Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 10 (8.3.1928)
- Date
- 1928-03-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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8. März 1A28 Nr 10 Frankfurt a. Al., den >s. m*>« sE Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Abonnement ab Januar 1824: Deutschlandl Toldmark monatlich; Ausland: Vterteltabrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes), Deutsch-Üsterreich: Schilling 6r-; Amerika 1 Dollar; England 1 sh.; ab 1. Juli Frankreich 35 Fr.; Belgien ab 1.7.27. Belga S: Holland 8 fl. ^Italien ab l. > 38.18 Lire; Jugoslawien 55 Dm.; Litauen 7.60 211.; Rumänien ab 1. 7. 27. 150 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs .oder 7 Zloty. Schweiz 6 Fr. Tfchecho-Slowaket 35 Kronen; Ungarn Pengo 6 ab 1.Juli 1837; Dänemark 3.60 Krön.; Norwegen 3.60 Krön.; Schweden 3.60 Krön. Einzelnummer dreißig Goldpfennige. . Die 75 mm breite Reklamezeile Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 40 Goldpf. für die stebengespaltene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bet Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 80Df. ~ * -- le r letzte Tertfeite 1.80 Mk.. vorletzte Tertseite 3.- Mk.; Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufende« Vorbehalt. Inseratenannahme durch den _ _w__.. ., Rechneigrabenstratze 7, Tel. Hansa8kA sow. durch sämtl. Annoncen»E«ped. des In- und Auslands. Alleinige Inseratenann. für Franks. Geschäfts««;.:Jul. Schmidt/Langestr. 7, ll, Tel. Hansa4641. Platzvorschr.ohneBerbindlichk. _gen direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) flr. 19803. - Außerdem an: Postsparkasse Wien Nr. 79M5.- Postsparkassenamt Budapest Nr. 18L4. - . Warschau Nr. 190757. - Postscheckamt Zürich Nr. VllI 73^ - Inkasso-Bank Rotterdam - Postscheckamt Ämsterdam Nr. 34889 - Böhmische Untonbankin Prag -- L-me» Mam£0^fo. tw Bukarest - Filiale des Wiener Bankvereins in Agram. — Der Gerichtsstand istr alle aus Abonnements oder aus Inseraten stch e gebende« Zahlungsverpflichtungen ist ^rautfurt Die jüdische Zugend in Deutschland und das „Lernen". Bon Den Israel. Seit jenen kaum mehr vorstellbaren Tagen der vor-Mendelsohnschen Zeit hat die Seelenstruktur des deutschen Juden mannigfache Veränderungen erfahren. Die' Konturen seiner Empfindungen Haben sich verschoben, sein Gesichtsfeld, hat sich erweitert und seine „Seelenverhältnisfe" haben sich nachgerade zu sehr „k o m - p l i z i e r 't e n" gestaltete Es soll jetzt nicht ^etwa unsre Aufgabe sein, auf. die vielfältigen Ursachen hinzuweisen, die diesen Zustand heraufbeschworen haben, wir wollen nur die. nackte Tatsache einer seelischen Kompliziertheit des deutschen Juden, die sich wohl nicht gut bestreiten läßt, konstatieren.- Der deutsche Jude von heute leidet meist an seinem wissenschaftlich-kühlen, mechanisierten Verhältnis zu Gott, Thora und der jüdischen Gesamtheit, er krankt an einer Unnatürlichkeit, einer K ü n st l i ch k e i t seines Judeseins, die an Stelle der naiv-reinen Religiosität, der kindlich-natürlichen Frömmigkeit und des gesunden u r - sprüng l i ch - j ü d i s ch e n Bewußtseins getreten ist, die seinen Urgroßeltern — vor 150 und Mehr Jahren — eigen waren. Der deutsche Jude Hai alleVor- und Nachteile der europäischen (lies: deutschen) Kultur' und Zivilisation auf. eine spezifisch jüdische Art und Weise in sich verarbeitet, wodurch in ihm Z w i e s pal t e entstanden, Fragenkomplexe auftauchten, deren Existenz die „Alten" kaum ahnten, die, m a n g e l h a f t b e a n twort e t und geklärt, sich in seinem Innern Heimatsrecht und Bodenständigkeit zu verschaffen wußten und die ihm allmählich die U n g e t e i l t h e i t seines Wesens, das a l t j ü difch e nm’an geraubt haben. Die S e l b st v e r st ä nd l ich k e i t seiner Gottesdienerschaft, Echtheit und Ursprüng lichk e it ist von ihm gewichen, um einer „Z w i es Pältigk eit" Platz zu machen, die seinem Leben und Streben, seinem So-undnicht-änders-Sein ihr eigenartiges Gepräge gegeben hat. Verhältnismäßig: glücklich zu nennen ist noch derjenige, der von der Natur mit einem öehörigen^Maß, von Kritiklosigkeit Mgnadet"M bei dem ebell: die inneren GegensätzWöm Mittelpunkt an die. Peripherie rücken- oder vielmehr durch "eine off Tans Philisterhafte grenzende geistige Genügsamkeit an die äußerste Peripherie verdrängt werden. Der „Große Krieg" hat bekanntermaßen nicht nur die