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Der Israelit · 1928-03-15 · Heft 11 (15.3.1928) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 11 (15.3.1928)
Date
1928-03-15
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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WN8WWWWWW MWWMWWWWMW Sette 10 Nr. 11 den Augen. Nacht. Er wollte mit der Rechten an die Augen fahren, sie lag schwer auf dem Rücken, an die Linke gebunden. Etwas Drückendes umspännte seine Augen. Sie waren zugebunden. Er saß, wußte nicht wie, in einem Wagen, der Mit Windeseile dühinrollte. Einzeltte verlorene Gedankenrisse von Weg, Erfolg, Papieren schwirrten ihm zusammenhanglos durch den' Kopf, den von hinten her' brennender Schmerz durchzog. (Fortsetzung folgt.) Steine Geschichten. Mizwoth. „Hurra! Bon der Reise zurück! — Onkel, bei Euch auf dem Lande in der erhabenen Ruhe der Natur kann man Mensch sein, in der Stadt wird man zu leicht zur Maschine!"; „Mein kluger Junge, wärest du wenigstens so klug gewesen, ein Viertelstündchen eher zu kommen; — deine Hilfe war nötig." „Onkel, du meinst sicherlich meine medizinische Hilfe, denn ich will doch Arzt werden." „Als Arzt würde ich. immer noch unfern alten Dorfarzt oorziehen. Hier konnte er aber nicht helfen, da er Christ ist und als Helfer durchaus ein Jude nötig, war. Doch ich will dein jugendliches Temperament nicht länger eindämmen, — sonst explodiert es. Die Lösung des Rätsels heißt: Du hast zum Minjan gefehlt! Einige Leute sind verreist, und so waren wir nur neun in unserer Synagoge. — Na, du wirst heute schon andere Mizwoth getan haben!" . ' „Ich wüßte nicht welche! Ich tat den ganzen Tag nichts anderes, als Berg und Tal, Wald und Flur zu durchstreifen, ich suchte Erdbeeren, lief einem Eichhörnchen nach und fachsimpelte mit meinem Kameraden von der Schule. Wir haben unsere Freiheit von allen Pflichten der Arbeit ganz ausgekostet!" „Wenn ich in meiner Jugend auch nur eine Dorfschule besuchte, darf ich dich Gymnasiasten vielleicht doch fragen, wieso dir gerade dein heutiges Tagesprogramm die Erkenntnis brachte, in Gottes freier Natur ließe sich eher Mensch sein? Sagt nicht Schiller, .daß sich ein Charakter im Gewühl der Welt bilde? Mensch sein heißt ein Charakter sein, das Bildungsmaterial für einen Charakter aber sind die Beziehungen zur Mitwelt der Menschen." ' „Onkel, du willst mir vor dem Abendessen Nüsse zu knacken geben! Vielleicht sind aber unsere beiderseitigen Fragestellungen verschieden! Schillers Zeit kannte noch nicht das Gewühl 8er heutigen Großstädte, in dem die Menschen aneinander vorbeihasten. Das jetzige städtische Leben dürste aber wohl die Gefahr der Entfremdung sowohl vom Menschen als auch von der Natur bringen. Darum müssen wir Ferien hinaus in die Natur nehmen, um wieder zum Menschen zurückzufinden." „Die Erklärung läßt sich wahrlich hören! In anderer Hinsicht wünschte ich. aber noch deine Aufmerksamkeit für meine Worte. Ich kann mich deines Ausfluges nicht ganz freuen, weil du den Tag nicht nur arbeitslos, sondern auch gedankenlos verbrachtest, — und bewußt einen Tag ganz aus seinem Leben auszustreichen, zü diesen Ferien hat kein Mensch die Erlaubnis. Deine heutige Aufgabe hätte gelautet: Gottes Wunder in der Natur zu erschauen suchen. Eine solche Aufgabe gewährt Erkenntnisse, die auch für die Beziehungen zum Menschen bedeutsam sind und so die Charakterbildung fördern. Der Jude nennt das alles Mizwoth." Das Erdbeben. „Störe ich?" „Ich stehe gleich zu deiner Verfügung. Diesem jungen Manne ist noch ein Brief zu diktieren, und dann habe ich noch ein kurzes telefonisches Gespräch mit meinem Anwalt." Der Besuch setzte sich und hörte, wie der andere zu seinem Angestellten sagte: „Ich habe keine Lust, länger