Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1928-02-09 · Heft 6 (9.2.1928) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 6 (9.2.1928)
Date
1928-02-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2450495-2450500--74683-2532168
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1ÖHB.1928 „ 9. Februar 1928 Frankfurt a. AI., den i8. schewat5688 Nr. K Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. -Abonnement ab Januar 1824: Deutschland 1 Goldmark monatlich; Ausland: Vierteltahwreise (entsprechend dm deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Bersandes) Deutsch-Österrech Schilling 8.—; Amerika I Dollar; England 4 sh.; ab 1. Juli checkkonto Frankfurt (Main) llr. 19802. — -Warschau Nr. 190 — Postscheckamt Zürich Nr. VIII 7254 — Inkasso-Bank Rotterdam Bukarest - Filiale des Wiener Bankvereins in Agram. — Der Gerichtsstand für alle »ngen direkt an Den Öerla^ auf Pof Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 40 Goldps. für die fiebengespaltene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bet Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 80®f. Die 75 mm breite Reklamezeile: letzte Textseite 1.60 Mk., vorletzte Textseite 2.— Mk.; Chiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden Jnserataüfttägen tarifm-, Preiserhöhung jede«. Vorbehalt. Jnferatenannahme durch den Verlag des Israelit G. m. b. tz., Frankfurt a. M., Rechnetgrabenstraße 7, Tel. Hansa 6842 sow. durch sämtl. Annoncen-Deped. des In- und Auslands. Alleinige Jnseratenann. für Franks. GeschLftsanz.: Jul. SchmidtHangestr. 7, II, Tel. Hansa 4641. Platzvorichr. ohne Verbindlich!. Nr. 184i4. — Postscheckkonto i Llruck & Co. ttt „„ ianca Marmarosch 1 »Verpflichtungen ist Frankfurt a. M. Sabbatwacht. Bon Rabbiner Dr. Hermann klein in Berlin.!ji2bm DK '22 Hann „Und es sollen hüten die Kinder Israels den Sabbat!" Diese Worte unserer Thora legen einem jeden Jehudi die Pflicht auf, für die Einhaltung des Sabbaths seitens eines.jeden Jehudi zu sorgen. Wenn ich einen Hüter und Wächter bestelle, so hat der Hüter und Wächter die Pflicht, darüber zu wachen, daß sich niemand an dem seiner Obhut anvertrauten Gegenstand vergreife. Er hat seine Aufgabe gar nicht begriffen, wenn er glaubt, daß er seiner.Aufgabe gerechtgeworden ist, wenn er, der zum Hüter und Wächter Berufene, für sich den Gegenstand seiner Fürsorge nicht antastet. Zu mip n'i' an verpflichtet uns unser Schöpfer und Gesetzgeber, ein jeder von uns sei Hüter und Wächter der herrlichsten Gabe, die Gott uns aus seiner Schatzkammer anvertraut hat, nur derjenige ist ein treuer Hüter und Wächter, der die in dieser Aufforderung enthaltene Verpflichtung anerkennt, dafür sich mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln einzusetzen, daß der Sabbath von allen, an die der Ruf des -naizn *rot am Sinai ergangen ist, gehalten werde. Ich bin daher überzeugt, daß der Ruf, der in diesen Blättern an die rau? naiw ergangen ist, in allen Kreiserr lebhaften Widerhall finden wird. Es gibt kaum jemanden, der sich nicht des tiefen Ernstes bewußt ist, den das Sabbathproblem gerade für unsere Zeit gewonnen hat, und ich bin überzeugt, daß aus allen Kreisen Männer sich finden werden, die, den ungeheuren Ernst der Situation begreifend, sich in den Riß stellen werden, um den Sabbath für das jüdische Volk und das jüdische Volk für den Sabbat zu retten. Es gibt in unserer Zeit kein brennenderes Problem und es hat kein Jehudi das Recht, sich der Erörterung zu entziehen, sondern jeder die Heilige- Pflicht, sich in das Problem zu vertiefen. Derr lichkeit einer Lösung verzweifeln. Und doch muß es eine Lösung geben. Gott, der Gesetzgeber, ist auch Gestalter aller wechselnden Zeitverhältnisse und er kann keine Verhältnisse schaffen, in denen die Erfüllung seiner Gesetze zur Unmöglichkeit wird. Welch anderen Sinn könnte das tiefe Wort unserer Weisen x-121 mim tma n"npn ".1 aVivn nx haben als den, daß Gott seine Welt seiner Thora entsprechend geschaffen hat, daß also in seiner Welt die Erfüllung seiner Gebote immer möglich sein muß, da ja die Thora das Primäre und die Welt das Sekundäre war, da ja die Thora der Plan war, nach dem die Welt geformt, da ja die Thora das Werkzeug war, mit dem das All gezimmert wurde. Wenn wir also auch überzeugt sind, daß die Lösung von Männern des Wirtschaftslebens ausgehen muß, so halten wir uns doch für verpflichtet, auf einige Seiten des Problems