schwerwiegendsten weltpolitischen Veränderungen herbeigeführt,. er hat auch — zwar indirekt — geistig e; und s e e l is ch e R evo - l u t i o n e n hervorgerufen, alte Weltanschauungen 'gestürzt und neue geschaffen, neueIdeen gezeugt, - und diese sogenannten g e ist i g eN W i i k u n gen des Weltkrieges sind für den, der politische Vorgänge geistesgeschichtlich zu werten gewöhnt ist, von elementarer Bedeutung zum Verstehen der Jdeenkämpfe unserer Zeit, . der Nachkriegsperiode. Den regsten und auch rein zahlenmäßig größten Anteil an diesen Jdeen< kämpfen der Jetztzeit nimmt die Jugend. Statt der schwärmerischen Weltverbesserer und „Literaturhengste" der Vorkriegsjugend sehen wir heute eine ernstere, religiösgestimmte, wahrheitsuchende Jugend vor uns. Moderne, fortschrittliche Entwicklung auf allen Gebieten der Wissenschaft, Kunst und Körperpflege, Umgestaltung der Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung im Geiste „unsrer" Zeit, ist die Losung, der die Jugend begeistert folgt. Die g e s e tz e s t r e u e Jugend — und wenn wir des weiteren von j ü d i sch e r Jugend reden, so meinen wir nur die der Thora Treugebliebenen - *j’m rch« *pj3 xipn — hat sich durch diese neue Entwicklung neuen Problemen gegenübergestellt gesehen ynd hat sich mit diesen , neuen Problemen recht- „jugendbeweglerisch" in reichem Ausmaße, aber mit z w e ifelh a ft e m Erfolge auseinanderzusetzen versucht. ... Der fortschrittlich gesonnene Nachkriegsmensch, der aller Fesseln von Tradition und Herkommen rücksichtslos spottet, verträgt sich eben nicht sonderlich gut mit dem alten zurücktendierenden Thorageiste, der das Alter nicht achtende und nicht ehrfürchtende jugendliche Stürmer sympathisiert nicht stark Mit dem sch nnnni-PgxagWphen des jüdischen Gesetzeskodex- und die fürWrper- Zurschaustellung und modernste Bühnenkunst entflammte Künstlernatur wird wohl schiHrW mit dem altmodischen Z'niusideal etwas anzüfdngen wissen. Die kontradiktorischen weltanschärllichen Gegensätze^ zwischen Thora eirierseits Aniw dem Leben in 'seiner heutigen buntscheckigen Form andersefts haben; sich nach dem^Kriege um ein Mkfachesr ^vermehrt: und verschärft Änd die Z w i e s p älti g.k eti '. bi den Herzen i der deutsch-jüdischen Jugend Hat an Ausd ehrt u n g z u g e n o m m e n')1 der letzte Funke von rnvmn' der noch in ihrem Innern glühte, verflüchtigt sich immer mehr und mehr zu e^nem wesenlosen Schemen. Das Charakteristikum der heutigen jüdischen Jugend in Deutschland ist der fast gänzliche Mangel an mzran' an „Ganzheit" und seelischer „Vollkomme n h e i t", trotz all ihrem ehrlichen Ringen um den tiefen Ernst des Judentums, trotz ihrer opferfreudigen Hingabe an die ewigen Forderungen des jüdischen Gesetzes. „Wandle vor Mir und sei vollkommen; G a n z sei mit Gott deinem Gotte; liebe Ihn mit deinem ganzen Herzen . . ." Dies sind die Grundlagenauf denen sich erst jüdische Menschen entwickeln können und es sind die Grundbedingungen, nach denen sich jüdisches Sein gestalten muß. Alle Opferfreudigkeit der Jugend wird ohne „Ganzheit" nie zum Ziele führen können, nwarv ist die Voraussetzung für tföa niToa und Gottesdienerschaft. „Für jede unser er Beziehungen z u G o t t, erscheint somit die „Ganzhei t"- d. h. die Forderung des Aufgehens unsres ganzen Wesens in diese Beziehung als erste, unerläßlichste Bedingung dazustehen" (S. R. Hirsch b'W Komm, zu 3, K. 1 V. 3). I-Tö’an heißt die eherne Forderung, die gelbieterisch, ihre Erfüllung heischt! . Heute mehr denn je. — n b? "nn o’an Die göttliche T'mimusforderung ist nicht etwa eine Aufgabe, die mit Hilfe von Israels Gesamtheit zu lösen ist, sondern sie wendet sich an den Einzelnen: Sei D u ganz und vollkommen. Jeder Einzelne hat die Pflicht, sich die niv'vn" Basis seines individuellen jüdischen Lebens zu bauen, jeder Einzelne die Aufgabe, die Zwiespältigkeit aus seinem Herzen zu reißen. Der einzige Weg jedoch zur Erreichung des mv'vn.-Zieles ist — das „Lerne n". Weg und Ziel zugleich. - Lern e n mit Begeisterung und Ausdauer, mit eisernem Fleiß und heiligem Eifer, mit H i n t a n st e l l u n g materieller Forderungen, mit Selbstüberwindung, mit Freude und Liebe zur niiri' „denn sie ist unser L e b e n — in ihr wollen wir sinnen — Tag und Nacht." ' „Gottes Thoxa ist v 0 l.l k o M m e n. .„Antwortet der fragenden Seele" (Pf. 19). Es gibt für.uns nur.d i e f e n Weg zur Ganz-/ heit oder keinen. t ■’ * ' 1 n :ß m 1