Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 10 (8.3.1928)
- Date
- 1928-03-08
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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rW'-'O:: V rzic Pädaao^iscfje Beil eure age zum^srae -es Kun-es gesetzestreuer Mischer Kehrer Deutschlan-S. c.v-cx. äV U ¥■ ' § - . ~ Die Mitglieder . des Bundes gefehestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands werden gebeten, den Beitrag pro 192s mit 5 Mark sowie die rückständigen Beitrage für die Jahre 1925/27 auf Postscheckkonto Br. 5319 Eugen Lktlinger einzuzahlen. Ls besteht die Absicht, die Pensionszahlungen wieder regelmäßig aufzunehmen» dies kann jedoch nur" geschehen, wenn die Mitgliederbeiträge pünktlich eingehen. Der Vorstand.! Beiträge zur Methodik des hebräischen Unterrichtes. Von Lehrer Jechiel Lichkenstein, Bex (Schweiz). . ' tSchluh.) - Wird .durch derartiges Arbeiten nicht ein gefährliches Halbwifjertuni gezüchtigt? Liegt nicht andrerseits die Gefahr - nahe, daß der Suchende mittels des Wörterbuches wohl die unbekannten . Vokabeln findet, ohne daß er indessen den Zusammenhang zwischen ihnen herzustellen vermag? Nun denn! wer selbst zu arbeiten im Stande ist, der ist auch nicht mehr weit davon, sich weitere Hilfsgenoffen zu fichetn—- z. V. eine hebräische Erklärung zu Rate zu ziehen. Außerdem wagen'wir zu behaupten, daß aus pädagogischen Gründen es vorzuziehen ist, daß der Schüler eine selbsterarbeitete, .wenn auch nicht vollkommene' korrekte Erklärung wahr glaubt, als daß er sich mühelos-fremdes Gut aneignet. Nicht der ist ein gelehriger Schüler unsrer Großen, der aus Treu' und Glauben ihre Wort e gedankenlos wiederholt, sondern der ihren Spuren folgt, der sich um die Erforschung . des Gotteswortes a b m ü y t. f a » nn« m-ma’- Man habe auch Zutrauen - zu einem wahrheitsstrebenden - jungen Menschen: auf die Dauerwird er -sich mit einer unrichtigen. Erklärung keinesfalls zufrieden geben. Schließlich ist auch wenig dagegen einzuwenden, daß' in- Aus n a h me f ä l le n eine Ueberfetzung zu Rate gezogen wird. Wer sich einmal von ihrer Sklaverei befreit hat, der darf sich ihrer in der Art einer kurzgefaßten Erklärung bedienen. Sie wird vielleicht noch im Anfangsunterricht Verwendung finden und sie ist sonst ein sicheres, wenig Zeit raubendes K o n t r o l l m i t t e I, namentlich.bei Wiederholungen. Die im Prinzip aus der Schule' verbannte Ueberfetzung darf—als eine manchmal nützbingende Fremde, (aber nur als solche!) geduldet werden. . - - Die im Bisherigen aufgestellten Forderungen genügen nicht nur dem Programm der Elementarschulen, sondern entsprechen auch dem Lehrziel der Oberklassen höherer Schulen. Vielleicht werden sie gerade ln diesen erst zur vollen Auswirkung gelangen. Aber auch für verwöhntere Ansprüche — und da erst recht bei Durchnahme von - für die Lektüre und selbst für Mischnah und Gemoroh halten wirs mit unseren. Postulanten: Grammatik, Wörterbüch, Selbstarbeit, verständnisvolles .Hineinfühlen und Hineindenken. " Müssen wir uns. verbieten, von diesem späteren Lernen zu - sprechen, so können wir . doch nicht umhin, mit einigen Worten auf jene Mihstände hinzuweisen, die darauf Hinzielen, mit den Kindern sprungweise etwas vain e twa s -ftad zu lernen, ürü nach kurzem Aufenthalt bei der nav» sofort zur «->aa überzugehen. Mögen hierfür sittliche Motive mitsprechen (das Bewußtsein oder nur die Ahnung von dem. unschätzbaren Wert des Talmuds für unser Eigenleben als Juden) oder mögen — leider zu oft —' weniger edle Gründe die Triebkraft zum Händeln vielerunvernünftiger-Eltern sein (das Zür- Schau-Stellen-Wollen des imposanten Wissens ihrer Kinder)^, — die Methode bleibt verwerflich. Unsere Alten stellten' sich.einen idealen Unterricht anders vor: fünf volle Jahre widme man dern rmv'fünf weitereder nava. dann erst beginne man mit dem' Talmud. Der '?n n">v. den man gewiß;nicht im Verdacht haben wird, aus Lust an Opposition geschrieben zu haben, findet kein Wort scharf genug gegen diejenigen, die sich nicht an jene-goldenen Worte, von man 'p->a halten. Nie und nimmer, sagt er, fange man rwa an, bevor man ganz 's-an oder . Talmud, bevor man die n.