auf Zahlung zu warten; antworten Sie dem Manne, daß wir seinem Wunsche aus Stundung des Betrages leider nicht willfahren können und der Begleichung innerhalb einer Woche entgegensehen." Dann telefonierte er seinem Anwalt, er möchte gegen einen Schuldner rücksichtslos vorgehen. ~ / Nun wandte er sich an den Besucher, indem er lächelnd sagte: „Erst das Geschäft, dann das Vergnügen. Zwei Seelen ruhen in rkeiner Brust; als Geschäftsmann interessiert mich nur die Sache, als Privatmann der Mensch. In den beiden Fällen, die du eben hörtest, muß ich. geschäftlich konsequent handeln und darum erbarmungslos sein, weil ich weih, daß beide Kunden in einer, kritischen Lage sind. Privat werde ich aber, wenn es nötig werden sollte, helfen. — Du willst wahrscheinlich auchfür einen guten Zweck etwas?" "„Diesmal nicht. Ich wollte mich erkundigen, wie ihr das gestrige Erdbeben überstanden habt." „An das Erdbeben habe ich im Drange der Arbeit tatsächlich schon vergessen. Es war furchtbar. Noch ein Stoß, und das Haus wäre zusammengestürzt! Eine halbe .StuNde nach der Erschütterüng habe ich noch gezittert Währlich, — was ist' der Mensch?" „Was er' ist?' Nach deiner Meinung ein kühl bis zur letzten Konsequenz denkender Geschäftsmann — und Gefühlsmensch, stur, in Etappen nach seinem Belieben mid^nrr? insbcheitder GeschäfchchaM keinich Schaden er- D e r 2 » r a e l i t leidet. Darum konnte dir «das Erbeben nckr Dr Sichre?-' keN eines Augenblicks,'doch nicht eine Warnqng^ fetzig „Da spricht wieder einmal der Idealist, 8« vergißt, daß es die erst/ Pflicht ist, fest auf dem Boden "Unter seinen Füßen zu stehen." „Wie fest dieser Boden ist, hat das Erdbeben ge* lehrt. Wer so seiner Bodenfestigkeit vertraut, tut gut, an das Schicksal Körachs Und seiner Anhänger M denken. Sie sahen, nicht den göttlichen Strahlenglanz um Moses Haupt, der kühle Verstand leitete diese Männer, — und es verjchläng sie die Erde, auf der sie die Herren sein wollten!' — Nicht zu klug, nicht zu kühl, mein Freund . . .";'; €>.' (Sets. (Portugiesische Marranen kehren zum Judentum zurück.) Das Londoner Portuguese Marranos Committee, das vor einigen Jahren zu dem Zwecke begründet wurde, die unter den portugiesischen Marranen elementar vor sich' gehende Bewegung, zum Judentum zurückzukehren, zu unterstützen, gibt soeben einen Bericht über seine Tätigkeit heraus, dem zu entnehmen ist: Der Anregung von Lucien Wolf, der im Jahre 1925 Portugal besucht hat, folgend, hat sich das Komitee, finanziell an der Begründung einer jüdischen Gemeinde in Oporto beteiligt. Oporto ist von den Märranensiedlungen in Nordportugal am leichtesten zu erreichen. Am 1. Juli d. I. wurde in Oporto die Synagoge „Mekor Chaim" in Anwesenheit des Präsidenten der Liffaboner Gemeinde. Moses Bensabath Amzalek eingeweiht. Kurz danach wurde die Synagoge von dem früheren Oberrabbiner von Jerusalem Nathan Nissim Dämon besucht. Die Synagoge wird nicht allein von. den jüdischen Einwohnern von Oporto, sondern auch von sehr zahlreichen Marranen aus allen Teilen des Landes besucht, die sich in diesem Gotteshaus über das Judentum belehren lassen wollen. In den letzten Monaten hat eine Zimmer steigende Zahl von Marranen den Anschluß an das Judentum vollzogen, unter ihnen zwei Mediziner, die eine ^Qualifikation als Mohelim erhalten haben und als solche fungieren. Der Präsident der jüdischen Gemeinde in Oporto, Kapitän Baruß Basto, hat. auf Einladungen hin verschiedene Siedlungen der Marranen besucht und wurde mit großen Ehren empfangen. Er begrüßte eine jüdische Gemeinde in Braganca, wo etwa 800 Marranen leben. In. dem Dorfe Bidarinho, das von etwa 500 Marranen bewohnt ist, wurde ' ein Gottesdienst abgehalten. Das Londoner Marranen-Komitee, das auf Anregung der Londoner spanisch-portugiesischen Judengemeind«, der Anglo-Jewish Association und der Alliance Jsraelite entstanden ist, hat die Errichtung der jüdischen Gemeinde in Portugal finanziell unterstützt und Thorarollen gestiftet. (Zur Nachahmung empfohlen!) Die Gemeinde in Aurich (Ostsriesland) ist wohl eine der ältesten jüdischen Gemeinden und heute noch haben alle jüdischen Geschäfte ohne Ausnahme attt ra» geschlossen. