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Der Israelit · 1928-03-01 · Heft 9 (1.3.1928) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 9 (1.3.1928)
Date
1928-03-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 9 Der Israelit 1. März 1A28 Unser Schekel für das Kind ln Palästina. Die gesteigerte Freude des Monats Adar entquillt einem historischen Ereignis, das sich in der babylonisch-persischen Diaspora zugetragen hat, keinem der großen übernatürlichen Wunder auf geweihtem Gottesboden. Purim ist daher das Fest des Golus aller Zeiten und aller Länder. Allein, Golus ist der steinige Weg zur Geuloh. Durch wundersames Zusammenspiel weitverzweigter Ereignisse und Erscheinungen wird die Basis geschaffen, auf der sich Gottes Volk für Gottes Land und Gottes Ziel erhalten kann. Daher war schon in ältester Zeit der Adar-Monat dazu ausersehen, die enge Verbundenheit der Söhne Israels mit dem Lande Israels durch die Schekel-Spende zu dokumentieren. Mit Ausgang des Monats, der die Rettung im Feindeslande brachte, mußten die Gelder für das Heiligtum eingegangen sein.' Mit Anfang des Monats, um dessen Mitte das Volk den Fuß in die Freiheit setzte, um über Meere und' Wüsten, von Zeichen und Wundern begleitet, von Wolken- und Feuersäulen geführt, den Sinaidonner in Ohren und Herzen, dem Lande der Schechinah entgegenzuziehen — zu Anfang dieses Monats mußte der Rauch, der sich morgens und abends vom heiligen Altäre geradeaus zum Himmel erhob, künden, daß nunmehr an den Gesamtheitsopfern des Morgens und Abends das Volk in s e i n e r Gesa m t h e i t mit seinem neuen Schekel beteiligt sei. Die Agudas Jisroel knüpft an diese uralte jüdische Institution an, wenn sie im Adar zu einer Werbeaktion für das Schulwerk in Erez Jisroel aufruft. Was das bedeutet, das Aguda- Schulwerk in Erez Jisroel, lassen wir uns von ihnen in Palästina selbst erzählen. 1500 Kinder treujüdischer Eltern bevölkern die Schulen der Aguda in Palästina, nur 1500 vorerst, weil die Kraft nicht ausreicht, die weiteren Tausende aufzunehmen. Die allgemeine Krise traf die mehr auf Idealismus und jüdischem Optimismus, als auf wirtschaftlich starken Fundamenten ruhenden Schulen schwer. Brechen, was Gott verhüten mag, die letzten Stützen, dann sind nicht allein die 1500 jüdischen Kinder geistig heimatlos, sondern der moralische Schaden trifft den ganzen Bau, an dem der Schweiß und die Tränen der Edelsten haften. Nicht mit Ziegeln und Steinen und auch nicht mit der Zahl der Dunam an Boden werden wir den Aufbau in die Wege leiten. Menschen müssen wir pflanzen und großziehen als Träger dieses Baues; Menschen, der heiligen Aufgabe würdig, den Acker Gottes in jeglicher Richtung zu. bebauen. Wenn irgendwann und irgendwo, so gilt es für Palästina: „Wer die Jugend hat, hat die Zukunft." Nicht also allein der Bestand der paar Schulen hängt nun von unserer Arbeit in der Gola, die in diesem Adar-Monat neue Impulse erhalten soll, ab, unsere Zukunft steht auf dem Spiele. Wir wollen das Spiel g e - tö i^ne.n, so wir uns für uns, für unser Land und dessen Aufbau in unserem Geiste gewinnen wollen. Schwere Opfer nahmen unsere Pioniere auf sich, die ins heilige Land gingen und dort, unabhängig von der Gnade und Ungnade der zionistischen Machthaber, ihr bescheidenes Haus so errichteten, daß uns ein Fonds von Menschen für die Zukunft gesichert ist. Diese opferfrohen Menschen, die alle px mo1gleich für uns mit, auf sich nahmen, müssen vor gllem die Möglichkeit haben, für Nachwuchs entsprechend zu sorgen, ihren Kindern eine Erziehung zu sichern, die in jüdischer Beziehung keinesfalls hinter der in der europäischen Heimat zurückbleibt. Müßten die Schulen ihre Pforten schließen, so würde dieses in Verbindung mit vielen anderen Widerständen manchen Familienvater veranlassen, das