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Der Israelit · 1928-04-26 · Heft 17 (26.4.1928) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 17 (26.4.1928)
Date
1928-04-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
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2R. April 1928 S7r. 17 Frankfurt a. 217., den 6. Zar 5688 tfDer israelif Ö(]| Ein Centralorgan fOr du orthodoxe Judentom M Fi» Begründet von Dr. Lekmann kn Maki». Begründet von Dr. Lehmann kn Mainz. Abonnement ab Januar 1934: Deutschland 1 Goldmark monatlich; Ausland: Bierteljahrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes) Deutsch-Öfterreich: Schilling 6.—; Amerika 1 Dollar; England i sh.; ab 1. Juli Frankreich 25 Fr.; Belgien ab 1.7.27. Belga 8; Holland 8 fl.; Italien ab l.1 38.18 Lire; Jugoslawien 56 Din.; Litauen 7.60 Ltt.; Rumänien ab 1. 7. 37. 168 Lei; Polen 4 deutsche Gold-- mark zum Tageskurs oder 7 Zloto. Schweiz 6 Fr. Tschecho-Slowaket 36Krone»; Ungarn Pengö 6 ab 1.Juli 1937; Dänemark 3.60 Krön.; Norwegen3.60 Krön.; Schweden 8.60 Krow- Einzelnurnmer dreißig Goldpfenntge. . II Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 40 Goldpf. für die stebengespaltene > Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 80 Pf. Die 76 mm breite Reklamezeile: letzte Textseite 1.60 Mk., vorletzte Textsette 3.— Mk.; . Thiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden ' Jnserataufträgen tarifm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Jnseratenannabme durch den! Verlag des Israelit T. m. b. H., Frankfurt a. M., Rechneigrabenstraße 7, Tel. Hansa 6843 sow. durch sämtl. Annoncen-Exved. des In- und Auslands. Alleinige Jnferatenan». für Franks. Beschäftsanz.: Aul. Schmidt, Langestr. 7, ll, Tel. Hansa 4841. Platzvorschr. ohne Verbindlich!. Zahlungen direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) Nr. 19803. — Außerdem an: Postsparkasse Wien Nr. 79805. — Postsparkassenamt Budapest Nr. 18424. — Postscheckkonto Warichau Nr. 190757. — Postscheckamt Zürich Nr. VHI 72o4 — Inkasso-Bank Rotterdam — Postscheckamt Amsterdam Nr. 24869 — Böhmische Unionbank in Prag — ßanca Marmarosch Blank ft.Ctvitt Bukarest - Filiale des Wiener Bankvereins in Agram. — Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten sich ergebende» Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. Die Rüstung zum Wahlkampfe. Allmählich beginnt man auch in jüdischen Kreisen, sich auf die kommenden R eichst ags- und Landtagswahlen einzustellen. In „C. V.-Zeitung", die vornehmlich der Abwehrpolitik des Zentral- V e r e i n s dient sind natürlicherweise alle Dinge unter dem Gesichtspunkte der Abwehr sieht und wertet, spricht sich die Abgeordnete des Preußischen Landtages, Dr. Gertrud Klausner, über diese Gesichtspunkte aus. Sie weist darauf hin, wie oft im Parlamente bei Behandlung von Fragen, die irgendwie Juden und Judentum, berühren, sich, oft unbewußt, antisemitische Tendenzen auch bei denen geltend machen, die im Ganzen antisemitische Parteipolitik ablehnen.- Beweis: Die Schachts r a g e , ebenso die Strafrechtsr e f o r m. Der Antisemitismus wird, ihrer Ansicht nach, ins Unterbewuhtsein des Volkes, auch der Intellektuellen, auf dem Wege von Schulbüchern eingeführt, die nicht objektiv und vorurteilslos über jüdische Einrichtungen unterweisen, und denen der C. V. mehr Aufmerksamkeit schenken müßte. Die Abgeordnete, und das ist in ihren Ausführungen für uns das Wichtigste, warnt davor, auf den sogenannten „Ruck nach links" allzusehr zu vertrauen. Die zu erwartende Mandateinbuße der Deutschnationalen infolge der von ihnen bereiteten Enttäuschungen wird voraussichtlich mehr den Rechtsradikalen zugute kommen, als den Linksparteien. Das hätten die Hamburger und Braunschweiger Wahlen genugsam gezeigt. Wie der Zentralverein mit seiner. Abwehrpolitik imstande sein sollte, einer solchen Entwicklung entgegenzuarbeiten, ist uns nicht klär und wird uns von der Verfasserin auch nicht verraten. Hierbei auf die Aufklärungsarbeit, des Zentralvereins allzusehr bauen, hieße doch die Wahrheitsliebe der antisemitischen Führer und die Intelligenz' und Urteilskraft der ihnen folgenden Massen stark überschätzen. Wi^kinderleicht hätten wir es, wenn der Kampf mit geistigen Waffen und mit der klaren Menschenvernunft bei uns auf Erfolg rechnen könnte; wenn dieser nicht im Ganzen zu den Kämpfen gehörte, die, nach dem. bekannten Dichterwort, auch „Götter vergebens führen". Da tagte zum Exempel vorige Woche in Elberfeld der Verband d e u t sch e r A k ade m i k e r , der sich auch stolz „Arbeitsgemeinschaft deutscher Akademiker des deutschen Sprachgebietes" nennt. Und vor diesen an deutschen Universitäten geschulten Köpfen, der „Blüte der Nation", wie man so zu sagen pflegte, darf ein Herr, der M. R. G e r st e n b a u e r heißt, im historischen Weimar beheimatet ist und sich Ministerialrat betitelt (bis auf Titel und Heimatort eine frappante Äehnlichkeit mit Goethe) ungefähr folgende Weisheiten verzapfen: „In der deutschen Politik, Wirtschaft und Kultur herrschen jetzt unbeschränkt die überstaatlichen internationalen Mächte des Großkapitals und des Weltjudentums, die sich der Demokratie und des marxistisch organisierten Proletariates bedienen.