Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 7 (16.2.1928)
- Date
- 1928-02-16
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 Nr. 7- _ ' Kolben schlug die rechte Faust zu, wenn es galt, einen Betrunkenen auf die Straße zu setzen. Dieser flog dann gleich bis zum Baume. Wenns nottat, konnte' auch die Schänkerin, Chaje Beile, eine robuste Frau mit buntem Bauerntuche um den Kopf, mit fester Hand anpacken. Und erst der älteste Sohn, Nochum Berke, der die Sprache des Landes in der ganzen Skala ihrer Schmeicheleien, Flüche und. Schimpfworte weit besser beherrschte, als die schwärzen Punkte in den alten Büchern, in denen er nie vorwärtskam, obwohl es Benze Leib nie versäumt hatte, einen M-elamed aus der Stadt im Hause zu hatten. Im nahen Städtchen, wohin Benze Leib zu den Feiertagen kam, nannte man ihn Benze Leib „der w o l h y n i s ch e R i e s e". Er starümte aus dem Wolhynifchen. In der geisterfüllten Atmosphäre der Wilnaer Gegend wuchsen solche Kraftgestalten nicht. ' ' ' ’ f Benze Leib war ein Mann, der sich wohl bewußt war, daß er nicht nur dem „Porig-!, dem Gutsbesitzer, die Pacht schuldete/ daß er auch einem Höheren, an den das weihschwarzgestreifte Stück mit den Fäden über dem groben Hemde stets gemahnte, etwas schuldete. Er hätte einmal irgendwo gelesen, däß die Seele ein kostbar Gewand sei, mit dem man dermaleinst wird vor dem Herrn rein und sauber erscheinen müssen. Ex hatte sozusagen eine rvasseroichte Schurz vor die Seele gebunden, daß sie im Verkehr mit Bauersleuten und Fuhrknechten nicht auf den Grund beschmutzt werde. - Tief im Verbotgenen blieb diese Seele und leuchtete zuweilen hell auf, so am Freitagabend und am Sabbat, da der Krug mit allem, was er an Verdiensten, Arbeit und Aergernissen brachte, nicht existierte, sondern feinem Nachbar Fioderow Kasimski gehörte; sie leuchtete hell auch aus den groben Gewändern hervor Werktags, wenn Benze Leib Zeit fand, in eines seiner wenigen Bücher, die er besaß und verstand, hineinzu schauen — neben Gebetbuch, Pentateuch mit Raschikommentar, Menorat hamaar und ein alter Band religiöser Vorschriften mit jüdischdeutscher Uebersetzung — sie leuchtete noch mehr, wenn einmal der Wind einen würdigen Gast in feine Hütte verschlug und dieser es nicht unter seiner Würde hielt, auf seine, des Unwissenden, Fragen einzugehen. Er fühlte dann sein inneres Gewand von neuem gewaschen, blank gereinigt. (Fortsetzung folgt.) Jüdische Wissenschaft. Von Oscar Lehmann in Mainz. Die Jüdisch-literarische Gesellschaft, Frankfurt a. M. hat mit dem jüngst erschienenen Jahrhuch XVIII ihren Mitgliedern wieder ein wertvolles Geschenk gemacht. Beiträge hervorragender Gelehrter auf den verschiedenartigsten Gebieten der jüdischen Wissenschaft werden uns in einer Gediegenheit und Fülle geboten, daß es für den Berichterstatter schwer wird, auf wenigen Seiten ein Bild der Bereicherungdes Wissens zu geben, die von 14 Nummern des deutschen Teils und den Heiden Aufsätzen der hebräischen Abteilung ausstrahlt. Eine Reihe von Arbeiten erforderte für sich allein eine eingehende, ausführliche