Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 14 (4.4.1928)
- Date
- 1928-04-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 Nr. 14 Der Israelit 4. April 1928 Appelle schließenden Mitteilungen des Referenten, daß die Mitglieder für weitere gedeihliche Entwicklung der heil. Institution bestrebt sein mögen, wurden mit großem Beifall ausgenommen. Die Erwerbung des Bauplatzes würde durch einige anonyme Stiftungen erleichtert. ' Herr Rene Lehmann wurde einstimmig in den Vorstand gewählt. Durch diese Wahl ist die oft- und westeuropäische Judenheit Basels gleichmäßig im Vorstand der Religionsgesellschast vertreten. Dr. Wohlgemut in Montreux. Montreux, 1. April. Letzten Schabbos snp’i nana erfreute sich die Jefchiwoh des Besuches eines prominenten Gastes, des ^kannten Philosophen und Denkers Dr. Jos. Wohlgemut h, Leiters des RabbiNerfermnars zu Berlin. Der Jefchiwohleiter, Herr R. Botschko, begrüßte den hohen Gast, der eigens hierher kam, um die Jeschiwoh zu besichtigen, in einer feierlichen Ansprache, bezeichnte diesen ^vun rat? als einen „großen Schabbos", und dankte dem geschätzten Gaste für die Ehre, die er der Jeschiwoh damit erwies. Dr. Wohlgemuth hielt darauf eine geistvolle einstündige Rede. Er bewunderte das „große Werk" in der „kleinen Schweiz" und bezeichnete diese Tat als ein Ereignis, dessen Bedeutung nicht hoch genug eingeschätzt werden könne. Die Jeschiwoh bedeute einen Ruhm für die Schweiz. Er schloß mit dem Wunsche, die Jeschwioh möge weiter aufblühen und zu einer wahren Zierde für ganz Westeuropa emporsteigen. Dr. Wohlgemuth unterhielt sich sodann mit den Bachurim in Thauro, verhörte einige Schweizerschüler und war erstaunt und begeistert von den großen, in so kurzer Zeit erreichten Erfolgen, an die er nie geglaubt hätte, wenn er sie nicht selbst festgestellt hätte. Er prognoszierte der Jeschiwoh große Zukunft. eine England. Der neue Präsident der Londoner Synagogen- Aöderalion. '' ' ’ London, 25. März. Die Föderation der Londoner Synagogen wählte das Ratsmitglied M. H. Davis zum Präsidenten der Föderation als Nachfolger des verstorbenen Lord Swaythling. Personalien. Rabbiner 2. S. Lohn Hamburg, 27. März. Der freudenreiche, festliche Monat Nissan ist uns in schwere Trauer gewandelt worden: am 7. März starb nach langem Leiden Rabbiner jnsn r\mv fjor>- Wenn auch leider schon seit langem zu fürchten war, daß. der schwache Körper, der diesen Riesengeist und diese adelige Seele bergen durfte, zerbrechen würde, so sind wir nun doch von dem Schmerz um diesen minoLv von so tief gepackt und nicht imstande, ein Bild seiner Persönlichkeit und seines Wesens zu malen. Dies sei späterer Stunde, in der der Nissan unserer Trauer keine Beschränkung auferlegt, Vorbehalten, heute nur einige Worte i»vi>- Ein Preßburger Kind, blieb „Rebbe Jossef" — wie man ihn hier in Hamburg, charakteristisch genug, nannte 2222222222221222222222222222222222222222222122222222! und.anredete, Zeit seines Hebens seiner Heimat seelisch verwurzelt: jenem Milieu der Preßburger na->sr> und ihrer Großen, der- Stube des als Gaon wie als Zadik gleichberühmten snv"r Tn 'i pn rvo wsn, dessen pnm» •rofrn er war. Als zartes Kind schon war er in der Preßburger Judengasse als 'iW berühmt, der mit gewaltigem Scharfsinn, einem