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Der Israelit · 1928-03-08 · Heft 10 (8.3.1928) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 10 (8.3.1928)
Date
1928-03-08
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Nr. 10 auf leidlich gutem Fahrwege in einer Nacht und einem vollen Tag mit zweimaligem Pferdewechsel erreichen. Aber es vergingen wohl noch einige Tage, bis die Postwagen mit sicherem Geleite die Herberge passierten. Und es war keine Stunde zu versäumen. Ein Holzfuhrmann erbot sich, Arje Löb gleich mitzunehmen. Er fuhr zwar nicht nach Wilna. Dorthin fuhren keine Holzknechte, sondern Postwagen mit feinen Herren. — Aber er fuhr nach dem anderen Waldende, nach Gossudara, wo morgen früh die Post, die am rechten Wilia-Ufer entlang nach Wilna fuhr, zum Pferdewechseln halten mußte. In vier bis fünf Stunden konnten sie dort fein. Der verlangte Preis war nicht allzuhoch. Benze Leib riet ab. Der Fuhrmann war nicht aus der Gegend, war von der anderen Seite. Er kam von Zeit zu Zeit mit seiner Fuhre, saß stundenlang schweigend mit der kurzen Pfeife zwischen den verbissenen Lippen und starrte die Leute mit Augen an, denen er nicht recht traute. Arje Löb sollte warten, bis richtiges Gefährt mit sicherem Geleite da sei. Es waren unsichere Zeiten, und er hatte nichts aufzuweisen, als fein ehrlich Gesicht, das in der bösen Welt nicht viel galt. Aber Arje Löb ließ sich nicht raten, noch halten. Die angespannte Fuhre, die die Richtung nach einer Stelle nahm, von wo es morgen früh einen Weg nach Wilna gab, war gar zu verlockend. . Er fuhr ab, begleitet von den guten Wünschen und Gebeten seiner Wirtsleute. i (Fortsetzung folgt.) Das Purim von Babowno. (Hundert Jahre nach seiner Einsetzung). Von Simon Auönorv. (Schluß.) Die Beamten ließen Sabbathai und seinen Sohn ergreifen, führten sie ins Schloß und sperrten sie ein, jeden besonders; das übrige Volk ließ man frei, ohne daß jemand den Grund der ganzen Sache wußte, und die Stadt Babowno war unruhig. Am nächsten Tage, es war Freitag, sahen alle Stadtbewohner, wie eine ganze Schar von Leuten aus den umliegenden Dörfern vom Schloß herabkam, hinter ihnen kamen Sabbathai und Hillel, dann die Beamten und ein Wagen mit Stroh; da erzitterten alle, denn sie dachten, man hätte sie zum Verbrennen im Strohhaufen verdammt. Jene kamen bis in den Hof des Besitztums Sabbäthais. Dasselbe lag auf dem Abhang eines Berges, wo früher ein christlicher Friedhof war; auch das Haus stand auf Gräbern. Und man streute das Stroh auf die Erde, die Beamten stellten sich darauf, Sabbathai und Hillel daneben auf das Stroh, um keine kalten Füße zu bekommen, denn der Schnee lag noch auf der Erde. Die Soldaten umzingelten sie mit gezückten Schwertern, indes die Dorfleute den Berg aufzugraben begannen und viele Menschenknochen ausgruben. Sabbathais Frau weinte bitterlich, da tröstete sie Rodakowski und versicherte, den Gefangenen keine Folterqualen anzutun. Und er sprach weiter zu ihr: „Wenn Du willst, daß ich gegen Euch gar keinen Verdacht hege, so lasse Deinen Sohn Abraham nach Hause kommen, ohne Furcht!" Man ließ es Abraham wissen, und er kehrte heim.. Am nächsten Tag war Sabbath, da schickte der Beamte zu Sabbathai und befahl, schnell mit dem Gebet fertig zu sein, da man ihn heute ins Verhör nehmen werde, Sabbathai beeilte sich und erschien bald vor dem Beamten, der ihn