolke, ihres Glanzes einen Schimmer ließ der Schöpfer einem Volke ... Und ein Hauch des ew'gen Friedens weht ahnungsvoll durch irdische Lande; und ein Herold ferner Freiheit lockert erdenschwere Bande. ...... APARTE BELEUCHTUNGSKÖRPER N* M. mb&far»m» «74'- T.UCHTu KRf\FT~ftNU)GEN ^^^GlSC^/SoPöXgeruchJos Tifaer-ßoraX'S&fe tävieibeu^tenutä^ Qualitäts- Zigarren Moritz Wolf Zeil 49 Telefon Römer 903 Bad Ischl, P e n f-ion Jupite r. Im eigenen großen Garten, am Ende der Esplanade in nächster Nähe des Park-Clubsidyllisch gelegen, wird die unter -der Zatronanz des Bezirksoberrabbiners Hillel Weinberger streng orthodox geführte Pension Jupiter Mitte Mai eröffnet. Die Hauswirtin Frau Erna Wiener wird ihre Pension in vornehmem Stil leiten und auf Grund ihrer großen Erfahrungen für die kultivierte Gesellschaft besondere kulinarisch-e Genüsse bieten können. Der Gottesdienst wird im Hause selbst abgehalten. Für die gute jüdische Gesellschaft ist nun in Bad Ischl das erste streng orthodox geführte Haus, welches als gemütliches Familienheim sehr bald populär werden wird. Ainderecke. Sabbat. Von Isaac Schönöerg. SchönsteHBlüte göttlicher Auen, sanft neigt sich dein Kelch mir zu! Auf deines Dustes leiser Welle wiegt meine Seele zur Ruh' . . . Der Tag fängt gut an, wenn Sie dem Waschwasser etwas „Extraparfümiert Kaiser-Borax" zusetzen. Er gibt dem Wasser die bedingte Weichheit und verleiht ihm einen wunderbar erfrischenden Duft, der die Nerven anregt und auch die letzte Müdigkeit verscheucht. Dabei erfährt die Haut die beste Pflege, alle Unreinheiten wie Mitesser, Sommersprossen, gelbe Flecken, fettiger Hautglanz, verschwinden, so daß man getrost „Extraparfümiert Kaiser-Borax" als nie versagendes Verjüngungsmittöl bezeichnen kann. Es ist das neueste Kosmetrkum der Firma Heinrich Mack Nachf. Ulm a. d. D. Unter den neuerdings erschienenen Katalogen ist noch das reichhaltige Verzeichnis der Buchhandlung G o lösch m i d t G. m. b. H. Hamburg, Grindelallee 86, zu nennen. Verantwortlich für den allgemeine« Teil und das Feuilleton S. Schachnowitz, Frankfurt q. SR.; Inserate 1.38.: S. Schach» aowitz, ebenda. — Für die pädalogische Beilage: Lehrer. L. Kaufmann in Sprendlingen («r. Offenbach) — Verlag .Israelit", G.m.b.H., Frankfnrt u. M. — Druck Sermon Verlags« Ättteugesellfchaft, Frankfnrt a. M.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.