genialen Gedächtnis einen seltenen Fleiß verband, mit 17 Jahren erhielt er diie erste mnn ntmn, und mit 27 Jahren schon lernte er neben seinem Rebbe — als der isiv cos? verhindert war — die onwij an der na'v' Im Jahre 5661 wurde er unter 78 Bewerbern an die hiesige Vereinigte alte und neue Klaus berufen. — Bei den Originalrrnnn des wi finden sich die Abschriften, die er vermutlich bei seiner hiesigen Bewerbung eingesandt hatte. Er ließ in dieser alle ihn gar zu. sehr rühmenden Stellen weg. In die nioo des -©"id vIv fügte er statt dessen ein: D-nri ymnnna a’rnn ]iw ,ibx d’iht b» sib'is k»*w |»r irri- '2 iimoi - »siVn rniirr und iü die nivn von R. Dowid Neumann: -ratnn »"irr aa -••»»a a’»3T bo pwnli »V» nn •pis» daß er ein niina war. bestätigten seine großen Lehrer. Wir, die wir ihm näher treten durften, dürfen nur das Eine sagen: Ihm war keine Frage zu unscheinbar, daß er nicht auf sie willig und freudig einging, ihm war keine Mühe zu groß, eine schwierige Stelle auch dem Minderbegabten verständlich zu machen. Wir spürten den ’ro und d’ti npw den Mann des ungeheuren Wissens und tief eindringenden Scharfsinns, wir ahnten, daß ein Großer in der Lehre zu uns sprach, aber wir sahen, daß ein Gtoßer im Erfüllen mit uns lebte. Ja, iuinaav i'vn war er, ein wirklicher P'tsn -ivi'. Bescheiden, gütig, von unendlicher w'ian »an» erfüllt, im Leiden — und wir kannten ihn nur so — von unbegrenztem rima und heldenhafter Geduld, ein großer mit? v'w», ein mitfühlender npir bm» der half und zum Helfen spornte, ein milder Crmahner, der mehr durch sein Leben als durch Worte Musar predigte, und dabei ein liebenswürdiger Gesellschafter, dessen Herzlichkeit nicht aus Herablassung, sondern aus Menschenliebe floß, so lebte er. Und da er nun von uns ging — im 62. Jahre seines Lebens — trauern wir um so viel mw die mit ihm dahinging, um so viel ms», die uns nun nicht mehr so vorgelebt werden. „Vor Ihm wandelte dieser Gerechte, Heil, daß seine Söhne chm nachstreben." Daß alle seine Kinder, drei ' Söhne und eine Tochter, ganz in seinem Sinne leben — der älteste Sohn übt ein anpn narrt-» aus, der Jüngste kam am Tage der nrnvs von 8 er Preßburger na'v zurück — das war, wie er einem Freunde als letztes Wort sagte: ii>vp t-a» ipt-n- Das ist der Trost für die Gattin, die wahrhaft ebenbürtige, die Tochter des R. Gabriel Neuschloß t>"S7-Preßburg, die ihn in beispielloser Treue und Liebe umsorgte und in den letzten neun Monaten, da er fern der Heimat leben mußte buchstäblich Tag und Nacht über ihn wachte. Noch am. Morgen des Tages, da er von uns ging, gab man ihm den Namen arnarr. Möge, so wie der Name nn»v 1V3N seinem Leben das Gepräge gab, auch nach seinem Tode noch der Name ornatr an ihm zum Segen werde, daß er sei a'izn pan arr einer Fülle von Menschen zum Vater und Vorbild und anfeuerndem Beispiel — durch sein Lernen, durch sein Leben! maxin- Die mwp fand am Nachmittag des 8. Nissan unter größter Beteiligung, in Anwesenheit aller min ’ia unserer Gemeinde statt. Der zweite Sohn, der noch acht Tage vor der rn'va den Vater von San Remo nach Hause gebracht a«n iiaa msaa i»Viy mpvi, dankte dem Vater nochmals für alles, was er der Familie gewesen, und gelobte der Mutter verdoppelte Liebe und Treue, während die. a'naa, Rabbiner