leutselig empfing, sechs Stunden mit ihm saß und ihm die ganze Beschuldigung vorlegte. Da antwortete Sabbathai: „Es ist doch allen Völkern bekannt, daß uns Juden sogar das Blut von Tieren und Pieh und Vögeln, welche rituell geschlachtet werden, verboten ist, daß wir aus dem Fleisch durch Sqlzen das Blut herausziehen müssen; um wieviel mehr also Menschenblut, das ja allen Völkern als unrein und ekelhaft gilt, und noch Der Israelit _ , 8 Mörz 1928 dazu am Peßach, da wir uns tausenderlei Verschärfungen auserlegen müssen. Und was das Schwerste von allem, ist ja die große Sünde des Tötens und Blutvergießens, da uns sogar die Quälerei von Tieren verboten ist!' Wie kann also ein vernünftiger Mensch solchen unsinnigen Anklagen Glauben, schenken? Nach Moskau reiste ich allein ohne Begleitung und kehrte auch allein zurück. Die übrigen Angaben sind ebenso erlogen, die gefundenen Knochen rühren von dem Friedhof her, da der ganze Berg früher ein Friedhof war." Alles dies wurde protokolliert. Bezüglich der Stadt Welisch leugnete er, je mit ihren Leuten verkehrt zu haben. Darauf befahl der Beamte, den Talmudtraktat Pessachim aufzusuchen, und darin fand man Blutspuren auf einem Blatte, wie der Angeber bezeichnet hatte; hierüber wußte Sabbathai keine Aufklärung zu geben. Tags darauf wurde Hillel vernommen, der ebenso wie sein Vater aussagte, und die Blutspuren auch nicht zu erklären wußte. Am Montag wurde Sabbathai mit dem Angeber konfrontiert, und dieser wiederholte mit großer Frechheit seine Anklage. Da gab Gott dem Sabbathai folgende Fragen in den Sinn: „Wie viele Jahre sind es, seit ich in Moskau war?" Da nannte jener um viele Jahre mehr; als der Wahrheit entsprachen. Dann fragte Sabbathai weiter: „Wie alt warst Du beim Tode Deines Vaters?" Da nannte er auch eine falsche Zahl, und der Beamte ließ alles protokollieren. Darauf sagte Sabbakhai: „Man kann ja auf dem Grabstein lesen." Das gefiel dem Beamten sehr, und es zeigte sich, daß nach der Aussage des Angebers dieser bei der Reise Sabbathais nach Moskau anderthalb Jahre alt gewesen sein mußte. Dienstag wurde Hillel dem Angeber gegenübergestellt, und Gott fügte, daß er bezüglich des Grabsteines auf die Fragen seines Vaters verfiel. Der Angeber sah, daß ihm Unheil drohte, und wollte sich gleich in einen Brunnen stürzen, wurde aber, daran verhindert. Dann wurden ihm schwere Fesseln angelegt und nachts eine Wache vor ihn gestellt. Der Beamte forschte und untersuchte eifrig die Dinge und fand die Behauptungen Sabbathais in allen Punkten bestätigt. Auch die Bauern bezeugten, daß er Niemanden mit sich aus Moskau mitbrachte. Die gefundenen Knochen wurden von Aerzten untersucht, welche fanden, daß dieselben schon mehr als hundert Jahre in der Erde liegen. Es blieb also nur die Blutspur im Talmud-Exemplar zurück, welche die Angeklagten nicht zu erklären wußten. Dann wurden sie nach Njeschewitz gebracht und dort interniert. Die Voruntersuchung wurde geschlossen und das Protokoll an den Kaiser geschickt. Und alle Angehörigen der Familie Turbowitz wurden aufgesucht, und man wollte sie alle ins Gefängnis werfen. 