Würdigung. Wir beschränken uns darauf in kurzen Worten auf das hinzuweisen, was die einzelnen Arbeiten uns sagen wollen. Der rühmlichst bekannte Rabbiner von Schweinfurt, Dr. Stein, eröffnet die Reihe mit einer gediegenen und lichtvollen Behandlung der Zehngebote. Er zeigt uns wie man sich die Welt, ohne die Ethik, die dort verkündet wird, gar nicht vorstellen kann. Wer seinen Worten aufmerksam gefolgt ist, wird ihm zustimmen, daß mit der Verkündigung der Zehngebote eine neue Welt geschaffen wurde, die Schöpfung >der sittlichen Menschengesellschaft. Dr. Sj. Flesch in Dolni-Kounice, der sich seit Jahren um die Klarstellung der Geschichte der Juden in Mähren bemüht, spricht diesesmal zu uns sowohl im deutschen als hebräischen Teil über die Gemeinde Neu-Bausnitz. Auf Grund reichen archivalifchen Materials ziehen die Ereignisse dort vom Jahre 1554 bis auf unsere Tage an uns vorüber. Treffend ist seine Bemerkung, daß die Entwicklung der Gemeinden auf den kleinen Plätzen mit der Vertreibung der Juden aus den bedeutenderen Städten zusümmenhängt. Bei jeder Schilderung der Geschichte der Juden an solch kleinen Plätzen, die wir dem Fleiße des Erfassers verhänken, erkennen wir, wieviel hervorragende Geistesgrößen, die bis' in unsere Hage hinein kn. HeuWland auf den verschiedensten Gebieten führend warm und sind, den Judengüssen kleiner mährischer Ortschaften entstammen.. Mähren fordert mit Recht eine Ehren- D e r Israelit stellung in der jüdischen GefchMte der jüngsten Jahrhunderte. ‘ " :; Die beiden pädagogischen Abhandlungen, die nunmehr folgen, ergänzen sich. Der um das Wohl der jüdischen Lehrer in Hessen hochverdiente I. Lebermann in Darmstadt schildert uns wieder aus Akten den lang^ wier'igen Kampf, den die Lehrer der hessischen Landgemeinden zu fuhxen hatten, üch zu nstr einigermaßen sttiLDchön, '' HchensveshÄirüssÄi' zu gelan'geü. Dre Lehrerverhältmsse in Hessen bildeneiniIffiftje zu Är herzerfreuenden Schilderung, die' Dr.' Salomon > ÄdKr von der „Entwicklung des Schulwesens der Jutzen jn Frankfurt a. M! bis zur Emanzipation-'" bietet. Bei allen Nöten, die eine judenfeiMM' KlhrrgkolL"über M alte Gemeinde brachte, mgefäfwadft in all ihren Gliedern die heiße Sehnsucht/die Jugeiü» zur Keü-ntnis der Thora zu führen. Adler zeigt uns alle Arten der Unterrichtsanstglten und Lehrmittel. Mir Hegseiten die Dchstler von den Elementarklassen' his zurAbsolvierung''der Hochschule (Jeschiwa).Die Lehrbücher werdeh uns aufgeschlagen, aus' berühmten Merken wetdm 'bedeutsame pghagogische Kapitel ausgesucht. Zahlreiche KeWeiprichtunxM vchr Privaten und Gemeinden prerdpn yorge? fuhrt. Jmcher wieder ist' von' heuen' StistWgM 'für heilige Lehrzwecke zu'bemthM.'' AÄer b'letet^emsn Bericht pon der Opferfreudigst einer" alten jüdischen Gemeinde fürThoralehrer unh deren- Schüler. In «tne andere altbAühmie WMeinste mit ihren Thopagroßem reichbestichten HschiWth und grgßen Bwlwtheken führt' Uns Mr örfolgrÄche PragA:-Geschichtsforscher Prof. H. Lieben mit sÄiren beideN'NachthWern „Die Prager Brgndkatastrophep vo>si 1689 und ij§4\ Was hie "damals