hinzuweisen, die sich uns im Laufe der Jahre aufgedrängt haben und die ebenfalls dringend eine Lösung erheischen. Im Sprechsaal der gleichen Nummer erschien ein Schrei aus Angestelltenkreisen, der die Verzweiflung eines abgebauten Angestellten in gellenden Tönen vermittelte, der alsrnw laiw keine Stelle zu finden imstande ist, um sich und die Seinigen auch nur kümmerlich zu ernähren. Wer, der im öffentlichen jüdischen Leben steht, kennt diese Tragödien nicht! Und wem hätten'sie nicht schon schlaflose Rächte verursacht. Aber diese Tragödien sink nur ein Ausschnitt des Sabbathproblems und die Lösung dieser einen Seite des Problems kann gar nicht in Angriff genommen werden, wenn man nicht auch die andere Seite des Problems beachtet. Denn es gibt nicht nur ein Sabbatproblem der Angestellten, also der Arbeitnehmer, sondern auch ein Sabbathproblem der Arbeitgeber und u. E. kann diese eine Seite des Problems gar nicht gelöst werden, wenn man für die andere Seite keine Lösung findet. Die schwierigen Wirtschaftsverhältnisse haben dazu geführt, daß die kleineren Firmen immer mehr und mehr verschwinden. Wir nehmen im allgemeinen die. Versuch zur Lösung muß allerdings von KreisesTendenz der Vertrustung und der Konzernbiluntiernommen werden, die im Wirtschaftslebv’ ”’v'r ,r ** r " stehen und über die Wege und Mittel, die zW Lösung führen können, besser unterrichtet sink als diejenigen, die vielleicht den Ernst der Situation schwerer empfinden, schon aus dem einfachen Grunde, weil sie , die Möglichkeiten der Entwirrung nicht sehen und weil an sie alle Herantreten, die für-sich persönlich an der Mög- Kung wahr und auch die jüdische Kaufmannschaft steht sich immer mehr und mehr dazu gedrängt, Anschluß an diese Konzerne zu suchen. Es läßt sich eben nicht gegen den Strom schwimmen. Von der allgemeinen Notlage des Mittelstandes ist der sabbäthhaltende jüdische Mittelstand am schwersten getroffen worden-. Und leider mehren sich von Tag zu Tag die Anfragen beiden Rabbinaten, wie man mm 1-112 . sich mit Nichtjuden associeren kann, damit man für sich und die Seinigen das Existenzminimum sichern kann. Es handelt sich bei diesen Anfragen keineswegs immer darum, den Weg zu finden, wie man den Sabbath umgehen kann, sondern meistens sind diesen Anfragen schwere innere Seelenkämpfe vorangegangen und diese Anfragenbedeuten auch für die religiösen Instanzen schwere Gewissensfragen, bei deren Entscheidung sicherlich ein jeder Raw die Empfindung hat: dx nx naix üb ax 'b 'ix naix- So selbstverständlich es für einen gewissenhaften Raw ist, daß er seine Hand nicht dazu bieten wird, eine Umgehung des Schabbos zu ermöglichen, so schwer wird es ihm auch werden, einen pin ’S ^>3/ möglichen irrn dort zu versagen, wo es sich tatsächlich um Gefährdung von jüdischen Existenzen handelt und wo alle vom Din vorgeschriebenen Vorbedingungen gegeben sind. Und doch muß man sich sagen, daß bei dieser Rettung van Existenzen die Vernichtung von anderen Existenzen sich kaum vermeiden läßt. Denn es ist selbstverständlich, daß in Betrieben, die am Sabbath geöffnet sind, auch eine ganze Reihe von Angestellten sein müssen, die auch am Sabbath die Arbeit verrichten, denn man öffnet doch nicht die Betriebe am Sabbath, damit sie feiern. Und es ist eine psychologische. Unmöglichkeit, daß die Chefs derartiger am Schabbos offenen Betriebe N2D '-ranz? in größerer Zahl anstelten. Eine jede Aktion für mw imw muß daher hier einsetzen. Es muß gelingen, den jüdischen Mittelstand zu stärken, damit diese tp-mn nicht nachgesucht werden müssen. Unendlich viel Seelenpein würde den Kaufleuten und auch den Rabbonim erspart bleiben. Man gebe sich nur keiner Täuschung hin. Diese selbst wenn sie nach gewissenhaftester Erwägung aller Verhältnisse und Umstände und unter Berücksichtigung der Interessen aller Beteiligten, auch derjenigen der Angestellten, erteilt werden, sind von nachteiliger Wirkung, nicht nur vom sozialen Gesichtspunkte aus, daß weniger sabbathhaltende Stellungssuchende eine angemessene Stellung finden können, sondern auch vom religiös sittlichen Standpunkte aus. Es stumpft sich das Gefühl für die ungeheure Bedeutung des Sabbaths für das ganze religiöse Leben ab, das Gefühl, daß man zum Hüter und Wächter des Sabbath bestellt ist, der große Gedanke des mv nbw 1N2W2' daß man mit dem Sabbath, mit der strengen Hut des Sabbath allwöchentlich sein

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.