4. Aber Gott erbarmte sich endlich der Pein seines Volkes und gab dem Beamten in den Sinn, den Angeber zu erschrecken. Am Sabbath, den 16. des Monats Adar 2, ließ er den Ankläger vor sich kommen und redete also zu ihm: „Wisse, daß ich mich überzeugt habe, daß deine Angabe auf Verleumdung beruht hat!" , Den Angeber erfaßte Furcht, und er gestand alles. Und er erzählte, daß Chowanski ihm alle die Anklagen in den Mund-gelegt hatte, um dadurch die Mordbeschuldigung von Welisch zu bekräftigen. Die Einzelheiten hatte er sehber dazugedichtet, denn er wußte, daß Sabbathais Haus auf einem früheren Friedhof erbaut war, und daß man dort Menschenknochen finden könnte. Auch wie die Blutspuren in das Buch kamen, erinnerte er sich genau: einmal lernte er mit seinem Lehrer darin; als fte; gerade bei jenem Blatte angelangt waren, schlug ihn der Lehrer auf das Gesicht und viel Blut rann aus seiner Nase auf das Büch, wovon jene Spuren entstanden. Als der menschenfreundliche Beamte dieses Bekenntnis hörte, freute er sich sehr, ließ' es zu Protokoll bringen, der Angeber unterschrieb, und der Beamte ließ verkünden, daß die Gefangenen am andern Tage in Freiheit gesetzt würden. Tags darauf, am 17. des Monats, ließ er Sabbathai rufen und verkündete ihm feine Befreiung.- Und dem Jsprawnik befahl er, in allen Städten des Bezirks "zu verkünden, daß die Beschuldigung auf Lügen. beruhte. Der Angeber aber wurde in Ketten gelegt,, die man an einen Wagen schmiedete, und so wurde er weggeführt. Der Beamte reiste, nach Welisch, ordnete-von neuem eine Untersuchung an, und bewies auch die Unschuld der dortigen Angeklagten; er setzte sie in Freiheit und öffnete auch die Synagoge und Lehrhäuser wieder. Und Rodakowski nahm an der Freude der dortigen Juden Anteil und jubelte mit ihnen. Damals entschied der Kaiser, daß diese ganze wahnsinnige Anklage gegen die Juden niemals einen Grund hatte. Und Säbbäthai und Hillel kamen, nach Haufe ganz fröhlich und wohlgemut am Montag den 18. des Adar 2 und fasteten den ganzen Tag. Am Abend machten sie ein großes Festmahl, lobten und priesen Gott und gaben Geschenke an die Armen. Und sie b e s ch l o s s e n f ü r s i ch u n d ihre Nach - kommen, daß jede rwie der kehrende 18. A d a r a l l j ä h r l i ch e i n F e st u n d Freudentag sei, wie das Fest von Purim, für immerwährende Zeit." Soweit die „Megillath Sabbathai", deren Glaubwürdigkeit nicht in Zweifel gezogen werden kann. Sie erzählt in schlicht naivem Tone die Geschichte der Blutbeschuldgung von Babowno, wie sie einer der Beschuldigten erleb: hatte, von dem Gesichtspunkt eines Provinzjuden aus, der von der geschichtlichen Prozedur wenig weiß und die Tatsachen erzählt, wie er sie gesehen. Die Angabe, daß die Beschuldigten von Welisch fast gleichzeitig mit denen von Babowno in Freiheit gesetzt wurden, ist unrichtig, da jener Prozeß sich vielmehr noch sechs Jahre hinzog; sie mag aber insofern ein Körnchen Wahrheit enthalten, als durchs die Entlarvung des Angebers Grudsinski die obersten Behörden auf die Machinationen Chowanskis aufmerksam wurden. SENKIAfip Nirgends bessere Herde Nirgends gröflere Answabl Nirgends billigere Preise als bei E. HAGES Co. Am Eschenbeimertor 3 O (Sfadlgarfen) APARTE BELEUCffTUNGSKORPEi fl» 7 zso TUOiTuKRAFT-AN LAGEN fT?^' Nervosität, Nervenleiden der verschiedensten Art sind ein Kennzeichen unserer Zeit. Der Wohlmuth- Apparat (Hersteller G. Wohlmuth u. Co. A.-G. in Furtwangen, bad, Schwarzwald) ist schon Tausenden von. Nervenleidenden ein Retter und Helfer gewesen und hat ihnen Lebensfreude und Arbeitskraft wiedergefchenkt. 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