Leben^n leihen! msihten/ wird teilnahmDols MfMheN,' Mit blonderer' Mehmuf lesest wir,'Wäß'fii' jeneV'Zeit an kostbaren Schätzen 'Hr stM. schen Wissenschaft vMoren ging. 1 Heute stoch' tragen wir ap dm Verlusten der daMaNgen Katastrophen:' Wir heben nur hervor, daß' ein zweifacher LalfnsihMom? mentar des P. Levi b. Bezalel, des „hohen Rabhi'Low^, Glofstn zü jenem Teil des Gefetzbüches Schukchan Aruch, der Jöre' Deoh genannt' wird, von R. Elfa Spira (Elia Rabb'a) mit vielen anderen kostbaren Handschriften den Flammen zum Opfer Wen. Eine kurze DätMllüng' der Geschichte der hochinteressanten Gemeinde Palöta in Ungarns die Erinnerungen an die Chäsarenzeit bringt, wird uns von dem hochgelehrten gegenwärtigen, dortigen Wbbiner Leo Singer geböten. Dr. M. Meinberg in Neumarkt (s)hexpfglz), der das vorige Jahr' bereits' durch Mn'e wertvolle Miiführung in .das Wesen der MWörbücher (Totengeöenkbücher) das Jahrbuch schmückte, schildert uns das von ihm aufgefundene, bedeutsame Memorbuch von Hagenbach. Dieses Memorbuch mit feinen Märthrerliften bietet ihm neue Beweismittel, daß das Äte Mainzer Meinörbuch in der Tat aus Mainz stammt und nicht Nach Nürnberg gehört, wie manche Gelehrte glaubten zeigen zu können. Dr. N. M. Gelber in Wien erinnert an die Damaskusaffäre von 1840,' üm uns aus den Archiven ein reiches Aktenmaterial herauszuholen, das uns zeigt, was die Juden dem alten Metternich und seinen Diplomaten bei der Zerreißung dieses Lügengewebes zu verdanken haben. Die Akten zeigen deutlich, mit welchem Rechte Cremieux in. einer Wiener Rede sagen konnte, daß Oesterreich - damals .zuerst den Unterdrückten eine hilfreiche Hand gereicht habe. Ch. B. Friedmann aus Czernowitz bringt einen punktierten (vokalisierten) Mischnatext, ein Stück aus der Sammlung jüdischer Gesetzesüberlieferungen (aus der Altkairoer Geniza). Die Punktation ist die babylonische. Mehr aber als diese Merkwürdige Punktation. fesselt unsere Aufmerksamkeit der altüberlieferte punktierte Mischnatext, da wir ja sonst nur unpunktierte derartige Texte aus früheren Zeiten kennen. . Heber das Urheberrecht ist in 'der gegenwärtigen Zeit viel geschrieben, noch mehr in Parlamenten verhandelt und entsprechende Gesetze erlassen worden. Des Wiener Rabbiners Dr. S. FUnck lichtvolle Darstellung vom „Schutz der geistigen Arbeit in der Halacha" (der jüdischen Gesetzesvorschrift) wird deshalb viele aufmerksame Leser finden. Bon den „Siebengemeinden" im Burgenlande (unter den Juden unter der hebräischen Bezeichnung Schewa Kehilloth betank) wird vielgesprochen, jedoch um die Geschichte und Eigenart dieser so lange segensreich wirkenden Gemeinden haben sich nur sehr, wenige bislang gekümmert. Deshalb wird man L. Moses in Wien dankbar sein, für seine „Inschriften und Urkunden" aus diesen Gemeinden. Die Veröffentlichungen werden von zwei höchst wertvollen Studien beschlossen. Der Astronom Dr. B. Cohn in Straßburg (Elf.) gibt die seit langer Zeit von vielen ersehnte- Erklärung der neun astronomischen Kapitel der Hilchot Kiddusch ha Chodesch des Maimonides (Vorschriften über die Verkünidgung