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Der Israelit · 1928-03-22 · Heft 12 (22.3.1928) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 12 (22.3.1928)
Date
1928-03-22
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 10 Nr. 12 Der Israelit gesfen und seufzen unter dem Drucke der Schweden." „Zu viel der Rede," unterbrach der Pole barsch, „Du bist also -nicht der, den wir suchen und kennst ihn nicht! Wie ist Dein Name?"; Ein dunkles Gefühl ließ den Namen, unter dem ihn die Welt hie und da kannte, nicht' über feine Lippen. Er nannte den anderen, der nicht minder richtig war. „Löb Krakauer!" „Krakauer, Krakowski. Aus Polen also!?" „In Krakau geboren, und zuletzt in Posen gelebt," berichtete Arje Löb wahrheitsgemäß. „Das heißt Jude aus Polen, sagst Du. Jener aber soll aus Deutschland stammen. Aber wer muß das alles glauben? Hast Du Papiere?" Wieder fuhr Arje Löb der Schreck durch die Glieder. Wie durch eine innere Eingebung brachte er ohne jegliche weitere Erklärung ein glattes Nein über seine Lippen. „Geld?" Arje Löb öffnete im Feuerscheine seinen Bündel, man sah Wäsche, Kleider und einige hebräische Bücher. Dann schüttelte er aufs Brett den Inhalt seiner Taschen aus. Einige Scheine und Silberdukaten kamen zum Vorschein. Der Hauptmann steckte das Geld zu sich. „Wir sind keine Räuber und Du sollst alles wieder haben, wenn Du heil von dannen gehest. Wir sind Soldaten des Königs Sobieski, die Wilna befreien werden. Wehe dem, der uns dabei in den Weg tritt, ob Jude, ob Pole oder Schwede! Ein Jude h a t mit den Schweden gegen uns verhandelt, düs ist so sicher, wie wir Polen und Ehrenmänner sind. Ob D u es gewesen bist oder nicht, das mußt D u am besten wissen. Keine Papiere! Vielleicht so gut versteckt, daß wir sie nicht finden. Was geht das uns an? Wir haben Verdacht und Du, Jude, hast zu b e w e i s e n. Kannst Du es, dann gut tz Wir sind keine Räuber und Mörder, sind nicht darauf aus, unnötig Blut zu vergießen. Morgen um neune sind wir wieder hier, und Du wirst uns beweisen, daß Du nicht der von uns Gesuchte bist, oder Du kannst es nicht, und der Henker steht mit dem Strick bereit hier am ersten Baume ..." Der Pole sprach nicht einmal so laut und streng, aber jedes Wort war scharf geschliffen und hatte Gewicht, ließ nicht den geringsten Zweifel darüber, daß es im gegebenen Momente Tat fein würde. Er durchmaß noch einmal mit Herrscherblick den Juden, als weidete er sich an dessen völliger Verwirrung. Das Verhör war zu Ende. (Fortsetzung folgt.) Die Geschichte von zwei Städte«. Mitgeteilt von Oberlehrer £. Preßburger in Creglingen. In dem bildschönen Taubertal lebten vor 70 Jahren 6 Familien namens Blumenfeld in der kleinen Stadt Creglingen und zur Zeit, da dieses geschrieben wird, sind eine Witwe mit einem unverheirateten Sohn die Einzigen, die diesen Namen noch tragen. An der Ecke der Hauptstraße und der Neuenstraße steht ein gut gebautes Haus für zwei Familien, welches vor -120 Jahren von dem Großvater dieses Schreibers, einem gewissen Raphael Blumenfeld, gebaut wurde, und dann wurde -es bewohnt von seinen beiden Söhnen Lazarus und Jakob Blumenfeld und deren Familien. Mit Jakob Blumenfeld lebte der alte Großvater, welcher schon viele Jahre ein Witwer war. Raphael war ein besonders -bemerkenswerter Mann, -er war gut gebaut mit einem wohlwollenden Gesicht und sehr feinen Zügen-, streng orthodox in seinen religiösen- Anschauungen. In seinem Zimmer hatte er eine ziemlich große Bibliothek, wo er viele Stunden mit Studieren verbrachte. An Sabbat und Feiertagen nach dem Gottesdienst, als seine Freunde und Verwandtenspazieren gingen, um die Schönheiten der Natur zu bewundern-, oder sich in anderer Weise vergnügten, saß er immer in seinem Zimmer über große Buchbände gebückt und las bis zur Dunkelheit.