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde Aurich läßt daher jedesmal zu v"' in der Zeitung eine Anzeige bringen: „Feiertage halber bleiben sämtliche hiesigen / jüdischen Geschäfte am ..geschlossen." Ainderecke. Rabbi Jochanans Abschied und Segen. Don Lehrer Schloß in Diersburg. Rabbi Jochancm, Sohn Sakaiswar krank geworden und fühlte, daß sein Ende bald herankommen werde. Er war Leiter und Lehrer eines großen Lehrhauses. Und so kamen seine vielen Schüler, um ihren großen Lehrer auf seinem Krankenbettzu besuchen. Der Anblick seiner, ihm sehr teuren'Schüler, die ihn über alles liebten, rühste ihn zu Tränen, er müßte heftig weinen; wußte er doch, daß er bald auf ewig Abschied, von ihnen nehmen müßte. Seine Gchüler aber meinten, er fürchte sich vor dem Tod. Und deshalb fragten sie ihn: „Wie? Unser großer, geehrter Lehrer, Du rveinst? Du fürchtest Dich vor dem Tod? Du Tugendhafter und Frommer, Du, den Ruhm Israels! Muß nicht jeder Rückblich auf Dein bisheriges reines, musterhaftes. Leben. Dich im Angesicht des Todes erfreuen?^ „Soll ich nicht weinen, erwiderte der Lehrer, wenn M vor den. Richterstuhl Gottes gerufen werde? Ist wenigen Stunden werde ich vor dem Throne des Allmächtigen erscheinen, der alle 15 März 1828 unsere Werke kennt und "ste strüst/" Bollees mir da nicht bange sein!" ' Gerührt riefen seine Schüler aus: „S Rabbi, teurer Lehrer, segne uns noch einmal vor Deinem Tode!" . C „Fürchtet den allgütigen Schöpfer gleich sterhlichen Menschen!" ' , „Wie meinst Du das?" fragten darauf die Schule/ /"' Erklärend versetzte der sterbende Weise: „So wie Ähr euch stets vor Menschen schämet und fürchtet, so scheut euch und schämet euch stets vor Gott; Ihr werdet dann nicht so schnell sündigen!" Er sprachs — und verschied. APARTE BELEUCHTUNGSKÖRPER m*r- TiKWCHTj. KRAFT-ANLAGEN 'geruchlos JlLuot^/uUTTJJCC-ohampocrn. die mlbewahrlentMTdhodwertiQen Quaüläts-Erzeiig/W5e derFirma Heinrich MacK Nacftf, Ulm a.D. - isf und b leibt der Beste! Aerzllicher Fortbildungskursus In Bad Mergentheim. Vom 29. bis 31. Mai, also unmittelbar nach PfiNgsteü, findet in Bad Mergentheim ein ärztlicher Fortüildungskustus stakt, auf dem das Gebiet -der inneren Krankheiten von hervorragenden Kapazitäten! des.-In- und Auslandes behandelt wird. Es sprechen die ersten medizinischen Autoritäten Deutschlands. Den Teilnehmern an dem ärztlichen Fortbildungskursus stehen Sonüerver, gütungen zu. Die Kurverwaltung Bad Mergentheim erteilt' nähere Auskunft und nimmt Anmeldungen, entgegen. ' ' Die Sehnsucht aller ist es, stets, sauber und gut angezogen zu erscheinen, denn mehr wie je bewahrhertet sich das-Sprichwort:. „Kleider machen Leute". Und auch dis Wohnung, der Spiegel der Hausfrau, soll immer ich Schuß sein. So einfach und so billig erreichen Sie dies durch eine chem. Reinigung, welche ein vollkommenes»Mittel zur Erhaltung der Kleidung ist. Nicht nur. Schmutz, Flecken und Krankhettskeime ‘ werden beseitigt, Garderobe, Decken, Teppiche und Vorhänge werden auch meistens wieder wie neu. Wenden Sie.sich daher in diesen Fällen an das bedeutendste Werk der Branchein.Süddeutschland/ die Fä r b ere i Gebr. R o o e% ober deren Än< nahchestellen, und beausträgen Sie diese auch mit'dem Allffärben und Plissieren von Stoffen? 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