Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1928-03-15 · Heft 11 (15.3.1928) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 11 (15.3.1928)
Date
1928-03-15
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2450495-2450505--74798-2532288
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Selig Goldschmidt. Kitt Kedenkötatt zum 100. Äeburtslag am 16. WLrz 1928? Stufenweise baut sich menschliche Entwicklung aus. Nur Einer ists, der aus dem Nichts unmittelbar Vollkommenheit schaffen kann . Wir schwache Sterbliche müssen.Ziegel auf Ziegel setzen, um unser inneres Wesen zu vollenden. Glück und Vorteil werden dein -zuteil, der im Elternhause, im.Umkreis seiner Jugendeindrücke einen fertigen Musterbau sieht. S e lig G o ld s chm id t, dem diese Zeilen in ehrfurchtsvollem Gedenken gewidmet. Md, hes aß dies es Glück, dies en Vorteil. Sech Vater, Mey e r Golds chm i d t in G r eb enst e in, war mit äußeren Schätzen nicht sehr reich beladen/ Er führte ein mühseliges Leben. Ein Leben mächtiger Kraftanstrettgung, um Frau und viele Kinder zu ernähren. Aber es gelang ihm.^Innerlich jedoch war er reich. Er hatte ein felsenfestes Gottvertrauen. Und konnte vor Gott und Menschen jeden Pfennig als ehrlich, erworben verantworten. Spendete buch aus der tröstlichen Güte seines Gemütes allen fein und freudig, die! irgendwie seelisch belastet zu ihm und zu seiner ihn in linder Weichheit ergänzenden Gattin kamen. Genoß verdientes hohes Ansehen über das Lebensende hinaus. Schloß dieses Lebensende würdig und rühmlich damit, daß er sich aus dem ihn zutiefst erquickenden Milieu Frankfurts und aus der ihn beglückenden Umgebung seiner Kinder los5 riß, um -einen erblindeten Freund in Eschwege, dem seine Worte bereits vorher Lebenselixier war, physisch und seelisch zu betreuen. Gott für die Gnade, ihm ein solches Glück solange gewährt zu haben. Dieser große Rundblick über das Ganze des jüdischen Daseins war ihm auch im Erwerbsleben Wegweiser. Es ließ ihn gleichgültig, ob eine Einzelunternehmung glückte oder mißlang. Nur r edlich mußte alles unternommen fein. Geschäftliche Winkelzüge waren ihm fremd. Er war ja seines Vaters Sohn. Ging immer schnurstracks und gradeaus. Seiner äußeren fürstlichen Erscheinung entsprechend. Und er ging seinen Weg fröhlich. „Gott in Freuden dienen" — diesen köstlichen Ratschlag befolgte er. Diese köstliche Pflicht erfüllte er. Heiterte damit auch auf und spornte an, was mühselig und armselig schlich. Nähere und Fernere. Diese Fröhlichkeit quoll nicht nur In harter Arbeit hatten seine Söhne I a c o b und S e l i g ihm den äußeren Lebensweg, gangbar und angenehm gemacht. Auch sie waren .dem Drucke nicht erlegen, sondern der Druck hatte eine stärkere Kraftanspannung in ihnen hervorgerufen: Die sie auch befähigte, die Weltfirma. I. u. SG o l d schm i d t zu gründen. Ihr Urtrieb, den Vater der Bürde der^ Sorgen zu entledigen, zeitigte herrsche Erfolge. Gottes Segen '" “ ruhte auf dem Werke ihrer Hände. Und Selig Goldschmidt vergaß auch diesen Gott nie. Sprach es hundertmal aus/daß nur Gott Glück und Geschicks gestaltet, daß es des Juden höchstes Bestreben ünh unverlierbares Bewußtsein bleiben soll, so zu handeln und zu leben,, daß Gott beruhigt und freudigbei-ihm weilen kann. Vielleicht war das ' das Gründ element seines Wesens/ um das sich andere überkommene, ausgebaute und selbsterrungene Tugenden schlossen. So-dep davon beeinflußte unerschütterliche Gleichmut? Weiß' mcht sich nür eins mit. feinem- Schöpfer unWMrM so erscheint, einem ja ästes nur men/ stHMte Mn-e