- Auf diese Weise lebte er fast bis zu seinem Ende, welches in seinem 87. Jahre kam, ohne daß er ein besonderes Leiden gehabt hatte. Eines Abends, im Jahre 1851, blieben drei seiner Söhne die ganze Nacht bei ihm bis zum Morgen, als er starb. Er hinterließ ein gutes Andenken. Ein paar Tage nach der Beerdigung sagte Vetter Hermann Blumenfeld zu dem Schreiber dieses: „Laß uns einmal Großvaters Bibliothek durchsehen, welche er sein ganzes Leben durch immer gut verschlossen hielt, aber jetzt ist der Schlüssel im Schloß und niemand kümmert sich darum, was aus der Bibliothek wird; denn wir sind 22 März 1928 nicht so studienhaft angelegt." Also untersuchten wir sie und nahmen- -ein Buch nach dem andern aus den Regalen. In einem der schweren mit Leder gebundenen Bände entdeckten wir'ein flaches Paket, welches aus 10 Vogen bestand, mit starkem Leinfaden zusammengenäht, mit sehr kleinen Buchstabenbeschrieben war, gut -leserlich, obgleich ziemlich verblaßt. Wir erinnerten uns, daß der Verstorbene manchmal geheime Andeutungen gab betreffs-der Vorfahren der Blumenfelds, ohne irgend welche spezielle Bemerkungen zu machen. Dieses alte Dokument, -welches 1690 datiert war, hat das Geheimnis eröffnet. Eine gedrängte Ueberficht folgt hiermit: Es lebte im 17. Jahrhundert zwischen 1620 und 1630 ein gewisser Ravaelo Floricampo in Italien inder Provinz Sizilien an den Abhängen des Berges Aetna, wo er große Weingärten befaß und viele A-ecker, welche mit Olivenbäumen bepflanzt waren. Sein Haus war ein großes solides Steingebäude, nur einen Stock hoch wegen der indiesem Teil Italiens so oft vorkommenden Erdbeben. Das größte Zimmer im Hause gebrauchte er für eine Restauration. Hier kamen Gäste von nah und fern wegen seiner vorzüglichen Weine sowie einer Portion Makkaroni, welche seine Frau Bianka besonders gut zu bereiten verstand; während feine hübsche Tochter Florina mithalf, die Gäste zu bedienen-, und ihr Bruder, Ravaele junior, half seinem Vater die Weinberge zu -bebauen und die Weine im Keller zu behandeln. Ravaelo Floricampo war erfolgreich und glücklich. Eines Tages kam unter anderen Gästen ein vornehm aussehender junger Herr, um sich zu erfrischen. Bianca war gerade daran, ihn zu bedienen, als -ihre Tochter Florina sagte: „O, Mutter, laß mich es für Dich tun." Als ihm der perlende Wein und die schmackhaften Makkaroni von dem lieblichen Mädchen vorgesetzt wurden, machte deren Schönheit sofort einen tiefen Eindruck auf ihn, und er fragte nach ihrem Namen, welchen sie ihm -errötend angab. „Mein Name," sagte er dann, „ist Gustav Stürmer, von weit her-in Deutschland, geboren in Creglingen, einem Stäbchen, wo meine verwitwete Mutter und meine Schwester Agnes noch wohnen. Ich reife soeben in eurem herrlichen Land, wo ich Kunstwerke. besonders Gemälde, studieren will; denn ich selbst bin Maler. Darf ich wiederkommen> Sie' zu sehen?" „O, nichts würde mir angenehmer sein," antwortete sie, und auf diese Weise kam er oft hin und wurde als ein sehr intimer Freund der Familie betrachtet. Aber dieser glückliche Zustand sollte nicht lange anhalten. Eines Tages brach nach mehreren leichten Erderschütterung-en, welche sie nicht ängstigten, der. Berg Aetna, nach vielen Jahren Ruhe, mit schrecklicher Wucht aus, warf die feurige Äsche aus viele Meilen aus, bedeckte die ganze Umgegend mit einem knietiefen Mantel, zerstörte alles Wachstum und nach einer weiteren schrecklichen Explosion loß glühende Lava aus dem Krater die Berge hinunter und setzte Ravaelos Haus in Feuer und zerstörte die Weingärten und Olivenbäume, Glücklicherweise sind alle zur Zeit mit dem Leben dävongekommen tmd es ist Vater Ravaelo gelungen, seine Ersparnisse, welche aus einer großen Summe Goldmünzen bestand, in Sicherheit zu bringen. Wähend all dieser Begebenheiten war Stürmer eine große Hilfe für die' Familie und -unter eigener Lebensgefahr trug er Florina, welche in Ohnmacht fiel, hinweg von dem Wege und der rasch sich nähernden Lavaflut. Nachdem sich alle von den Schrecknissen dieser Tage etwas erholt hatten, reisten sie mit ihrem Freund Stürmer in die Stadt Messina in derselben- Provinz. In einem Gasthaus dort fanden sie zeitweilig Quartier und ein Familienrat wurde gehalten, in welchem entschieden wurde, mit Stürmer nach seinem Heimatsort zu reisen, um Creglingen zur zukünftigen Heimat zu machen. Also chifsten sie sich auf dem großen, stärken, dreimastigen Segelschiff „The Hartem", Kapitän van- Horn, nach AmterdaM in Holland «in, wo sie ankamen, nachdem sie eine Woche aus dem Ozean verbracht hatten? Dann ging es den Rhein