Dr. Bamberger, als Amtskollege, Solomon Jacobson, als Freund und Nachbar, ergriffen und ergreifend Bilder seines Lebens und seiner Leistung gaben und zur nai'vvaufforderten mnan ns nt?tn nVmn- Hugo Falck Berlin, 26. März. Erschütternd weit über Berlin und Deutschland hinaus wirkte die Kunde vom Tode Hugo Falcks. Mit 33 Jahren mußte dieser Edelmensch von uns gehen, nach einem Leben, das so reich ausgefüllt war von Opfer- und Guttaten, wie. kaum ein an Jahren, reiches Menschenleben. . Eine feurige Seele brannte in Hugo Falck und entflammte ihn andauernd zu Taten der Liebe und - Güte, und Gottesfurcht. „Ein kleiner Altar," so drückte sich Rabb. Dr. Emil Cohn an der Bahre aus, „trug, eine große Flamme, zu groß, als daß er sie ein volles Leben hätte ertragen können. Dieses Feuer schuf aus Hugo Falck einen Mann der Tat, den wir bewunderten,. aber auch den Menschen der großen Liebe, der unser Herz bezauberte." Kurze, aber reiche Jahre des Glückes und der Freude verbanden ihn mit einer. Frau, die seiner wert war, (Tochter der Ehegatten Lippmann Bär in Frankfurt a. M.) Kinder entstammten der glücklichen, selten harmonischen Ehe, die nun so jung verwaist sind, daß sie kaum die Erinnerung an den Vater bewahren werden. Alte Eltern beweinen den herrlichen Sghn, .der der Stolz^ und die Freude ihres Lebens war. Wie war er den Geschwistern ein treuer Bruder, den Freunden ein opferfroher Freund, Helfer und Berater allen, die seiner Hilfe und seines Rates bedurften! Ein Mann von Welt und Wissen, dessen Betätigungsfeld die weite Welt über die Ozeane hinaus war, hatte er doch Zeit, täglich unter Leitung eines Lehrers, den er schwärmerisch verehrte, zu lernen, hatte er noch Sinn und Muße, alle Gebote, auch das kleinste der kleinen, peinlich zu erfüllen, blieben ihm doch noch Zeit und Kraft genug, für Andere zu arbeiten, Existenzen aufzurichten. Nie sind seine Wohltaten an die Oeffentlichkeit gekommen, weil, er sie stets im Geheimen durch dritte Hand übte. Auch die Menschenliebe quoll bei ihm aus dem heiligen Brunnen der Thora, war ihm Gottesgebot, und Gottesgebot stellt an die Spitze des Wohltuns . ivva pi»' soziale Hilfe und Aufrichtung vom Hintergründe her, *]»jj it> n»»i jo lange der Bruder noch nicht gänzlich die soziale Stufenleiter hinuntergestürzt ist. In der kleinen Synagogengemeinde, deren Mitbegründer und Hort er war, wußte man Hugo Falck zu schätzen, wie man dort heute die Trauer um ihn gar so tief und schwer empfindet.' Kaum gab es einen Verein und ein Wohlfahrtswerk auf gutjüdischer Basis, die nicht auf Hugo Falck rechneten und rechnen konnten. Weit über Berlin und Deutschland hinaus gehörte seine Liebe den Brüdern in der Welt, und tätigen Anteil nahm er an allen Hilfswerken und Bestrebungen zur Linderung der- Lage der Juden in den Ländern der Not. Daß er darüber die kleine Hilfe an die Armen und Bedürftigen nicht vergaß, die täglich an seine Türe klopften/verstand sich bei einem Manne dieser Art und einer Frau, die mir solch feinem Einfühlungsvermögen dem Manne zur Seite stand, von selbst. Möge °>"vn der Gattin, den Kindern und der weiten Familie, auch den Eltern der Frau, die in den letzten Jahren schon von so mancher Prüfung betroffen wurden, seinen-himmlischen Trost senden. Wir alle bedürfen des Trostes