Klage/' -sondern dankte nur Selig Goldschmidt. aus dem Gleichmut seiner Lebensanschauung. Nein, auch aus einer unendlichen inneren Güte. Es beseligte ihn, sie walten zu lassen, je mehr, je lieber. * Es sind Dokumente seines Wohltuns vorhanden, die erhebend und zugleich erschütternd sind. Nicht Mur die öffentlichen, nicht nur die heute noch ragenden Säulen. Wie etwa nur die Israelitische Volksschule, die er mit großer Hand schuf. Oder das Israelitische Mädchenwaisenhaus. Oder alle die änderen hunderte von Institutionen hier und auswärts, denen er Hauptförderer war. Vielleicht noch ergreifendere und wertvollere Dokumente sind die verkümmerten Gräser, die er äufrichtete, sind die nach vielen Tausenden M^lbndMWedüMigen und Btzdrücktendie ihm naWn uyd denen/er in/einer/bis zur' äußersten sGrMz^',tzerh bewahrten Berschtviegdnhäit milde half: Sv - Äs wb eö' nicht' der' großmütige Spender, sondern der demütige Empfänger wäre. Die Mindestfdrderung, die er in diesem Betracht geldlich an sich stellte und seinen ebenbürtigen Kindern und Enkeln als edle Hinterlassenschaft einprägte, war die Absonderung und Verwendung des Maas er. Er war splendid, natürlich auch darüber hinaus. Aber er betrachtete dieses Zehntgeld als Hekdeschgeld, wog darum, ehe er gab. Eine besondere Gottesfügung gab ihm die Möglichkeit, sich innerlich immer mehr zu befruchten, zu werten, zu stolzerer Höhe zu führen: sein Aufenthalt in Frankfurt und seine Beziehungen zu S a m s o n R a p h a e l H i r s ch. Er war sein yerehrungsvoller Bewunderer. Und wurde auf Schritt und Tritt von ihm beeinflußt. Die Vertiefung und Bereinigung seiner immerhin ursprünglich in einem Landstadtchen entstandenen Weltanschauung ist zum großen Teil Samson Raphael Hirsch zuzuschreiben. Er auch war es, der Selig Goldschmidts Impuls, der Israel i t i s ch e n R e l i g i o^l s g e f e lisch a f t Freund, Gönner,drvorragendster Förderer zu sein, stärksten und stets neuen Antrieb gab. Die Geschichte der Religionsgesellschaft, ihrer Schule, ihres Hörsaals, ihres Mazzothbackhauses, ihrer gesamten Einrichtungen kann mit tausend Zungen künden, was Selig Goldschmidt war. Hier trafen sich glücklich adäquate Neigungen und ihre räumlichgeistige Verwirklichung. So mögen denn am Schluß dieser Betrachtung, die den Goldgehalt eines so reichen Lebens nur flüchtig in Umrissen aufglänzen, keineswegs aber im Entferntesten ganz herausschälen kann, als Ehrentafel einige der herrlichen Worte stehen, die Samson Raphael Hirsch ihm zu seiner silbernen Hochzeit widmete: „Ihnen Glück wünschen heißt doch Glück wünschen allen den leidenden, gedrückten Menschenherzen, denen Sie als der Trost und Hilfe, Beistand und Rettung bringende Wohltäter in so seltener Großartigkeit sich bewähren: heißt doch alle dem Edeln und Guten Glück wünschen, für dessen Stütze und Förderung Sie zu jeder Zeit die opferfreudigste Beretwilligkeit in hochherzigster Weise betätigen; heißt ja Glück wünschen all den Vereinen und Anstalten wohltätiger Menschenliebe, die in Ihnen ihren hochherzigen Gründer, ihren treuesten Verwalter, ihren, hingebungsvollsten Mitträger begrüßen; heißt vor allem ja unserer Religionsgesellschaft Glück wünschen, die so glücklich ist, den Herrn Selig Goldschmidt als dasjenige Mitglied ihres Gemeinwesens , und ihrer Verwaltung zu zählen, dessen begeisterungsvolle Hochherzigkeit überall voranleuchtet, wo es gilt, für ihre hochheiligen Zwecke mit tatkräftiger Opferfreudigkeit einzutreteru" % ] -AM* p -!// *■ Ir. >. if ■r-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.