-" Man bedenke: Großkapital, Weltjudentum und marxistisch organisiertes Proletariat im Bunde gegen das arme Deutschland! Eine Dreieinheit, an die zu glauben man schon, wie Heinrich Heine sagt,, „dem Kerker der Vernunft auf Nimmerwiedersehen entflohen sein muß." Der Herr Ministerialrat von Weimar ist einsichtig genug, um „Großkapital" und Weltjudentum nicht, wie es sonst seine Gesinnungsgenossen zu tun belieben, zu identifizieren, sondern sie als zwei Faktoren im Bunde miteinander zu nennen. Aber der Dritte in der Mitte, das „marxistisch organisierte Proletariat", nimmt sich denkbar schlecht aus in diesem Zusammenhänge — zu einer Zeit, da die marxistischen und links von Marx stehenden Parteien mit der Parole: „Gegen das Großkapital!" in den Wahlkampf ziehest. Was beide gegensätzlichen Instanzen gemein haben, ist das Nichtwissen oder das Nichtwissenwollen um die Dinge, wie sie tatsächlich stehen, nämlich, daß erstens „jüdische Hochfinanz" und „jüdisches Großkapital" längst ins Reich der Sage gehören, und zweitens, daß doch wohl nicht in letzter Reihe dem Kapital zu verdanken ist, wenn sich die wirtschaftliche Lage in Deutschland zusehends bessert, die Arbeitslosigkeit stetig abnimmt und langsam neues Leben aus Ruinen erblüht, die die Völkischen als Denkzeichen des „von den Juden verschuldeten Zusammenbruches", gern für alle Zeiten heilig gesprochen hätten. Ferner sprach der Herr Ministerialrat von der „geistigen Fremdherrschaft", von der „Vorherrschaft der Juden in Kunst und Wissenschaft, die ausgenutzt werde, um deutsches nationales Gefühl!durch Internationalismus und Pazifismus (auch dieser ein Verbrechen!) zu ersetzen." Die Termini für diese „Hochgedanken" entlehnte der Redner aus dem Sprachschätze von Dinier und Hitler. Und keiner von den Akademikern stand auf, um dem „Ungeist von Weimar" den G e i st von W e i ma r entgegenzuhalten, keiner von denen, die sich zur Blüte der Nation zählen. Es ist nur ein Beispiel dafür, wie gearbeitet wird, und wie leicht die Aufklärungsarbeit wäre, wenn wir heute in Deutschland nur so weit wären, mit einigem Erfolg an die klare Vernunft und das Recht, „das mit uns geboren", appellieren zu dürfen. Wenn Herren im Akademikerhut solche geistige Kost vorgesetzt werden darf, so kann man sich leicht denken, wie der politische „Kaviar für das Volk" — schon gleich zu Beginn des Wahlkampfes — beschaffen und bereitet ist. Die Deutschnationale Volkspartei, die eine Zeitlang den Antisemitismus scheinbar für gegebene Zeit zurückgestellt hatte, hat ihn nun hervorgeholt und bedient sich seiner in ausgiebigster Weise. Auf einer ihrer letzten Tagungen wurde unter vielen anderen Sinnwidrigkeiten die Behauptung aufgestellt und von den Massen bejubelt, die Bewegung des Landvolkes richtesichnichtetwagege.ndieGroßgrundbesitzer, sondern gegen die Börse n k r e i se , das heißt gegen die- Jude n. Man darf sagen, daß damit dem verleumderischen Treiben geradezu die Krone aufgesetzt wird. Der jüdische Mittelstand durchlebt eine Krise, wie man sie seit der Emanzipation der Juden in Deutschland nicht gekannt hat. Die Verarmung der jüdischen Landbevölkerung nimmt bedrohliche Formen an. Wenn je, so hat sich jetzt die tiefe Verbundenheit zwischen dem Bauernstand und dem Stande der Vieh- und Fruchthändler auf dem Lande gezeigt. Ihre oft verkannte Interessengemeinschaft wurde zur allen sichtbaren Schicksalsgemeinschaft. Der Jude auf dem platten Lande leidet mit dem Bauer, der seine Produkte nicht richtig verwerten und seine Schulden nicht zahlen kann. Beider Leiden entspringen der gleichen Wurzel, und wenn der Jude sich mehr in Geduld faßt und nicht, gleich dem Kleinbesitzer, seine Not hinausschreit und Lärm schlägt, so liegt es daran, daß dem Juden auf dem Lande keine breite Organisation zur Verfügung steht und kein „Landbund", der ihm sagte, daß für all seine Nöte und Krisen! einzig die Regierung und das neue Regime die Verantwor- 1

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