bei dem Verluste eines Menschen und Juden, wie es Hugo Falck war, möge er uns werden! «rasa»- Familiennachrichten. Barmizw o: Adolf Stern, Zögling der israelitischen Waisenanstalt, Frankfurt. Waisenhaus- Synagoge. mtf. — Willi, Sohn des Herrn Oberrabviner Dr. A. Altmann, Trier. Vrieflasten. S. B. Straß bürg. Betrag eingegangen und für Abonnement verbucht. Gr. in H. Wir müssen für lange Berichte erst den Platz haben. K. A. und Andere. Agar-Agar wird in überseeischen Ländern präpariert, wo eine rabbinische Aussicht nicht in Betracht kommt, Es kann daher keiner die Garantie für nvs'? übernehmen. Eine historische Haggadah Die Darmstädter Pessach-Haggadah Eine Handschrift des .14. Jahrhunderts der Landesbibliothek in Darmstadt. 2 Bände in Halbleder Herausgegeben von A. Freimann, Br. Italiener, A- L- Mayer und A. Schmidt. Textband : Lexikonoktav, 303 Seiten mit 16 Tafeln. Tafelband: Folio- Faksimilereproduktion der Pergamenthandschrift auf 116 Tafeln in Farbenlichtdruck. Erscheint im Oktober 1928 in 350 nummerierten_Exemplaren. Bis Ende Mai 28 gillliir das kompl. Werk ' “ ' ' von 300 statt 380 M. Die älteste, 'schönste und wertvollste der illustrierten Haggadoth des deutschen Ritus ist die seit 1805 in Dannstadt liegende Pessach-Haggadah. Sie ist um 1320 in Heidelberg geschrieben und hundert Jahre später mit prächtigen Miniaturen geschmückt worden: Darstellungen aus dem Haggadah-Ritual, Randleisten mit Tier- und Menschengestalten, Ranken und Blütenwerk, farbenreichen Initialen. 22 Verlag Karl W. Hiersemann, Leipzig, Königstr. 29 »» ■■ ■■ aa aa aa aa aa aa ‘aa aa aa aa aa aa' aa aa Streng orthodoxer Scfioucfief mit Kaboloth svon galtz und deutschen Rabbinern (Dr. Wolf, Köln) sucht ein. Posten* in Gemeinde oder Kurort. Seiger, Essen- Ruhr, Segerothstr. 7.2. JestiiM Boclmr der gründlich beherrscht zum „Lernen" gesucht. Beste Gelegenheit zur weiteren profanen Ausbildung vorhanden. Meldungen mit Angabe von Referenzen unter Nr. 26883 an die Expedition des Israelit.. Lehrling gesucht. »"'map geschlossen Schneidermeister Freüdenberger, VeitsHöchHeim b. Würzburg. . ■ ,• :; 18 Jahre alt> Mittelschule, gute Zeugnisse, Maschinenschreiben, StSnograste und, Sprachenkenntn.suÄt Stelle, (mögl. Erpörtg.) Off. unter 88885 an die Expedition. Die Gemeinden d. Rabbinats Burgreppach beabsichtigen mit Zustimmung des Verbandes Bayerischer Israel, Gemeinden die freigewordene R a b bin ersteile wieder zu besetzen. Die Anstellung erfolgt zunächst mit provisorischem Cbaralter. Es besteht die Möglichkeit, daß ein Teil der Gebäude des Talmud Thbra Vereins zu einer Allersversorgungsanstalt Verwendung findet. Ob die Errichtung der Schule in naher Zukunft möglich sein wird, entzieht sich vorläufig der Beurteilung. Die Besoldung erfolgt nach Gruvpe X der bish. Bes.-Ordn. mit überltg.in die entspr. Gruppe d. neuen Bes.-Ordn. Rabbiner streng konserv. Richtung werd. gebeten, ihre Bewerbung beim Rabbinats-Distrikts-Ausschutz in Burgreppach z. Händ. d. Unterzeichneten etnzureichen. Burgreppach, den 2. April 1928 Der Rabbtnats-Distr.-Ausschutz i..A. Abraham Adler Jünger Mann aus wohlhabendem Hause bewandert in der Hadern- und Alteisenbranche sucht zwecks Vervollkommnung seiner Kenntnisse. 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