Land wieder zu verlassen. Mit jedem guten Jchudi, der Erez Jisroel verläßt, verlieren wir aber eine Position. Wehe aber, doppelt wehe, gelänge es der anderen Seite, unser heiliges Erbe anzutreten und die Kinder unserer Schulen in ihre nationalen oder sonstwie gearteten «religiösen Schulen zu bekommen. In ersterem Falle verlören wir die Menschen, im zweiten würde uns darüber hinaus die Zukunft durch neue Auffüllung der Reserven im andern Lager verbaut. In beiden Fällen hätten wir Grund zu Scham und Trauer, über eigene Hilflosigkeit, die mehr Willenlosigkeit wäre. Das soll und wird nicht sein. Es wird nicht sein, wenn alle, die gerufen sind, dem Rufe folgen und ihre Kraft in diesen Tagen, da wir mit dem Gelde zugleich die Herzen sammeln, in den Dienst der heiligen Sache stellen, die Orts- und Jugendgruppen, die Rabbiner und Lehrer der Gemeinden, die Vorstände und alle, denen das Wohl des jüdischen Volkes und des heiligen Landes am Herzen liegt. Dienst am Volke, Dienst am Geulahwerk wird verlangt! Mordechai erhielt in Stunden der Verzweiflung Trost und Kraft durch den Hauch von Kindesmunde. Muntere Knaben stürmten ihm aus der Schule mit ihren Bibelversen entgegen. Heil uns, wenn bei allen wirtschaftlichen und geistigen Nöten der Zeit uns Kinder mit dem lebendigen Thoraworte im Munde begegnen! „Auf dem feinen Hauche ihres Mundes ist unsere Zukunft gegründet." ns rno1’ trpayn 'Lp. Der Adar mahnt seinen Schekel. Das heilige Land schreit uns seine Nöte entgegen, ÄgzMs Jisroel ruft uns auf den Plan. Lassen wir De Rufe nicht verhallendes sind die Hilferufe unserer eigenen Kinder und Kindeskinder in den späteren Generationen. Wochenrundschau. Der neye ungarische Numerus clausus. Der Numerus clausus, der seit Jahr und Tag in Ungarn das Schibolet ist, an dem sich die Geister nach recht uns links scheiden, ist vom ungarischen Abgeordnetenhause nach langwierigen Debatten, die gewaltiges Echo in der Presse und in Versammlungen verursachten, mit 139 gegen 32 Stimmen angenommen worden. 74 Abgeordnete waren abwesend, oder enthielten sich der 'Abstimmung. Was das neue Gesetz, dessen Annahme auch in der zweiten und dritten Lesung sichersteht, bedeutet, wird erst die Zukunft zeigen. Ganz ist keine Partei von dieser Lösung befriedigt. Die neuen Bestimmungen enthalten im Vergleich zu den alten einige Erleichterungen, dann aber bieten sie den Regierungsorganen und den Universitätsbehörden alle Möglichkeit, je nach Bedarf den Gelüsten der Herren Studenten weitgehendst entgegenzukommen. Der springende Punkt ist, daß das neue Gesetz vom Grundgedanken ausgeht, daß die Juden im Lande nicht wie eine religiöse Gemeinschaft Anspruch auf absolute unverkürzte Gleichberechtigung mit den Ungarn anderen Bekenntnisses erheben dürfen, sondern als N a - t i o n sich mit Minderheitsrechten abzufinden haben, wie sie ihnen eben zugemessen werden. Ganz unabhängig von dem leidigen Streite im jüdischen Kreise über die Schlägworte Nation, Volk, Konfession und religiöse Gemeinschaft, muß sich besagte Auffassung für das Rechtsleben der ungarischen Judenheit katastrophal auswirken. Die anderen Minderheitsnationalitäten, die Deutschen, Tschechen usw. haben einen starken Rückhalt an der Nation jenseits der Grenzen ihres Wirtslandes, deren kulturelle, zuweilen sogar politische Interessen sie ohne Gefahr vertreten dürfen. Die starke Hervorkehrung. der zionistischen Haman —Amalek in jeder Gestalt. Nach dem ersten Kampfe mit Amalek befiehlt Gott Moses (M. II. Kap.) yc?irp ’ano v'vi nsoa nxT ans „Schreibe dieses in ein Buch ein und lege es in die Ohren Josuas usw." Warum schreiben und noch dazu in die „Ohren legen", d. h. mündlich einschärfen? Wiegt das geschriebene Wort nicht viel mehr und reicht es nicht ungleich weiter hm als das mit dem Mund gesprochene? Daß