un-d teilweise den Main aufwärts durch die schönten Landschaften, vorüber an berühmten Städten, Schlössern und Kirchen, und alle waren sehr zufrieden mit. dem Lande, welches von nun an ihre Heimat werden ollte. Freund Stürmer half ihnen, Unterkommen zu inden und stand ihnen in jeder Weise zur Seite. In jener Zeit führten die Brüder David und Salomon Amson eine bedeutende Weingroßhandlung mit Kunden in den Mederlanden, Norddeutschland und Skandinavien und suchten einen erfahrenen Leiter für . ihre enorm großen Kellereien. Auf die Empfehlung von Stürmer nahmensie Ravaelo für. diesen Posten und Ravaelo junior als Gehilfskellermeister, in welcher Stellung sie sich die vollste Zufriedenheit ihres Prinzipals erwarben. Mit dem Geld,- das Ravaelo von Italien mitbrachte, baute er sich -ein sehr gutes, solides Wohnhaus in dem Lendleinteil des Ortes, wo die Familie wieder in Frieden und Glückseligkeit lebte, bis Biancas Gesundheit ehr rasch abnahm, weil sie das Klima noch nicht gewöhnt war. Sie fühlte ihr Ende nahen und äußerte den Wunsch, ihre Tochter Florina mit Sturmer verheiratet zu sehen. Die Hochzeit wurde dann' auch gehalten und sehr bald darauf schloß die Mutter ihre Augen für immer. Als der Vater für ein Begräbnis in dem christlichen Kirchhof nachsuchte, wurde es ihm abgeschlagen, mit dem Vorwände, daß Ne Verblichene nicht von demselben christlichen Glauben war, als die Leute hier zu Lande. Jedoch das Direktorium des jüdischen Friedhofes bot ihm einen Begräbnisplatz an und Bianca wurde dort zur Ruhe bestattet. Der Witwer war sehr aufgebracht über die grausame Tat seiner christlichen Brüder und dachte lange darüber nach, bis -er beschloß, zur jüdischen Religion überzutreten, und er und seine Söhne tratender jüdischen Gemeinde bei und seitdem blieben ihre Nachkommen bis zum heutigen Tag diesem Glauben treu.! Es war in allen Familien dieser Blumenfelds gebräuchlich, einen der Söhne „Raphael" zu nennen, in ehrendem Andenken an den Gründer dieser Familie: aber Großvater Raphael, welcher im Anfang dieser kleinen Geschichte genannt wurde, war der, letzte, der diesen Namen trug. Seitdem sind an ihre Stelle Namen getreten mit dem Anfangsbuchstaben R, z. B. Rudolf, Raymond, Ralph, Robert usw. - In der Neuzeit ist unser liebes kleines Heimatstädtchen „Creglingen" von den meisten der jüngeren Blumenfelds verlassen worden, um in verschiedenen Teilen der Welt zu sein, wo sie überall gute Bürger wurden und sich auszeichneten als Kaufleute, Journalisten, Erfinder ufw. Stürmer, der Maler, war sehr erfolgreich und seine Gemälde fanden liberale und reiche Abnehmer. Sein- Ruhm verbreitete sich sehr schnell und er wurde an den Hof des regierenden Herzogs Eberhard von Württemberg gergfen und mit dem Titel „Hofmaler" beehrt. Er zog -deshalb mit seiner Familie nach Ludwigsburg, wo die herzogliche Residenz war, und von dort aus besuchten seine geliebte Florina und -eine Anzahl kleiner Sturmer das alte liebe Baterstädtchen recht oft. Ein paar seiner Gemälde können 'immer noch in der Stuttgarter Gemälde-Galerie gesehen werden. Wochenkalender. o. 24. — 31. März 1928. B. 3. - 10. Nissan 6888. Samstag 24 sv'2 3 Sonntag 25 4 Montag 26 5 Dienstag s 27 6 Mittwoch 28 7 Donnerstag 29 8 Freitag 30 9 Samstag 31 10 1» Vmn na® - rmmEBnnicHWNGSKBRPB mit 4 Arm** WCHTuKFWT-MlAGEN Nirgends bessere Herde Nirgends größere Auswahl und doch-billigste Preise bei E4IÄGE&C? AM ESCHENHEIMER TOR 3 Wir verweisen auf das Inserat der Israelitischen- Kuranstalt, Bad Soden i. T. Anfragen wegen Ausnahme wolle man an Herrn M. Tannenbaum, Frankfurt a. M., Oberlindau 56 oder direktnach Soden richten. G ä n s e r i n - S ch m a l z aas bv -mj ist unentbehrlich für jeden Haushalt. Es wird zum streichen, backen und rraten benutzt. Hergestellt unter Aufsicht des Rabb. der Israel. Synag.-Gem. „Adaß Jisroel" zu Berlin. von den Chemischen Werken zu Berlin W. 54. Zu beziehen ist es durch die Hauptniederlage Samuel Haaß, Berlin, Gipsstraß« 12a, Auguststraße 24—25, sowie durch alle einschlägigen Geschäfte. In dem idyllisch gelegenen I n t e r l a k e n, der Perle des Berner Oberlandes, eröffnet Herr Eh. 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