^a ms. rwv aufs gründlichste durchgearbeitet habe. Wörtlich liest man im mmn -na?: naa ny tir V>nn-iya nyan :mn 1102 aa’an n» amain j?n yiaw'Vr nenaV mp*iaa ai>-p kV -av'n av'.n D'amai D’s’aai min nWysn ay rftan im>3 iyan yi'v ny a’pios dwb nn rri>i -mrr n> iiiV2iia^>^> mopnpnn naana Vna p5n aai -piosn “ns’a ia«m nanni ja-aSa nvatm qa' nns -Tan piatV am a'aiva isp iya Tsi ca’pp’isr anm yrsa tiaVnn a"nsi a~ya' a'auv kh’ip mb rraiv (Ed. Fürth i"apa ,rr"ap yi) nsi firrn orri-a (Weitere Perlen jüdischer Pädagogik finden sich im gleichen Werk, im 'oi aV a"o -*p 'aiu -avnwn n,•»)•■' ■ Die besten Lehrpläne sind zur Fruchtlosigkeit verurteilt, .die edelsten Absichten werden paralysiert, so lang« sie auf stumpfe Gleichgültigkeit, um nicht zu sagen auf passiven. Widerstand, stoßen — denn diese sind leider die schlimmsten Feinde Her jüdischen. Schule. Hinter der hebräischen Stunde steht eine moralische Forderung, hinter dem französischen, englischen und Mathematikunterncht steht Gort Mammon. Derselbe Schüler, der weiß, daß, wenn er eine schlechte Note im Deutsch oder Geschichte heimbringt, er durchsällt, weiß auch, daß es auf oie. Note im Hebräischen — oder wie es so schön im Zeugnis steht in „Religion" — lange nicht so ankommt, selbst die jüdische Schule bildet, da keine Ausnahme. Täte sie es, so würde das im Häufe „Risches" machen. Es wäre auch gar zu unklug von ihr — sie verlöre bald einen Großteil ihrer Schüler. Hinsichtlich der Disziplin weiß jeder,-daß der Preis einer Ungezogenheit dem nichtjüdischen Lehrer gegenüber eine Stunde Arrest und die Herabsetzung der Note im Betragen ist. Der Mische Lehrer tut so etwas schon aus Schwäche nicht oder aus. einem gewissen „Rachmoyes" heraus. Manlohnt es ihm damit, daß man ihm das Leben verbittert. ,Man" soll heißen: Schüler und Eltern. Denn die Letzteren haben vor dem Vertreter eines mehr geduldeten als absolut notwendigen Faches meistens nicht mehr Achtung als das junge Geschlecht. Ausnahmen sind vorhanden. Sie bestätigen die Regel. Was wir unbedingt fordert müssen, ist: einen heiligen Will e n z u m H e b r ä i s che n, ein vorbehaltloses Bekenntnis, zu dessen Wichtigkeit, die Erkenntnis, daß wir ohne dieses aüfhören - zu fein. Für diejenigen, welche diesen Mut nicht aufbringen (leider ist es, wir zittern beim Niederschreiben dieser Worte, die weitaus größte Zahl der Eltern und Schüler) für die sehen wir keine Rettung. Sie mögen sich mit Uebersetzungen, mit Selbsttäuschungen,. mit Surrogaten zufrieden geben. Für^. diese versuche man je nach Lage der Dinge das relativ Beste zu erzielen. . ' Wir aber, die wir dem Licht entgegenstreben, wir wollen nicht müde werden, an uns selbst und an der Verbesserung der in unseren Schulen eingebürgerten Methoden zu arbeiten. Vor allem wollen wir es nie und nimmer unterlassen, den Schülern den Ewigkeitswert der Bibel fühlen zu lassen, der in seiner ganzen Erhabenheit nur in der Ursprache zum Ausdruck kommt. Das haben große Nichtjüden, vor allem die bedeutendsten Dichter unter ihnen, längst erkannt. An uns liegt es, daß die für das Wahre, Gute und Schöne leicht zu'entfachenden Jugendherzen in die richtigen Bahnen geleitet werden. Haben wir uns erst die Mühe dazu gegeben, so wird uns die Genugtuung und das Glück zuteil, von den freudvoll BorwärtsstürMenden in das Land unserer. Träume mitgerissen zu werden. ' Sollen Lehramt, Vorbeter¬ und Schächtfunktionen vereinigt werden? Eine zeitgemäße Betrachtung'von Lehrer Freudenberger -—. in Flieden. In der Erziehungskonferenz, die in den Chanukohtagen 6689 im Anschluß an die Tagung des Keren Hatorah in Hamburg abgehalten wurde, machte der Studienrat Herr Dr. Roryschlw in Köln (jetzt Hamburg), den Vorschlag, das