König Saul, gegen das klare Wort und den deutlichen Sinn der Thora, nur an den männlichen Kriegern des amalekitischen Heeres das Vernichtswerk vollzog, alles andere aber verschonte, dankte er, wie der Talmud erklärt, seinem unkorrekten Lehrer, der ihm nnv paajr nat nx. nan so deutete, als bezöge es sich nur auf die Männer, indem er statt „Secher" S o ch o r las. Somit bietet die schriftliche Niederlegung des Gebotes, zumal zu einer Zeit, da man noch ohne Vokale schrieb, keine Gewähr für seine richtige Einhaltung. Moses müßte das Gebot niederschreiben, aber darüber hinaus in die „Ohren Josuas legen", ihm einschärfen, wie das Wort zu lesen sei. Talmud Megillah erzählt: Als Mordechai mit dem erschütternden Geheimnis im Herzen, in Trauer und Asche gehüllt, auf die Straße hinausging, begegneten ihm drei Schulknaben, von denen er sich die ihnen geläufigen Bibelverse hersagen ließ. D^r eine sprach: x-rn Vs. oxng der andere: 'i:n “©in ns» ixiy. der dritte zitierte schteßlich: "isi l>i3vx 'irr ru'w nvi »in 'irr napt *m- Dreimal trat Amalek Israel, in der Wüstenwanderung und in seiner Golusgeschichte, in den Weg. Einmal gleich nach der Ueberschreitung des roten Meeres, wovon die Schriftstellen in nWa und xvn p erzählen. Ein zweites Mal nach dem Tode Ahrons *™,i- Es war in Wahrheit (siehe Raschi) Amalek, der in kananitischen Kleidern mit kananitischer Sprache kam, um Israel zu überrumpeln. Der dritte Amavek war Haman, der Amalek der Purimgeschichte. Der erste Amalek kam urplötzlich wie ein Sturm, wind herangebraust. Für solche Feinde, die plötzlich vom Hinterhalte her kommen, haben wir das Wort: -*i3i oirrnv nnaa kth hu Der zweite Amalek gebrauchte B e r st e l l u n g s - kü nste, kam in fremder Tracht, mit fremder Art, heckte Pläne aus und suchte Israel mit Rat und Ränken beizukommen. Einem solchen Feinde halten wir entgegen: *3' ->sinv 1»'» Haman sagte '"ix vuv' Nach Deutung des Midrasch: „Ihr Gott ist schon zu alt, er schläft, er kümmere sich nicht mehr um sie." Haman muß es aber erleben, bafj Vuox nx na-w n»i xw'jx napt-r»i bis zum Alter und Greisenalter Er ist es, der uns trägt und leitet und errettet.-(Im Namen des Wilnaer Gaon.) Das ewige Gedächtnis der Tat Amaleks wird in xxn ’a mit den Worten begründet: 'ia vpn -p» n»x- Vier Beweggrüdne waren für die Kriege in der Weltgeschichte maßgebend: Rache und Revanche für angetanes Unrecht, Erobernngslust, das Bedürfnis, eigene Kraft und Uebermacht zu erproben und zu zeigen und zuletzt Religionshaß, der Völker in jahrzehntelange Kriege verwickelte. Von keinem einzigen dieser Gründe konnte Amalek zu seinem hinterhältigen Ueberfall auf Israel geleitet worden fein. Es konnten keine Re van che ge. danken gewesen sein, denn sie kannten sich bisher Nie, streßen hier zum ersten Mal aufeinander, (-pp *iwx) E r o b e r u n g s l u lt kann es genau so wenig gewesen sein, da Israel, heimatlos, „auf dem Wege", kein Zoll Boden.abzuringen war. Oma) Kraftprobe? Welchen Ruhm konnte Amalek mit der Ueberwindung eines „matten und müden" Volkes ernten? . ft*vi w) R e l i - giöfe Motive kamen hier ganz gewiß nicht in Frage, denn Amalek kannte keinen Gott, hatte keine Religion. -!^>a»‘ nt o'pVx xt x^>i Bleibt nur Haß in Reinkultur, der Hatz des Haffes wegen. Das kann nicht vergessen werden: 's»" xV- (Nach Malbim.) Kleines Feuilleton. Ehasoko Rabbo. Von Rabbiner Dr. Earlebach in Leipzig. „Und ich rühme mir die Toten, die schon gestorben, mehr als die Lebendigen, die noch leben. Dieses vielzitierte und vielgedeutete Wort des Weltweisen Koheleth drängt sich immer wieder demjenstzG auf, der die Leistungen der Koryphäen entfchwundityer Zeitepochen auf dem Gebiete unserer heiligen Literatür betrachtet und sie zu Hey MWmWMMy. -er 'von

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