des Neumondes). In vorbildlicher Weise wird dieses Sehnen befriedigt in der Abhandlung „Vorausberechnung der. Sichtbarkeit der. neuen Mondssichel", die eine hervorragende Zierde des Jahrbuches bildet. Der Name des gefeierten Historikers Moritz Sterr^ bürgt schon dafür, daß wir in dem nach ärchivalischen Quellen gezeichneten ^Regensburger Judenprozeh -X476 bis 1480" eine wissenschaftliche Darstellung ersten Ran-, ges erhalten. Die Folgen des herüchtigten Trientiner Lugprozeffes für die' berühmte deutsche Gemeinde Megensburg hätten nicht bester und anschaulicher KösWdert wertzen können. / '' , ' - Im' hebräischen Teil -Wert der erstss Kenner der Kmtstwerke der jüWch-,spMffchen D'ichkerschM^ Oberrabbiner Dr. Brody^Prag wertvolle EEarüngen und 16 Februar 1928 Bemerkungen zu der GediE^Unächg''^EarsArfH"::-des gM-ialen Dichters Moses Jbn Csra! Wir 'wölwn unsere Uebersicht nicht schließen; ohne auf die tiefempfundenen „Gedenkworte" hinzuweisen, die RabhKer ^Äx. Sa-lomon Breuer und Rabbiner Dt. H. EhrentM'-gewidmet sind. Auch bei - den Anzeigen begrüßen wir es dankbar; auf die Arbeitsmethode A,. Kaminkas bei Zurückweisung radikaler Bibelkritik ausmerksarn gemacht zu werben. Die SchrWeitung des Buches lag in den Händen RÄH. Dr. Bondis-Madnz. -- "! (Zur Geschichte der Rabbiner-Autorisation.) Im Mirchlalter wär. lange Zest die Wurde M Babbznexs eine "Anerkennung" der öffentlichen Meinung uM" nicht, wie in unserer Zeit, ein guf Gruntz von Zeugnissen, die die RabbinerauiorifaüyN ° beglaMgeü, erstrebtes Amt. Nicht nur, daß die Rabbiner kM Mhall hezogen, sie . mußten rn der Regel buch noch W' Msten'der Gemeinde mittragen. Die Anerkennung atz? Rabbiner setzte. daher außer jüdischem Wissen materielle ünabhängigkeit vor« otti" Da aus diesen 'Verhmtnisten sich MißsMroe herausbildeten, so beschloß RabU' Meir MlM Ms"Fmöä> her lM^IM RabMer jn WW char, btz Mstst Äliche SeMiM Uchvv) durch welchen Akt die Meister Mnäer des Berufs vsürdig ^klaMn/ wiMr '^eiMNfEAr. ÄngerM'rvar-er-h^hrsWWch auMchurch^dlke 13M gegründete:' Wien er ÜnivsrsttM wordtti> HM die P r h m o t j o n b.egrünhese. MNj - Einfluß 'von gußeü Synagügtz 12! Jahrhundert WlhxeiM/ '' —;! " •; * " Die Neuerung des Rabbi Meir Haleoi rief heftiger» Widersprach Mrvor/ ' BefonDrs Mbm Zfaak ben Uchefchev-.in Valencia, tzenMN''„Rwüsch", Mff ihn scharf an. •”' ' ^-S.G.s'- (lo. Iahr der „Iudstchey Pretzzentrale.) Mit Pegistn des Janpar IW fräs die von Hexrn OSM Drün ist' Zürich " höraüsgegebene ^Zud'ifche PdeßMtrale" in ihren 10. JahrtzaW ein.' ^Aus ^diesem Anläß'überreichte hje Redaktion ihren' Lesern eine Illustrierte Broschüre „Peiseejnhrücke aus Palästina".' Di§ erste Numcher hes nOen 'Jahrgangs erfchsen in erweikertem UmfänW und reich-^aüsKstättet. IU"': ist ühd bieibtderBestei '.geruchlos kVfl waffitim npoom die uielDmo/yyten md hochwecticjen QiiaiMis-Erzeuanme derFirma ■ ItenriQl/'lQcti Nac/ifMlmaD. , APRRTE BELEUCHTUNGSKORPEi IS» 7250 M.7S~ rut&Arrrtcn LerantÄortltch io ibltz; ^sße . SaufLann Hr Gr.?-WerchLck)"- - ÄLüag;3sradtt“, ®. m. b. Frankfurt a.M. — Druck Sermon Berlaa»» /