Vorsänger- und Schucymmt vollständig vom Lehramt zu trennen. Andere auf der Konferenz anwejende z Scyutmänner pflichreten dem Antragsteuer vollständig bei wegen der vieten Plaaereien, denen die. Lehrer jeuens; der Metzger ausgesetzt leien. Üeber diese Frage sind schon ganze Scrome Tinte geschrieben worden, ohne daß eine Klärung der wlderiplea/enöen Anstchren yerbeigesührt worden wäre. Wenn ein Schulmann, der als Lehrers-- soyn die Leiden und Unannehmiichkelten, die sein oerstorvener Vater durch diese vtebenamter durchkampsen mutzt«, alltäglich beobachten konme, sich unbedingt für Trenung die,er Aemter vom Lehramt« ausspricht, so durfte es woyl angebracht sein, dies« höchwlchuge Frage ' ln unserem Vundesorgan einer gründlichen Veyanolung ' zu unterziehen. Wir dürfen diese Angelegenheit mcht teoigllch von der Lehrerperspeklive aus betrachten, sondern auch der Standpunkt und die Existenz unserer Gemeinden mutzten zu ihrem vollen Rechte kommen. Seit einigen Dezenn.en betrachtet man die Vereinigung dieser drei Funktionen als eine selbstverständliche Sache. Mit Ausnayme weniger Gröggemeinden, in denen für jede die- ,er Functionen d-e,andere Beamten bestellt sind, muß der rreyrer entweder das Vorbeteramt oder zumeist noch die oa/adjtfunftion bei seiner Ansteuung mit übernehmen. Vor oO unu r00 Jahren war das zumeist nicht der Fall.' Man .hatte damats große blühende Landgemeinden, die sich neben ihrem Rtelamed, der sich von früh bis spät ungestört dem Unterrichte und der religiösen Unterweisung oer Äugend widmen muhie, zumeist noch einen zweiten Veamren, der als Voroerer und Schachier fungierte. Erft als die Reihen der Gemeinden sich lichtetenüber-' lrug man aus Sparsamkeitsrücrsichten dem Lehrer auch diese Funkrionen, ohne danach zu fragen, ob die dem Lehrer aufgeburdeten Aemter seiner Wirksamkeit als Lehrer förderlich sind oder sie beeinträchtigen konnten. Zweifellos liegt die Vereinigung dieser verschiedenartigen Aemter nicht im Interesse der Schule und des Lehrers. Woyl mag es vereinzelte Kollegen gegeben haben und mag es solche noch geben, die in den drei Aemiern Hervorragendes leisten. Es sind dies sicherlich nur Ausnahmen. Es kann jemand ein vorzüglicher Lehrer sein. Er ist jedoch stimmlich nicht begabt. Auch besitzt er keine musikalische Veranlagung. Trotzdem er zum Schaden seiner Wirksamkeit in der Schule den größten Teil seiner freien Zeit zur Vorbereitung für die Vorbeterfunktion opfert — ich kannte einen alten Kollegen, der an Sabbat und Feiertagen einige Stunden Stimmübungen machen und Pillen einnehmen mußte, bevor er sich an das Vorbeterpult wagen konnte— und doch bleibt er fein Leben lang ein Stümper. Und wenn er fchließlich auch Ungeschicktheit im Schächten zeigt, dann ist er trotz Lehrgeschicks und Lehrbefähigung ein unglücklicher Beamter. Bekanntlich beurteilt man den Lehrer nicht nach seiner Tüchtigkeit in der Schule, sondern nach seiner Wirksamkeit in der Synagoge und seiner Qualifikation als Schochet. & Auch bei Stellenvakanzen kommt weniger feine Eignung als Lehrer, sondern in erster Linie seine Befähigung und feine Leistungen in den Nebenämtern in Betracht. Gar manchem tüchtigen, strebsamen Lehrer wurde infolgedessen der Aufstieg zu besseren Stellungen unterbunden. Auch viele befähigte Kollegen, die unserem Stande zur Zierde gereichen konnten, sagten wegen des Ballastes der sie drückenden Nebeämnter dem Lehrstande Valet und wandten sich anderen Berufen zu. Bedenkt man weiter, zu welchen . Störungen des Unterrichtsbetriebs die Ausübung der Schechitoh führte, wie sie dem jungen Lehrer die zu seiner Weiterbildung erfor*. derliche freie Zeit absorbiert, so muß man doch zum Schluffe kommen, daß die Schechitoh einen Hemmschuh für die Weiterentwicklung des Lehrerstandes bildet und ihre organische Verbldung mit dem Lehramt im Prinzip entschieden abzulehnen ist. Ich finde auch keinen zwingenden Grund dafür, daß man diese Funktion, die weder